Inhalt
Einleitung 3
1 Systemtheorie nach Niklas Luhmann
4
1.1 Merkmale von Systemen 4
1.2 Beziehungen zwischen Systemen 6
1.3 Kommunikation als System 9
1.4 Systemdifferenzierung 11
2 Das System Frühförderung
13
2.1 Prinzipien der Frühförderung 14
14
2.1.1 Ganzheitlichkeit
15
2.1.2 Interdisziplinarität
16
2.1.3 Familienorientierung
18
2.1.4 Soziale Integration
2.2 Frühförderung im Wandel 19
19
2.2.1 „Von der dominanten Kindförderung zur Einbeziehung der Lebenswelt“
(Antor, Bleidick 2001, S. 375)
20
2.2.2 „Von der rein ambulanten Förderung zum Ausbau des mobilen Dienstes“
(Antor, Bleidick 2001, S. 375)
21
2.2.3 „Von der Dominanz der Fachleute zur Zusammenarbeit mit den Eltern“
(Antor, Bleidick 2001, S. 375)
22
2.2.4 „Von der Monofachlichkeit zur Interdisziplinarität“
(Antor, Bleidick 2001, S. 375)
Fazit und Ausblick 23
Literatur 24
- 2 -
Einleitung
Luhmanns Systemtheorie ist geprägt von „einem radikal antihumanistischen, einem
Luhmann geht in seinen Ausführungen zu keiner Zeit wertend auf soziale Prozesse ein, vielmehr bezieht er die Position eines neutralen Beobachters. In dieser Arbeit werfen wir einen systemtheoretischen Blick auf das System
Der erste Teil dient der kurzen Beschreibung einiger wichtiger systemtheoretischer
1
Systemtheorie nach Niklas Luhmann
von System und Umwelt. Es gibt somit aus der Sicht eines Systems immer eine Innensowie eine Außenseite. Wichtig sind dabei zum einen die Strukturen und Abläufe, durch die sich ein System von seiner Umwelt abgrenzt, zum anderen aber auch die Medien, die Beziehungen zwischen verschiedenen Systemen ermöglichen. Im Folgenden sollen zunächst Merkmale von Systemen beschrieben werden, die in ihrem Zusammenwirken das System von seiner Umwelt unterscheiden. Desweiteren soll auf die Mechanismen eingegangen werden, mit deren Hilfe Beziehungen zwischen System und Umwelt hergestellt werden. Darauf folgt die Übertragung der allgemeinen Begriffe auf den speziellen Bereich der Kommunikation, um deren Status als eigenständiges System herauszustellen. Abgeschlossen wird der erste Teil durch die Beschreibung der Systemdifferenzierung als Notwendigkeit zur Komplexitätsreduktion. Dieser erste Abschnitt dieser Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch nicht als allgemeine Einführung in Luhmanns Systemtheorie zu sehen; dies ist aus Gründen des begrenzten Umfangs ohnehin nicht möglich. Vielmehr sollen hier allein die Begriffe und Prozesse beschrieben werden, die für eine systemtheoretische Sicht der Frühförderung wichtig erscheinen.
Operationen bilden die Elemente eines Systems durch den Akt der Unterscheidung und Bezeichnung, wobei jeweils eine räumlich, zeitlich und thematisch spezifische Form gesetzt wird. „Jede Bestimmung, jede Bezeichnung, alles Erkennen, alles Handeln vollzieht als Operation das Etablieren einer solchen Form“ (Luhmann 1997,
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S. 62); Luhmann macht deutlich, dass die Elemente eines Systems nicht ausschließlich dessen Willen unterliegen, sondern als Produkt der Systemprozesse immer automatisch mitentstehen. Eine so gesetzte Form liefert nicht nur auf ihrer Innenseite das zu Bezeichnende, sondern führt auf ihrer Außenseite zusätzlich das Unbezeichnete mit, also das, wovon der Gegenstand der Bezeichnung unterschieden wurde. Die Grundlegende Unterscheidung ist die zwischen System und Umwelt, denn erst dadurch, dass ein System - durch Eigen- oder Fremdbeobachtung - von seiner Umwelt unterschieden wird, kann ihm Selbstreferenz zugeschrieben werden. Davon hängt die Anerkennung - die sogenannte „soziale Adressabilität“ - durch andere Systeme wie auch durch sich selbst ab. Strukturen
Strukturen sind relativ stabile Verbindungen von Elementen, also eine Selektion aus vielen Möglichkeiten mit gewisser Dauerhaftigkeit. Eine Struktur „grenzt Wahlmög-lichkeiten ein, verbürgt eine gewisse Sicherheit von Erwartungen“ (Krause 2001, S. 205), sie ist also einerseits eine Einschränkung des Möglichen, erhöht dadurch aber gleichzeitig den Grad der Effizienz eines Systems. Die Bildung von Strukturen läuft nach systemeigenen Programmen ab, welche ihrerseits als Handlungsrichtlinien fungieren. Als Beispiel wären Gesetze als Programme des politischen Systems zu nennen. Autopoiesis
Autopoietisch sind solche „Systeme, die nicht nur ihre Strukturen, sondern auch die Elemente, aus denen sie bestehen, im Netzwerk eben dieser Elemente selbst erzeugen“ (Luhmann 1997, S. 65); dies geschieht, wie bereits erwähnt, als Nebeneffekt jeder Handlung eines Systems, ob intendiert oder nicht. Die Konsequenz daraus ist, dass ein autopoietisches System nicht auf Ressourcen aus seiner Umwelt angewiesen ist um als System zu funktionieren. Allerdings ist Autopoiesis nicht zu verwechseln mit Autarkie, da einem System durch seine Umwelt gewisse Rahmenbedingungen vorgegeben sind. Hierauf werden wir später näher eingehen.
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Operative Geschlossenheit
„Operationen sind nur als Operationen eines Systems möglich, also nur auf der Innenseite der Form“ (Luhmann 1997, S. 63), somit ist für ein System kein wirklicher Umweltkontakt möglich. Dies gilt selbst für Beobachtungen, die uns ja als Kontakt zur Umwelt erscheinen, aber „Beobachtungen können nur auf Beobachtungen einwirken, können nur Unterscheidungen in andere Unterscheidungen transformieren, können, mit anderen Worten, nur Informationen verarbeiten; aber nicht Dinge der Umwelt berühren - mit der wichtigen, aber sehr schmalen Ausnahme all dessen, was über strukturelle Kopplung involviert ist“ (Luhmann 1997, S. 92). Selbstreferenz
Ein System handelt selbstreferentiell, wenn es sich selbst beobachtet, sich also auf sich selbst in seiner Handlung bezieht. Dies stellt im Grunde eine Erweiterung der operativen Geschlossenheit um den Faktor Bewusstsein dar. Demgegenüber steht die Fremdreferenz, also der Bezug des Systems auf seine Umwelt, wie diese im System repräsentiert ist. Selbstreferenz und Fremdreferenz kommen immer nebeneinander vor, da die Selbstbeobachtung als System die Unterscheidung von seiner Umwelt bereits voraussetzt. Dies ist als Grenze des Systems zu sehen, also „die selbstproduzierte Differenz von Selbstreferenz und Fremdreferenz, und sie ist als solche in allen Kommunikationen präsent“ (Luhmann 1997, S. 77).
1.2
Beziehungen zwischen Systemen
Systeme sind zwar auf ihrer operativen Ebene geschlossen, der Umwelt können allerdings reine Informationswerte entnommen werden, die auf der Basis der
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Arbeit zitieren:
Sven Jürgens, 2006, Frühförderung aus systemtheoretischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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