Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
T h e o r e t i s c h e r T e i l
2. Offener Unterricht 7
2.1 Charakteristika von Offenem Unterricht 7
2.2 Entstehungsgeschichte des Offenen Unterrichts 9
2.3 Begründung des Offenen Unterrichts 10
2.4 Ziele des Offenen Unterrichts 12
2.5 Rahmenbedingungen des Offenen Unterrichts 13
2.6 Formen des Offenen Unterrichts 14
2.6.1 Projektunterricht 14
2.6.2 Wochenplanarbeit 15
2.6.3 Freiarbeit 15
2.6.4 Werkstattunterricht 16
2.6.5 Stationenlernen 16
3. Verkehrs und Mobilitätserziehung in der Grundschule 17
3.1 Die historische Entwicklung der Verkehrs und
Mobilitätserziehung 17
3.2 Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom 07 07 1972 18
3.3 Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom 17 06 1994 19
3.4 Aufgaben und Ziele der Verkehrs und Mobilitätserziehung 20
3.4.1 Sicherheitserziehung 21
3.4.2 Sozialerziehung 21
3.4.3 Umwelterziehung 22
3.4.4 Gesundheitserziehung 22
3.5 Inhalte Methoden und Umfang in der Grundschule 23
3.6 Zusammenarbeit der Schulen mit außerschulischen
Institutionen 24
3.7 Mobilitätserziehung in den Richtlinien 25
4. Der Schulweg 29
4.1 Veränderte Kindheit im Straßenverkehr 29
4.2 Kinder als Verkehrsteilnehmer 30
4.3 Straßenverkehrsunfälle im Kindesalter 31
4.4.1 Schulwegunfallgeschehen 33
4.4.2 Schulbusunfallgeschehen 35
4.4 Ursachen für Verkehrsunfälle im Kindesalter 37
4.5 Unfallpräventionen 39
P r a k t i s c h e r T e i l
5. Die EVAG als Beispiel für die Zusammenarbeit von Schule und
außerschulischen Institutionen 42
5.1 Das pädagogische Konzept EVAG macht Schule 42
5.2 Betriebsführung 43
5.3 Mobilitätserziehung und beratung 44
5.4 EVAG macht Theater 44
5.5 Haltestellenpatenschaften 45
5.6 Unterrichtsmaterialien 45
6. Das Bus und Bahntraining an der Alfriedschule 48
6.1 Schule und Umgebung 48
6.2 Klassensituation 49
6.3 Planung der Unterrichtsstunde 49
6.4 Ablauf des Bus und Bahntrainings 52
6.4.1 Theoretische Stunde 52
6.4.2 Praktische Übungen auf dem Betriebshof 55
6.4.3 Die Rallye 60
6.4.4 Das Quiz 61
6.5 Unterrichtsvorschläge zum Thema Bus und Bahn 63
7. Schlusswort 67
8. Literaturverzeichnis 68
9. Abbildungsverzeichnis 71
10. Tabellenverzeichnis 72
11. Anhang 72
1. Einleitung
Die starke Zunahme des Straßenverkehrs, die Verdichtung der städtischen Bal- lungsgebiete sowie der Rückgang der Geburtenrate haben dazu geführt, dass die Kinder heutzutage unter anderen Lebens- und Entwicklungsbedingungen aufwachsen als noch vor einem halben Jahrhundert.
Vor allem die zunehmende Vereinsamung und Verhäuslichung, welche als Konsequenz auf den drastischen Rückgang der Geburtenrate zurückzuführen ist, hat dazu beigetragen, dass sich die Lebensverhältnisse der Kinder gewan- delt haben. Es gibt immer weniger kinderreiche Familien.
Des Weiteren sind Veränderungen der Familienstrukturen zu vermerken. So ist eine zunehmende Pluralisierung der Lebenswelten in der Gesellschaft erkenn- bar. Es gibt immer weniger traditionelle Familien, stattdessen mehr Eineltern- familien, nichteheliche Lebensgemeinschaften oder Patchwork-Familien. Dies hat zur Folge, dass die Kinder nach unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen erzogen werden.
