Gliederung:
I. Vorbemerkung
II. Inhalt
1.Erster Abschnitt: Historischer Überblick
2. Zweiter Abschnitt: Das Wesen des Dramas
3.Dritter Abschnitt: Die Theorie der drei Einheiten im Drama
4.Vierter Abschnitt: Die poetische Praxis der Gegenwart
5.Fünfter Abschnitt: Nachträge und Schlussbemerkung
III. Das Lenz-Bild in „Dichtung und Wahrheit“ und die nachfolgende Lenz-Forschung
IV. Shakespeare als Ideal
V. Die Anmerkungen übers Theater - ein Dokument der Shakespearomanie?
Literaturverzeichnis
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Die ›Anmerkungen übers Theater‹ von Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) zählen zu den eigenwilligsten und zugleich auch wichtigsten Schriften, die sich in der deutschen Literatur mit der Theorie der Dichtung und mit der ästhetischen Reflexion einer Gattung, des Dramas, beschäftigt haben. Die erste, kürzere Fassung der ›Anmerkungen‹, beginnend wohl im Winter 1771/72, schrieb Lenz für die „Société de Philosophie et Belles Lettres“ in Straßburg und wurde seitdem von ihm mehrfach überarbeitet und ergänzt. Unterstützt durch Goethe veröffentlichte er sie schließlich 1774, zusammen mit einer Übertragung von Shakespeares Komödie „Love´s Labour´s Lost“ im Anhang unter dem Titel „Amor vincit omnia“.
Allerdings fallen die als eine der wichtigsten dramentheoretischen Schriften anzusehenden ›Anmerkungen übers Theater‹ bereits bei der Art der Darbietung ganz aus dem Rahmen des Gewohnten. Inhalt, das methodische und gedankliche Verfahren, der Stil und die Sprechweise der ›Anmerkungen‹ werfen Fragen auf. Nicht in logisch-systematisch gegliederte Sinnabschnitte oder Paragraphen, die einen übersichtlichen Aufbau und klare Grundthesen erkennen ließen, teilt Lenz seinen Text auf, sondern ÄUKDSVRGLHQZHLV³ , scheinbar nur
assoziativ miteinander verknüpft trägt er seinen Thesen vor. Diese scheinen mehr affektiv hingeworfen als systematisch entwickelt. Jedoch bieten die >Anmerkungen< eine Vielzahl dramentheoretischer Überlegungen, die trotz der kühnen Bilder, oftmals elliptischen Sätze und sprunghaften Gedankenführung ein zusammenhängendes Ganzes ergeben. Auf der inhaltlichen Ebene belegen die schweren Angriffe gegen Positionen aufgeklärter Dichtungstheorie die Entschlossenheit von Lenz, zeitgemäßere Darstellungsformen der Dramatik zu finden. Mit Sarkasmus und Selbstironie greift er entschieden die Grundfesten der Dramentradition an. Diesen offensiven Anspruch unterstreicht die Konzeption der ›Anmerkungen‹. Denn entschieden unterläuft Lenz die bis dahin gängigen und erwarteten Regeln der aufgeklärten-theoretischen Programmschrift.
Beeindruckt von Goethe und Herder bedient er sich auch in seiner dramentheoretischen Schrift deren Sprache und Gedanken, ist sich dessen aber bewusst und weist auch darauf hin. Auf verwirrende Weise stellt sich seine Theorie des neuen Dramas an die Seite von Goethe und Herder, wendet sich zugleich aber von ihnen ab.
1 Müller ,Peter [Hrsg.]: Sturm und Drang. Weltanschauliche und ästhetische Schriften. 2 Bde. Berlin, Weimar 1978, S.717
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Theodor Friedrich 2 hat in seiner 1908 erschienenen Untersuchung eine eingehende Analyse des Aufbaus und der Struktur der >Anmerkungen< durchgeführt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei den >Anmerkungen übers Theater< um eine zweifach bearbeitete Zusammenfügung von drei zunächst mündlichen Vorträgen handelt, die vor der Straßburger Gesellschaft um den Aktuar Salzmann gehalten wurden. Folgende Anordnung der einzelnen Teile inklusive ihrer Exkurse schlägt Theodor Friedrich vor:
Im Folgenden habe ich, in Anlehnung an die Einteilung von Theodor Friedrich, die >Anmerkungen übers Theater< etwas vereinfacht in fünf Abschnitte aufgegliedert und werden den Inhalt kurz darstellen. Dabei werde ich mich auf die inhaltlichen Aspekte beschränken, die mir am wichtigsten erscheinen.
1. Erster Abschnitt: Historischer Überblick
Lenz konstatiert den unzweifelhaften Wert des Theaters: Ä'HU9RUZXUIHLQLJHU $QPHUNXQJHQGLHLFKIU6LHDXIGHP+HU]HQKDEHVROOGDV7KHDWHUVHLQ'HU:HUWGHV 6FKDXVSLHOVLVWLQXQVHUQ=HLWHQ]XHQWVFKLHGHQDOVGDVVLFKQ|WLJKlWWHZHJHQGLHVHU:DKO FDSWDWLRQHPEHQHYROHQWLDHYRUDXV]XVFKLFNHQ>@³ ¡
Bevor er aber ins Detail geht, liefert er ein großzügiges Panorama der Weltgeschichte des Theaters, seiner Bühnen, seiner Autoren, Schauspieler und seines Publikums. Das Panorama reicht von den Griechen bis zur Gegenwart und wird in schneller Abfolge auf einem zweiten
2 Friedrich, Theodor: Die „ Anmerkungen übers Theater“ des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz. Diss. Leipzig 1908
3 Müller, Peter [Hrsg.]: Sturm und Drang. Weltanschauliche und ästhetische Schriften. 2 Bde. Berlin, Weimar 1978, S.717
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Stephanie-Lioba Bauer, 2002, Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater (1774), München, GRIN Verlag GmbH
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