Inhaltsverzeichnis
Vorwort 1
1. Einleitung 2
2. Was ist überhaupt Sexualität? 3
3. Die Aufgaben und Zielsetzungen der Sexualerziehung 4
3.1. Die Hemmungen der Eltern / Erziehungsberechtigten 6
4. Sexualerziehung als eine Kooperation von Elternhaus und Schule 7
4.1 Sexualerziehung durch die Eltern und Erziehungsberechtigte
4.2 Sexualerziehung durch eine Lehrperson 9
4.3 Alternativen zum Elternabend 10
4.4 Beispiele für einen Elternbrief 12
4.5 Aufklärungsbücher für Kinder 15
5. Sexualerziehung in verschiedenen Schulformen 18
5.1 Lehrplananalyse
5.2 Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche bei minderjährigen
Frauen im Zusammenhang mit Bildung und sozialem Umfeld 21
5.3 Unterrichtsvorschläge für die Primarstufe 24
5.4 Unterrichtsvorschläge für die Sekundarstufe I 30
5.4.1 Die Vorarbeiten zur Sexualerziehung im Biologieunterricht
5.4.2 Unterrichtsvorschläge von Linus Dietz 32
5.4.3 Unterrichtsvorschläge von Sanders und Swinden 35
5.4.4. Unterrichtsvorschläge von Moorcroft und Roberts 39
5.4.5 Unterrichtsvorschläge von condomi health int. GmbH 50
5.5 Materialien der BZgA für den Unterricht 60
6. Probleme der Sexualerziehung 63
6.1 Kulturelle und religiöse Probleme in der Sexualerziehung 65
7. Umfrage zur Sexualerziehung in der Mittelstufe 66
7.1 Umfrage an Studierenden der Universität Koblenz
7.2 Umfrage an Schülern einer Realschule 72
8. Sexualerziehung in der Praxis 77
8.1 Elternbrief in der Praxis 78
8.2 Didaktische Synthese der 1. Unterrichtsstunde 79
8.2.1 Lehr- und Lernziele
8.2.2 Methodische Strukturierung
8.2.3 Geplanter Verlauf des Unterrichts 81
8.2.4 Hausaufgabe 99
8.2.5 Reflexion 99
8.3 Didaktische Synthese der 2. Unterrichtsstunde 84
8.3.1 Geplanter Verlauf des Unterrichtes
8.3.2 Reflexion 85
8.4 Didaktische Synthese der 3. Unterrichtsstunde 86
8.4.1 Geplanter Verlauf des Unterrichtes
8.4.2 Reflexion 87
8.5 Kurzer Vergleich zur Parallelklasse 88
8.6 Bescheinigungen für die praktischen Anteile der Examensarbeit 89
9. Ausblick 90
10. Zusammenfassung 91
11. Danksagung 93
12. Literaturverzeichnis 94
Anhang 97
Vorwort
Der sogenannte ‚Aufklärungsunterricht’ wird heute fast täglich in unseren Schulen gelehrt. Doch es ist und bleibt ein prekäres Thema für sich, auch in unserer heutigen modernen Zeit. Doch was zunimmt ist die Methodenvielfalt in diesem Themengebiet. Es gibt unzählige Bücher zu diesem Thema, doch was schnell auffällt, viele Bücher sind schon sehr veraltet. Trotz Aufklärung in der Schule besitzen viele Schüler Wissenslücken zu diesem Themenkomplex. Dies finde ich erschreckend, denn dieses Thema wird, laut Lehrplan, in der Schule mindestens zweimal ausführlich behandelt.
Ebenso ist die Zusammenarbeit von Lehrerpersonen und Eltern von großer Bedeutung. Hierzu widme ich ein gesamtes Kapitel. Die Ziele und Aufgaben der Sexualerziehung sollen klar bestimmt werden, aber auch die Problematiken in der Realisierung.
Auch praktische Unterrichtsreihen die ich selbst an einer Realschule durchführe werden in dieser Arbeit diskutiert.
Ich verzichte in dieser Arbeit auf die formelle Unterscheidung von Schülerinnen und Schüler, denn ich will keine geschlechtstypischen Unterschiede herauszustellen. Mit dieser fachdidaktischen Arbeit möchte ich Methoden und Unterrichtsvorschläge aufzeigen, die unserer Zeit entsprechen und ein kleines Aufklärungswerk entwerfen für die Sexualerziehung im Biologieunterricht.
Es existiert ein Zitat eines Schülers, auf das ich bei meiner Quellensuche gestoßen bin. Das möchte ich als Abschluss meines Vorwortes gebrauchen:
1. Einleitung
Die Sexualerziehung ist heute ein fester Bestandteil in unseren Schulen. Doch die Methoden, wie man Kindern und Jugendlichen dieses immer noch prekäre Thema übermittelt, sind so verschieden wie nie zuvor. Es ist nicht nur eine Wissensübermittlung von biologischen Fakten, es ist viel mehr. Sexualerziehung ist ein riesiger Wissenskomplex. Es verbindet soziale, religiöse, biologische, psychologische und kulturelle Aspekte. Auch die Lehrperson sollte sich dessen bewusst sein. Die zwischenmenschliche Komponente auf dem Sachgebiet der Sexualerziehung ist unentbehrliche Voraussetzung (DIETZ 1985).
Vertrauen muss geschaffen werden zwischen Schüler und Lehrperson. Schüler stecken in einem Zwiespalt. Sie wollen mehr über dieses Gebiet erfahren, sind aber im Unterricht meist peinlich berührt. Es kommt zu Unaufmerksamkeiten und es bilden sich nur so genannte ‚Wissensinseln’. Die Lehrperson hat den Auftrag, diese ‚Wissensinseln’ zu überbrücken und ein Grundfundament zum Thema Sexualität und Partnerschaft zu schaffen. Daraus soll dann für den Schüler ein verantwortungsbewusster Umgang mit der eigenen Sexualität entstehen. Doch nicht nur im Fach Biologie kann Sexualerziehung erfolgen.
