Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 3
2 ZUR ENTSTEHUNG VON PSYCHO. 5
2.1 INHALT DES FILMS 5
2.2 PRODUKTIONSBEDINGUNGEN VON PSYCHO (1960) 5
2.3 PRODUKTIONSBEDINGUNGEN VON PSYCHO (1998) 6
2.4 EINORDNUNG DER UNTERSUCHTEN SEQUENZ IN DEN KONTEXT DES FILMS. 7
3 ANALYSE DER KELLERSEQUENZ 8
4 SCHLUSSFOLGERUNGEN. 16
5 LITERATURVERZEICHNIS. 17
6 ANHANG: EINSTELLUNGSPROTOKOLLE. 18
6.1 EINSTELLUNGSPROTOKOLL PSYCHO (1960) 19
6.2 EINSTELLUNGSPROTOKOLL PSYCHO (1998) 22
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1 Einleitung
Psycho 1 dürfte heute als einer der am meisten analysierten, aber auch beliebtesten Filme aller Zeiten gelten. Die Internet Movie Database (IMDb) führt ihn noch heute - über 40 Jahre nach seiner Entstehung - in der Liste der 250 beliebtesten Filme, und auch wenn diese Umfrage keinesfalls repräsentativ ist, so ist es doch erstaunlich, dass der Film das Publikum immer noch in seinen Bann zu ziehen vermag.
In unzähligen Filmen und Fernsehserien wurde er zitiert, parodiert oder ihm Referenz erwiesen. Nicht zuletzt in der Cartoonserie The Simpsons 2 wurde die Mordszene in der Dusche - wenn nicht die berühmteste Szene des Films - liebevoll karikiert. Auch die Musik von Bernard Herrmann und auch hier insbesondere die Streicherglissandi der Mordszene wurden bei den Simpsons oft ironisch verwendet; John Williams schließlich zitiert Herrmann deutlich hörbar in seiner Partitur zu Jaws 3 .
Letztlich erlebte der Film noch drei Sequels, die zwar nicht an die Originalität des ersten heranreichten, dennoch aber Beweis sind für den enormen kommerziellen Erfolg des Films.
1998 wurde Psycho neu verfilmt 4 ; und das Besondere an diesem Remake war nicht, dass (wie bei Remakes eigentlich üblich) ein anderer Regisseur den Stoff neu interpretiert. Vielmehr sollte sich dieses Remake als nahezu exakte Replik des Originals herausstellen und rief damit kontroverse Diskussionen unter Filmkritikern hervor. Die Idee, ein so werkgetreues Remake zu produzieren, ist einzigartig in der Filmgeschichte. 5 In dieser Studie soll der Fragestellung nachgegangen werden, ob und in welchem Maße das Remake als exakte Replik auch den gleichen thrill wie das Original bieten kann. Zu Psycho gibt es in der Literatur bereits mehrere Analysen. Dina El-Nawab lieferte zum Original eine Filmanalyse zum gesamten Film, die vor allem auf die Inszenierung des suspense abstellte. 6 Insbesondere die „Kellersequenz“ wurde als ein Beispiel von mehreren Hitchcock-Filmen von Kerstin Droese ebenfalls unter dem Aspekt der Span- 1 USA1960, Regie: Alfred Hitchcock.
2 USA 1989-, Creator: Matt Groening.
3 USA 1975, Regie: Steven Spielberg.
4 USA 1998, Regie: Gus van Sant.
5 Vgl. Steven Jay Schneider, A Tale Of Two Psychos, in: Senses of Cinema 10, Melbourne 2000,
6 Vgl. Dina El-Nawab, Alfred Hitchcocks „Psycho“: exemplarische Filmanalyse unter besonderer Be-
rücksichtigung des Suspense, Alfeld 1997 (im Folgenden: El-Nawab 1997).
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nungserzeugung untersucht. 7 Das Remake entstand jedoch erst nach dem Erscheinen beider Schriften und wurde nicht berücksichtigt.
