Dr. Markus Groth Leuphana Universität Lüneburg Lehrstuhl für Nachhaltigkeitsökonomie Centre for Sustainability Management Scharnhorststraße 1 D-21335 Lüneburg Tel.: 04131.677-2636 Fax.: 04131.677-1381 E-Mail: groth@uni-lueneburg.de http://www.uni-lueneburg.de/noe/
IV
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
2 ENTWICKLUNG AUS DOGMENHISTORISCHER PERSPEKTIVE 3
3 GRUNDLEGENDE DEFINITIONEN UND BEGRIFFLICHE ABGRENZUNGEN 15
3.1 TRANSAKTION 15
3.2 TRANSAKTIONSKOSTEN 16
4 VERHALTENSANNAHMEN 18
4.1 BEGRENZTE RATIONALITÄT 18
4.2 OPPORTUNISMUS 20
5 DIMENSIONEN VON TRANSAKTIONEN 22
5.1 FAKTORSPEZIFITÄT 22
5.2 UNSICHERHEIT 23
5.3 HÄUFIGKEIT 24
5.4 EXKURS: DIE FUNDAMENTALE TRANSFORMATION 25
6 BEHERRSCHUNG UND ÜBERWACHUNG VON TRANSAKTIONEN 27
6.1 VERTRAGSRECHTLICHE GRUNDLAGEN 27
6.2 BEHERRSCHUNGS- UND ÜBERWACHUNGSSTRUKTUREN 28
7 ABGRENZUNGEN VON TRANSAKTIONSKOSTEN 31
7.1 MARKTTRANSAKTIONSKOSTEN 31
7.2 UNTERNEHMENSTRANSAKTIONSKOSTEN 33
7.3 POLITISCHE TRANSAKTIONSKOSTEN 34
V
8 KRITIK AM ANSATZ DER TRANSAKTIONSKOSTENÖKONOMIK 35
9 EINORDNUNG IN DIE NEUE INSTITUTIONENÖKONOMIK 38
9.1 PRINCIPAL-AGENT THEORIE 38
9.2 PROPERTY-RIGHTS THEORIE 42
9.3 NEUE POLITISCHE ÖKONOMIE UND VERFASSUNGSÖKONOMIK 45
10 ZUSAMMENFASSUNG 48
LITERATURVERZEICHNIS 50
VI
1 Einleitung Die maßgeblich durch die Arbeiten Oliver E. Williamsons geprägte
Transaktionskostenökonomik hat sich bis heute zu den grundlegenden und einflussreichsten Forschungsansätzen der Ökonomik entwickelt. Ihr Ursprung geht in die 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück, wobei als Ausgangspunkt in der Regel die grundlegende Erkenntnis von Coase gesehen wird, dass die Koordination ökonomischer Aktivitäten über Märkte nicht kostenlos vonstatten geht (Coase 1937, S. 387-394). Diese Kosten können so hoch sein, dass der Markt als Koordinationsmechanismus versagt und andere Formen der Abwicklung von Transaktionen gewählt werden. Coase begründet damit die Entstehung von Unternehmen, in denen eine entsprechende Transaktion zu geringeren Kosten als über Märkte erfolgen kann (Coase 1937, S. 404-405).
Im Anschluss an die durch die Herangehensweise von Coase geprägten Arbeiten wurde die Transaktionskostenökonomik maßgeblich von Williamson weiterentwickelt und generalisiert. Somit wird nunmehr der Anspruch erhoben, nicht ausschließlich die Alternativen Markt und Unternehmen, sondern sämtliche Koordinations- bzw. Vertragsformen unter dem Aspekt der Transaktionskosten untersuchen zu können (Williamson 1990a, S. 17-20).