Sexualerziehung vollzieht sich in verschiedenen Unterrichtsfächern. Auch in den Fächern Sozial-oder Gemeinschaftskunde, künstlerischen Fächern und im Unterrichtsfach Religion kann man dieses Thema behandeln. Die Sozial- oder Gemeinschaftskunde behandelt gesellschaftliche und rechtliche Perspektiven. Künstlerische Fächer, wie z.B. die Bildende Kunst, können Frauenbilder und Sexualität in verschiedenen Epochen lehren und wie es sich bis heute verändert hat. Ganz anders die Religion. Der Religionsunterricht kann Sexualität und Sexualerziehung auf theologischem Fundament lehren. Wichtig ist, dass die Lehrpersonen diese Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Fächer wahrnehmen und mit Kollegen besprechen und planen (BEILER 1971).
Doch was oftmals enttäuscht ist, dass zu wenig Vorbereitung und Ausbildung auf die Sexualerziehung während des Studiums existiert. Zukünftige Lehrpersonen werden meist ohne didaktische Vorkenntnisse zu diesem Themenkomplex in die Schule entlassen. Dabei kritisierten schon vor 30 Jahren 81,2 % der Studierenden, während ihrer Ausbildung an der Universität keine Vorbereitung im Bereich Sexualerziehung erhalten zu haben. 53,9 % der befragten Lehrpersonen
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führen ihren Unterricht sogar ganz unvorbereitet durch und 81,9 % der Studierenden wünschten sich eine gezielte Vorbereitung auf die Sexualerziehung während ihrer Ausbildung (DIETZ 1985). Obwohl diese Studie schon 30 Jahre alt ist, hat sich wenig geändert. Denn auch heute noch werden didaktische Veranstaltungen zum Thema Sexualerziehung kaum angeboten. „Sexualität formt sich bereits von Geburt an. Die wesentlichen Weichen für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung werden bereits im Kindes- und Jugendalter gestellt. Wirksame Sexualaufklärung ist also bereits vor der Pubertät notwendig.“ (RAHMENKONZEPT ZUR SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006)
2. Was ist überhaupt Sexualität?
Sexualität ist ein sinnverwandtes Wort für Geschlechtlichkeit. Es ist der allgemeine Eigenschaftskomplex, der zwischen den beiden Gruppen der Organismen unterscheidet, die sich durch Kombination von Geschlechtszellen (Eizellen und Samen) vermehren. Besonders beim Menschen ist es die Gesamtheit der Lebensäußerungen, die auf dem Geschlechtstrieb beruhen, d.h. auf dem Bestreben nach Herbeiführung einer geschlechtlichen Beziehung und Befriedigung. Neben der hormonellen Steuerung spielt die Großhirnsteuerung eine große Rolle. Das Großhirn ist zuständig für das Erlernen sexueller Praktiken. Je höher die Entwicklungsstufe des Organismus, desto mehr Lust wird empfunden. Diese verdrängt sogar das eigentliche Ziel sexuellen Verhaltens, die Fortpflanzung. Die Sexualität des Menschen ist ein Komplex aus biologischen, psychologischen und soziologischen Aspekten. Es spielen individuelle Bedürfnisse, Erwartungen, Wünsche, Vorstellungen und Erfahrungen hinein. Sexualität wird kulturell und gesellschaftlich geprägt (BROCKHAUS 2000).
Es ist wichtig, dass Kinder früh lernen was Sexualität ist. Sie müssen lernen mit der individuellen Sexualität verantwortungsvoll umzugehen und welche positiven und negativen Folgen Sexualität haben kann.
„Bezogen auf die Zweckbestimmung der gesundheitlichen Vorsorge ist Sexualität ein integraler Bestandteil von körperlicher und seelischer Gesundheit ...“ (RAHMENKONZEPT ZUR SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006)
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„Sexualität ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung und der (...) Lebensweise. Sexualaufklärung soll Jugendliche auch befähigen, zu lernen, mit Begrenzungen und Schwierigkeiten, die sich während der Entwicklung ihrer sexuellen Identität ergeben, umzugehen.“ (RAHMENKONZEPT ZUR SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006)
Die Abbildung 1
(aus DIETZ 1985)
zeigt die Entwicklung des Menschlichen Verhaltens in Bezug auf das Sexualwesen. Es spielen viele Faktoren für die Prägung des Sexualverhaltens eine Rolle. Diese Faktoren lassen sich in vier Gruppen einordnen. So prägt sich das
Verhalten von Gewissen über die Individualentwicklung, Umwelt und die Lebensfaktoren wie Erbanlagen. Sexualverhalten ist also ein Produkt von externen Faktoren die auf uns tagtäglich einströmen.
3. Die Aufgaben und Zielsetzungen der Sexualerziehung
Sexualerziehung ist ein Teil der gesamten Erziehung. Es ist die gesamte Einstellung zur Geschlechtlichkeit (DAWKINS ; HERZOG 1969).
