Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur
über das Dritte Reich 3
3. Warum sollten sich gerade Jugendliche mit dem
Holocaust beschäftigen? 5
4. Wie kann die Kinder- und Jugendbuchliteratur über den
Holocaust zur Aufklärung der Jugendlichen beitragen? 7
5. Genaue Analyse von Gudrun Pausewangs „Reise im August“
5.1 Inhalt 9
5.2 Literarische Gestaltung 9
5.3 Verknüpfung der Individualgeschichte
mit den Ereignissen in Deutschland 10
5.4 Entwicklung von Alice 11
5.5 Die Darstellung der Ursachen 12
5.6 Fazit 13
6. Kurzanalysen
6.1 Carlo Ross: „Im Vorhof der Hölle“ 14
6.2 Anne Frank: „Das Tagebuch der Anne Frank“ 15
6.3 Robert Hess: „Die Geschichte der Juden“ 15
7. Fazit 17
Literaturverzeichnis
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Die Judenvernichtung im Dritten Reich ist ein Thema, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Nur wer über die Vergangenheit Bescheid weiß, kann aus ihr lernen. Die Menschen müssen wissen, zu was der Mensch fähig sein kann. Und das Ausmaß dieser Fähigkeiten hat uns der millionenfache Mord an den Juden und anderen Minderheiten im Dritten Reich gezeigt. Besonders die Jugend, die Verantwortlichen für morgen, muß darüber aufgeklärt werden.
Diese Hausarbeit untersucht, wie die Kinder- und Jugendliteratur zu dieser Aufklärung beitragen kann und ob die heutigen Bücher dieser Aufgabe gerecht werden. Zunächst stelle ich kurz die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur über den Holocaust seit 1945 dar. Danach untersuche ich die Zusammenhänge zwischen jugendlichen Neonazis und der Unwissenheit über die Geschichte der letzten 70 Jahre. Anschließend gehe ich der Frage nach, auf welche Weise die Kinder- und Jugendliteratur zur Aufklärung der Jugendlichen über die Judenvernichtung etwas beitragen kann.
Für die Analysen habe ich aus der Menge der Bücher zum Thema Holocaust zum einen „ Das Tagebuch der Anne Frank“ 1 gewählt, weil es durch seine Entstehung auf einzigartige Weise die Gefühle des Lesers anspricht. Die anderen drei Bücher sind in den 90er Jahren geschrieben bzw. überarbeitet worden. Jedes der vier Bücher spricht einen anderen Teil der Judenverfolgung an. „ Das Tagebuch der Anne Frank“ schildert sehr eindringlich, wie sich Juden über zwei Jahre vor den Nationalsozialisten versteckt halten, immer in der Angst vor Entdeckung. In der „ Reise im August“ 2 steht die Deportation zu den Gaskammern im Vordergrund. Bei „ Im Vorhof der Hölle“ 3 dagegen wird der „ Alltag“ in einem Konzentrationslager beschrieben. Das vierte Buch schließlich erzählt auf sachlicher Ebene „ Die Geschichte der Juden“ 4 . Die „ Reise im August“ habe ich besonders ausführlich analysiert und dabei vor allem folgende Gesichtspunkte berücksichtigt: Wie gelungen ist die literarische Gestaltung? Wurde die Individualgeschichte der handelnden Figuren mit den Ereignissen im Dritten Reich sinnvoll verknüpft? Wie entwickelt sich die Hauptfigur? Werden die Ursachen der Judenverfolgung angesprochen?
1 Frank, Anne: Das Tagebuch der Anne Frank; Frankfurt 39. Auflage 1974.
2 Pausewang, Gudrun: Reise im August; Ravensburg 1999.
3 Ross, Carlo: Im Vorhof der Hölle; München 5. Auflage 1999.
4 Hess, Robert: Die Geschichte der Juden; Ravensburg 1988, neu bearbeitet 1999.
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Als Quellen bezeichne ich hier die Kinder- und Jugendbücher über den Holocaust. Vor allem nach 1975 wurden viele Erzählungen zu diesem Thema veröffentlicht, so daß man heutzutage eine vielfältige Auswahl hat, von der Flucht aus Deutschland über das Leben im Exil bis zur Aufarbeitung der eigenen Erlebnisse nach dem Krieg. Erst in den letzten 10 bis 15 Jahren häufen sich vor allem autobiographische Romane. Dies hängt sicherlich damit zusammen, daß auch viele Juden ihre Erlebnisse verdrängt hatten und nun im Alter aufarbeiten.