Die vorliegende Untersuchung verfolgt in diesem Kontext sowohl den Anspruch, die Transaktionskostenökonomik in ihren konzeptionellen Grundlagen fokussiert darzulegen als auch insbesondere eine dogmenhistorische Fundierung ihrer Entwicklung im Kontext maßgeblicher Ansätze des ökonomischen Denkens vorzunehmen. Da sich das Fundament der Transaktionskostenökonomik aus einer Vielzahl unterschiedlicher Arbeiten speist, diese Entwicklung und dogmenhistorische Fundierung in den gängigen Übersichtswerken der Transaktionskostenökonomik bzw. der Neuen Institutionenökonomik jedoch mitunter gänzlich fehlt oder lediglich kurz behandelt wird, gilt es diese Lücke zu schließen und Williamsons zentrale Arbeiten adäquat zu verorten. Im Zuge dessen wird der Blick hier ausdrücklich nicht auf aktuelle und weit über Williamson hinausgehende Ansätze gerichtet, sondern an entsprechender Stelle auf ausgewählte Veröffentlichungen verwiesen, die diese aktuellen Entwicklungen auf oftmals herausragende und umfassende Weise dokumentieren. Die nachfolgende Untersuchung ist wie folgt aufgebaut. Zu Beginn wird in Kapitel Zwei ausführlich auf die Entwicklung der Transaktionskostenökonomik von ihren dogmenhistorischen Vorläufern bis hin zu den fundamentalen Arbeiten von Williamson eingegangen. Im Anschluss gibt das dritte Kapitel erste Definitionen zentraler
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transaktionskostenökonomischer Begriffe und thematisiert damit verbundene Abgrenzungsprobleme.
Mit der Einführung der menschlichen Verhaltensannahmen beginnt in Kapitel Vier die Darstellung des Analyserahmens der Transaktionskostenökonomik. Dabei wird der Einfluss dieser vom traditionellen ökonomischen Menschenbild abweichenden und als realitätsnäher angesehenen Annahmen auf die Durchführung von Transaktionen aufgezeigt. Als zweiter wesentlicher Aspekt wird im fünften Kapitel der Einfluss der Dimensionen auf das Zustandekommen und die Effizienz von Transaktionsbeziehungen betrachtet. Zudem erfolgt ein kurzer Exkurs, der das Konzept der fundamentalen Transformation thematisiert. Den Analyserahmen abschließend führt Kapitel Sechs die grundlegenden Beherrschungsstrukturen ein, die in der Regel je nach Ausprägung der Verhaltensannahmen und Dimensionen von Transaktionen zur institutionellen Ausgestaltung von Transaktionsbeziehungen herangezogen werden.
Nachdem das konzeptionelle Gerüst eingeführt ist, wendet sich das siebente Kapitel weitergehenden Abgrenzungen von Transaktionskosten zu. Die in der Literatur vorherrschende und maßgeblich von Soziologen und Ökonomen geäußerte Kritik am Ansatz der Transaktionskostenökonomik wird in Kapitel Acht skizziert. Im Anschluss gibt das neunte Kapitel eine Einordnung der hier betrachteten Transaktionskostenökonomik in den Gesamtkontext der Neuen Institutionenökonomik, wobei insbesondere die Principal-Agent-Theorie und die Property-Rights-Theorie sowie darüber hinaus die Neue Politische Ökonomie und die Verfassungsökonomik skizziert werden. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende Betrachtung.
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2 Entwicklung aus dogmenhistorischer Perspektive
Wie eingangs angedeutet, stellt der Aufsatz „The Nature of the Firm“ von Coase aus dem Jahr 1937 traditionell den Ausgangspunkt der Entwicklung der Transaktionskostenökonomik dar. Dies muss als eine ungenaue Interpretation angesehen werden, denn die Idee der Analyse und Relevanz von Transaktionen und den mit ihnen verbundenen Kosten wurde implizit unter anderem schon von Smith im Jahre 1776 aufgegriffen (hier Smith 1776/1904). Um eine exakte Einordnung der Transaktionskostenökonomik vorzunehmen und ihre Tradition in der Ökonomik zu beleuchten, erfolgt daher zunächst eine einführende chronologische Übersicht über die für die Entwicklung der Transaktionskostenökonomik essentiellen Arbeiten: 1
Als prägender Ökonom der Klassiker hat Smith bereits in seinem Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ (Smith 1776/1904) die Grundgedanken von Transaktionen in Unternehmen und den mit ihrer Existenz einhergehenden Transaktionskosten aufgezeigt; allerdings noch ohne sie so zu benennen. Die Klassiker setzen ihren Betrachtungen voraus, dass gesellschaftliche Phänomene aus dem Zusammenspiel individueller Handlungen entsprechend des methodologischen Individualismus erklärt werden können. Eine zentrale Annahme der klassischen Theorie bildet das menschliche Selbstinteresse, die eigene wirtschaftliche Situation im Rahmen der jeweilig existierenden institutionellen Rahmenbedingungen stetig zu verbessern. Institutionen spielen also eine zentrale Rolle. Bei Smith findet sich ein grundlegender Gedanke zu unternehmensinternen Transaktionen in seinem bekannten Beispiel zur Produktion von Stecknadeln. So beschreibt er den Produktionsablauf arbeitsteilig als eine Aneinanderreihung verschiedenster Arbeitsabläufe, wobei jede Weitergabe der Stecknadel hin zu dem folgenden Produktionsschritt als Transaktion aufgefasst werden kann (Smith 1776/1904, Book I, Chapter I). Dabei erwähnt Smith ebenso den Einfluss der Arbeitsteilung auf die Größe einer Unternehmung (Smith 1776/1904, Book I, Chapter II). Zudem wird die Institution Markt eingehend behandelt, wobei institutionelle Rahmenbedingungen die Aufgabe haben, sicherzustellen, dass die Wirtschaftssubjekte bei der Verfolgung ihrer eigenen Interessen quasi „von einer unsichtbaren Hand geleitet“ auf Märkten agieren und maßgeblich dazu beitragen die gesellschaftliche Wohlfahrt zu erhöhen.