Manche Eltern halten ihre Kinder für unwissender als sie tatsächlich sind. Durch unsere modernen Medien wie Computer mit Internet, Fernsehen und Videospiele werden Kinder schon sehr früh in Kontakt mit Sexualität und Geschlechtlichkeit gebracht. Deshalb muss heutzutage die Sexualerziehung bereits spätestens in der Grundschule beginnen. Hier müssen die Schüler schon die Unterschiede zwischen den Geschlechtern kennenlernen. „Sexualerziehung muß gemäß der gesetzlichen Vorgabe danach umfassend angelegt sein und verschiedenste Alters- und Zielgruppen ansprechen. Sie muß demnach mehr sein als nur Wissensvermittlung über biologische Vorgänge und die Technik der Verhütung, sie muß emotional ansprechend sein und die vielfältigen Beziehungsaspekte, Lebensstile,
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Lebenssituationen und Werthaltungen berücksichtigen.“ (RAHMENKONZEPT ZUR
SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006) Die Sexualerziehung hat zum Hauptziel, die Bevölkerung und verschiedene Gruppen der Bevölkerung Verantwortung für sich selbst und dem Partner gegenüber zu befähigen. Darin impliziert ist der verantwortungsvolle Umgang mit der individuellen Sexualität. Es muss also erreicht werden, dass die Grundhaltung sexualfreundlich wird bzw. bleibt, aber unversperrt gegenüber unterschiedlichen Lebensstilen und Überzeugungen ist. Die Aufgaben der Sexualerziehung erfordern eine Kooperation von denen, die primär am Erziehungsprozess der Kinder und Jugendlichen beteiligt sind. Sie besteht aus Information, wie z.B. körperliche Vorgänge im Zusammenhang mit Sexualität, die individuelle Sexualentwicklung und Identitätsfindung, sexuell übertragbare Krankheiten und Die Schutzmöglichkeiten. Aber auch Motivation zur Nutzung von Schutzmöglichkeiten vor ungewollter Schwangerschaft oder Gestaltung der Sexualität, Beziehung und Partnerschaft gehören zur Sexualerziehung dazu. Als weiterer Punkt ist die Kompetenzförderung zu nennen. Dazu gehört z.B. die Erfahrung von Gefühlen und Zärtlichkeit, oder die Entwicklung von Kommunikations- und Handlungsfähigkeiten im Bereich der Partnerschaft und Familienplanung. (RAHMENKONZEPT ZUR SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006)
Das Erlernen von sexuellem Verhalten verläuft in drei Phasen (Abb. 2 aus DIETZ 1985). Zuerst die Stufe des
‚Sehens Beobachtens’. Stufe wird heutzutage sehr leicht und sehr früh erreicht. Denn überall begegnet uns Sexualität in unserem Alltag. Die zweite Stufe wird dann
durch eigenes Handeln bestimmt. Entweder alleine (Masturbation) oder zu zweit (Petting). Hier setzt man nun das zuvor visuell erlernte erstmals ein. Die letzte Stufe ist dann das Probieren und Fixieren. Das bedeutet der Geschlechtsakt wird vollzogen und Erfahrungen gesammelt. An spätestens der dritten Stufe müssen die Schüler wissen wie sie mit ihrer individuellen Sexualität
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umzugehen haben und welche Risiken, aber auch positiven Seiten der Geschlechtsverkehr mit sich bringt.
„Die Aufgabe der Aufklärung ist es, ein positives gesellschaftliches Klima zu schaffen bzw. zu erhalten, in dem offen über Sexualität geredet werden kann und in dem eine Unterstützung für die Träger der Sexualaufklärung gegeben ist. Die Aufklärung beinhaltet eine umfassende Wissensvermittlung -insbesondere über Verhütungsmethoden und Verhütungsmittel.“ (RAHMENKONZEPT ZUR SEXUALAUFKLÄRUNG DER BZGA IN ABSTIMMUNG MIT DEN BUNDESLÄNDERN 2006)
3.1 Die Hemmungen der Eltern /Erziehungsberechtigten
Warum geschieht heutzutage so wenig Sexualerziehung zuhause? Denken die Eltern, sie geben ihr eigenes Intimleben preis? Denken sie, sie wissen selbst nicht genug über das Thema? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Sexualerziehung unzureichend im Elternhaus passiert. Viele Eltern haben einfach nicht das richtige Gespür, für den richtigen Zeitpunkt und die Art und Weise, wie sie ihren Kindern ein solches Thema nahebringen sollen. (DIETZ 1985) „Dem Hemmnissen der Angst vor verfrühter Sexualpraxis mit dem Risiko der ungewollten Schwangerschaft, der frühen vorschnellen Dauerbindung, der ‚Sündhaftigkeit’ und der Sorge, die Kinder könnten sich zu schnell vom Elternhaus lösen, kann heute durch gezielte Erziehung begegnet werden.“ (DIETZ 1985)
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4. Sexualerziehung als eine Kooperation von Elternhaus und Schule
Immer wieder taucht die Frage auf, wer für die Sexualerziehung bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich ist. Zu nennen sind hier vier verschiedene Gruppen (DAWKINS ; HERZOG 1969) : • Eltern • Lehrer • Geistliche • Ärzte
4.1 Sexualerziehung durch die Eltern und Erziehungsberechtigten
Primär liegt, laut Grundgesetz, die Sexualerziehung tatsächlich bei den Eltern. Denn Sexualerziehung ist ein Teil der Gesamterziehung. Das Grundgesetz besagt: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht...“ (GRUNDGESETZ, ARTIKEL 6, ABS. 2). Erst an zweiter Stelle wird die Lehrperson als zuständig erklärt.
Ein Problem der Eltern ist meistens die Art, wie sie die Fragen beantworten soll. Hier kann ihnen die Lehrperson Ratschläge geben, denn die Lehrperson ist fachwissenschaftlich und pädagogischpsychologisch erfahrener. (DAWKINS ; HERZOG 1969)
Oft haben Eltern Hemmungen ihren Kindern etwas über dieses Thema zu beantworten, besonders wenn die Schüler schon zwischen zwölf und fünfzehn sind, denn hier werden die Fragen spezieller und eindeutiger. Die meisten Eltern wollen auch die Hilfe der Schulen und nehmen sie gerne an. Alleine fühlen sich viele Eltern der Aufgabe der Sexualerziehung nicht gewachsen. Gründe hierfür sind, dass die Eltern selbst ein schlechtes Grundwissen bei diesem Thema haben oder einfach selbst so erzogen wurden, dass man über ‚Sexualität’ erst gar nicht spricht (DAWKINS ; HERZOG 1969).
Existieren sollte ein gesundes Schamgefühl. Eltern sollten es respektieren und akzeptieren, dass ab einem gewissen Alter ihre Kinder eine Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre benötigen, sei
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es im Schlafzimmer oder im Badezimmer. Wenn diese Möglichkeiten gegeben sind, kommen Kinder immer öfter von alleine mit ihren Problemen zu ihren Eltern. Auch über die Folgen von Schwangerschaften sollte daheim diskutiert werden mit der individuellen Situation. Denn nur die Eltern können ihrem Kind klar machen, wie wichtig und verantwortungsvoll Nachwuchs ist.
