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Seite
1. Einleitung 1
2. Entstehungs- und Wirkungsgeschichte
3. Die Epoche des Realismus
4. Die zentralen Personen
5. Fontane als Gesellschaftskritiker? 12
6. Schlußbemerkung 16 /LWHUDWXUYHU]HLFKLV
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(LQOHLWXQJ Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ erschien 1888 in der Buchausgabe und wurde sowohl von den Lesern als auch von den Kritikern zwiespältig aufgenommen. Im Mittelpunkt des Romans steht vordergründig das freie und unstandesgemäße Liebesverhältnis des Barons Botho von Rienäcker mit der Näherin Lene Nimptsch. Die Beziehung wird jedoch bereits in der Mitte der Erzählung wieder gelöst, da Botho sich verpflichtet fühlt, eine Heirat mit der begüterten Käthe von Sellenthin einzugehen und damit die Finanzen seiner Familie aufzubessern. Der Roman schildert weiter, wie deutlich sich dieses Verhältnis von den im 19. Jahrhundert durchaus „üblichen“ Affären zwischen Offizieren und Mädchen von niederem Stand abhebt, da sowohl Botho als auch Lene ihre Liebe in ihrer Erinnerung lebendig halten und sich dies insbesondere auf das weitere Leben Lenes auswirkt. Aus Angst, noch einmal ihrem geliebten Botho an der Seite seiner Frau zu begegnen, zieht sie gemeinsam mit ihrer Ziehmutter in ein weit entferntes Stadtviertel, wo sie die Bekanntschaft mit dem Fabrikmeister Gideon Franke macht, der sie schließlich trotz ihrer Vergangenheit heiratet.
„Irrungen, Wirrungen“ ist kein Trauerspiel oder eine Tragödie im klassischen Sinne, da es am Ende weder zu einem dramatischen Mord noch zu einem Selbstmord kommt. Fontane wählt einen subtileren und unspektakuläreren Weg, um die Tragik dieser unstandesgemäßen Liebe darzustellen. Sowohl Botho als auch Lene sind am Ende des Romans mit durchaus respektablen Partnern verheiratet, müssen aber auf die Erfüllung ihres gemeinsamen Glücks verzichten und vor der gesellschaftlichen Ordnung resignieren.
Wie bereits eingangs erwähnt, wurde Fontanes Roman „Irrungen, Wirrungen“ nicht von allen Lesern und Kritikern als Glanzstück betrachtet. Die noch zahlreich erhaltenen Berichte aus zeitgenössischen Zeitungen und Aufsätzen zeichnen mit ihrer Kritik ein klares Bild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Um Fontanes Kritik an der Doppelmoral seiner Umwelt zu verstehen, muß zunächst die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Romans „Irrungen, Wirrungen“ näher betrachtet werden.
In den 60 Jahren seines literarischen Lebens gab es mehrere Epochenwandel von der Romantik über den Realismus bis zum Naturalismus. Dabei ist es sehr wichtig zu wissen,
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in welcher Tradition der Roman geschrieben wurde und welcher Epoche er zuzuordnen ist. Erst danach kann man mit einer ausführlichen Analyse von „ Irrungen, Wirrungen“ beginnen.
Die Quellenlage stellt sich sehr gut dar. Fontane führte sein Leben lang einen regen Schriftverkehr mit Verwandten und Freunden, in dem er sich häufig auch über seine Werke äußerte. Außerdem liegen von Fontane zahlreiche Tagebuch-und Notizbuchaufzeichnungen vor, die bei der Interpretation unbedingt mit einbezogen werden müssen.
Die gründliche Archivierung der Zeitungsmedien im ausgehenden 19. Jahrhundert ermöglicht uns zusätzlich einen tiefen Einblick in die Wirkungsgeschichte des Romans.
Fontane hat in seinem langen Leben ein großes literarisches Werk geschaffen, das schon viele Forscher bis heute beschäftigt hat, das aber noch lange nicht erschöpfend behandelt worden ist. Dennoch kann man aus einem umfangreichen Forschungsbestand schöpfen. Grundlage für jede nähere Beschäftigung mit „ Irrungen, Wirrungen“ sind die Erläuterungen und Dokumente aus der Reclam-Reihe 1 sowie die einführenden Arbeiten von Grawe 2 und Müller-Seidel 3 . Hinzu kommen viele weitere Studien, die sich spezielleren Fragestellungen widmen.
1 Betz, Frederick: Erläuterungen und Dokumente. Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen; Stuttgart 1998.
2 Grawe, Christian: Fontanes Novellen und Romane. Interpretationen; Stuttgart 1991.
3 Müller-Seidel, Walter: Theodor Fontane. Soziale Romankunst in Deutschland; Stuttgart 1980.
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(QWVWHKXQJVXQG:LUNXQJVJHVFKLFKWH Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen von Fontane liegt „ Irrungen, Wirrungen“ vermutlich keine spezielle reale Vorlage oder ein bestimmtes Ereignis zugrunde. Die Handschrift des Romans ist verschollen, und die wenigen erhaltenen Aufzeichnungen zu verschiedenen Kapiteln aus seinem Notizbuch enthalten keinen Hinweis auf eine Vorlage. 4 Der Untertitel des Romans „ Eine Berliner Alltagsgeschichte“ macht aber deutlich, daß unstandesgemäße Verhältnisse durchaus üblich waren damals und ein direkter Nachweis nicht unbedingt notwendig war. Wichtig ist nur, daß es so gewesen sein könnte.
Fontanes eigene Angaben in seinen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen zur Entstehung von „ Irrungen, Wirrungen“ sind widersprüchlich. Er berichtete erstmals in einem Brief an seine Frau am 19.7.1882 von der Entstehung dieses Romans: ÄhEULJHQV KDEH LFK KHXWH YRUPLWWDJHLQHQHXH1RYHOOHHQWZRUIHQZLHGHUVHKUGLIIL]LOVHKULQWULNDW³ 5
Mit der kontinuierlichen Erarbeitung begann Fontane laut Tagebuch erst im Frühjahr 1884. Ab dem 2. Mai trieb er Lokalstudien auf der Jungfernheide, dem Rollkrug und dem Jacobifriedhof und fertigte Skizzen in seinem Notizbuch an. Vom 12. bis zum 26. Mai hielt er sich selbst in Hankels Ablage auf, wo Botho und Lene zwei Tage verbringen. Am 24. Mai vermerkte Fontane dann, er habe nun das letzte Kapitel ÄJOFNOLFKEHHQGHW³ 6
Diese erste Niederschrift ruhte nun die nächsten zwei Jahre und Fontane widmete sich verstärkt seinen anderen Werken. Erst 1886 begann er mit der Überarbeitung und verbrachte den Frühling 1887 mit dem Korrekturlesen. Insbesondere die von ihm eingebauten Rechtschreibfehler Lenes und der Berliner Dialekt führten immer wieder zu Problemen mit den Setzern:
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4 Betz, F.: Erläuterungen und Dokumente, S. 64.
5 Zit. in Sollmann, Kurt: Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur. Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen; Frankfurt 1990, S. 31.
6 Zit. in Ebd. S. 31.
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Claudia Schneider, 2002, Theodor Fontanes Irrungen, Wirrungen, München, GRIN Verlag GmbH
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