1 Die Darstellung ist aufgrund der Fülle an Arbeiten zur Transaktionskostenökonomik zwangsläufig nicht vollständig, sondern beleuchtet vielmehr einige ausgewählte Arbeiten, in denen erstmals die jeweiligen fundamentalen Aspekte der hier zugrunde liegenden Transaktionskostenökonomik aufgezeigt wurden.
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Einen weiteren frühen Ansatz zu dem, was später als Transaktionskosten in der Transaktionskostenökonomik behandelt wird, gibt Mill in „The Principles of Political Economy“, wobei sein besonderer Beitrag im Bereich der Geldtheorie anzusiedeln ist (Mill 1848). Dort wird die Entstehung der Institution Geld so begründet, dass dadurch die so genannten Reibungsverluste - im späteren Sinn analog zu Transaktionskosten - im Vergleich zu einer Naturaltauschwirtschaft vermindert werden können. Geld also einem Reibung vermindernden Gleitmittel innerhalb eines Wirtschaftssystems gleichgesetzt wird (Mill 1848, Book 1, Preliminary Remarks).
Auf die Vorteile einer unternehmensinternen Spezialisierung von Sachkapital und Arbeitskräften weist Marshall bereits in seinen „Principles of Economics“ (Marshall 1890) hin. Marshall zeigt auf, dass arbeitsteiliges Wirtschaften und Spezialisierung Effizienzvorteile in Form von Quasi-Renten ermöglichen und diese durch die jeweiligen Vertragspartner abgeschöpft werden können (Marshall 1890, Book II, Chapter III). Freilich wurden die entsprechenden Implikationen für institutionelle Arrangements und Vertragsgestaltungen von Marshall noch nicht betrachtet. Er zeigt jedoch implizit erste Ansätze der Notwendigkeit ihrer Berücksichtigung auf.
Die erste im engeren Sinn der Entwicklung der Transaktionskostenökonomik zuzurechnende Arbeit ist „Risk, Uncertainty, and Profits“ (Knight 1922) von Knight. Knight betrachtet ein Unternehmen als Transaktionsstruktur und weißt neben der Zweiseitigkeit von Transaktionen darauf ihn, dass es entscheidend ist, im Rahmen der Analyse dieser Transaktionsbeziehungen das tatsächliche menschliche Verhalten zu untersuchen um korrekte Vorhersagen treffen zu können. Das menschliche Verhalten ist dabei geprägt von Misstrauen und der Gefahr, dass es bei der Zusicherung und Durchführung von Transaktionen zu einer nicht vereinbarungskonformen Erfüllung kommt, da für die Transaktionspartner Anreize bestehen, diese Situation zum eigenen Vorteil auszunutzen (Knight 1922, S. 270). Im Zuge dessen stellt die von Knight als moralisches Risiko bezeichnete Annahme über menschliches Verhalten jenen entscheidenden Aspekt dar, den es innerhalb von Transaktionsbeziehungen zu überwinden gilt (Knight 1922, S. 260). Ein vollkommen ehrliches und vertragskonformes Verhalten entsprechend des Menschenbildes in der Neoklassik ist folglich nicht weiter aufrecht zu erhalten und Knight gibt implizit eine Beschreibung dessen, was als Opportunismus eine grundlegende Verhaltensannahme innerhalb des Untersuchungsrahmens der Transaktionskostenökonomik darstellt.