Eltern können auch eine positive Einstellung zum Sexualverhalten vermitteln. Im Umgang mit den Kindern müssen diese erkennen, dass Sexualität zum Leben dazugehört, sogar Lebens- und Liebenswert ist. Sexualität ist kein Tabu mehr, aber trotzdem ist es ein besonderes Thema. Das müssen die Kinder verstehen. Die Begriffe ‚Partnerschaft, Verantwortung und Liebe’ müssen zentrale Begriffe der Erziehung sein. „Vater und Mutter sollten sich ihrer Prägewirkung stets bewußt sein. Meinungsverschiedenheiten sind natürlich.…Kinder sollen auch auf diesem Gebiet lernen, daß es Konflikte gibt und wie man sie löst.“ (DIETZ 1985). Man kann sagen, dass die Sexualerziehung entwicklungspsychologisch gesehen in frühster Kindheit an beginnt. Dies zu beobachten kann deshalb nur den Eltern gelingen. „Jede andere Erziehungsarbeit (z.B. in der Schule) baut daran weiter. Alle anderen Erziehungskräfte können nur die Bemühungen der Eltern unterstützen, nie diese ersetzen. Sie haben zwar eigene Rechte an der Miterziehung, niemals jedoch die Aufgabe, die Eltern aus der Verantwortung zu nehmen. Deshalb ist SE zuerst Recht und Pflicht der Eltern.“ (DIETZ 1985) „Der Sozialisierungsprozeß der Schüler kann nur über die enge Kooperation von Eltern und Lehrern erfolgen. Dabei muß es stets um die Reversibilität der Informationsmöglichkeit gehen: Eltern informieren Lehrer; Lehrer informieren Eltern; beide stehen den Schülern zur Verfügung. So können die Schüler vor widersprüchlichen Erwartungen von Elternhaus und Schule geschützt leben.“ (Dietz 1985)
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4.2. Sexualerziehung durch die Lehrperson
Zur Sexualerziehung existiert auch ein Eintrag im Schulgesetz. Hier ist vorgeschrieben: „Zum Auftrag der Schule gehört auch die Sexualerziehung. Sie ist als Erziehung zu verantwortungsbewußtem geschlechtlichem Verhalten Teil der Gesamterziehung und wird fächerübergreifend durchgeführt. Sie soll die Schüler ihrem Alter und ihrem Reifegrad entsprechend in gebotener Zurückhaltung mit den Fragen der Sexualität vertraut machen, sowie zu menschlicher und sozialer Partnerschaft befähigen. Die Sexualerziehung hat die vom Grundgesetz und von der Verfassung für Rheinland-Pfalz vorgegebenen Wertentscheidungen für Ehe und Familie zu achten und dem Gebot der Toleranz Rechnung zu tragen. Über Ziele, Inhalt und Form der Sexualerziehung hat die Schule die Eltern rechtzeitig zu unterrichten.“ (SCHULGESETZ RHEINLAND-PFALZ, §1, ABS. 3)
Sinnvoll ist eine Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule. Die meist genutzte Art der Kooperation von Schule und Elternhaus geschieht in Form von Elternabenden. Beachten sollte die Lehrperson, dass bereits mit den Einladungen zum Elternabend das Thema ‚Sexualerziehung’ benennt, so erhöhen sich die Chancen auf höhere Besucherzahlen. Nun sollte der Klassenlehrer oder der Fachlehrer (Biologielehrer) selbst die Rolle des Moderators übernehmen. Den Eltern muss aufgezeigt werden, was konkret in der Schule behandelt wird. Sinnvoll ist es auch, den Eltern Material oder eine Liste geeigneter Literatur mitzugeben, falls Schüler zuhause Fragen haben sollten. Auch muss im Vortrag der Lehrperson herausgestellt werden, dass Sexualerziehung eine Aufgabe für beide Teile ist, sowohl Eltern als auch Schule. Die Lehrperson als Erzieher sollte den Eltern auch klar machen, wie wichtig es ist zuhause eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern. Dies kann z.B. entstehen, wenn man den Kindern zeigt, dass man sie liebt durch Umarmungen oder einfach nur intensivere Gespräche mit ihnen führt.
Sinnvoll ist es, nicht nur einen, sondern bis zu drei Elternabende zu veranstalten. Denn Schüler werden einmal in der Orientierungsstufe, dann noch mal in der 7./8. Klasse und zum Schluss der Schulbildung noch mal in der 9. / 10. Klasse mit dem Themengebiet konfrontiert. Weil zu jeder Altersstufe neue Fragen aufkommen, müssen die Eltern auch jedes Mal neu erlernen, wie sie auf die Fragen ihrer Kinder reagieren sollen. (DAWKINS ; HERZOG 1969)
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4.3 Alternativen zum Elternabend
Der Elternabend ist nur eine Möglichkeit, Informationen über die Sexualerziehung weiterzugeben. Daneben existieren aber noch viele andere Ideen. So zum Beispiel eine Art ‚Tag der offenen Tür ’ (DIETZ 1985).
Hier kommen die Eltern zum Unterricht und nehmen aktiv teil, denn so können die Eltern z.B. mit ihren Kindern zusammen Arbeitsblätter ausfüllen oder diskutieren über ein bestimmtes Thema.
Eine weitere Möglichkeit ist ein ‚Elternforum’ (DIETZ 1985).
Bei diesem treffen sich alle Lehrpersonen mit den Eltern und Erziehungsberechtigten, und zwar klassenübergreifend. Vorteile dieses Forums, Eltern und Erziehungsberechtigte können nicht nur eine Lehrperson in Sachen Sexualerziehung um Rat fragen, sondern verschiedene Meinungen von verschiedenen Fachlehrern und Klassenlehrern einholen. Ein Elternforum kann sich einmal oder mehrmals treffen. Ein weiterer Vorteil, Eltern und Erziehungsberechtigte haben Kinder in verschiedenen Klassenstufen, denn dieses Forum ist klassenübergreifend. D.h. sie können Eltern mit älteren Kindern befragen, wie sie die Pubertät ihrer Kinder erlebt haben und sich Ratschläge dementsprechend nicht nur von Lehrpersonen, sondern auch von erfahreneren Eltern einholen. Auch das Thema kann bei einem Elternforum ausgebaut werden, es muss nicht nur ein bestimmtes Thema vorherrschend sein.