Die Medialisierung hat einen sehr großen Einfluss auf die Kindheit. Die Kinder wachsen in einer Gesellschaft auf, in der zum Beispiel der Computer oder das Fernsehen zum alltäglichen Leben gehören. Daraus folgt ein vermehrter Einzug dieser Medien in die Freizeitgestaltung der Kinder.
Zwei weitere wichtige Aspekte, die die Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kinder sehr stark beeinflussen, sind zum einen die baulichen Veränderun- gen und zum anderen das erhöhte Verkehrsaufkommen. Die Zunahme des Straßenverkehrs führt dazu, dass der Erfahrungs- und Bewegungsraum der Kinder sehr stark eingeschränkt wird. Sie können ihre Freizeit seltener im Frei- en verbringen, da viele Wiesen, Parks, Spielplätze etc. bebaut sind oder für die Vernetzung des Straßenverkehrs zur Verfügung gestellt wurden. Dadurch sind die Kinder gezwungen, den größten Teil ihrer Freizeit in der Wohnung zu verbringen. Die Aktionsräume der Kinder werden von draußen nach drinnen verlagert, was zu einer Verhäuslichung der Kindheit führt.
Die Eltern haben aufgrund des Unfallrisikos Angst davor, ihre Kinder unbeauf- sichtigt im Freien spielen oder zur Schule laufen zu lassen, so dass sie diese vermehrt zur Schule fahren. Die Mobilität der Kinder wird dadurch einge-
5
schränkt, dies führt zu einer Unselbstständigkeit und Abhängigkeit gegenüber den Eltern.
Diese Faktoren beeinflussen die Kindheit und somit auch den schulischen All- tag. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den ge- nannten Problemen.
Die vorliegende Examensarbeit befasst sich mit dem Thema „Offener Unter- richt in der Mobilitätserziehung“. Dieses soll anhand des Bus- und Bahntrai- nings veranschaulicht werden.
Die Arbeit gliedert sich in einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der erste Teil beschäftigt sich mit Offenem Unterricht. Zunächst wird diese Unter- richtsform erläutert und anhand von gängigen Methoden beschrieben. Das folgende Kapitel setzt sich mit der Verkehr- und Mobilitätserziehung in der Grundschule auseinander. Dabei wird insbesondere die historische Ge- schichte über die Entwicklung der Verkehrserziehung in Deutschland themati- siert. Ferner werden die heutigen Inhalte und Ziele dieser Erziehung dargestellt und mit den geltenden Richtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen in Bezug gebracht.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Verkehrs auf die Kinder und auf ihren Schulweg. Es werden nicht nur die unterschiedlichen Fortbewegungsformen der Kinder aufgezeigt, sondern auch die damit verbun- denen Verkehrsunfälle. Aufgrund dieser Tatsache werden Präventionsmöglich- keiten vorgestellt.
Im zweiten, praktischen Teil dieser Arbeit wird das Projekt der Essener- Verkehrs-AG vorgestellt. Anhand des Bus- und Bahntrainings wird eine Mög- lichkeit aufgezeigt, wie ein Beitrag zur Sicherung des Schulweges der Kinder geleistet werden kann.
Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der gesamten Arbeit.
Ziel dieser Arbeit ist es letztendlich aufzuzeigen, wie wichtig die Verkehrs- und Mobilitätserziehung ist und wie sie durch eine Öffnung von Unterricht möglichst effektiv den Schülern nahe gebracht werden kann.
6
2. Offener Unterricht
In der Pädagogik besteht der Offene Unterricht als alternative Unterrichtsform neben dem gängigen Frontalunterricht. Im Folgenden wird diese Form der Leh- re vorgestellt und beschrieben.
2.1 Charakteristika von Offenem Unterricht Eine eindeutige Definition oder ein einheitliches Konzept des Offenen Unter- richts gibt es seit der Einführung in die Schulpädagogik, vor mehr als fünfund- zwanzig Jahren, nicht.
