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Hauptseminararbeit, 2007, 27 Seiten
Autor: Brigita Jeraj
Fach: Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Deutsch als Fremdsprache)
Tags: Film, Variation, Perspektiven, DaF-Unterricht, Sprachvariation
Jahr: 2007
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-90691-3
ISBN (Buch): 978-3-638-90696-8
Dateigröße: 213 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Sprache ist Variation und lebt davon: Sprachnorm und Sprachwirklichkeit beeinflussen sich gegenseitig und es entsteht ein flexibles Gleichgewicht, das die Sprache lebendig werden lässt. Daraus ergeben sich vor allem für den DaF-Unterricht interessante Ansätze. Denn wie geht man mit Variation um? Und inwieweit ist es möglich, das idealisierte Standarddeutsch hinter sich zu lassen oder vielmehr eine optimale Verknüpfung herzustellen und in den Unterricht zu integrieren? Schließlich werden die Lerner außerhalb der Klassenräume ständig mit der Variantenvielfalt des Deutschen konfrontiert. In den letzten Jahren beschäftigt sich die Linguistik und die Didaktik vermehrt mit diesem Thema. Roche (2006) regte an, Variation als Chance zu sehen und etwa die Kanak-Sprak im Hinblick auf Integration und Nutzung der natürlichen Mehrsprachigkeit in den Unterricht mit einzubeziehen. Ein weiterer interessanter Bereich für den Einsatz im Unterricht ist der des Film- und Fernsehens. Zum einen, weil sich dort das Variationsspektrum deutlich zeigt (in authentischer-alltäglicher Kommunikation z.B. in Dokusoaps, sowie auch in stilisierter Sprache in Spielfilmen) und zum anderen, weil das Fernsehen als Alltagsmedium einen guten Anknüpfungspunkt für den Lerner darstellt. Hier ist besonders die Frage interessant, wie Variation und insbesondere Dialekte, in Synchronfassungen umgesetzt oder in anderssprachige Untertitel übertragen werden. Auch der Übersetzungsvorgang selbst könnte dabei thematisiert werden und so den DaF-Unterricht mit nützlichen Erkenntnissen bereichern.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsch als Fremdsprache
HS Sprachvariation, WS 2006/07
Film, Variation und Übersetzung - Perspektiven für den DaF-Unterricht?
von
Brigita Jeraj
Inhalt
1. Einleitung... 3
2. Der Übersetzungsprozess... 4
2.1 Theoretische Ansätze... 5
2.1.1 Translation als Handlung... 5
2.1.2 Kreatives Übersetzen... 7
2.2 Bedeutung für die Praxis... 9
3. Möglichkeiten der Filmübersetzung... 10
3.1 Synchronisation oder Untertitel?... 11
3.2 Synchrontexte als Übersetzungstexte... 13
3.2.1 Variation als Übersetzungsproblem... 15
3.2.2 Übersetzungsstrategien... 20
4. Varietäten und Übersetzung im DaF-Unterricht – Geht das?... 21
5. Fazit... 25
Literaturverzeichnis... 26
1. Einleitung
„Variety is the spice of life“1 - Dieses Sprichwort bezieht sich zwar auf das Aufregende und die Abwechslung im Leben, dennoch lässt es sich auch auf Sprache übertragen, denn Sprache ist Variation und lebt davon. Die deutsche Sprache ist nicht nur durch Wandlungsfähigkeit, sondern gleichzeitig durch Stabilität gekennzeichnet. Diese Stabilität wird einerseits durch Normen, die eine Sprache vor Fremdeinfluss anderer Sprachen zu schützen versuchen und die Kommunikation innerhalb einer Gemeinschaft regeln und andererseits durch Sprachvariation, die wiederum diese Normen bricht, erreicht. Sprachnorm und Sprachwirklichkeit beeinflussen sich gegenseitig und es entsteht ein flexibles Gleichgewicht, das die Sprache lebendig werden lässt.
Daraus ergeben sich vor allem für den DaF-Unterricht interessante Ansätze. Wie geht man mit Variation um? Und inwieweit ist es möglich, das idealisierte Standarddeutsch hinter sich zu lassen oder vielmehr eine optimale Verknüpfung herzustellen und in den Unterricht zu integrieren? Schließlich werden die Lerner außerhalb der Klassenräume ständig mit der Variantenvielfalt des Deutschen konfrontiert. In den letzten Jahren beschäftigt sich die Linguistik und die Didaktik vermehrt mit diesem Thema2. Roche (2006) regte an, Variation als Chance zu sehen und etwa die Kanak-Sprak im Hinblick auf Integration und Nutzung der natürlichen Mehrsprachigkeit in den Unterricht mit einzubeziehen.
Ein weiterer interessanter Bereich für den Einsatz im Unterricht ist der des Film- und Fernsehens. Zum einen, weil sich dort das Variationsspektrum deutlich zeigt (in authentischer-alltäglicher Kommunikation z.B. in Dokusoaps, sowie auch in stilisierter Sprache in Spielfilmen) und zum anderen, weil das Fernsehen als Alltagsmedium einen guten Anknüpfungspunkt für den Lerner darstellt. Hier ist besonders die Frage interessant, wie Variation und insbesondere Dialekte, in Synchronfassungen umgesetzt oder in anderssprachige Untertitel übertragen werden. Auch der Übersetzungsvorgang selbst könnte dabei thematisiert werden und so den DaF-Unterricht mit nützlichen Erkenntnissen bereichern.