Auch kann man Elternabende als ‚Arbeitskreis’ umfunktionieren (DIETZ 1985). Dieser Arbeitskreis kann sich dann ebenfalls regelmäßig oder unregelmäßig treffen und über Sexualerziehung, aber auch natürlich andere Themen diskutieren. Vergleichbar ist dieser Arbeitskreis mit der Alternative ‚Elternstammtisch’. Auch hier können Eltern und Lehrpersonen in den Abendstunden über das Thema Sexualerziehung beraten. Dieser Stammtisch kann auch in einem öffentlichen Lokal stattfinden, man ist nicht an die Schule als Diskussionsort gebunden. Sinnvoll ist es auch, wenn man Experten zu einer Diskussionsrunde einlädt. Bei dem sogenannten ‚Expertengespräch’ diskutieren Eltern und Lehrpersonen mit Medizinern, Psychologen, Pädagogen, Juristen, Pfarrern oder Mitarbeitern von beispielsweise ProFamilia. Ein Vorteil ist, dass auch hier die Lehrpersonen um Rat fragen können bei Experten. Der zweite
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Vorteil, die Lehrpersonen werden entlastet bei der Beratung der Eltern, sie stehen also nicht als alleinige Unterstützung da.
Eine Vortragsreihe über das Schuljahr verteilt ist eine Möglichkeit, wo Eltern, Lehrpersonen und auch die Schüler teilnehmen können. Hier kann jeder aktiv mitwirken und sich mit anderen Teilnehmern austauschen (DIETZ 1985).
Beispielsweise kann hier die Lehrperson / Biologiefachlehrer einen Vortrag über Sexualerziehung halten, Eltern und Schüler hören gemeinsam zu. Am Ende kann eine Diskussionsrunde gestartet werden, wo Schüler Schwerpunkte des Unterrichts setzen können. Dies bedeutet, die Schüler wirken aktiv am Unterrichtsgeschehen mit und bestimmen ihre eigenen Interessen. Diese muss nun die Lehrperson ausbauen und den Unterricht interessant und informativ gestalten. Die folgende Grafik (Abb. 3) veranschaulicht das „Gelingen der Kooperation“. (DIETZ 1985)
Aus Dietz, 1985
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4.4 Beispiele für einen Elternbrief
Ein Beispiel für einen Elternbrief mit dem Thema Sexualerziehung ist auf der folgenden Seite zu erkennen. Hier werden die Eltern informiert, dass Sexualerziehung ihre Pflicht ist, aber auch dass die Schule sie dabei unterstützt. Dieser Elternbrief ist natürlich nur ein Muster. In jedem Falle sollte er aber folgende Kernaussagen beinhalten:
Der erste Elternbrief ist von 1985, entnommen aus dem Buch von Linus Dietz. Der Zweite ist eine modernere Variante vom Jahre 2006 und anonymisiert.
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ELTERNINFORMATION
Betrifft: Sexualerziehung Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigte!
Sexualerziehung ist zuerst Elternflicht. Die Schule muß aufgrund ihres Auftrages unterstützend mithelfen. Vielleicht könnten Sie einwenden, dass die Jugendlichen doch lieber mit Gleichalterigen über sexuelle Probleme sprechen. Das ist richtig, aber dort wird eher mit eigenen Erfahrungen geprahlt, ernsthafte Problemgespräche gibt es doch nur im engsten Freundeskreis. Dort aber fehlt dann jemand mit größerer Lebenserfahrung. Auch im Unterricht gibt es gute Gelegenheiten, sexuelle Probleme zu diskutieren. Hier erhält man häufig Informationen, aber die besonderen Situationen eines Schülers werden von Lehrer und Mitschülern wohl nur selten angesprochen.
Als Eltern haben Sie immer noch die beste Möglichkeit, hilfreich einzugreifen: 1. In seiner eigenen Familie trägt der Jugendliche das geringste Risiko, wegen seiner Probleme ausgelacht oder ausgenutzt zu werden.
2. Eltern können ihre eigenen Erfahrungen aus der Jugendzeit und aus dem jetzigen Sexualleben einbringen.
3. Eltern sind in der Lage praktische Hilfe zu leisten. 4. Bei den Eltern sind die Rollen von Beratern und Ratsuchenden austauschbar. 5. Es geht nicht darum, Ihrem Kind Entscheidungen abzunehmen, sondern ihm Hilfe zu bieten, eigene Entscheidungen zu finden.
Es gibt in diesem Bereich eine Reihe von Problemen. Zu ihrer Bewältigung bietet Ihnen die Schule Hilfe an im Elternabend. Gemeinsam versuchen wir, das Problem anzupacken. Wir informieren Sie, was wir in diesem Schuljahr vorhaben. Sie haben die Möglichkeit uns zu informieren, worauf Sie Wert legen. Übereinstimmung und gemeinsame Zielsetzung sind notwendig. Mit freundlichen Grüßen Schulleiter Klaßleiter
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4.5 Aufklärungsbücher für Kinder
Kinder machen innerhalb ihrer Pubertät große Veränderungen durch. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Sie entwickeln eigene Einstellungen zu Themen wie Liebe, Sexualität, Gefühlen und allem was dazu gehört. Eltern können nicht immer die richtigen Antworten auf die Fragen ihrer Kinder geben. Die Schule sollte daher eine Stütze für Eltern und deren Kindern in dieser Zeit sein. Eine weitere Stütze sind sogenannte Aufklärungsbücher. Hier können Kinder selbst nachlesen, was mit seinem Körper geschieht. Didaktisch reduzierte und kindgerechte Inhalte helfen dem Kind zu verstehen, was im Moment mit ihm geschieht oder noch geschehen wird.
Zwei Aufklärungsbücher werden in dieser Arbeit kurz vorgestellt.
Sachinformationen werden in kurzen verständlichen Texten
und detaillierten farbigen Abbildungen sehr symbolisch vermittelt.
Ein grüner Vogel und eine clevere Biene führen den Leser durch das gesamte Buch. Sie beantworten Fragen und
bieten dem Leser Informationen. Aber auch witzige Kommentare lassen sie nicht aus.
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Sehr bildhaft und vor allem kindgerecht werden die Menstruation und die Ejakulation dargestellt.