Der Begriff „offen“ bezieht sich auf eine Unterrichtsform, die stets flexibel für Veränderungen sein sollte. Eine genaue Definition würde diesem Konzept wi- dersprechen, deswegen sind verschiedene Interpretationen möglich. Ferner würde eine Definition den Charakter des Prozesshaften widerlegen, aus diesen Gründen werden im Folgenden Charakteristika des Offenen Unterrichts aufgezeigt.
In den 1970er Jahren wurde der Offene Unterricht zunächst als Gegensatz zum lehrerzentrierten Frontalunterricht dargestellt. 1 Dabei wurden geschlossene und offene Curricula gegenüber gestellt. Die geschlossene Unterrichtsform, in wel- cher der Lehrer den Inhalt genau durchstrukturiert und voraus plant, wurde von vielen Pädagogen bemängelt. 2)3) Stattdessen sollten die Schüler sowie deren Bedürfnisse und Interessen im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Sie sollen nicht nur den Unterrichtsinhalt mitbestimmen, sondern auch die Un- terrichtsdurchführung und den Verlauf. Dadurch können die Wünsche und Fähigkeiten der Schüler mit einbezogen werden.
1 Vgl. Knauf, Tassilo: Einführung in die Grundschuldidaktik. Kohlhammer Verlag. Stuttgart
2001. Seite 102.
2 Begriffe wie Lehrer, Schüler etc. werden aus Gründen der Vereinfachung verwendet, meinen
jedoch in allen Fällen das männliche und weibliche Geschlecht.
3 Vgl. Knauf, T., 2001, Seite 103.
7
So wird das Lernen im Offenen Unterricht zu einem ganzheitlichen Lernen, da es an die Erfahrungswelt der Kinder anknüpft.
Der Pädagoge Wulf Wallrabenstein hat sich mit dieser Unterrichtsform aus- führlich auseinander gesetzt. Er beschreibt Offenen Unterricht als einen „[…] Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen in- haltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lern-
begriffs.“ 4 In den 1990er Jahren hat er sich insbesondere mit dem Begriff der Offenheit beschäftigt. Wallrabenstein hat seine Überlegungen in fünf wesentliche Ele- mente zusammengefasst. „Öffnung heißt demnach vor allem:
• Lernen und Leben als ganzheitliche Erfahrung für Kinder in der Wech- selbeziehung von Schule und Umgebung zu ermöglichen,
• Zugänge aus der Schule heraus zu den Gegenständen des Alltags, der Natur und zum Alltagsleben der Gemeinde und des Stadtteils zu öff- nen,
• Handlungsspielräume für Lehrerinnen, Lehrer und Kinder im Unter- richt zu schaffen, die eigenständige Entscheidungen über Arbeitsfor- men und Arbeitsmöglichkeiten hervorrufen,
• flexible Organisationsformen des Lernens für vielfältige, wechselnde Aktivitäten bereitzustellen und
• den Verlust sinnlich-praktischer Erfahrungen durch den Aufbau von anregungsreichen Lernumwelten mit Werkstattprinzipien auszuglei-
chen.“ 5
Nach Wallrabenstein ist vor allem die Offenheit der Eltern und Lehrer in ihrer
Beziehung und Haltung gegenüber den Kindern wichtig. 6 Je mehr Schüler am Unterrichtsgeschehen mitwirken können, desto offener wird der Unterricht.
4 Wallrabenstein, Wulf: Offene Schule – Offener Unterricht. Rowohlt Verlag. Reinbek bei
Hamburg 1998. Seite 54.
