Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Geschichte der Spracherwerbsforschung 5
2.1 Überblick über die Sprachphilosophie von der Antike bis Humboldt 5
2.1.1 Platon (428 348 v Chr ) 5
2.1.2 Aristoteles (384 321 v Chr ) 6
2.1.3 Augustinus (354 430 ) 7
2.1.4 Descartes (1596 1650 ) 7
2.1.5 John Locke (1632 1704 ) 8
2.1.6 Immanuel Kant (1724 1804 ) 8
2.1.7 Wilhelm von Humboldt (1767 1835 ) 9
2.2 Die Frage nach dem Ursprung der Sprache 9
2.2.1 Johann Peter Süßmilch (1707 1767 ) 9
2.2.2 Jean-Jacques Rousseau (1712 1778 ) 10
2.2.3 Johann Gottfried Herder (1744 1803 ) 10
2.2.4 Dietrich Tiedemann (1748 1803 ) 10
2.3 Der Beginn der Spracherwerbsforschung 11
2.3.1 Clara und William Stern (1877 1948 1871 1938 ) 11
2.3.2 Karl Bühler (1879 1963 ) 12
2.3.3 Benjamin Lee Whorf (1897 1941 ) und Edward Sapir (1884 1939 ) 12
2.3.4 Roman Jakobson (1896 1982 ) 13
3. Erklärungsmodelle zum Erstspracherwerb 14
3.1 Behaviorismus 14
3.2 Nativismus 14
3.3 Kognitivismus 15
3.4 Interaktionismus 15
3.5 Mehrsprachigkeit 16
4. Stadien des Erstspracherwerbs 17
4.1 Die Lautentwicklung 17
4.2 Die Entwicklung des Wortschatzes 17
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4.3 Der Syntaxerwerb 18
5. Aspekte des Zweitspracherwerbs 18
5.1 Gesteuerter Zweitspracherwerb 18
5.2 Ungesteuerter Zweitspracherwerb 19
6. Schlussbemerkung 19
Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Im 7. Jahrhundert vor Christus - so überliefert es Herodot - ordnete der ägyptische König Psammetich I. ein wissenschaftliches Experiment an, mit dem er herausfinden wollte, welches „die Ursprache der Menschheit sei“ (Zimmer 1986: 7). Er übergab zwei Neugeborene einem Ziegenhirten und wies ihn an, die Jungen inmitten seiner Herde aufzuziehen, jedoch niemals auch nur ein Wort zu ihnen zu sprechen. Als man sie nach zwei Jahren zurückholte, riefen die Buben, so Zimmer, nichts außer der Silbe bec, mit der sie wohl nur das Meckern der Ziegen nachahmten. Der König ließ nachforschen, ob das Wort becos in irgendeiner Sprache eine Bedeutung habe und erfuhr, dass die Phryger das Brot mit diesem Namen bezeichneten. Psammetich I. war nun davon überzeugt, dass die Phryger das älteste Volk der Erde sein müssten, und ihre Sprache die Ursprache aller Menschen. Im 13. Jahrhundert ließ der deutsche Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen ein ähnliches Isolationsexperiment an Waisenkindern durchführen. Gut zweihundert Jahre nach ihm versuchte Jakob IV. von Schottland die Existenz einer Ursprache so nachzuweisen.
Die These von einer gemeinsamen Ausgangssprache aller Völker hat sich bis heute nicht bestätigt. In den Experimenten zeigt sich jedoch schon früh ein Bewusstsein des Menschen dafür, dass die „Kindersprache ein Schlüssel zum Verständnis des menschlichen Geistes“ (Klann-Delius 1999: 9) [Hervorhebung im Original] und damit zum menschlichen Selbstverständnis ist.
Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Spracherwerbs liefern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung. Spracherwerbstheorien, die Stadien des Erstspracherwerbs und Formen des Zweitspracherwerbs werden ebenfalls kurz behandelt.
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2. Die Geschichte der Spracherwerbsforschung
Das Gebiet der Spracherwerbsforschung berührt verschiedenste Wissenschaftsbereiche. Nicht nur die Psycholinguistik sondern auch die Psychologie, die Pädagogik und selbst die Naturwissenschaften befassen sich mit dem Phänomen des Kindspracherwerbs. Als Wissenschaft begründet wurde die Kindersprachforschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch genaue Beobachtung und systematische Datensammlung wollte man die gesamte Entwicklung des Kindes nachzeichnen, darin eingeschlossen den Spracherwerb.
Das Nachdenken über Sprache hatte jedoch schon lange vorher begonnen. Bereits in der Antike versuchte die Sprachphilosophie das Wesen der Sprache zu ergründen. Im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion standen die Frage nach der Entstehung von Sprache sowie das Verhältnis von Sprache und Denken. Obwohl dabei die Sprechkompetenz des Erwachsenen als Bezugspunkt diente, lieferten die gewonnenen Erkenntnisse wichtige Anhaltspunkte für die spätere Wissenschaft der Kindersprach-forschung.