Ein anderes Buch ist ‚First Love-Safety first’ von der Autorin
Stefanie Wollgarten. Es beinhaltet die Themen Pubertät, Menstruation,
Geschlechtskrankheiten, AIDS und Verhütung. Das Buch handelt von Lena, die sich in ihren besten Freund Colin verliebt hat. Doch er erwidert nicht ihre Gefühle. Stattdessen schwärmt er von einer anderen Mitschülerin Paula, was Lena noch mehr bedrückt. An einem See gehen Lena, Colin und Paula schwimmen. Colin schaut nur Paula hinterher, Lena steht alleine am Ufer. Dann sieht sie Stefan, er macht ihr
Komplimente und sieht auch auf den ersten Blick ganz gut aus. Aus Enttäuschung vor Colin geht sie mit Stefan mit und schläft mit ihm in seinem Zelt.
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‚First love - Safety first’ ist eine Mischung aus Comic und Sachbuch. Wenn in der Geschichte
Themen Geschlechtskrankheiten werden, wird diese kurz unterbrochen und im Buch folgen zwei bis drei Informationsseiten, die diese Fakten an Kinder und Teenager vermitteln sollen. So wird das Faktenwissen direkt in die Geschichte eingebunden, es sollten keine offenen Fragen zur Geschichte bleiben. Eine Lehrperson kann dieses Buch auch in den Biologieunterricht einbauen. Zum Beispiel kann der Comic in der Klasse zusammen gelesen werde, vielleicht können sich manche Schüler mit einer Person wiedererkennen.
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kann dann in der Klasse besprochen und schriftlich festgehalten werden.
5. Sexualerziehung in verschiedenen Schulformen
In allen Schulformen wird Sexualerziehung gelehrt. Dabei fällt auf, dass zwar die Summe der Stunden der Biologiestunden gleich ist, aber die Verteilung dieser variiert.
HS = Hauptschule RS = Realschule Gy = Gymnasium
5.1 Lehrplananalyse
Mit dem Thema ‚Fortpflanzung’ werden die Schüler schon in der 5. / 6. Klasse erstmals konfrontiert. Am Anfang der Orientierungsstufe existiert das Thema ‚Blütenpflanzen’. Hier werden ‚Bau und Vermehrung’ einer Blütenpflanze angesprochen. Ziel ist es, dass die Schüler am Ende des Schuljahres wissen, dass bei einer Pflanze sowohl männliche, als auch weibliche Geschlechtsteile existieren. Auch Kernpunkte, wie Befruchtung können hier schon vorbereitet werden auf den späteren Themenkomplex ‚Körperliche und seelische Veränderungen in der Pubertät’. Mit dem Grundwissen der pflanzlichen Fortpflanzung kann man anschließend die menschliche Sexualität behandeln und darstellen, dass es viele Parallelen gibt, aber natürlich auch Unterschiede.
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Für das Thema ‚Körperliche und seelische Veränderungen in der Pubertät’ sind maximal 4 Unterrichtsstunden vorgesehen. Hier lernen die Schüler, was sich an ihrem Körper verändert und warum. Sie lernen die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale kennen, auch den Aufbau und die Funktion der Geschlechtsorgane. Aber auch psycho-soziale Aspekte sollen berücksichtigt werden, sie sind mindestens genauso wichtig wie die biologischen Fakten. Eine Diskussion im Klassenraum über Unsicherheit, Identifikation mit sich selbst und die Akzeptanz des eigenen Körpers sollen hier eine große Rolle spielen. Im Unterricht behandelt werden kann dieses Thema in einem Unterrichtsgespräch, per Rollenspiel oder als Interaktionsspiel. Hier bieten sich viele Chancen an, den Unterricht effektiv und interessant zu gestalten. Das zweite große Thema und zugleich auch letzte in der Orientierungsstufe ist das Thema ‚Entstehung und Entwicklung des menschlichen Lebens’. Den Schülern wird hier gelehrt, dass menschliches Leben weitergegeben wird. Hier fallen die Begriffe ‚Freundschaft, Verantwortung, Orgasmus, Geschlechtsverkehr, Verhütungsmöglichkeiten, Schwangerschaft, Geburt, Bezugsperson, Ernährung und Pflege’. Das bedeutet, mit dem Wissen aus dem Thema ‚Körperliche und seelische Veränderungen in der Pubertät’ , wo die Schüler gelernt haben, wie die Geschlechtsorgane aufgebaut sind und funktionieren, geht man hier nun einen Schritt weiter. Der Biologieunterricht muss hier vermitteln, welche Verantwortung der Geschlechtsverkehr mit sich bringt und welche Folgen er haben kann. Auch die verschiedenen Verhütungsmittel sollen hier mit Vor- und Nachteilen benannt werden. Als Zeitrichtwert sind im Lehrplan zwei Schulstunden vorgesehen. In dieser Zeit sollen auch wieder psycho-soziale Anteile wie Beziehung, Schwangerschaftsabbruch und Ernährung und Pflege von Säuglingen behandelt werden. Insgesamt widmet der Lehrplan der Orientierungsstufe (5. / 6. Klasse) sechs Schulstunden zum Thema ‚Sexualität’.
Schüler der Hauptschule werden dann erst wieder in der 9. Klasse auf das Thema stoßen, Schüler der Realschule und des Gymnasiums sogar erst wieder in der 10. Klasse.
In der Hauptschule lautet der Titel ‚Menschliche Sexualität im Spannungsfeld eigener Wünsche und gesellschaftlicher Normen’. In dieser Unterrichtseinheit „sollen sich die Schüler zum einen mit Fragen der Empfängnisverhütung und Familienplanung auseinandersetzen, zum anderen soll ihnen bewusst werden, dass Sexualität nicht immer ausgelebt werden kann, sondern an kulturelle, durch Sozialisation bedingte Grenzen stößt. Ziel des erzieherischen Bemühens muss es sein, die Schüler
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zu sozialer und menschlicher Partnerschaft zu befähigen und zu einer begründeten Entscheidung zwischen den Anforderungen der Normen- und Wertvorstellungen der Gesellschaft und ihren eigenen Wünschen anzuleiten.“ (LEHRPLANENTWURF RHEINLAND-PFALZ 1997/98) Konkrete Inhalte und Begriffe dieser Einheit lauten z.B. ‚Beziehung, Verliebtheit, Sexualtrieb, Bindungsbereitschaft, Masturbation, Petting, Koitus, Hetero-, Homosexualität, Prostitution, Sadismus, sexueller Missbrauch, Befruchtung Menstruationszyklus, Schwangerschaftsabbruch’. Die Lehrperson sollte hier u.a. verschiedene Verhütungsmittel demonstrieren, Broschüren über Verhütungsmethoden verteilen und auch ethische Fragen über die Empfängnisverhütung klären. Der Lehrplan sieht sechs Unterrichtsstunden für diese Unterrichtseinheit vor.