5 Ebenda. Seite 69 f.
6 Vgl. Ebenda. Seite 54.
8
2.2 Entstehungsgeschichte des Offenen Unterrichts Seit den 1970er Jahren hat sich diese Unterrichtsform in der Schule durchge- setzt. Die Wurzeln des Offenen Unterrichts sind jedoch bis in die Reformpäda- gogik zurückzuführen. 7
Bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sollten nach Meinungen be- kannter Pädagogen wie Berthold Otto (1859-1933), Peter Petersen (1888-1952) oder Maria Montessori (1870-1952) die Schüler im Fokus des Unterrichts ste- hen. 8 Die Schule sollte ein lebendiger Ort sein, der handlungsorientiert an die Lebenswelt der Schüler anknüpft. Die Didaktik der damaligen Zeit entsprach dem Gegenteil. Die Pädagogen richteten sich gegen die herkömmliche Struktur des Unterrichts und forderten eine Öffnung von Schule und Unterricht.
Maria Montessori wird häufig als Vorreiterin des Offenen Unterrichts bezeich- net. 9 Sie ist der Auffassung, dass das freie und selbstständige Arbeiten für die Persönlichkeitsentwicklung des Schülers von entscheidender Bedeutung ist. Lernen ist ein Prozess, der von den Kindern selbst gesteuert werden sollte. Montessori beschreibt Erziehung als eine Realisierung von Freiheit. Hierzu gehört das Prinzip der „freien Wahl“. Dies bezieht sich auf die Wahl der Auf- gabe bzw. des Materials, der Zeit, des Ortes und des Partners. Erst dadurch kann die Selbstständigkeit der Kinder wachsen und gefördert werden.
Viele Autoren in den 1970er Jahren waren sich einig, dass die Schüler und ihre individuellen Persönlichkeiten im Mittelpunkt des Unterrichts stehen müssen.
Viele Wissenschaftler beschäftigten sich mit möglichen Formen der Umset- zung Offenen Unterrichts. Es ging nun „[…] um die Realisierung eines neuen Unterrichts- und Schulverständnis.“ 10 Die Schule sollte ein Ort des Lernens werden, welcher offen für die Bedürfnisse und Interessen der Schüler ist.
7 Vgl. Jürgens, Eiko: Die neue Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht. 6. Auflage. Academia Verlag. Sankt Augustin 2004. Seite 25.
8 Vgl. Knauf, T., 2001, Seite 107.
9 Vgl. Ebenda. Seite 107.
10 Knauf, T., 2001, Seite 108.
9
Somit entstanden „[…] unterschiedlich akzentuierte Systeme von Veränderun- gen des Unterrichts im Rahmen einer Methodenvielfalt mit traditionellen und neueren Elementen, die unter entscheidender Beteiligung des Lernenden ihre individuelle Ausprägung erfahren.“ 11
2.3 Begründung des Offenen Unterrichts Wenn Offener Unterricht ein wichtiger Bestandteil schulischer Lehr- und Lernarbeit sein soll, müssen plausible und adäquate Begründungen dafür be- nannt werden.
Da es verschiedene Gründe für eine Öffnung von Unterricht gibt, ist eine Ein- teilung sinnvoll.
Bildungstheoretische Gründe:
In den 1970er Jahren hat der damalige Leiter des Bundesinstituts für Berufbil- dungsforschung Dieter Mertens den Begriff Schlüsselqualifikationen geprägt. Unter diesem Begriff lassen sich Kompetenzen zusammenfassen, die „[…] für das Bestehen in gesellschaftlichen Übergangssituationen notwendig sind.“ 12 Diese Qualifikationen sind hilfreich für die Bewältigung des Lebensalltags sowie für das Berufsleben. Dazu zählen zum Beispiel: Kooperations- oder Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Kreativität.
Diese Schlüsselqualifikationen können durch Offenen Unterricht gestärkt und gefördert werden. Wichtig ist jedoch, dass diese Unterrichtsform regelmäßig durchgeführt wird, denn nur so können sich Kreativität, Flexibilität, Problem- lösefähigkeit, Eigeninitiative und Lernkompetenz bei den Schülern entwickeln.
Unterrichtstheoretische Gründe:
Beim lehrerorientierten Unterricht richtet sich das Lerntempo nach dem Durch- schnitt der Schüler. Dieses Tempo ist jedoch variabel und individuell verschie- den. Folglich könnten einige Schüler diesem Tempo nicht Stand halten, was zu Verständnisproblemen führen kann.