Diese Lücke soll durch die vorliegende Arbeit geschlossen werden. Anhand einer Sequenzanalyse der oben erwähnten „Kellersequenz“ sowohl im Original als auch im Remake sollen Unterschiede in der Inszenierung und ihre Auswirkungen deutlich gemacht werden. Welche Elemente wurden beibehalten, welche verändert? Wo setzt das Remake eigene Akzente und wie wirken sich diese auf die Gesamtdarstellung aus? Welchen Einfluss haben Bildgestaltung, Produktionsdesign, Sounddesign und Montage im Remake? Die Arbeit wird ergänzt durch eine kurze Einführung zu den Produktionsbedingungen beider Filme sowie der Einstellungsprotokolle der „Kellersequenz“ von beiden Filmen im Anhang. 8
7 Vgl. Kerstin Droese, Thrill und suspense in den Filmen Alfred Hitchcocks, Coppengrave 1995 (im Fol-
genden: Droese 1995).
8 Die vorliegende Arbeit basiert auf einem Referat und einer Seminararbeit, die im Sommer 2002 am
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig gehalten sowie angefertigt wurden. Für diese Veröffentlichung erfuhr der Text lediglich sparsame redaktionelle Änderungen und sprachliche Glättungen. Ich danke Cecilia Malmström und Bernd Rothenberger für wertvolle Anregungen und Hinweise zu diesem Thema.
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2 Zur Entstehung von Psycho
2.1 Inhalt des Films
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch; das Drehbuch wurde von Joseph Stefano verfasst:
Marion Crane stiehlt ihrem Arbeitgeber 40.000 Dollar, um ihrem Geliebten Sam seine Schulden vorstrecken zu können, damit dieser sich scheiden lassen kann und beide heiraten können. Auf der Fahrt zum Wohnort ihres Geliebten verfährt sich Marion und steigt in dem heruntergekommenen Motel von Norman Bates ab. Norman erzählt ihr, dass er mit seiner alten Mutter in der Villa neben dem Motel lebe. Des Abends wird Marion in ihrer Dusche von einer alten Frau erstochen. Als Norman die Leiche entdeckt, beseitigt er alle Spuren und versenkt die Leiche mitsamt Marions Auto in einem nahe gelegenem Sumpf.
Marions Arbeitgeber bemerkt den Diebstahl und die Abwesenheit von Marion und in-formiert ihre Schwester Lila. Lila sucht Sam auf, der von Marions beabsichtigter Ankunft nichts weiß. Der vom Arbeitgeber beauftragte Privatdetektiv Arbogast stößt zu den beiden hinzu und stellt Nachforschungen in der Umgebung an. In Normans Motel entdeckt er im Gästebuch den Eintrag Marions und möchte mit Normans Mutter sprechen. Arbogast wird misstrauisch, als Norman ihm den Wunsch verwehrt. Nachdem er Sam und Lila über seine Entdeckung berichtet hat, kehrt Arbogast heimlich in Bates’ Villa zurück. Dort wird er ebenfalls von einer alten Frau erstochen. Lila und Sam erfahren vom örtlichen Sheriff, dass Bates’ Mutter seit zehn Jahren tot sei. Als sie heimlich die Villa durchsuchen, wird Lila mit einem Messer angegriffen. Beim Kampf stellt sich heraus, dass Norman an Schizophrenie leidet und in Gestalt und Kleider seiner Mutter die Morde begangen hat.
2.2 Produktionsbedingungen von Psycho (1960)
Nach eigenen Aussagen interessierte sich Hitchcock für die Charaktere wie für die Geschichte nur zweitrangig, sondern betrachtete Psycho in erster Linie als technische Her-ausforderung. 9 Da Hitchcock den Film in eigener Verantwortung produzierte und er sich über den kommerziellen Erfolg keineswegs sicher war, entschied er sich, die Kosten so gering als möglich zu halten. Deshalb drehte er den Film unter Fernsehbedingungen - 9 Vgl.François Truffaut, Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?, München 23 2001, S. 275 (im Fol-
genden: Truffaut 2001).