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Hinsichtlich der in die Transaktionskostenökonomik einbezogenen rechtswissenschaftlichen Literatur stellt die Arbeit „What Price Contract? An Essay in Perspective“ (Llewellyn 1931) von Llewellyn einen grundlegenden Beitrag dar. Llewellyn setzt sich mit der Bedeutung des Vertrages für die Ordnung der Gesellschaft und ihre Individuen auseinander und kritisiert die klassische Vertragstheorie für die Vernachlässigung der zu erzielenden Vertragszwecke und der Schwerpunktsetzung auf formale Einzelheiten. Eine derartige Fokussierung auf einzelne Ausgestaltungsfragen könne dazu führen, dass die eigentliche Beantwortung einer sachlichen Fragestellung verzögert wird (Llewellyn 1931, S. 728). Zur Lösung entwickelt Llewellyn seine Vorstellung von Verträgen als rechtliche Rahmenbedingungen und unterscheidet zwischen eisernen und nachgiebigen Regeln (Llewellyn 1931, S 729). Die Bedeutung eines Vertrages sollte demzufolge maßgeblich darin liegen, dass ein rechtlicher Rahmen geschaffen wird, der möglichst umfassend die Beziehungen zwischen handelnden Menschen regeln und in Zweifelsfällen eine juristische Richtlinie vorgeben kann. Erst für den Fall, dass es in Einzelfällen einer darüber hinausgehenden Klärung bedarf, ist vorgesehen dass Gerichte als zusätzliche Institutionen und letzte entscheidende Instanzen eingreifen (Llewellyn 1931, S. 736-737). Llewellyn kritisierte damit offen die vorherrschende Annahme der Rechts- und Wirtschaftstheorie, dass für die Erfüllung von Verträgen stets Gerichte eingeschaltet werden und sowohl die Idee eines Vertrages als Rechtsrahmen als auch die Bedeutung der Vertragszwecke wurden später ebenfalls von Williamson aufgegriffen und betont.
Maßgebliche wirtschaftstheoretische Arbeiten zur Berücksichtigung von Transaktionen in der Analyse von Institutionen wurden von Commons sowohl in dem Aufsatz „Institutional Economics“ (Commons, 1931) als auch ausführlich in der darauf aufbauenden Arbeit „Institutional Economics. It’s Place in Political Economy“ (Commons, 1934) vorgenommen. Wie später von Williamson übernommen, stellt Commons Transaktionen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und erhebt sie zur Basiseinheit der Institutionenanalyse (Commons 1931, S. 652; Commons 1934, S. 4-8). 2 Hierbei werden Transaktionen als kleinste Einheit der Institutionenökonomik angesehen und im Zuge dessen wird eine stärkere mikroökonomische Analyse von Tauschbeziehungen vertreten: […] the smallest unit of the institutional economists is a unit of activity - a transaction, with its participants“ (Commons 1931, S. 652). Commons sieht institutionelle Regelungen ebenfalls als eine Möglichkeit zur
2 Siehe hierzu ausführlich Kapitel 1, Abschnitt 2: From Exchange to Transactions (Commons 1934).
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Vermeidung oder zumindest Minimierung von Konflikten zwischen Individuen an (Commons 1934, S. 6). Commons Überlegungen, dass Individuen durch den Zusammenschluss in einer Institution wie zum Beispiel einer Unternehmung erfolgreicher und effizienter als alleine handeln können, wurden später wiederum von Williamson in seiner These aufgegriffen und ausgearbeitet, dass unternehmensinterne Transaktionen oder Kooperationen zwischen Unternehmungen einem reinen marktlichen Tausch wirtschaftlich überlegen sein können. 3 Zudem wirft Commons die Überlegung auf, dass die Ausgestaltung von Institutionen durch die wechselseitige Abhängigkeit und das kollektive Handeln von Menschen einen direkten Einfluss auf ihre wirtschaftliche Situation hat und Erlöse nicht nur durch Handel, sondern auch durch die Organisationsstruktur einer Unternehmung beeinflusst werden (Commons 1934, S. 69).
In dem Aufsatz „The Nature of the Firm“ (Coase 1937) beschäftigt sich Coase mit der Frage, warum in einer Marktwirtschaft Unternehmen existieren und wirtschaftliche Aktivitäten nicht ausschließlich über Märkte, sondern auch innerhalb von Unternehmen abgewickelt werden. Die Existens von Unternehmen begründet Coase dadurch, dass mit der Nutzung von Märkten Kosten verbunden sind und die Institution der Unternehmung dazu beitragen kann, diese „costs of using the price mechanism“ (Coase 1937, S. 390) einzusparen. 4 Jedoch ist auch die unternehmensinterne Koordination mit Kosten verbunden, womit Märkte und Unternehmen unterschiedliche Koordinationsmechanismen darstellen. Die Entscheidung Markt versus Unternehmung wird von einem rational handelnden Unternehmer folglich solange pro unternehmensinterner Abwicklung ausfallen, bis die damit verbundenen Kosten höher sind als die einer entsprechenden Abwicklung über Märkte (Coase 1937, S. 404-405).