11 Keck, Rudolf W.: Wörterbuch Schulpädagogik. Klinkhardt Verlag. Bad Heilbrunn 1994.
Seite 211f.
12 Knauf, T., 2001, Seite 108.
10
Doch Offener Unterricht kann dieses Problem verringern, da die Schüler die Unterrichtssituation im Hinblick auf den Inhalt, Verlauf, Lernmethode, Lern- zeit, Arbeits- und Sozialform mitbestimmen können.
Lern- und entwicklungstheoretische Gründe:
Die Theorie der kognitiven Entwicklung und des Lernens, die von Jean Piagets (1896-1980) entwickelt wurde, liefert eine wesentliche Begründung des Offe- nen Unterrichts. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Lernen auf den Erfahrun- gen der Schüler aufbaut.
Piagets Theorie bezieht sich auf das Denken des Kindes. Dabei fokussiert er den Zusammenhang zwischen Lernen und Entwicklung.
Piaget differenziert den Entwicklungsstand eines Kindes nach dessen Fähigkei- ten. Diese variieren zwar von Kind zu Kind, dennoch lassen sie sich altersab- hängig kategorisieren.
Piaget teilt demnach den Gesamtprozess der Denkentwicklung in vier Haupt- stufen ein 13 :
1. die senu-motorische Stufe (bis ca. 1,5 Jahre)
2. die prä-operationale Stufe (ca. 1,5 bis 7 Jahre)
3. die konkret-operationale Stufe (ca. 7 bis 12 Jahre)
4. die formal-operationale Stufe (ab ca. 12 Jahre)
Für die Grundschule ist besonders der Übergang von der prä-operationalen zur konkret-operationalen Stufe von Bedeutung. So lernen Kinder nur erfolgreich, wenn Lernvorgänge mit Anschauungen verbunden werden. Das liegt daran, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein abstraktes Denken möglich ist. 14
Im Konzept Piagets steht insbesondere die Aktivität des lernenden Kindes im Vordergrund. Der Lernende soll sich aktiv und problemorientiert mit der kon- kreten Umwelt auseinandersetzen. 15 Gerade dieser Aspekt lässt sich gut im
13 Vgl. Limbourg, M.: Kinder im Straßenverkehr. Gemeindeunfallversicherungsverband West-
falen-Lippe. Münster 1995. Seite 66f.
14 Vgl. Ebenda. Seite 67.
15 Vgl. Knauf, T., 2001. Seite 113.
11
Offenen Unterricht umsetzen. Die Schüler können eigene Erfahrungen sam- meln und ihr Wissen und Können erweitern.
Das entdeckende Lernen, welches ebenfalls durch den Offenen Unterricht ge- fördert wird, spielt eine bedeutende Rolle. Hierbei können die Schüler experi- mentieren und Probleme lösen. Dies wirkt sich positiv auf die Lernenden aus, da ihm dadurch Erfolgserlebnisse ermöglicht werden.
Auch die Erfolgschancen von Offenem Unterricht werden durch selbstständige Handlungen oder durch Medien, die anschauliches Lernen unterstützen, erhöht. Offener Unterricht bietet also aus Lern- und Entwicklungstheoretischen Grün- den einen idealen Ansatzpunkt.
Der heutige Schulalltag erfährt also vielfältige Veränderungen, auf die Lehrer reagieren müssen. Es reicht jedoch nicht aus, die bisherigen Unterrichtsmetho- den gegen eine neue auszutauschen. Stattdessen müssen sie weiterentwickelt und der jeweiligen Situation angepasst werden.