2.1 Überblick über die Sprachphilosophie von der Antike bis Humboldt
2.1.1 Platon (428-348 v.Chr.)
In der Debatte über das Wesen der Sprache bilden sich in der griechischen Sprachphilosophie schon früh zwei gegensätzliche Meinungen heraus. Die eine Seite sieht Sprache als natürlich an (griech.: phýsei), d.h. als von Geburt an im Menschen veranlagtes Wissen. Für die andere Seite ist Sprache konventionell (griech.: thései), also das Ergebnis von Überlieferung und Aneignung. Diskutiert wird über „das Verhältnis von Sprache, Erkenntnis und Wirklichkeit“ (Coseriu 2003: 37). Drückt Sprache das aus, was tatsächlich ist, oder ist sie nur ein Spiegel dessen, wie wir die Welt begreifen? Die Sprachphilosophie spricht hierbei von der Wahrheit oder Falschheit der Namen (vgl. Coseriu 2003: 34).
Im Dialog Kratylos erörtert Platon das Problem auf der Wortebene, wobei er einen natürlichen Bezug zwischen dem Wort und dem bezeichneten Gegenstand herstellt. Zwar sei das Wort nicht gleich dem Gegenstand, den es benenne. Jedoch stehe hinter jedem Gegenstand eine höhere Wahrheit, die durch das Wort benannt werden könne. Sowohl Name als auch Benanntes hätten Anteil an dieser Wahrheit und stünden deshalb in einer natürlichen Beziehung zueinander. Diese Auffassung spiegelt sich auch in
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Platons Ideenlehre wider, nach der das konkrete, vergängliche Ding Anteil hat an der universellen und unvergänglichen Wirklichkeit seiner Idee (vgl. Borsche 1996: 25). Den Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Sprache erläutert Platon im Dialog Sophistes. Er behauptet, dass sowohl Wahres als auch Falsches gesagt werden könne. Damit richtet sich Platon gegen die damals vorherrschende Meinung, dass „Falsches Sagen gleichzusetzen [sei] mit dem Sagen von Nichtseiendem“ (Borsche 1996: 27). Platon macht auf den Unterschied zwischen Falschem und Nicht-Seiendem aufmerksam. Das Nicht-Sein existiert nicht, das Falsche jedoch kann durchaus existieren, nur ist es in der konkreten Rede unzutreffend. Denn jede Rede, die eine Aussage enthält, verneint zugleich alle Aussagen, die sie nicht enthält (vgl. Coseriu 2003: 63). Obwohl Platon sich in seinen Schriften nicht explizit mit der Entstehung und dem Erwerb von Sprache beschäftigt, gibt die Ideenlehre Aufschluss über seine Ansichten dazu. Das Wissen von den Dingen beruht Platon zufolge auf dem Wissen von den Ideen dieser Dinge, die der Mensch bereits in einem früheren Leben sehen durfte. „Menschliches Wissen [...] ist demnach [...] Wiedererkennen eingeborener Ideen, die Sprache zum Ausdruck bringt“ (Klann-Delius 1999: 4).
2.1.2 Aristoteles (384-321 v.Chr.)
Platons Schüler Aristoteles richtete sich weitgehend gegen die naturalistische Auffassung seines Lehrers. Allerdings lässt er sich auch der thései-Auffassung nicht eindeutig zuordnen. Aristoteles geht es nicht so sehr um den Ursprung der Sprache als vielmehr um deren Ziel und Zweck. Wichtig ist für ihn nicht mehr das Verhältnis zwischen Name und Gegenstand, sondern die Bedeutung des Namens für den Menschen und die Wirklichkeit (vgl. Coseriu 2003: 72). In seiner Schrift De interpretatione bewegt sich Aristoteles weg von der Ideenwelt Platons hin zur Vielfalt der realen Welt. Die Fülle von Möglichkeiten, die in der Natur angelegt sei, müsse sich erst zu ihrer Bestimmung hin entwickeln. Entsprechend müsse der Mensch seine Redegabe zur Entfaltung bringen (vgl. Klann-Delius 1999: 4).
Für Aristoteles ist kein Name phýsei, d. h. naturbedingt. Seine Bedeutung erhält er durch die jeweilige Ausdrucksabsicht des Sprechers. Je nach Sprecherintention kann also ein und derselbe Name in verschiedenen Situationen unterschiedliche Bedeutungen haben. Der Name ist nicht das Sein selbst, wie noch bei Platon, sondern nur Symbol des Seins. Die Diskussion um die absolute Richtigkeit oder Falschheit der Namen wird damit hinfällig (vgl. Coseriu 2003: 73, 81).
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Rebekka Hahn, 2006, Aspekte des Spracherwerbs - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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