MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE/SAALE
FACHBEREICH VERHALTENSGESTÖRTENPÄDAGOGIK
BLOCKSEMINAR: VOM SCHÜLER ZUM LEHRER
– ZU PROBLEMEN DES SEITENWECHSELS
WS 2003/2004
THEMA:
DER JENAPLAN
DIE PÄDAGOGIK PETER PETERSENS ( 1884 – 1952 )
Belegarbeit eingereicht von Anja Gneuß
Lehramt an Sonderschulen; 3. FS
Fächer: Deutsch, Musik
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Pädagogik von Peter Petersen am Beispiel des Jenaplans 4
2.1 Die Stammgruppen 5
2.2 Der Wochenarbeitsplan 6
2.3 Das “Gruppenunterichtliche Verfahren“ 8
2.4 Die Arbeits- und Leistungsberichte 10
2.5 Die “Schulwohnstube“ als Raum für “sittliche und soziale Erziehung“ 11
2.6 Die Schulgemeinde 13
3. Die Jenaplanpädagogik in der Schule für Erziehungshilfe 14
4. Schlussbetrachtungen 17
5. Literaturverzeichnis 18
6. Anhang
6.1 Die Jenaplan - Basisprinzipien
6.2 Das Stammgruppensystem
1. Einleitung
Peter Petersen wurde am 26. Juni 1884 in Großwiehe bei Flensburg geboren und
wuchs
als ältester von sieben Geschwistern auf dem väterlichen Bauernhof auf. Bereits
das
Aufwachsen in dieser kleinbäuerlichen Familiengemeinschaft formte seinen
Charakter,
welcher Beharrlichkeit und Zielbewusstsein beinhaltete. 1890 bis 1896 besuchte
Petersen die Dorfschule seines Heimatortes und wurde vom Pastor des Dorfes auf
den
Besuch einer höheren Schule vorbereitet, welche 1896 mit dem Eintritt in die
Quinta
des Flensburger Gymnasium beginnt. 1904 verlässt Petersen das Gymnasium mit
Abitur
und beginnt im selben Jahr sein Studium in Leipzig, später in Kiel, Kopenhagen
und
Posen. Seine Studienrichtungen waren Theologie, Philologie, Psychologie,
Nationalökonomie und Geschichte und er wurde durch den Psychologen Wilhelm
Wundt in die experimentelle Psychologie eingeführt. 5 Jahre später legte er dann
die
staatliche Prüfung für das Lehramt an Gymnasien in Leipzig ab, und war nach dem
Referendariat zwischen 1910 und 1920 Oberlehrer in Hamburg. Nach 2 Jahren
Lehrtätigkeit wurde Petersen dann Vorstandsmitglied im Bund für Schulreform, in
dem
er die “Innere Schulreform“ zu seiner Lebensaufgabe macht. Mit Beginn der
Leitungsübernahme einer Realschule in Hamburg – Winterhude will er das
Schulwesen
radikal umgestalten und so setzt er 1920 die Realschule zur “Vollanstalt mit
Oberstufe“
( Dietrich 1995, S. 26 ) durch, welche 1921, auf seinen Antrag hin, den Namen
Lichtwark - Schule erhält. Diese Schule entwickelte sich nach kurzer Zeit zur
ersten
Versuchs- Oberschule, in der Petersen mit Kollegen unterschiedlicher
Weltanschauungen praktische Versuche der Schulreform durchführt. Gemeinsam wurde
ein neuer Lehrplan erarbeitet, welcher fächerübergreifenden Unterricht vorsah.
Organisatorisch wurde der Unterricht differenziert in Kurs- und Grundunterricht.
Vor
allem stellte man auch das Gemeinschaftsleben der Schüler in den Mittelpunkt und
bereits zu diesem Zeitpunkt gab es auch schon die “Schulgemeinde“, in der
Eltern,
Schüler und Lehrer zusammenarbeiteten.
Diese Erfahrungen bildeten die Ansatzpunkte für die spätere Schulkonzeption,
den
Jenaplan ( vgl. Dietrich 1995, S. 23 ff und http://www.jenaplan.de/pp_ie.htm ).
. In dieser Belegarbeit werde ich zunächst die Pädagogik Petersens mit seinem
Jenaplan
näher vorstellen um anschließend Schlussfolgerungen für die Arbeit in der
Schulischen
Erziehungshilfe zu ziehen.
Anmerken möchte ich noch, dass ich mich in meiner Belegarbeit auf das
weibliche
sowie männliche Geschlecht beziehe, aber nur die männliche Person für meine
Ausführungen nutze und damit eine Generalisierung vornehme.
2. Die Pädagogik von Peter Petersen am Beispiel des Jenaplans
Nach Entwicklung und Erprobung von Vorformen für die spätere Jenaplanschule
in der
Lichtwark– Schule, wird Petersen an die Universität Jena berufen, um als
Nachfolger von
Wilhelm Rein den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft zu übernehmen. Mit diesem
Lehrstuhl übernimmt Petersen auch die Universitätsübungsschule, welche er nach
seinen
Reformideen umgestaltet. Dabei stellt er sich die Frage, wie die
Erziehungsgemeinschaft
beschaffen sein soll, „in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur
Persönlichkeit vollenden kann“ ( Dietrich 1995, S. 68 ). Petersens Ziel ist es
also, eine
“Erziehungsgemeinschaft“ aufzubauen, welche keine Jahrgangsklassen enthält.