2.4 Ziele des Offenen Unterrichts Offener Unterricht verfolgt unterschiedliche Ziele. Viele davon ergeben sich aus dem Sozialen Wandel sowie den veränderten Lebens- und Entwicklungs- bedingungen der Kinder. Daraus ergeben sich drei Hauptziele:
1. Offener Unterricht trägt zur Förderung der Individualität der Schüler
bei. Es wird ihnen ermöglicht, ihre Lerntypen und Lernziele zu erken- nen und ihr Selbstbewusstsein und -vertrauen zu verstärken. Auch ihre Schwächen können im Offenen Unterricht wahrgenommen und ver- bessert werden.
2. Im Offenen Unterricht erhalten die Schüler die Möglichkeit in ver-
schiedenen Situationen ihre sozialen Beziehungen zu erkunden und zu erproben. Die Schüler können dadurch Akzeptanz, Freude an Gemein- schaftlichkeit, Kooperation und Solidarität erfahren.
3. Offener Unterricht ermöglicht, dass die Schüler eine ganzheitliche Er-
fahrung eines Zusammenhanges erleben können, denn Schule stellt ei-
12
ne Beziehung zwischen dem schulischen Lernen und dem außerschuli- schen Leben her. 16
So erhalten die Schüler die Chance, interessenorientiert zu arbeiten, ihre Lern- zeiten selbst einzuteilen, Lernpartner und -orte selber zu wählen, ihre jeweili- gen Lerntypen sowie -strategien zu entdecken, individuelle Impulse von der Lehrkraft anzunehmen und eigeninitiativ zu arbeiten. 17
Im Offenen Unterricht wird vor allem an die Erfahrungswelt der Kinder ange- knüpft. Das Ziel ist es also, die Kluft zwischen Schule und Leben zu verklei- nern.
2.5 Rahmenbedingungen des Offenen Unterrichts Damit Offener Unterricht gelingt und vor allem effektiv ist, sind verschiedene Bedingungen erforderlich. Knauf macht dies abhängig von den inneren und äußeren Bedingungen. Zu den inneren Bedingungen zählt die Lehrerrolle und -persönlichkeit, zu den Äußeren die Lernumgebung, der Umgang mit Zeit so- wie die Qualität des verwendeten Materials. 18 Des Weiteren spielen Faktoren wie Stärke und Zusammensetzung der Klasse, schulisches Einzugsgebiet sowie die Erwartungen der Eltern eine große Rolle. Auch Wallrabenstein hat festgestellt, dass noch weitaus mehr als eine Fülle von Arbeitsmaterialien und eine lebendige Klassenzimmergestaltung dazu beitra- gen muss, damit Offener Unterricht angemessen umgesetzt werden kann. 19
Die entscheidenden Bedingungen für den Erfolg beim Öffnen des Unterrichts sind die inneren Voraussetzungen der Lernenden. Dazu gehören unter anderem die Zielklarheit, Zielstrebigkeit, Selbstkritikfähigkeit sowie das Durchhalte- vermögen.
Wallrabenstein ist der Meinung, dass „Offenheit bei uns selbst anfängt.“ 20 Vor allem die Beziehung der Lehrkraft zu dem Schüler ist von großer Bedeu- tung. Es ist wichtig, dass der Lehrer die Schüler zu den erlernenden Inhalten
16 Vgl. Knauf, T., 2001, Seite 105.
17 Vgl. Ebenda. Seite 106.
18 Vgl. Ebenda. Seite 147.
19 Vgl. Wallrabenstein, W., 1998, Seite 60.
20 Ebenda. Seite 22.
13
hinleitet, ihn dann aber loslässt und sich zurückzieht. Somit können die Schüler sich frei weiterentwickeln.
Wenn es um die Qualitätssicherung von Offenem Unterricht geht, tauchen in der Literatur immer wieder die Elemente von Montessori auf. Auch das Ar- beitsmaterial nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. Der Lehrer erläutert den Schülern das Material und stellt es ihnen dann zur freien Verfügung. „Der Lehrer überträgt gewissermaßen seine Leistungsfunktion auf das Material.“ 21 Aus diesem Grund ist für Montessori die Gestaltung des Materials von großer Bedeutung.
