Ich versichere, dass ich die vorliegende Arbeit nicht schon an anderer Stelle als Qualifikationsarbeit eingereicht habe und dass ich sie selbstständig ohne unerlaubte Hilfe und ohne die Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus Veröffentlichungen oder aus anderweitigen fremden Äußerungen entnommen wurden, habe ich als solche einzeln kenntlich gemacht.
Aachen, den 30.8.2002
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Inhaltsverzeichnis Seite
Einleitung 4
1 5 Definition des Begriffs Terrorismus’
2 6 Bedeutung und Funktion von Ideologie im Terrorismus
2.1 8 Gesellschaftskritik
2.2 9 Legitimation von Gewalt
3 11 Die Ideologie der Roten Armee Fraktion (RAF)
3.1 12 Suche nach dem revolutionären Subjekt
3.2 13 Der Imperialismusvorwurf
3.3 15 Der Faschismusvorwurf
3.4 16 Primat der Praxis
4 17 Resümee
5 20 Literaturverzeichnis
4
Einleitung
„Die Vorstellung der RAF, die die bewaffnete Aktion zum Mittelpunkt des
Kampfes bestimmte, unterbewertete die politischen und gegenkulturellen Pro-
zesse außerhalb des politisch-militärischen Kampfes“ 1 .
Diese selbstkritische Einschätzung ist der Auflösungserklärung der Roten Armee Fraktion (RAF) vom 20. April 1998 entnommen. In dieser Erklärung wird das Scheitern der Vorhaben der RAF unter anderem auf das Fehlen politisch-sozialer Organisierung und die Konzentration auf bewaffnete Aktionen bei gleichzeitiger Vernachlässigung von politisch-inhaltlichen Prozessen zurückgeführt. In der Terrorismusforschung wird der RAF oftmals das Fehlen eines ideologischen Gerüsts vorgeworfen. Einige der Autoren unterstellen, die Ideen der RAF hätten eine rein legitimatorische Funktion gehabt. Ernst Topitsch hält ihre ideologischen Ansätze für ein „pseudo-ethisches Alibi für die Lust an Zerstörung und Gewalt“ 2 . In der ersten RAF-Schrift „Rote Armee Fraktion: Das Konzept Stadtguerilla“begründet Ulrike Meinhof die Beschränkung der Gruppe auf Taten mit dem Begriff des Primats der Praxis. „Ob es richtig ist, den bewaffneten Widerstand jetzt zu organisieren, hängt davon ab, ob es möglich ist; ob es möglich ist, ist nur praktisch zu ermitteln.“ 3 , stellt Meinhof fest. Das heißt, wenn der Wille zur Revolution in der Bevölkerung nicht vorhanden ist, muss erprobt werden, ob er durch erfolgreiche „Aktionen“ geweckt werden kann.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob die Ideologie der Baader-Meinhof-Gruppe nur benutzt wurde, um das eigene Handeln zu legitimieren und um Mitstreiter zu rekrutieren oder ob die politischen Inhalte, zu denen sich die Mitglieder bekannten und die sich oftmals auf Klassiker wie Marx, Lenin oder Mao beriefen, ein ideologisches Fundament darstellen, das in ähnlicher Form auch in der gemäßigten Linken, wenn auch ohne den Einsatz von Gewalt, wiedergefunden werden kann und abgesehen von dieser Gewaltanwendung im Grunde eine eigenständige, politische Ideologie darstellt.
1 Rote Armee Fraktion: Auflösungserklärung (20.4.1998), online im Internet
2 Topitsch, Ernst: Die Masken des Bösen. Zur Kritik der Ideologie des Terrorismus; in: Heiner Geißler (Hrsg.):
Der Weg in die Gewalt. Geistige und gesellschaftliche Ursachen des Terrorismus und seine Folgen, (Geschichte
und Staat Bd.214), München 1978, S.94.
3 RAF: Rote Armee Fraktion - Das Konzept Stadtguerilla. April 1971; in: ID-Verlag (Hrsg.): Rote Armee
Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, Berlin 1997, S.40 (Im Folgenden zitiert als: RAF: Rote
Armee Fraktion - Das Konzept Stadtguerilla).
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Da der Begriff Terrorismus in der Arbeit eine zentrale Rolle einnimmt, erscheint es sinnvoll, diesen zunächst im politikwissenschaftlichen Kontext zu definieren. Dieser Definitionsversuch soll im ersten Teil unternommen werden.
Im zweiten Teil werden Bedeutung und Funktion von Ideologie in terroristischen Gruppen untersucht. Hierbei soll herausgestellt werden, welche Funktionen eine Ideologie hat bzw. welche Wirkung sie auf einzelne Mitglieder einer terroristischen Gruppe haben kann. Anschließend soll die Gesellschaftskritik, die von der RAF oder anderen Gruppen formuliert wird und die Art, in der Gewaltanwendung von ihnen legitimiert wird, in diesem Kontext diskutiert werden.