Diesen
Gedanken und weitere Forderungen und Ideen erprobte er sodann an der
Universitätsschule in Jena. Bereits 1925 legte er einen ersten Bericht vor, der
da hieß:
„Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaft“
( Dietrich 1995, S. 69 ). Der Titel gibt eindeutig die, auch schon für die
Lichtwark –
Schule maßgebende Zielstellung wieder, dass die Schule eine „Arbeits- und
Lebensgemeinschaftsschule“ ( Dietrich 1995, S.69 ) sein soll, welche
gemeinschaftliches
Zusammenarbeiten und –leben, selbsttätiges Arbeiten, Mitverantwortung von Eltern
und Bewältigung von Lebensaufgaben einbezieht. Auf der Grundlage dieser
Basisprinzipien ( vgl. Anhang 6.1 ) suchten Petersen und seine Mitarbeiter nach
Möglichkeiten für die Ausgestaltung des Schulraumes zur „Schulwohnstube“, für
die
Mitarbeit der Eltern, der Stundentafel usw.. Die Ergebnisse führten dann zu der
Schulform, welche heute unter dem Jenaplan bekannt ist (vgl. Dietrich 1995, S.
66 – 69 ).
Jedoch ist der Jenaplan keine Unterrichtsmethode. Vielmehr ist er ein
pädagogisches
Konzept nach den Grundsätzen der neuen Erziehung. Wichtig ist auch, dass
Petersen den
Jenaplan als Ausgangsform bezeichnet. Konkret gesagt bedeutet dies, dass die
Pädagogen Petersen eine Form erhalten, von der sie "ausgehen" und einen Plan.
Doch im
Rahmen dieses Planes ( Jenaplan ) liegt es immer in ihrer Verantwortung, auf
welchem
Weg die Pädagogen versuchen, das Ziel zu erreichen. Erziehung vollzieht sich
nach der
Erziehungsidee Peter Petersens in und durch die Gemeinschaft. Der Lehrer muss
also den
Unterricht und das Schulleben so durch eine Pädagogik des Unterrichts
„vorordnen“ und
im Unterricht solche Hilfen geben, durch eine Pädagogik im Unterricht, dass es
den
Schülern selbständig gelingt, Probleme zu entdecken, zu bearbeiten und zu lösen
( vgl. http://www.schule.suedtirol.it/blikk/angebote/reformpaedagogik/rp10053.htm#
)
Wie sieht die Jenaplanpädagogik aber nun im Einzelnen aus ?
2.1. Die Stammgruppen
Schaut man sich unser heutiges Regelschulsystem an, so besteht eine Schule
aus
Jahrgangsklassen, in denen Schüler hinsichtlich ihres Alters und ihrer
physischen und
psychischen Entwicklung gemeinsam lernen. Anders ist es bei Jenaplan – Schulen.
Unabhängig von sozialen, religiösen und politischen Milieus lernen in den
sogenannten
„Stammgruppen“ alle Kinder gemeinschaftlich. Somit entstehen heterogene
Lerngruppen, welche das „Prinzip des Altersstufenaufbaues“ ( Dietrich 1995, S.71
)
verwirklichen. D.h. eine Stammgruppe fasst jene Schüler zusammen, welche
aufgrund
ihrer Entwicklung zu einer Altersstufe gehören. Mit Hilfe dieses
Stammgruppensystems
( vgl. Anhang 6.2 ) wird nach Petersen den pädagogischen Forderungen
entsprochen.
Denn durch die Bildung von Untergruppen ( 1.-3. Schuljahr ), Mittelgruppen (
4.-6.
Schuljahr ), Obergruppen ( 6./7.-8. Schuljahr ) und Jugendlichengruppen (
8./9.-10.
Schuljahr ) kann seine „Idee der Erziehung“ ( Dietrich 1995, S.73 ) realisiert
werden.
Was bedeutet das? Wie unter natürlichen Bedingungen ist bei den Schülern ein
„Bildungsgefälle“ ( Hoof 1998, S. 21) vorhanden, welches für die Entwicklung von
sozialen und geistigen Kompetenzen bedeutungsvoll werden kann. Durch die
Altersspanne innerhalb einer Arbeitsgruppe werden die Kommunikation und das
Miteinanderarbeiten gefördert. Die unterschiedlichen Jahrgänge verhalten sich
zueinander wie „Lehrlinge, Gesellen und Meister“ ( Dietrich 1996, S. 73 ), d.
h., dass
die Kinder in der Folge von einzelnen Jahren mehrfach die jüngsten, mittleren
und die
ältesten einer Gruppe sind. Dabei lernen sie, in ihren unterschiedlichen Rollen,
vielfältige Aufgaben für die Gruppe zu leisten. Ein Beispiel ist die
Hilfestellung für die
jüngeren Kinder. Von erweitertem Wissen sowie Können aber auch von
Lebenserfahrung kann profitiert werden. Ein weiterer Vorteil in der
jahrgangsübergreifenden Stammgruppe ist die Selbständigkeit, welche auch Maria
Montessori in den Vordergrund rückt. „ Das Kind ist Baumeister seiner selbst“
( http://www.schulen.wien.at/schulen/923013/leben_mp.html ) lautete ihr
reformpädagogisches Konzept. Auch beim Jenaplan sind die Kinder weniger von der
Lehrperson abhängig. Sie können in der Gruppe selbständiger arbeiten und haben
ein
größeres „Selbstorganisations – Potential“ ( Seitz 2001, S. 134 ). Weiterhin
bleiben
Kinder längere Zeit Mitglied einer Gruppe wodurch beispielsweise im Fall einer
Erkrankung keine Probleme in der Gruppe zu Stande kommen.
[...]
Arbeit zitieren:
Anja Gneuß, 2004, Der Jenaplan nach Peter Petersen, München, GRIN Verlag GmbH
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