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also mit einem für Filmverhältnisse sehr engen shooting-script, das nur 37 Drehtage vorsah 10 - mit der regulären Crew seiner Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents..., darunter auch der director of photography John L. Russell. 11
Für den Einsatz von Schwarz-Weiß-Material gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, etwa, dass Hitchcock den Film für zu blutrünstig gehalten habe, wenn er in Farbe gedreht worden wäre. 12 Als weiterer Grund wird angeführt, dass Hitchcock befürchtete, die Mordszene würde wegen des roten Blutes zensiert werden und deshalb entschied, den Film in schwarz-weiß zu drehen. 13
Schließlich wird darauf verwiesen, dass Hitchcock aus Budgetgründen auf den Einsatz von Farbe verzichtete und stattdessen das billigere Schwarz-Weiß verwendete. Insgesamt betrugen die Herstellungskosten des Films rund 800.000 US-$. 14
2.3 Produktionsbedingungen von Psycho (1998)
Gus van Sant drehte sein Remake nach eigenen Angaben unter nahezu gleichen Bedingungen wie Alfred Hitchcock, allerdings in Farbe. Er verwandte einen nahezu identischen Drehplan mit der gleichen Anzahl an Drehtagen. 15 Über die Beweggründe dieser Produktion äußerte van Sant sich nicht konkret. Zum einen sollte es ein „tribute to Hitchcock“ darstellen, zum anderen ein Experiment und ein Versuch, den Film einem jüngeren Publikum vorzustellen. 16 Um eine größtmögliche Übereinstimmung zum Original herzustellen, verglich van Sant bereits am Set die gefilmten Einstellungen mit der Originalversion, auch wenn diese Werktreue nicht in allen Einstellungen durchgehalten
10
Vgl.
11 Vgl. Truffaut 2001, S. 276.
12 „One of the reasons Alfred Hitchcock shot the movie in black and white was he thought it would be too
gory in color. But the main reason was that he wanted to make the film as inexpensively as possible. […]” Vgl.
13 Vgl. Constantine Santas, The Remake of Psycho: Creativity or Cinematic Blasphemy, in: Senses of
Cinema 10, Melbourne 2000,
14 Die Internet Movie Database gibt als exakten Wert 806.947 US-$ an. Vgl.
15 So erklärt es der Produzent Brian Grazer: „I liked the idea that Gus would follow Hitchcock’s lead
taking the same script, the same basic plans for the sets, the same schedule and infuse it with a new sensibility, with new actors.” Vgl.
16 Vgl. Schneider 2000.
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wurde. 17 Zudem verwendete er das gleiche Drehbuch von Joseph Stefano, das allerdings in Details vom Autor selbst angepasst wurde: Auffälligstes Beispiel ist die Verzehnfachung des Diebesgutes von 40.000 US-$ auf 400.000 US-$ oder die Verlegung in die Gegenwart (also in das Jahr 1998).
Dennoch bleibt anzumerken, dass van Sant nicht mit einem Fernsehteam drehte; allein die End Credits lassen darauf schließen, dass die Filmcrew weitaus mehr Personen umfasste als für ein Fernsehteam normalerweise vorgesehen. Letztlich stand van Sant auch weitaus mehr Geld zur Verfügung, das Budget des Remakes lag bei 20 Millionen US-$. 18
2.4 Einordnung der untersuchten Sequenz in den Kontext des Films
Die untersuchte Sequenz, in dieser Arbeit als „Kellersequenz“ bezeichnet, ist die vorletzte Sequenz des Originals wie auch des Remakes.
Da die letzte Sequenz von Psycho innerhalb der dramatischen Struktur des Films lediglich epilogartigen Charakter aufweist und die Handlung nicht weiter vorantreibt, wird in der Kellersequenz der gesamte Plot des Films mitsamt allen Spannungsbögen aufgelöst. Insofern bildet die untersuchte Sequenz den letzten Höhepunkt des Films. 19 Die Sequenz ist in beiden Filmen unterschiedlich lang. Im Original von 1960 beträgt die Länge laut Einstellungsprotokoll 429 Sekunden (7:09 Min.) und hat insgesamt 96 einzelne Einstellungen. Die Sequenz des Remakes ist kürzer: Hier ist sie 381 Sekunden (6:21 Min.) lang, besitzt aber mit 105 Einstellungen mehr als das Original.
17 Van Sant soll mittels eines DVD-Players am Set das Original abgespielt haben und mit seinen gefilmten
Takes verglichen haben, die in 95 % der Fälle das Original auch exakt wiedergeben sollen. Vgl.
18
Vgl.
19 Der erste Höhepunkt der Handlung ist zweifellos die Ermordung Marion Cranes in der Dusche. Als
zweiter überraschender Höhepunkt könnte man die Ermordung Arbogasts ansehen.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Stoppe, 2002, Original und Fälschung? - Hitchcocks Psycho und das Remake von Gus van Sant, München, GRIN Verlag GmbH
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