Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft, SS 2006
Hauptseminars: Deutsch-jüdische Interkulturalität im 19. und 20. Jahrhundert
"Ich weiß nicht, wo eigentlich mein rechtes Ich steckt" -
Heinz Levysohn/Lehnsen und seine Suche nach der Identität
von
Katarzyna Pałuba
Inhaltsverzeichnis
Einleitung... 3
1. Was ist Identität?... 4
2. Heinz Levysohn/Lehnsen - kurze Vorstellung... 5
3. Das erwachte Interesse für das Jüdische... 6
4. Heinz’ Auseinandersetzung mit der Taufe... 8
5. Die jüdische Verwandtschaft... 9
6. Der Minjan-Mann... 11
7. Russland... 13
7.1. Das Pessahfest... 13
7.2. Pogrom... 16
8. „Mein rechtes Ich“... 19
Schlusswort... 21
Literaturverzeichnis... 24
Einleitung
Der Prozess der Identitätsbildung ist äußerst komplex und wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Frage, wie sich auf das Selbstbild einer Person die Konvertierung zu einer anderen Religion und die Wahrnehmung dieser Person durch ihre Mitmenschen auswirken können. Dies werde ich am Beispiel von Heinz Levysohn/Lehnsen, einem der Protagonisten des Romans Tohuwabohu von Sammy Gronemann untersuchen. Ich werde ihn bei seiner Suche nach der Identität begleiten, sein Verhalten und seine Gedanken unter die Lupe nehmen sowie die Reaktionen seiner Mitmenschen auf ihn und seine Haltung ihnen gegenüber analysieren.
Die Arbeit ist in 8 Kapitel eingeteilt: Was ist Identität?, Heinz Levysohn/Lehnsen – kurze Vorstellung, Das erwachte Interesse für das Jüdische, Heinz’ Auseinandersetzung mit der Taufe, Die jüdische Verwandtschaft, Der Minjan-Mann, Russland und „Mein rechtes Ich“. Im ersten Kapitel Was ist Identität? wird zunächst erläutert, was der Begriff „Identität“ bedeutet und welche Faktoren die Identitätsbildung beeinflussen. Das zweite Kapitel Heinz Levysohn/Lehnsen – kurze Vorstellung bildet den Ausgang für die genaue Untersuchung der Identitätsentwicklung bei Heinz, denn es schildert seine Situation, bevor er sich mit seiner Identität auseinandersetzt. In den folgenden fünf Kapiteln - Das erwachte Interesse für das Jüdische, Heinz’ Auseinandersetzung mit der Taufe, Die jüdische Verwandtschaft, Der Minjan-Mann und Russland – wird etappenweise die Entwicklung Heinz’ Identität geschildert. Als Etappen gelten einzelne Ereignisse, die Heinz’ Denkweise stark beeinflusst haben, und Momente, in denen seine schwankende Identität sich für die eine jüdische oder die andere christliche Seite zu entscheiden scheint. Das letzte Kapitel - „Mein rechtes Ich“ – befasst sich mit den Ergebnissen Heinz’ Identitätssuche und Identitätsbildung aus seiner eigenen Sicht. Der Arbeit liegen der Roman „Tohuwabohu“ (2001) von Sammy Gronemann zugrunde sowie einige Internetquellen, die die jüdischen Bräuche und Kultur näher erläutern sollen.
1. Was ist Identität?
Unter Identität versteht man die subjektive Wahrnehmung der eigenen Person, die sich im Laufe der Zeit verändert und von der Umgebung abhängig ist. Die Veränderung ist eng mit den Lebensphasen des Menschen verbunden, wie Kindheit, Jugendzeit und Erwachsensein (Endruit/Trommsdorf, S. 279) oder kann durch einen Bruch in der Biographie, wie eine plötzlich eintretende Arbeitslosigkeit, den Berufswechsel, einen Umzug oder eine Scheidung verursacht werden (S. 280). Die Wahrnehmung der eigenen Person hängt auch von „sozialen Lebensbereichen“ (S. 279) ab. Der Mensch definiert sich selbst durch seine Rolle in der Familie, im Freunde- und Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz (S. 279). Die persönliche Identität wird nicht nur von dem Menschen selbst kreiert, sondern sie wird auch von den Anderen mitbestimmt. Der Identitätspsychologe William James unterscheidet deshalb zwischen dem selbst erfahrenen Ich und dem von Anderen erlebten Ich. Die Reaktion der Anderen auf den Menschen beeinflusst die Identitätsbildung. Die Identität ist sozusagen „konstituiert durch den sozialen Spiegel“ (S. 280).
