Gliederung
1. Einleitung S.1
2. Karl Marx S.1
2.1 Traum von Klassenlosigkeit S.2
2.2 Basis- Überbau- Theorem S.2
2.3 Entfremdung durch Arbeit und Religion S.3
3. Max Weber S.5
3.1 Religion als Wirtschaftskraft S.6
3.2 Die protestantische Ethik S.6
3.3 Immanente Rationalität der Religion S.7
4. Religion und Politik heute S.9
4.1 Laizismus S.9
4.2 Fundamentalismus S.12
4.2.1 Islamischer Fundamentalismus S.13
4.2.2 Christlicher Fundamentalismus S.14
5. Schlussgedanke S.16
6. Literaturverzeichnis S 18
1. Einleitung
“Gott ist tot!” schrieb Friedrich Nietzsche. Nicht erst seit dieser provokanten Aussage versuchte eine Reihe namhafter Soziologen wie Karl Marx zu belegen, dass in der gesellschaftlichen Entwicklung die Religion einen immer weiter schwindenden Stellenwert einnehmen werde. Trifft dies tatsächlich zu? Kann man eine einheitliche Tendenz
feststellen, die den “Niedergang” von Religion bestätigt? Oder findet sich eine andere Entwicklungslinie, die eine gegenteilige Vorhersage trifft? Ausgehend von diesen Fragen soll im folgenden untersucht werden, wie das Verhältnis von Religion und Politik in den Schriften von zwei bedeutenden soziologischen Denkern, nämlich Karl Marx und Max Weber, skizziert wird. Abschließend soll eben dieses Verhältnis in besonders interessanten, modernen Ausformungen der Gesellschaft beleuchtet werden.
2. Karl Marx
Karl Marx (1818- 1883) ist berühmt als Gesellschafts-theoretiker, Wirtschaftshistoriker und Revolutionär. Sein theoretischer Ansatz,
vorwiegend auf einer Makro- Ebene gehalten, basiert grundlegend auf einer ausschließlich ökonomischen Idee. Auf sie führt er all seine Aussagen über Klassen, Arbeit, soziale Ungleichheit u.ä. zurück und benutzt ökonomische Verhältnisse als die bestimmende Determinante gesellschaftlichen Lebens. Über Religion spricht Marx daher auch nur im Zusammenhang der bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse und welchen Beitrag sie zu deren Aufrechterhaltung leistet. Um diese Mechanismen zu erläutern, bedarf es einer Erklärung der marx’schen Gesellschaftsdiagnose.
2.1. Traum von Klassenlosigkeit
Marx’ Idealvorstellung der Gesellschaft bestand aus der völligen Auflösung von Klassen, die durch den geschaffen wurden. Zwei verschiedene Klassen bildeten sich, nämlich die der Produktionsmittel- Besitzer (= Bourgeoisie) und die der Arbeiter (= Proletariat).
Weiter träumte Marx von einer Aufhebung nationaler Grenzen und von einer Weltgesellschaft, somit also von einer global existierenden Gesellschaft, deren Klassenlosigkeit nicht auf lokale Gebiete beschränkt sein soll. Dazu formulierte Marx die b ekannte Theorie, dass die Gesellschaft eine Geschichte der Klassenkämpfe sei 1 . Die Entwicklung sähe in Kurzform aus wie
1 Marx, K., Engels, F.: Vorwort zum “Manifest”
1
folgt: die Klassenkämpfe führten zu einer Diktatur des Proletariats, aus der wiederum die Auflösung der Klassenhierarchie bzw. der Klassen überhaupt entstehe. Ferner könne man die Auflösung der Klassen erreichen, in dem man Entfremdung (dazu weiter unten) sowie die Existenz des Privateigentums (global) aufhebe. 2.2. Basis- Überbau- Theorem
Um Marx Vorstellung über das Verhältnis von Politik und Religion zu erläutern, ist es weiterhin sinnvoll, seine Idee des Basis- Überbau-Modells, das die Gesellschaftsstruktur beschreibt, näher zu erläutern. Für Marx bilden die ökonomischen Verhältnisse die Basis der Gesellschaft, über die sich ein Überbau aus gesellschaftlichen Institutionen wie Organisationen, Recht, Politik, Kunst, Religion, Philosophie u.ä. erhebt. Dabei differenziert Marx mehrere Gesellschaftssysteme in folgende
chronologische Reihenfolge nach Art ihres Basis- Überbau- Verhältnisses: Ø Die Urgesellschaft mit einem “naiven” Basis- Überbau- Konstrukt, in der das Verhältnis der Menschen untereinander gekennzeichnet war durch Kooperation und durch Nicht- Vorhandensein eines politischen Systems.