2.6 Formen des Offenen Unterrichts Da Offener Unterricht nicht eindeutig definiert ist, lässt die Durchführung ein hohes Maß an Flexibilität zu. Dennoch haben sich einige Formen im Schulall- tag etabliert.
2.6.1 Projektunterricht
Der Projektunterricht zählt zu den ältesten Formen des Offenen Unterrichts. 22 Die Schüler und die Lehrperson setzen sich mit einer Idee, Thema oder Prob- lem über einen gewissen Zeitraum auseinander. Für die Bearbeitung wird ein Plan entwickelt, der unter Beachtung von den selbst gesetzten Regeln ausge- führt wird. 23 Einzelne Teile des Projekts werden meist von Gruppen selbststän- dig vorbereitet, bearbeitet und den anderen in Ausstellungen oder Dokumenta- tionen präsentiert. Dabei ist die Kommunikation in der Projektgruppe von gro- ßer Bedeutung.
Durch die Projektmethode wird es dem Schüler ermöglicht, dass Gelernte län- ger zu behalten. Dies hängt damit zusammen, dass er sich aktiv mit dem Prob- lem beschäftigt und auseinandersetzt. So kann er den Lerngegenstand besser verinnerlichen. Dies hat auch bereits Montessori in ihrem Modell festgestellt:
21 Wallrabenstein, W., 1998, Seite 149.
22 Vgl. Ebenda. Seite 125.
23 Vgl. Wiechmann, Jürgen (Hrsg.): Zwölf Unterrichtsmethoden. Beltz Verlag. Weinheim
2006. Seite 155.
14
„Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe.“ 24
2.6.2 Wochenplanunterricht
Eine weitere häufig praktizierte Form des Offenen Unterrichts ist der Wochen- planunterricht. In regelmäßig dafür vorgesehenen Stunden erfüllen die Schüler Aufgaben, die sie auf einem Arbeitsblatt eintragen und bis zum Ende der Wo- che erledigt haben müssen. Die Aufgaben decken verschiedene Fachbereiche wie zum Beispiel Mathematik, Deutsch oder Sachunterricht ab, manche Auf- gaben weisen auch keinen Fachbezug auf. Der Wochenplan kann in Pflicht- und Wahlaufgaben aufgeteilt werden.
Die Schüler können die Reihenfolge und den Zeitumfang der jeweiligen Auf- gaben selber bestimmen.
Durch die Wochenplanarbeit lernen die Schüler selbsttätig und unabhängig zu arbeiten.
Das Ziel des Wochenplanunterrichts ist eine zunehmende Mitgestaltung durch die Schüler. 25 Die Pläne dürfen nicht erstarren oder als Instrument vom Lehrer verwendet werden. Stattdessen sollen sie weiterentwickelt werden, um somit den Unterricht zunehmend zu öffnen.
2.6.3 Freiarbeit
Bei dieser Unterrichtsform können die Schüler sich den Unterrichtsgegenstand oder das Thema selber aussuchen. Sie können ihren Schwerpunkt frei wählen. Der Inhalt ist dementsprechend sehr individuell. Somit kann zum Beispiel frei- es Spielen, Lesen oder Basteln thematisiert werden. Die Schüler können frei entscheiden, ob sie sich mit diesem Thema alleine, zu zweit oder in einer Gruppe auseinandersetzen möchten.
Die Freiarbeit ist sehr platz- und materialaufwändig, jedoch fordert sie die Ei- genverantwortlichkeit der Schüler in besonders hohem Maße. Auch die Lern- und Bildungsfreude wird durch diese Unterrichtsform geweckt. 26
24 www.montessori.de (17.07.2007).
25 Vgl. Wichmann, J., 2006, Seite 73.
26 Vgl. Badegruber, Bernd: Offenes Lernen…und es funktioniert doch! 1.Auflage. Veritas
Verlag. Linz 1999. Seite 7.
15
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Angelique Scholtyssek, 2007, Offener Unterricht in der Mobilitätserziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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