Ein wenig anders versteht den Begriff „Identität“ der Soziologe Lothar Krappmann. Es gibt keine Identität ohne Sprache und Kommunikation mit den Mitmenschen. Durch jeden Kommunikationsakt wird der Mensch immer wieder neu definiert und erhält in jeder Situation eine neue Identität, indem er versucht, die Erwartungen seiner Person gegenüber als Familienmitglied, Freund oder Angestellter möglichst gut zu erfüllen, und gleichzeitig sich bewusst wird, dass er diesen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Die Identität besteht aus den zusammengetragenen Erfahrungen mit anderen Menschen und als solche unterliegt sie ständigem Wandel (Wikipedia, ‚Indentität’).
Nach Hans-Peter Frey und Karl Haußer ist die Identität ein Prozess der Selbstreflexion. Wie Lothar Krappmann stellen auch sie die Behauptung auf, dass „Identität aus situativer Erfahrung [entsteht], welche übersituativ verarbeitet und generalisiert wird“ (‚Identität’). Diese Erfahrung setzt sich aus dem Selbstbild und der Wahrnehmung der eigenen Person von den Anderen zusammen, die sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit widerspiegeln können.
Gleichzeitig ist die Identität eine Zusammensetzung von drei Komponenten: dem Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und der Kontrollüberzeugung (Endruit/Trommsdorf, S. 281). Hans-Peter Frey und Karl Haußer definieren näher diese Begriffe. Unter dem Selbstkonzept verstehen sie ein Bild, das das Individuum über sich selbst schafft, indem es sich folgende Fragen stellt: Wer, was oder wie bin ich? (Wikipedia, ‚Identität’). Dem Wörterbuch der Soziologie zufolge ist das Selbstkonzept die Summe der Betrachtungsweisen des eigenen Ichs (Endruit/Trommsdorf, S. 281). Das Selbstwertgefühl dagegen bezeichnet nach Hans-Peter Frey und Karl Haußer die Einstellung des Individuums zu sich selbst. Im Mittelpunkt steht die emotionale Betrachtung der eigenen Person und das Empfinden von Stolz, Beschämung, Zufriedenheit oder Wut, wobei all diese Gefühle als Bewertung von sich selbst gelten (Wikipedia, ‚Identität’). Das Selbstwertgefühl ist also eine Selbsteinschätzung und Selbstbewertung (Endruit/Trommsdorf, S. 281). Hinter dem Begriff „Kontrollüberzeugung“ verbergen sich einerseits die Überzeugung des Individuums, die Situation gestalten zu können und anderseits das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein (Wikipedia, ‚Identität’). Im Wörterbuch der Soziologie wird dieser Begriff als die „Überzeugung von eigener Wirksamkeit" definiert (Endruit/Trommsdorf, S. 281). Dahinter steckt also die Frage, inwieweit das Individuum seine eigene Situation beeinflussen und kontrollieren kann. Aus dem Zusammenspiel dieser drei Komponenten, Selbstkonzepts, Selbstwertgefühls und Kontrollüberzeugung, entsteht die Identität des Individuums.
2. Heinz Levysohn/Lehnsen - kurze Vorstellung
[...]
Arbeit zitieren:
Katarzyna Paluba, 2006, "Ich weiß nicht, wo eigentlich mein rechtes Ich steckt" - Heinz Levysohn/Lehnsen und seine Suche nach der Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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Katarzyna Paluba's Text "Ich weiß nicht, wo eigentlich mein rechtes Ich steckt" - Heinz Levysohn/Lehnsen und seine Suche nach der Identität ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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