Gliederung
1. Entwicklung der Dialektologie vor Schmeller 1
2. Gründe für die Erforschung der Mundarten. 2
3. Idiotika und Idiotismenlisten. 3
4. Johann Andreas Schmeller und seine Arbeiten 4
4.1. „Die Mundarten Bayerns grammatisch geordnet. 7
4.2. Das „Bayerische Wörterbuch“ 9
4.3. Schmellers Sonderstellung in der Wissenschaftsgeschichte. 10
Literaturverzeichnis
1. Entwicklung der Dialektologie vor Schmeller
Die Dokumentation und das planmäßige Sammeln von mundartlichem Wortmaterial beginnt im deutschen Sprachraum bereits Ende des 17. Jh. Mit den Bemühungen eine einheitliche Sprache zu schaffen, mussten die Dialekte natürlich verurteilt werden. (vgl. Besch u.a.1982, S.4) Die Sprachgelehrten dieser Zeit befassten sich demzufolge hauptsächlich mit der Schriftsprache und ihrer Fixierung. (vgl. Brunner 1971,S.30) Mundart bedeutete für sie in Status und Qualität eine „... unedle, nachlässige und unbearbeitete Sprache des gemeinen Volkes.“ (zit. nach: Besch u.a. 1982, S.4) Die Meinung, dass solch eine Sprache keine Grammatik haben kann, herrscht vor und wird u.a. durch Gottsched unterstützt. Dies fußt auf der Ansicht nur eine Schriftsprache könne eine Grammatik besitzen. Aufgrund dieser Einstellung liegt es nahe den Dialekt als lächerlich zu empfinden, ebenso wie die damit assoziierte Zugehörigkeit zum Bauernstand. (vgl. Besch u.a.1982, S.4) Die Bemühungen den vielfältigen Sprachlandschaften eine einheitliche deutsche Hochsprache als Regelung entgegenzusetzen, musste eine Negativbewertung der Mundarten mit sich bringen. Denn gerade die Vielfalt des mundartlichen Wortschatzes und der grammatischen Formen stellten ein Hindernis für die Durchsetzung der Hochsprache dar. Die These, dass sich die Dialekte aus einer einheitlichen Sprache entwickelt haben, bestärkte die Meinung von deren Unnatürlichkeit und Verdorbenheit. (vgl. Brunner 1971, S.28f) Die Ablehnung alles Besonderen zugunsten der Einheitlichkeit führt aber zu einer entgegengesetzten Tendenz. Der Angriff auf die Mundarten wird durch seine Übertreibung zum Anlass genommen, sich intensiver damit zu beschäftigen. (vgl.Besch u.a.1982, S.5) Paradoxerweise tragen gerade die Listen der Wörter, die es in der angestrebten Einheitssprache zu vermeiden gilt, dazu bei, sich der Dialekte wissenschaftlich anzunehmen. (vgl. Brunner 1971, S.29) Johann Ludwig Prasch war wohl der Erste, der sich wissenschaftlich mit den Mundarten beschäftigte. Er verfasste ein „Glossarium Bavaricum“ welches als Anhang zu seiner zweiten Abhandlung „Dissertatio altera de origine Germanica linguae Latinae“ erschien. (Niebaum/Macha 1999, S.49) Neben Prasch forderte auch Leibniz dazu auf, sich mit den Mundarten zu beschäftigen.