‚Menschliche Sexualität im Spannungsfeld eigener Wünsche und gesellschaftlicher Normen’ heißt dieses Thema auch im Lehrplan für die Realschule. In der für die Realschule vorliegenden Unterrichtseinheit „muss dem Jugendlichen bewusst werden, dass menschliche Sexualität - anders als beim Tierimmer gegenwärtig ist. Wenn die Sexualität dennoch nicht immer dem Trieb nach gelebt wird, so liegt dies nicht an einer natürlichen Beschränkung, sondern an kulturellen Grenzen, die durch die Sozialisation bedingt sind. Ziel des erzieherischen Bemühens sollte es sein, den Schülerinnen und Schülern zu einer begründeten Entscheidung zwischen den Anforderungen der Normen- und Wertvorstellungen der Gesellschaft und seinen eigenen Wünschen anzuleiten. Bei den Formen menschlichen Sexualverhaltens sollten sie erkennen, dass es sexuelles Verhalten gibt, das sich vom Verhalten der Mehrheit der Menschen unterscheidet. Es ist eindeutig abzugrenzen von sexuellen Verhaltensweisen, welche unsozial und ausnützend sind. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind nach den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler auszusuchen“ (LEHRPLANENTWURF RHEINLAND-PFALZ 1997/98)
Der Begriff ‚Sexualtrieb’ soll hier klar definiert werden, Inhalte und Grundbegriffe überschneiden sich mit denen der Hauptschule in Klasse 9. Auch in der Realschule sollen die verschiedenen Verhütungsmittel aufgezeigt werden und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile in Abhängigkeit zur Situation erörtert werden. Anders als bei der Hauptschule (6 Unterrichtsstunden) sind in der Realschule sieben Unterrichtsstunden vorgesehen. Ein weiterer Unterschied: Im Lehrplan für die Realschule kann man als nächstes Thema Alternativen treffen, die Lehrperson muss sich entscheiden zwischen Evolution oder Genetik. Beide haben natürlich mit dem Thema ‚Sexualität’ zu tun. Einmal die Geschichte und Anpassung der Sexualität, bei der Genetik die
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genaue Vererbung und der genaue Vorgang bei Verschmelzung Eizelle und Samenzelle und wie sich die verschiedenen Merkmale genetisch gesehen ausprägen.
Dies ist wiederum anders beim Lehrplan Gymnasium, hier sind Evolution und Genetik beides Pflichtthemen. Zwischen diesen Themen liegt auch das Thema ‚Sexualität’. Hier sind, wie bereits in der Hauptschule 6 Unterrichtsstunden vorgesehen.
5.2 Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche bei
minderjährigen Frauen im Zusammenhang mit Bildung und sozialem
Umfeld
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat im Jahr 2007 einen Forschungsbericht veröffentlicht, der den Zusammenhang zwischen Bildung, sozialem Umfeld und Schwangerschaften Minderjähriger beleuchtet.
In der folgenden Grafik (Abb. 4) sind die Schwangerschaften, Geburten und Schwangerschaftsabbrüche von 1996 bis 2004 zu erkennen. Die folgenden Grafiken sind alle entnommen aus dem Forschungsbericht ‚Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch bei minderjährigen Frauen, BZgA 2007’
Zwischen 1996 und 2001 ist die Zahl der Schwangerschaften gestiegen. 1996 wurden noch knapp sieben von 1000 Frauen zwischen 15 und 17 Jahren schwanger. 2001 erreichte sie einen neuen Höchststand. Nach 2001 ist die Rate wieder abgeflacht. Heute wird ca. jede achte Frau (von 1000) zwischen 15 und 17 Jahren schwanger. Von acht schwangeren Minderjährigen vollziehen
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fünf einen Schwangerschaftsabbruch. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Interessant ist aber, dass es bei der Anzahl der Geburten keine großen Veränderungen zu erkennen sind. Abbildung 5 zeigt, in welchem Alter Jugendliche schwanger werden. Schwanger werden die meisten Frauen im Alter von 16 Jahren. „Fragt man, wie viele junge Frauen derzeit vor ihrem 18. Geburtstag mindestens einmal schwanger werden, so kommt man auf knapp 3 %.“ (SCHWANGERSCHAFT UND SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH BEI MINDERJÄHRIGEN FRAUEN, BZGA 2007)
Der Forschungsbericht kam zu der Erkenntnis, dass Schwangerschaften bei Minderjährigen sehr eng mit der Bildung verknüpft sind (vgl. Abb. 6). Deutlich ist hier zu erkennen, dass Schüler und Abgänger der Hauptschule fast fünfmal so oft schwanger werden wie Schüler und Abgänger des Gymnasiums. Es ist „unübersehbar, dass geringere Bildung und die heute damit verbundene Perspektivlosigkeit das Risiko, ungewollt schwanger zu werden, drastisch erhöht.“ (SCHWANGERSCHAFT UND SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH BEI MINDERJÄHRIGEN FRAUEN, BZGA 2007)
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Bekannt ist, dass Hauptschüler ein meist schwächeres soziales Umfeld besitzen als Gymnasiasten. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes vollziehen ca. 60% aller schwangeren Minderjährigen einen Abbruch. Einen Zusammenhang kann man auf folgender Grafik (Abb. 7) erkennen.
Frauen, die wenig soziale Benachteiligung erfahren (in der Grafik mit 0), tragen ihr Kind viel seltener aus als Frauen mit hoher sozialer Benachteiligung (in der Grafik mit 6). „Mit zunehmender Benachteiligung nimmt die Wahrscheinlichkeit des Abbruchs deutlich ab, die Tendenz zum Austragen deutlich zu ….Daraus lässt sich schließen, dass gute Ausbildungs-, und Berufs- und Karriereperspektiven die stärksten Barrieren gegen die Entscheidung ‚Austragen’ sind.“ (SCHWANGERSCHAFT UND SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH BEI MINDERJÄHRIGEN FRAUEN, BZGA 2007)
Weiter wurden Daten über die „Pille danach“ erhoben. Nur 45 % der Hauptschülerinnen wissen, dass es die Pille danach gibt und wie man sie bekommt. Dagegen wissen dies 65 % der Gymnasiastinnen (vgl
Abb. 8).