Ø Die Antike Gesellschaft, gekennzeichnet durch den Überbau eines Zwangsapparates aus Recht und religiösen Regelungen, d.h. konkret einer Trennung von Sklavenhaltern, deren herrschende Stellung durch rechtliche und religiöse Gesetzmäßigkeit gesichert war, und Sklaven. Ø Die Feudale Gesellschaft, deren Überbau sich auch durch Religion und Recht darstellte, aber sich das Verhältnis der Menschen untereinander aufgrund einer (nur noch) durch Normen gesicherten Hierarchie zwischen Feudalherren und Leibeigenen präsentierte. Ø Die Kapitalistische Gesellschaft, in deren Basis- Überbau- Modell (theoretisch) Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz für alle Menschen besteht. Doch dazu steht die Polarisierung von
Produktionsmittelbesitzern und Lohnarbeitern nach Marx’ Ansicht im strengen Widerspruch.
Obwohl nach Marx also die Religion im Basis- Überbau- Apparat mehr und mehr an Einfluss verliere (in dem die klasseneinteilende Funktion erst an Stärke verliert und dann ganz verschwindet), gewinnt sie einen veränderten Charakter in Form ihrer Politisierung. Dadurch entsteht ein Prozess, der im Folgenden näher erläutert werden soll. 2.3. Entfremdung durch Arbeit und Religion Der Begriff der Entfremdung ist einer der Zentralen bei Marx zur Beschreibung des Verhältnisses von Arbeitern zu sich selbst, zu ihren
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Mitmenschen und zum Produktions(end)produkt. Dabei unterscheidet Marx generell zwischen Entfremdung durch Arbeit und solcher durch Religion. Bei ersterer geht es Marx darum, dass durch den Kapitalismus ein Konflikt bei den Lohnarbeitern entstanden ist: Eigentlich sei Arbeit nötig zur Bildung einer Lebensgrundlage, die zur Selbstverwirklichung des arbeitenden Menschen beitragen kann und soll, womit Marx ihr eine positive Bewertung zugesteht. Doch wegen der kapitalistischen Strukturen sieht die Realität anders aus: durch Fließbandarbeit, harte Arbeitsumstände (lange
Arbeitszeiten, geringer Verdienst, wenig Freizeit etc.), so Marx, entfernt sich der Arbeiter zusehends von der in der Theorie positiv gesehenen Bedeutung von Arbeit, entfremdet sich von sich selbst sowie von seinen Mitmenschen, indem er sich verkaufen und an die gegebenen
Arbeitsverhältnisse anpassen muss und entfremdet sich auch vom (End)Produkt aufgrund von Fließbandarbeit, die keinen Bezug mehr zum Produkt als ganzes herstellen lässt.
Doch Marx sieht auch die andere Quelle der Entfremdung, nämlich die der Religion. Er verurteilt, dass die Religion als befriedendes oder sogar lethargisch wirkendes Mittel die Arbeiterschaft nur dazu bringen soll, keine Rebellion gegen die bestehenden (ökonomischen) Verhältnisse zu wagen. Dabei wirken seiner Meinung nach der Staat und die kapitalistischen Machthaber gemeinsam: die Religion und ihre Ethik wird missbraucht, um die Arbeiterschaft über die bestehenden, für sie elenden Verhältnisse hinweg zu trösten und diese als im Diesseits gegeben zu akzeptieren, bis sie nach ihrem Tod für ihre schwere Arbeit und Mühe entlohnt würden. Somit schafft Religion Hierarchien bzw. hält diese über die Unterdrückung der Bevölkerung und dem gleichzeitigen Verweis auf die Ewigkeit nach dem Tod aufrecht, um die Menschen an die bestehende Ordnung zu binden und den Umsturz des Systems zu verhindern. Dazu formulierte Marx die berühmten Sätze: “Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. [..] Sie ist das Opium des Volkes.” und weiter: “Die Kritik der Religion [verwandelt sich
damit] in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.” 2 .
Dieses Problem hindert also durch die Aufrechterhaltung von Hierarchien an der Verwirklichung der von Marx erwünschten Klassenlosigkeit. Die vermittelten religiösen Inhalte der Herrschenden und ihrer Schichten dienen somit lediglich als Funktion ihrer Interessen und verschleiern dabei gleichzeitig die bestehenden Machtverhältnisse. Ein Zustand, der- meiner
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Arbeit zitieren:
Simone Reichle, 2002, Politik und Religion - ihr Verhältnis bei Karl Marx, Max Weber und in der heutigen Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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