Barnard untersucht in seiner der Organisationstheorie zuzuordnenden Arbeit „The Functions of the Executive“ (Barnard 1938) unter anderem Organisationen und ihre Anpassung an sich unablässig im Wandel befindliche Umgebungen. Unter Organisationen werden in Zuge dessen alle Arten der bewussten, vorsätzlichen und auf ein Ziel gerichteten Zusammenarbeit von Menschen verstanden (Barnard 1938, S. 4). Dabei betont Barnard bereits die durch physische, biologische und soziale Faktoren beeinflussten Schranken menschlicher
3 Ein Gedanke, der ebenfalls in das Schema der von Coase in „The Nature of the Firm“ angestellten Überlegungen passt.
4 Der Begriff der Transaktionskosten wurde von Coase noch nicht verwendet.
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Rationalität und folgert, dass sämtliche Organisationen in der Realität nicht vollkommen rational ausgestaltet werden können (Barnard 1938, S. 12-45). Vielmehr sind hinsichtlich des fortgesetzten Wandels von Organisationen, vor dem Hinterrund einer lediglich intendierten Rationalität menschlichen Handelns und der damit verbundenen hohen Komplexität von Entscheidungssituationen adaptive Entscheidungsprozesse unter Einbeziehung von implizitem Wissens notwendig, welche sich an den jeweiligen institutionellen Gegebenheiten orientieren (Barnard 1938, S. 291). Infolgedessen dienen Organisationen sowohl instrumentalen wie auch menschlichen und sozialen Zielen und schrittweise Entscheidungsprozesse sind für die Entwicklung und Handlungsfähigkeit einer Organisation entscheidend (Barnard 1938, S. 120-122). Diese von Barnard für die interne Organisation und die Kooperation von Unternehmen aufgezeigten Faktoren nach denen Organisationen lediglich der Intension nach rational ausgestaltet werden können, wurden später vor allem von Simon mit seinem Konzept der begrenzten Rationalität und von Williamson ebenfalls im Rahmen der begrenzten Rationalität und den Überlegungen zu relationalen Verträgen aufgegriffen.
Als herausragender Vertreter der Österreichischen Schule untersuchte Hayek nicht nur die Entstehung und Funktion von sozialen Institutionen sondern auch ihre Verwurzelung in der menschlichen Psyche (Feldmann 1995, S. 36). Im Zuge seines ordnungsökonomischen Forschungsprogramms betont Hayek speziell die institutionelle Abhängigkeit von Ordnungen und diskutiert im Hinblick einer kritischen Auseinandersetzung mit den praktischen und theoretischen Versuchen sozialistischer Planung während der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Grenzen einer sozialistischen Planung und die Vorzüge kapitalistischen Wirtschaftens. Konträr zur herrschenden wirtschaftstheoretischen Lehre sieht Hayek das zentrale ökonomische Problem innerhalb einer Gesellschaft in schnellen
Anpassungsprozessen und der Wissensteilung und betont die Notwendigkeit der Analyse adaptiver Systeme unter Einbeziehung individuellen Wissens (Hayek 1945, S. 523-524). Dies insbesondere vor dem Hintergrund und mit dem Ziel vom individuellen subjektiven und nicht zentralisierbaren Wissen einer Gesellschaft Gebrauch zu machen (Streit und Wohlgemuth 1999, S. 3). Die Erkenntnis der ungeplanten Wissensteilung als Minderung der Folgen konstitutionellen Wissensmangels der Akteure wurde zum Ausgangspunkt einer Vielzahl seiner Untersuchungen der spontanen Ordnungsbildung wirtschaftlichen Handelns. Speziell betont Hayek die Bedeutung von begrenzter Rationalität, Unsicherheit und individuellem Wissen in dem hier relevanten Zusammenhang in seiner Arbeit „The Use of Knowledge in Society“ (Hayek 1945). Dabei konzentriert sich Hayek traditionell auf die Rolle des Marktes,
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Dr. Markus Groth, 2007, Oliver E. Williamsons Transaktionskostenökonomik - Entwicklung und Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
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