In meiner Arbeit möchte ich zunächst einige Ansätze und Überlegungen der Übersetzungswissenschaft vorstellen und dann näher auf die Möglichkeiten der Filmsynchronisation bzw. Untertitelung eingehen. Ein synchronisierter Film ist „die Illusion, daß es sich trotz der Übersetzung um ein Originalwerk handelt“ (Kristmannsson 1996: 238). Wie aber übersetzt man Dialekte, die in den Originaltexten eine wesentliche Funktion haben? Hier wird deutlich, dass an den Übersetzungsvorgang, der den zentralen Teil der Synchronisation darstellt, hohe Ansprüche gestellt werden. Im letzten Teil meiner Arbeit versuche ich den Nutzen der gewonnenen Resultate für den DaF-Unterricht zu erörtern: Bieten Film, Variation und Übersetzung Perspektiven für den DaF-Unterricht?
2. Der Übersetzungsprozess
Das Übersetzen ist ein komplexer, kommunikativer Vorgang, dessen Ergebnis den Versuch darstellt, bestimmte Inhalte kulturübergreifend in der Zielsprache wiederzugeben. Die Brockhaus Online Enzyklopädie3 definiert den Begriff Übersetzung wie folgt: „Art der Translation, bei der auf der Basis eines mündlich oder schriftlich fixierten Ausgangstextes auftrags-/zweck-, zeit- und situationsgebunden ein Zieltext mit vergleichbarer Funktion für Adressaten in einer anderen Kultur beziehungsweise Sprache geschaffen wird […] Der Verwendungszweck beziehungsweise die Funktion des Zieltextes, die Zeit für die Ausführung und der soziokulturelle Kontext der beteiligten Kulturen beziehungsweise Sprachen bilden das situative Bedingungsgefüge, in dem der Übersetzer handelt.“
Es ist klar, dass die Übersetzung nicht immer gelingt. Zunächst versucht man, den Ausgangstext zu lesen, zu analysieren und zu verstehen. Grundsätzlich entscheidet der Übersetzer, was unbedingt erhalten bleiben muss. Die Grundproblematik hierbei ist, dass man immer nur Teilaspekten des Ausgangstextes gerecht werden kann, denn wie soll man übersetzen - wortgetreu, sinngetreu oder strukturtreu und für wen übersetzt man eigentlich? (vgl. Reiß / Vermeer 1984: 35).
Ebenso vielfältig wie die Faktoren und Prozesse, die das Übersetzen beeinflussen, sind auch die Herangehensweisen der übersetzungswissenschaftlichen Ansätze. Stolze (2005) gibt einen Überblick über die wichtigsten interdisziplinären Übersetzungstheorien der letzten Jahrzehnte. Für den Blickwinkel der vorliegenden Arbeit sind vor allem die folgenden Theorien von Bedeutung.
2.1 Theoretische Ansätze
2.1.1 Translation als Handlung
Schon Luther proklamierte 1530 in seinem Sendbrief vom Dolmetschen: „[...] denn man mus nicht die buchstaben inn der Lateinischen sprachen fragen / wie man sol Deudsch reden / wie diese Esel thun / Sondern man mus die mutter ihm hause / die kinder auff der gassen / den gemeinen man auff dem marckt druemb fragen / vnd den selbigen auff das maul sehen / wie sie reden / vnd darnach dolmetschen / so verstehen sie es denn / vnd mercken / das man Deudsch mit ihn redet.“4 Sein Grundprinzip, dass Übersetzen auslegen bedeutet, ist in der Translationswissenschaft der letzten Jahrzehnte wieder aufgegriffen worden. „Luther gilt als einer der entschiedensten Vertreter eines zielsprachlich orientierten, pragmatisch-kommunikativen Übersetzens“ (Albrecht 1998: 121, zitiert nach Kußmaul 2000: 48) und verkörpert das, was Reiß / Vermeer (1984: 89ff) in ihrem Standardwerk Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie mit der sogenannten Skopostheorie darlegen.
Die neuen Denkansätze der pragmatischen Wende haben nicht nur die Linguistik beeinflusst, sondern auch eine Umorientierung in der Übersetzungswissenschaft bewirkt. So gehen Reiß und Vermeer davon aus, dass Translation5 kommunikatives Handeln ist und dass beim Übersetzungsprozess nicht nur ein sprachlicher, sondern immer auch ein kultureller Transfer stattfindet (vgl. Reiß /Vermeer 1984: 4). So sind es „kulturelle und nicht lediglich sprachliche Unterschiede“ (Witte 2000: 16), die das zentrale Problem einer Übersetzung darstellen. Eine rein linguistisch fundierte Betrachtung würde also die Phänomene nur unzureichend erfassen. Aus diesem Grund wird die Translationstheorie von Reiß und Vermeer als komplexe Handlungstheorie aufgefasst. Der Ausgangstext stellt die Primärhandlung dar, die Übersetzungshandlung ist die Reaktion darauf und wird von ihrem Zweck bestimmt: „die Frage ist also nicht: ob und wie gehandelt, sondern ob, was und wie weitergehandelt (übersetzt/gedolmetscht) werden soll“ (Reiß / Vermeer 1984: 96f).
[...]
1 Cambridge International Dictionary of Idioms <http://dictionary.cambridge.org/define.asp?key=variety*1+0&dict=I> (11.4.2007).
2 Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bietet Neuland (2006).
3 Brockhaus Enzyklopädie Online. Übersetzung <http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de/be21_article.php#5> (13.03.2007).
4 Materialien zur historischen Linguistik: M. Luther, Sendbrief vom Dolmetschen <http://www.staff.unimarburg. de/~naeser/sendbrf.htm> (13.03.2007).
5 Reiß / Vermeer (1984: 6) fassen Übersetzen und Dolmetschen als Handeln unter dem Oberbegriff Translation zusammen. Der Terminus Translation indes wurde von Kade (1968: 33) geprägt.
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