Essay - Unabhängigkeitsbewegung in den nordamerikanischen Kolonien___________________________________________________________________________ Salutary Neglect
In der Zeit vor und während des Siebenjährigen Krieges verfolgte die britische Krone eine so genannte „policy of ‚salutary neglect’. The colonists were allowed to pursue their economic destinies; and while mercantilist laws remained on the books, government officials and colonists alike understood that they were not to be enforced vigorously” (SCHEIBER 1976. S.59). Das Molassegesetz von 1733 beispielsweise belegte Rum mit einem so hohen Zoll, dass der Schmuggel und die Bestechung der Zollbeamten Gang und Gebe wurde und das Gesetz größtenteils ignoriert wurde. „Die englischen Behörden drückten ein Auge zu, und einige von ihnen gaben offen zu, dass im Grunde das im unerlaubten Handel verdiente Geld den englischen Kaufleuten und Fabrikanten zugute komme“ (NEVINS/COMMAGER 1958. S.82). Unter dieser wohlwollenden Wirtschaftspolitik des Mutterlandes florierte die amerikanische Ökonomie selbst während des Krieges, die Bevölkerung wuchs und eine breite Mittelklasse erlangte Wohlstand (ADAMS 2000. S.1). Der Ressourcenreichtum der Kolonien und die unaufhaltsame Expansion gen Westen trugen ebenfalls zur stets positiven Lage der amerikanischen Wirtschaft bei.
Acts of Trade and Navigation
Als die britische Krone unter dem neuen König George III 1763 nun beschloss, die Kolonien einen fairen Beitrag zur Lösung der finanziellen Nöte des Empires zahlen zu lassen, da „sie langfristig am meisten vom Ende der französischen Kolonialherrschaft profitierten“ (ADAMS 2000. S.2), rechnete sicher niemand mit einer so folgenschweren Ereigniskette wie sie nun ausgelöst werden sollte. Auch unter den einflussreichen Kolonisten gab es kein Abkommen, „nun entschiedener als bislang der Kolonialmacht eigene Kompetenzansprüche entgegenzusetzen oder gar den Geltungsbereich der britischen Verfassung zu verlassen und die staatliche Unabhängigkeit anzustreben“ (ADAMS 2000. S.1). Allerdings wurde in den kommenden Monaten und Jahren schnell klar, dass „the threshold at which the Americans considered British legislation to have become ‘intolerable’ was remarkably low, and the degree of resistance they proved willing to mount was remarkably high” (SCHEIBER 1976. S.6).
Am Ende des Krieges mit Frankreich waren „viele einfache Leute (...) landhungrig. (...) Es gab ein Durcheinander von Claims, Käufen und Vermessungen“ (NEVINS/COMMAGER 1958. S.84). Mit Bodenspekulationen und Pelzhandel im Westen war viel Geld zu verdienen und „eine Terraingesellschaft nach der anderen wurde gebildet“ (NEVINS/COMMAGER 1958. S.84). Es gab Zusammenstöße mit verschiedenen
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Essay - Unabhängigkeitsbewegung in den nordamerikanischen Kolonien___________________________________________________________________________ Indianerstämmen, denen Land abgekauft oder einfach abgenommen wurde und die sich zur Wehr setzten. Der König wusste sich kaum zu helfen und erließ 1763 ein Gesetz, wonach alle Gebiete jenseits der Appalachen den Indianern zugesprochen wurden und dort keine kolonialen Siedlungen oder Landkäufe erlaubt waren. Dieses Gesetz „schien jene Tür zuzuschlagen, deren Öffnung die Amerikaner eben erst im Kampf mit den Franzosen erzwungen hatten“ (NEVINS/COMMAGER 1958. S.85). Eine erste wirtschaftliche Einschränkung der amerikanischen Kolonien war somit vollzogen. 1764 verabschiedete das britische Parlament dann einhellig den Sugar Act, der Zucker und Kaffee besteuerte, wenn er nicht aus britischen Häfen eingeführt wurde. Zwar wurde der Zoll auf Molasse gegenüber dem Gesetz von 1733 um die Hälfte reduziert, da er aber nun auch tatsächlich eingetrieben und Schmuggel unterbunden werden sollte, steigerten sich die Abgaben für die Kolonisten enorm. Die im englischen Parlament einflussreichen Zuckerrohrplantagenbesitzer der britischen Karibikinseln wurden so vor Konkurrenz aus Frankreich geschützt (ADAMS 2000). Zudem wurden weitere Rohstoffe auf die Liste der Enumerated Goods gesetzt (Produkte, die nur nach England verschifft werden duften), „mit dem ausdrücklichen Ziel, die Einnahmen aus den Kolonien zu steigern“ (DIPPEL 1985. S.44). Die Reaktion in den Kolonien war laut und empört. Das Gesetz sei „der Versuch, freie Engländer ohne ihre Zustimmung mit Steuern zu belegen“ (DIPPEL 1985. S.45). Der Ruf no taxation without representation wurde erstmals laut und man forderte eine Gleichbehandlung mit Schottland, das seit 1707 Abgeordnete in das