„Besonders uninformiert sind die jüngeren Frauen und die Hauptschülerinnen.
Von Frauen, die über die ‚Pille hinreichend informiert waren, glaubten 70 %, sicher verhütet zu haben, und kamen gar nicht auf die Idee, sie zu brauchen.“ (SCHWANGERSCHAFT UND SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH BEI MINDERJÄHRIGEN FRAUEN, BZGA 2007)
Diese Beispiele zeigen, dass der Biologieunterricht der Hauptschule viel informativer und der Perspektivlosigkeit nach dem Abschluss der Hauptschule vorgebeugt werden muss.
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5.3 Unterrichtsvorschläge für die Primarstufe
Bevor man Sexualerziehung in der Mittelstufe planen kann, muss man feststellen, welche Vorarbeiten in der Primarstufe bereits erfolgt sind. Mit anderen Worten, man stellt fest, wo sich der Leistungsstand der Schüler befinden sollte.
In der Grundschule kann ein Einstieg in das Thema Sexualerziehung folgendermaßen aussehen: Die Lehrerin bringt verschiedene Früchte mit in den Unterricht. Die Schüler sollen nun mit Gesprächen über diese Früchte zu einem Zusammenhang zwischen Frucht und Blüte gelangen. So gelingt es einen praktischen Einstieg in dieses Thema zu finden. Auch eine Fragestellung kann ein Einstieg in dieses Thema sein. Zum Beispiel die Frage ‚Wo komme ich her?’. Mithilfe dieser vier Wörter kann man in den 1. und 2. Klassen eine kurze Biografie jeden Schülers anhand von Fotos zusammenstellen. Diese sind chronologisch angeordnet, die Schüler sehen ihren Entwicklungsverlauf von Säugling bis Gegenwart. Wenn
vorhanden, können auch Ultraschallaufnahmen und 3-D Bilder der Kinder aus dem Mutterleib verwendet werden. So arbeitet man sich dann vor bis zur nächsten Frage ‚Was war am Anfang?’. Auch die Abbildung 9 (AUS ETSCHENBERG 2000) wird gerne in Grundschulen verwendet. Sie regt die Schüler an nachzudenken, warum 1+1=3 ergibt, obwohl man bisher immer was anderes gelernt hat. Dieser Tafelanschrieb lenkt also „das Interesse des Schülers auf die Frage nach der Herkunft der Babys“ (ETSCHENBERG 2000) Wenn den Schülern klar ist, dass die eine 1 für einen Mann steht und die zweite 1 für eine Frau ist die Rechnung leicht zu verstehen. Der Unterricht kann dann mit Material 2 (P1 im Anhang) fortgesetzt werden. Zu erkennen ist ein junges Pärchen und deren Beziehungsverlauf. Angefangen von Umarmen bis zur Geburt des Kindes. Die Schüler erkennen auf dieser Folie den Verlauf einer Beziehung und zusätzlich bekommen sie Informationen veranschaulicht, wie ein Kind entsteht. Abbildung 3 auf Material 2 zeigt den Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau. „Die Lehrperson sollte sich vergewissern, dass die Kinder die Abbildung richtig verstehen: Man sieht <
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Erklärungsbedürftig ist, dass hier außer der Scheide nur die Gebärmutter von den inneren Organen der Frau gezeigt wird. ...Zur Vereinfachung kann in der Grundschule gesagt werden, dass sich Ei- und Samenzelle in der Gebärmutter treffen.“ (UNTERRICHT BIOLOGIE 1998) Mithilfe von Material 2 kann den Schülern der Verlauf einer Beziehung veranschaulicht werden und der eigentliche Geschlechtsverkehr wird veranschaulicht. Jedoch sollen die Grundlagen bereits besprochen worden sein. (UNTERRICHT BIOLOGIE 1998)
Die Anzeige 1+1=3 könnte die Lehrperson erweitern, zum Beispiel 1+1=4. So gelingt ein Einstieg auf die Thematik ‚Zwillinge’.
Nach einem Einstieg kann man den Schülern direkt sagen, was in den nächsten Stunden behandelt wird. Schüler erhalten so die Chance, sich konkret vorzubereiten, z.B. indem sie sich Fragen ausdenken, die sie der Lehrerperson stellen möchten. Oder sie wissen schon etwas darüber und schreiben dies auf. Das kann dann später in den Unterricht eingebaut werden. Man darf sich als Lehrperson aber nicht wundern, wenn Fragen zu ‚exotischen’ Themen gestellt werden. Heutzutage sehen Kinder bereits viel zum Thema Sexualität im Alltag, auf Katalogen, im Fernsehen, im Internet. Deshalb sollte sich jede Lehrperson bewusst sein, dass alle möglichen Fragen gestellt werden können.
Eine andere Methode nach einem Einstieg fortzufahren ist eine direkte oder konkrete Methode. Man rollt dieses Thema im Bezug auf eine direkte Fragestellung auf. So kann die Lehrperson gezielt und organisiert handeln und die Fragen der Schüler können entweder zwischendurch oder anschließend geklärt werden. Der Unterricht ist also lehrerzentrierter. Die Lehrperson plant und führt den Unterricht.
Einer der Hauptteile der Sexualerziehung in der Grundschule ist das Thema ‚Der Körper’. Hier werden Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen herausgestellt, sowohl äußerliche als auch innerliche Unterschiede. Auch die Entwicklung der Geschlechtsorgane von Kind bis Erwachsener wird hier besprochen und die Hygiene. Die Schüler merken hierbei, dass es einen großen gesellschaftlichen Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern gibt, z.B. getrennte Toiletten, verschiedene Kleidung, verschiedene Fachärzte. Natürlich muss dieser Themenkomplex vereinfacht und kindgerecht verpackt werden.
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Arbeit zitieren:
Christian Jäger, 2007, Evaluierung verschiedener Unterrichtskonzepte zur Einführung der Sexualkunde in der Mittelstufe, München, GRIN Verlag GmbH
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