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Essay, 2001, 16 Seiten
Autor: Dr. Wolfgang Ruttkowski
Fach: Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Details
Jahr: 2001
Seiten: 16
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-83414-8
ISBN (Buch): 978-3-638-91940-1
Dateigröße: 338 KB
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Zusammenfassung / Abstract
In Abwandlung und Ergänzung eines nach wie vor diskussionswürdigen Aufsatzes von Frank Sibley sollen hier die wichtigsten Definitionen und Gliederungsversuche so genannter ästhetischer Begriffe verglichen und fünf terminologische Schichten aufgedeckt werden. Dabei ist im Hinblick auf die Rede von »ästhetischen Eigenschaften«, »ästhetischer Erfahrung« und »ästhetischem Gegenstand« von vornherein an folgendes zu erinnern: Ästhetische Eigenschaften gibt es als solche nicht, sondern nur Kombinationen von auch anderweitig vorkommenden Eigenschaften, die unter bestimmten Voraussetzungen uns ästhetisches Erleben gestatten, falls wir dazu überhaupt befähigt sind. Unter dem Aspekt ihrer Wirkung kann man feststellen, dass selbst Sibleys ästhetische Eigenschaften »regional« sind. (In: Kants Schlüssel zur Kritik des Geschmacks. Sonderheft des Jahrgangs 2000 der Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Hg. von Ursula Franke, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2000, 155-168)
Textauszug (computergeneriert)
Kernbegriff der Ästhetik
Ein Vorschlag für ihre sinnvolle Verwendung im ästhetischen Diskurs in Kants Problemhorizont
von Dr. Wolfgang Ruttkowski
I. Einteilung ästhetischer Begriffe 2
II. Die Kernbegriffe »ästhetisch künstlerisch schön« 5
III. Die Schichtung ästhetischer Begriffe 8
ANMERKUNGEN 14
In Abwandlung und Ergänzung des nach wie vor diskussionswürdigen Aufsatzes von Frank Sibley(1) sollen hier die wichtigsten Definitionen und Gliederungsversuche so genannter ästhetischer Begriffe verglichen und fünf terminologische Schichten aufgedeckt werden. Dabei ist im Hinblick auf die Rede von »ästhetischen Eigenschaften«, »ästhetischer Erfahrung« und »ästhetischem Gegenstand« von vornherein an folgendes zu erinnern: Ästhetische Eigenschaften gibt es als solche nicht, sondern nur Kombinationen von auch anderweitig vorkommenden Eigenschaften, die unter bestimmten Voraussetzungen uns ästhetisches Erleben gestatten, falls wir dazu überhaupt befähigt sind. Unter dem Aspekt ihrer Wirkung kann man feststellen, dass selbst Sibleys ästhetische Eigenschaften »regional« sind.
Wenn wir von ästhetischer Erfahrung bzw. ästhetischem Erlebnis sprechen, so ist diese Erfahrung nicht einfach strukturiert, wie etwa Angst oder Hunger, sondern äußerst komplex und vielgestaltig. Sie fällt jeweils bei verschiedenen Rezipienten in verschiedenen Situationen unterschiedlich aus. Deshalb kann sie auch höchst unterschiedlich charakterisiert werden. Kants Bestimmung des ästhetischen Erlebens im $2 der »Kritik der Urteilskraft« als »interesseloses Wohlgefallen« und ihre Neuformulierungen werden den »dionysisch entgrenzenden«, ekstatischen Kunsterlebnissen (in manchen Formen der Musik, des Tanzes und des Theaters) nicht gerecht, wie schon Friedrich Nietzsche(2) feststellte. Tiefer dringt m. E. die schichten ästhetische Analyse eines Nicolai Hartmann(3), der das ästhetische Erlebnis im Transparentwerden der Vordergrundschichten des Kunstwerks für tiefere erblickt, bzw., vom Rezipienten aus gesehen, in dessen »Durchgehen« durch die Schichten des Kunstwerks. Diese Bestimmung greift allerdings nur die darstellenden Künste. Vielleicht lässt sich keine finden, die allen Künsten gerecht wird, wenngleich, wie Wolfhart Henckmann zu Recht betont, »die Auslegung der ästhetischen Erfahrung als objektivierter Welt und Selbsterfahrung des Menschen eine der grundlegenden Aufgaben der Ästhetik darstellt«.(4)
Man kann vom ästhetischen Gegenstand nur bedingt sprechen, wobei wir es sind, die nahezu jeden Gegenstand zu einem »ästhetischen« machen können, indem wir ihn aus dem alltäglichen Zusammenhang herausheben und »ästhetisch« erleben (etwa Marcel Duchamp sein Urinoir oder Picasso einen Fahrradsattel, der ihn an einen Ziegenkopf erinnerte). Man kann auch sagen: der ästhetische Gegenstand ist eine Projektion.(5)
Auf dem Hintergrund dieses Problemhorizontes sind zunächst diejenigen Bestimmungen innerhalb des weiten Bereichs von Begriffen, die auf Kunstwerke angewandt werden, zu unterscheiden (I). Von hier aus werden die Kernbegriffe »ästhetisch«, »künstlerisch« und »schön« behandelt und ihre Überschneidungen im ästhetischen Diskurs erörtert (II). Im Hinblick auf die Schichtung ästhetischer Begriffe nach Bereichs ,Wertungs- und Reaktionsbegriffen wird sodann versucht, die Frage zu klären, wie es zu unterschiedlichen Auffassungen über ästhetische Ausdrücke im eigentlichen Sinn kommen kann, und es werden Vorschläge zu ihrer Anwendung im Diskurs über Kunst zur Diskussion gestellt (III).
I. Einteilung ästhetischer Begriffe
Die auf Kunstwerke angewandten Begriffe können folgendermaßen eingeteilt und folgende Gruppen unterschieden werden:
1. Kennzeichnungen, die auf den ästhetischen Charakter eines Gegenstands, zumeist Kunstwerks, zielen und solche (2), die nur scheinbar eine Qualität des Gegenstands bezeichnen, in Wirklichkeit jedoch nur unsere Reaktion auf diesen, z. B. »großartig«, «rührend» oder »überwältigend«. Was an dem betrachteten Gegenstand großartig ist, wodurch er uns überwältigt, wird nicht gesagt.
Innerhalb der ersten Gruppe (1) können wir wiederum zwei Arten von Begriffen unterscheiden, solche die sich ausdrücklich auf den ästhetischen Charakter des Kunstwerks beziehen (1.1) und solche die das nicht tun (1.2) wie z. B. »gut erhalten«, »verwaschen«, «ausgebleicht« etc.
Wiederum innerhalb der ersten dieser beiden letzten Gruppen (1.1) gibt es Begriffe, die Qualitäten des Kunstwerks beschreiben und/oder werten (1.1.1) und solche die nur werten, vor allem die Gegensatzpaare »schön hässlich«, »gut schlecht« und «geschmackvoll geschmacklos« (1.1.2).
Innerhalb der ersten Gruppe (1.1.1) finden wir nun nochmals zwei Möglichkeiten, und zwar zuerst die »ästhetischen Ausdrücke« im engeren Sinne, welche nur für sensible Rezipienten unterscheidbare Qualitäten bezeichnen, und Eigenschaftsbezeichnungen, die von allen nachgeprüft werden können (1.1. 1.1), wie z. B. dass ein Bild »vorwiegend in Blautönen gehalten» ist oder eine Sonate »vier Sätze« hat bzw. ein Schauspiel »viele kurze Szenen».
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