britische Parlament sandte. Der Protest beschränkte sich hierbei jedoch auf die wirtschaftliche und politische Elite. Die Mittel- und Unterklassen bekamen von den Änderungen kaum etwas mit. Die Unruhe in den Kolonien wurde für England zur Krise, als im Jahr 1765 mit dem Stamp Act alle Druckerzeugnisse besteuert und somit alle Kolonisten mit der neuen Politik der Briten konfrontiert wurden. Nicht nur die sozioökonomische Elite war nunmehr betroffen, sondern die breite Öffentlichkeit wurde mit „allgemeinen Parolen über die Verfassungswidrigkeit und den freiheitsbedrohenden Charakter“ des Gesetzes mobilisiert (DIPPEL 1985. S.47). Durch die Besteuerung der Zeitungen und Zeitschriften hatte man sich auch die Presse zum Gegner gemacht, die nun einen „regelrechten Propagandakrieg gegen Großbritannien“ auslöste (HEIDEKING 2004. S.18). Gewaltsame Demonstrationen gegen englische Mandatsträger erreichten, „dass schließlich alle von der britischen Regierung mit der Eintreibung der Stempelsteuer Beauftragten ihre Kommissionen niederlegten, bevor das Gesetz“ überhaupt in Kraft trat (DIPPEL 1985. S.47ff.). Ein interkolonialer Kongress von neun der insgesamt dreizehn Kolonien tagte im Oktober 1765 zum ersten Mal und erklärte
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Essay - Unabhängigkeitsbewegung in den nordamerikanischen Kolonien___________________________________________________________________________ den Stamp Act für verfassungswidrig, da er “Steuern ohne die Zustimmung der Betroffenen oder ihrer gesetzlichen Vertreter auferlegte” (DIPPEL 1985. S.48). Es wurden britische Produkte boykottiert und Importe gestoppt, „eine Maßnahme, die ihre ökonomische Wirkung in England nicht verfehlte und zur Petition der Londoner Kaufmannschaft vom Januar 1766 um Rücknahme des Stempelgesetzes führte“ (DIPPEL 1985. S.48). Im Mai 1766 gab die britische Regierung schließlich nach und widerrief das Stempelgesetz „nicht ohne warnende Stimmen,“ die eine Verschlimmerung der Lage erwarteten, wenn man die Kolonisten so zum Widerstand ermutigte (DIPPEL 1985. S.49). Im kolonialen Jubel um den Erfolg ging der gleichzeitig veröffentlichte Declaration Act erst einmal unter. Die darin ausgedrückte unbegrenzte Souveränität des britischen Parlaments machte jedoch einen starken Eindruck auf die ökonomische Elite der Kolonien. Sie fühlte sich durch diese allmächtige Legislative des Mutterlandes „ökonomisch und politisch herausgefordert und in ihren Positionen gefährdet,“ während sich in den übrigen Gesellschaftsklassen langsam Vorstellungen entwickelten, „wie die Krise zur Verbesserung der eigenen ökonomischen und politischen Situation genutzt werden könnte“. Sie waren „zunehmend politisiert“ worden und fingen an, politische Forderungen anzumelden, sowohl an die Kolonialmacht, als auch an die eigene Elite (DIPPEL 1985. S.51ff.).
Im Sommer 1767 unternahm die britische Regierung unter ihrem Schatzkanzler Charles Townshend einen weiteren Versuch, den amerikanischen Kolonien Zölle aufzuerlegen. Der Import von alltäglichen Waren wurde besteuert, so zum Beispiel von Papier, Tee, Glas und Leder. Außerdem wurde eine amerikanische Zollbehörde geschaffen, „die dem britischen Finanzministerium unmittelbar unterstellt war“ und kontrollieren sollte, ob die Zollbestimmungen eingehalten wurden (DIPPEL 1985. S.51). Es kam erneut zu Importverweigerungen und Massendemonstrationen vor allem in New York, außerdem wurden Fürsprecher der englischen Politik unter Druck gesetzt, weshalb das Parlament von Massachusetts 1768 zweimal aufgelöst werden musste. „Die Londoner Regierung verschlimmerte die Lage durch politische und psychologische Fehler, vor allem durch unentschlossenes Schwanken zwischen Konzilianz und Härte“ (HEIDEKING 2004. S. 18). Nach einem deutlichen Rückgang des Handelsvolumens wurden 1770 alle Townshend Zölle zurückgenommen. Den Teezoll allerdings ließ die Regierung bestehen, weil „der am meisten Geld einbrachte und zur Wahrung des Prinzips“ (HEIDEKING 2004. S.19). In den folgenden Monaten gab es immer wieder kleinere Reibereien zwischen den Kolonisten und den britischen Truppen, bis am 5. März 1770 das Boston Massacre zu einem weiteren Propagandafeldzug der amerikanischen Presse gegen England führte. Die lokale
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Arbeit zitieren:
Mara Pankau, 2006, Welche wirtschaftspolitischen Konflikte mit dem Mutterland England führten zur Unabhängigkeitsbewegung in den nordamerikanischen Kolonien?, München, GRIN Verlag GmbH
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