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In der zweiten Hälfte des 18. Jh. kommt es zu einem immensen Aufschwung in der Forschung, obwohl die Befürworter einer reinen und unverdorbenen Schriftsprache diese Bemühungen nach wie vor verurteilen. Die Entwicklung zu einer positiven Einstellung den Sprachvarietäten gegenüber, lässt sich mit dem Bestreben der Aufklärung hin zum Volkstümlichen, zur Einfachheit erklären. V.a. Herder begünstigt dies, indem er als namenhafter Autor, die poetischen Vorzüge der Volkssprache betont. (vgl. Brunner 1971, S. 29ff) Ein wichtiger Initiator zur ernsthaften und wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema ist Gottfried Wilhelm Leibniz. (vgl. Niebaum/Macha 1999,S.48) Dieser ist, entgegen der vorherrschenden Meinung, vom eigenständigen Wert der Verschiedenheit der Sprachen generell, und speziell der Dialekte, überzeugt. (vgl. Brunner 1972, S.30) Auffällig ist, dass die ersten Werke, die sich mit regionalen Besonderheiten der Sprachen beschäftigen, dem niederdeutschen Sprachraum gewidmet sind. Dies mag daran liegen, dass die einheitliche, hochdeutsche Sprache sich zum Niederdeutschen mehr wie eine Fremdsprache verhielt und somit eine leichtere Kontrastierung möglich war, zum Anderen, weil das Niederdeutsche als Schriftsprache der Hanse durchaus noch Sympathisanten hatte. (vgl. Besch u.a. 1982, S.6)
2. Gründe für die Erforschung der Mundarten
Die Gründe für die Beschäftigung mit den Dialekten waren vielfältig. Zum Einen sollte die Schriftsprache bereichert und durch mundartliche „Auffrischungen“ vor der Verkümmerung bewahrt werden. (Niebaum/Macha 1999, S.49) Dies wurde v.a. durch Schriftsteller unterstützt, die sich eine Bereicherung der poetischen Literatursprache erhofften, da ihnen die Hochsprache nicht ausreichte (vgl. Haas 1994, S.348) Dieser sprachpflegerische Aspekt wurde jedoch sehr skeptisch beurteilt. Es sollten nur dort Begriffe des Dialektes aufgenommen werden, wo eine hochsprachliche Bezeichnung fehlte. Adelung war z.B. der Meinung die Hochsprache würde durch zu viele Entlehnungen zerfallen. (vgl. ebd. 1994, S.346)Ein weiterer Grund war das etymologische Interesse der Sprachgelehrten. Mit Hilfe des gesammelten Wortmaterials sollten die Wurzeln der Sprache erkennbar werden.
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Dafür verantwortlich ist ein Wandel in der theoretischen Auffassung dahingehend, dass nun die Einheitssprache auf die Dialekte als Basis zurückgreift und nicht umgekehrt, wie vormals behauptet. (vgl. Niebaum/Macha 1999,S.49) Verbunden damit ist der Wunsch nach „Natürlichkeit“ und „Ungezwungenheit“, die in den Mundarten gesehen wurden und erkennbare Tendenzen gegen die „städtische Verfeinerung“, gegen die zu glatte und charakterlose Schriftsprache. (vgl. Besch u.a. 1982, S.7) Dieser sprachhistorische Aspekt war aber eher idealer als praktischer Natur. Neben der etymologischen Diskussion des dialektalen Wortschatzes sollte v.a. der Reichtum und damit der Status der eigenen Sprache bewiesen werden. (vgl. Haas 1994, S.345) Nach der Entdeckung der Mundarten für die Wissenschaft und deren Etablierung neben der Hochsprache, entwickelten sich auch schon Befürchtungen über deren Verschwinden. (vgl. Besch u.a. 1982, S.8) Deshalb stellt die Bewahrung für die Zukunft einen weiteren Grund für die Sammlung mundartlichen Wortmaterials dar. Ebenso wie das Bestreben der Wissenschaftler einen Beitrag für ein allgemeines deutsches Wörterbuch, für ein „dialectis communis“, zu leisten. (vgl. Niebaum/Macha 1999, S.49)
Des weiteren stellte sich ein übersetzungspraktisches Problem. Überregionale Kommunikation sollte gewährleistet und lexikbedingten Missverständnissen vorgebeugt werden. (vgl.ebd.S.49) Durch die plurizentrische Sprachentwicklung Deutschlands war dies ein wichtiger Faktor bei landesweitem Handel etc. Die Landbevölkerung sollte zudem mit neuen Technologien vertraut gemacht werden, die Wörterlisten zum Verständnis benötigten. Dieses praktische Interesse wird durch die zunehmende Reiselust der Deutschen gefördert. Zu dem Zweck der Verständigung Ortsfremder mit Einheimischen dienten die Glossare in Reisebeschreibungen. (vgl. Haas 1994, S.347) Diese stellten jedoch oft eher Sammlungen von Kuriositäten und Sonderbarem dar. (vgl. Besch u.a. 1982, S.9)
3. Idiotika und Idiotismenlisten
Idiotismenlisten sind eine „... ausgesprochen epochenspezifische Gattung des 18.Jh.... “ (zit. nach: Haas 1994, S.333) Idiokographie meinte damals v.a. die Eigentümlichkeiten der Mundart.
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Arbeit zitieren:
Sabine Sittner, 2001, Historische Dialektologie - J. A. Schmellers Arbeiten und der Weg zu einer wissenschaftlichen Mundartforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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