Im dritten Teil, der sich speziell mit der Ideologie der RAF beschäftigt, soll auf die eingangs gestellte Frage hingearbeitet werden, indem zentrale Diskussionspunkte herausgegriffen werden, die die RAF intern, aber auch in ihrer Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit beschäftigt haben, um einen differenzierten Eindruck von den politischen Vorstellungen und Theorien dieser Gruppe zu gewinnen. Hierbei soll der Begriff des revolutionären Subjekts mit in die Untersuchung einbezogen werden und anschließend der Vorwurf der Gruppe, die Bundesrepublik sei ein imperialistischer und faschistischer Staat auf seine Funktion geprüft werden. Abschließend soll das von der RAF als Primat der Praxis bezeichnete Konstrukt untersucht werden und durch die Frage, ob es nur eine Rechtfertigung für ihr Theoriedefizit darstellt, auf das Resümee der Arbeit hingearbeitet werden.
Das Resümee soll schließlich einen Überblick über die Erkenntnisse der Arbeit geben und hieraus mögliche Schlussfolgerungen herleiten. Ziel der Arbeit soll es nicht sein, die Ideologie der RAF nach Generationen der Gruppe zu untersuchen und die Ideologien der von ihnen bemühten sozialistischen Klassiker im einzelnen zu erläutern. Die vorliegende Arbeit versucht, nur die zentralen Thesen der RAF, die sich in allen „Kampfschriften“ bzw. von ihnen veröffentlichten Texten wiederfinden, auf den Vorwurf zu prüfen, sie wären ein Zeichen ihres Theoriedefizits.
1 Definition des Begriffs ‚Terrorismus’
Der Begriff ‚Terrorismus’ kann aufgrund des alltäglichen Gebrauchs, wie auch aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen mittlerweile unterschiedlich verstanden werden und wurde von Politikwissenschaftlern und Historikern unterschiedlich definiert. Walter Laqueur ist deswegen der Auffassung, dass der Begriff „Terrorismus“ in so vielen verschie-
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denen Bedeutungen benutzt wird, dass er fast völlig seinen Sinn verloren hat. 4 Gerade deshalb ist es wichtig, ihn vom Terminus „Terror“ abzugrenzen, um festzulegen, wie er in dieser Arbeit verstanden werden soll.
Die Begriffe „Terror“ und „Terrorismus“ werden zwar häufig synonym verwendet, es ist jedoch zweckmäßiger, sie differenziert zu definieren. 5 Demnach ist „Terror“ der „vom Staat ausgehenden, willkürlich und systematisch zur Einschüchterung der Bürger ausgeübten Gewalt“ 6 vorzubehalten und „Terrorismus“ nur als „Gewaltstrategie [...], die primär durch die Verbreitung von Furcht und Schrecken [...] das bestehende Herrschaftssystem auszuhöhlen und eine mehr oder weniger grundlegende politisch-gesellschaftl. [sic] Umwälzung herbeizuführen sucht“ 7 zu definieren. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird der Begriff „Terrorismus“ im Vergleich zu Definitionsversuchen in zahlreichen Wörterbüchern und Lexika noch genauer formuliert und bewertet.
Franz Wördemann definiert „Terrorismus“ als
„die Gewaltanwendung durch die kleine und isolierte Gruppe, die nicht über
die Kraft verfügt, die etablierte Macht des Terrors oder die allgemein akzep-
tierte Macht des Rechts und des Gesetzes auf breiterer Front, durch den Auf-
stand der Masse oder mit konventionellen Methoden anzugreifen.“ 8
Da diese Definition für den Spezialfall der Roten Armee Fraktion besonders zutreffend scheint, soll sie ergänzend zur oben genannten Definition von Peter Waldmann, die Franz Wördemanns Erklärung nicht ausschließt, für diese Arbeit als verbindlich gelten.
2 Bedeutung und Funktion von Ideologie im Terrorismus
Es gibt in der Terrorismusforschung viele Ansätze, die versuchen, das Handeln terroristischer Gruppen zu erklären. Gerhard Hertel gibt in seinem Buch „Terrorismus und Politikwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland“ 9 einen Überblick über die verschiedenen Methoden. Zu diesen Methoden zählen die historisch-vergleichende Methode, alltagstheorethische Erklärungsansätze, psychologische und biologische Ansätze, die biographische Methode und
4 vgl. Laqueur, Walter:Terrorismus. Die globale Herausforderung, Frankfurt a.M. / Berlin 1987, S.19.
5 Vgl. Waldmann, Peter: Terrorismus; in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, München 2001,
S.514 (Im Folgenden zitiert als: Waldmann, Peter: Terrorismus).
6 ebenda.
7 Waldmann, Peter: Terrorismus.
8 Wördemann, Franz: Terrorismus. Motive, Täter, Strategien, München 1977, S.24.
9 Hertel, Gerhard: Terrorismus und Politikwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland, (tuduv-Reihe
Politologie/Soziologie Bd.11), München 1986.
Arbeit zitieren:
Till Döring, 2002, Die Ideologie der Roten Armee Fraktion - Theoriedefizit oder Primat der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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