Die Forschung hat die Kinder- und Jugendbücher des letzten Jahrzehnts mit dem Thema Holocaust noch nicht aufgegriffen. Die meisten Jugendbücher aus der Zeit vor 1983 dagegen sind in einer Analyse zusammengefaßt und von Ernst Cloer herausgegeben worden. 5 Auch die Reihe Europäische Hochschulschriften befaßte sich schon 1980 mit dem deutschen Faschismus als Thema in der neueren Jugendliteratur. 6 Etwas aktueller ist die „ Geschichte der Deutschen Kinder- und Jugendliteratur“ 7 , die 1990 erschien, aber nur kurz auf die Darstellung des Dritten Reiches eingeht. Besonders interessant bei der Frage nach der Unwissenheit der Jugendlichen von heute ist eine gerade erschienene Studie von Silbermann und Stoffers, in der sie das Wissen aller Altersgruppen über Auschwitz untersuchen. 8
5 Cloer, Ernst (Hg.): Das Dritte Reich im Jugendbuch. Fünfzig Jugendbuch-Analysen und ein theoretischer Bezugsrahmen; Braunschweig 2. Auflage 1985.
6 Weber, Bernd: Der deutsche Faschismus als Thema neuerer Jugendliteratur. Zwischen Verdrängung und Aufklärung; Europäische Hochschulschriften Reihe 11, Pädagogik; Bd. 97; Frankfurt 1980.
7 Wild, Reiner (Hg.): Geschichte der Deutschen Kinder- und Jugendliteratur; S. 361-364; Stuttgart 1990.
8 Silbermann, Alphons/Stoffers, Manfred: Auschwitz: Nie davon gehört? Erinnern und Vergessen in Deutschland; Berlin 2000.
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Jährlich gibt es etwa 1600 Neuerscheinungen bei den Kinder- und Jugendbüchern. Zum Thema Drittes Reich kamen aber in den Jahren 1945 bis 1981 insgesamt nur 162 neue Bücher heraus. Das heißt, bei den jährlichen 1600 Neuerscheinungen behandelten etwa 4 bis 5 Bücher den Nationalsozialismus. 9
Doch in den letzten 15 bis 20 Jahren wurde diese Epoche häufiger berücksichtigt. Ein Großteil dieser Bücher sind erzählende Sachliteratur, aber es gibt auch viele Romane zu diesem Thema. Relativ neu sind Bilderbücher, die durch die Darstellung historischer Bilddokumente Fiktion und Fakten verbinden. 10
Der Schwerpunkt der Bücher über das Dritte Reich hat sich verlagert. So wurde 1945 bis 1960 die Mitverantwortung der Deutschen meist tabuisiert. Es entstand der Eindruck, daß die deutsche Bevölkerung genauso Opfer sei wie alle anderen und die Schreckensherrschaft des Dritten Reiches nur von einer kleinen Führungsgruppe ausgegangen sei.
1960 bis 1965 kam es in Deutschland wieder zu ersten Hakenkreuzschmierereien und Verwüstungen von jüdischen Friedhöfen. Doch in den Büchern herrschte immer noch die Meinung vor, daß nur die kleine Führungsspitze an dem Unglück in Deutschland schuld sei. Außerdem wurden infolge des Kalten Krieges die DDR und die Sowjetunion mit dem Dritten Reich gleichgesetzt.
Mitte der 1960er Jahre erhielten in der öffentlichen Diskussion vor allem die Gesellschaftskritik und Gesellschaftsreform Priorität. Man beschäftigte sich mehr mit der Gegenwart, so daß die Produktion von Jugendliteratur über die NS-Zeit zurückging. Um 1975 stieg die Zahl der Veröffentlichungen von Literatur über dieses Thema wieder. Außerdem wurde die Darstellung und Deutung des Nationalsozialismus sehr viel differenzierter betrachtet. Mehr und mehr wurde auch der Alltag im Dritten Reich berücksichtigt und auch Themen wie Antisemitismus und Judenvernichtung rückten mehr in den Vordergrund. Dagegen wurden aber die Ursachen des Dritten Reiches und der Widerstand noch zu wenig behandelt. 11
Seit 1979 liegen die Schwerpunkte dieser Literatur auf Kindheit und Jugend sowie dem Holocaust. Politischer Widerstand wird eher weniger behandelt, da viele Deutsche ambivalente Meinungen dazu haben. Flucht und Vertreibung spielen als Themen keine große Rolle mehr, da die Flüchtlinge nun größtenteils integriert sind. Weitere nur am
9 Cloer, E. (Hg.): Das Dritte Reich im Jugendbuch S. 15.
10 Wild, R. (Hg.): Geschichte der Deutschen Kinder- und Jugendliteratur S. 361.
11 Cloer, E. (Hg.): Das Dritte Reich im Jugendbuch S. 15-16.
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Arbeit zitieren:
Claudia Schneider, 1999, Der Holocaust in Kinder- und Jugendbüchern, München, GRIN Verlag GmbH
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