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1. Einleitung Seite 2
2. Hauptpersonen und Hauptgruppen Seite 2
3. Der Erzähler Seite 9
4. Ortnennung Seite 11
5. Stadt und Land Seite 12
6. Sitten und Brauchtümer Seite 14
7. Dialekt- und Liedeinschübe Seite 15
8. Abschied- und Heimkehrszenen Seite 16
9. Sonntag- und Alltagbeschreibung Seite 18
10. Stände in der Gesellschaft Seite 19
11. Schluss Seite 19
12. Literaturverzeichnis Seite 21
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In dieser Arbeit beschäftige ich mich vergleichend mit den beiden Erzählungen „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“, beide aus dem Jahr 1842, von Berthold Auerbach. Sie gehören zu einer Vielzahl von Dorfgeschichten, welche Auerbach publizierte. Die Dorfgeschichte erhielt im Vormärz eine besondere Stellung bezüglich des literarischen Lebens in Deutschland. „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“ informieren über das damalig gegenwärtige Leben, hauptsächlich in dem Dorf Nordstetten und seiner Umgebung. Die Dorfgeschichten haben eine leicht überschaubare Struktur und schildern das gewöhnliche Leben der gesellschaftlichen Unterschichten im damaligen Deutschland. Sie sind in Novellenform verfasst, und es werden verschiedenste Motive angesprochen. Die Sprache lässt sich als einfach und durch Dialekteinschübe als realitätsbezogen und anschaulich beschreiben.
Auerbach, wie auch andere Autoren von Dorfgeschichten, wollten die Wahrheit ihrer Geschichten beglaubigen und bedienten sich hierzu exakter zeitlicher und topographischer Angaben und der Einbettung der Handlung in den sozialen und geschichtlichen Kontext. Obwohl Auerbach über seine Heimat schreibt, fehlt ihm jedoch die unmittelbare Anschauung. So rekonstruiert er das Dorfleben aus einer zeitlichen und räumlichen Entfernung heraus, in einer poetischen Art und Weise.
Die beiden Erzählungen vergleichend werde ich folgende Punkte genauer betrachten: Zuerst beschäftige ich mich mit den Hauptpersonen und -gruppen und danach, wie der Erzähler in die Geschichten eingreift. Es folgen die Punkte „Ortnennung, Stadt und Land, Sitten und Brauchtümer, Dialekt- und Liedeinschübe, Abschied- und Heimkehrszenen, Sonntag- und Alltagbeschreibung“ und letztendlich der Punkt „Stände in der Gesellschaft“.
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Die beiden Dorfgeschichten „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“ von Berthold Auerbach drehen sich um das jeweilige Schicksal einer entscheidenden Person, worauf schon die Titel hinweisen, da sie den Namen der jeweiligen zentralen Gestalt beinhalten. Des „Bartels Basches Bua“ 1 , die Hauptfigur der Erzählung „Der Tolpatsch“, ist auf den Namen „Aloys“ getauft, doch die meisten Dorfbewohner des Dorfes Nordstetten, aus welchem er stammt und in welchem er lebt, nennen ihn „Tolpatsch“. Aloys äußerliche
1 Auerbach (1994), S. 7
3
Erscheinung wird von dem Erzähler genau beschrieben: Er hat kurze blonde Haare, welche im Nacken länger sind, ein breites Gesicht, „ große blaue Glotzaugen“ 2 und sein Mund steht immer halboffen. Seine Alltagskleidung besteht aus einem Hemd, roten Hosenträgern und schwarz gefärbten Leinenhosen. Sonntags trägt er weitaus feinere und hellere Kleidung, aber Aloys fühlt sich nur in seiner Alltagskleidung wohl. Anfangs kümmert er sich wenig darum, was die Leute über ihn sagen. Am wohlsten fühlt sich Aloys in der Gesellschaft von Tieren und zusätzlich, wenn Marannele sich ebenfalls im Stall aufhält. Aloys Leben verläuft gleichbleibend ruhig und ohne spektakuläre oder interessante Zwischenfälle, bis Jörgli, der Knecht des Schultheiß, nach Nordstetten kommt. Jörgli gewinnt in kürzester Zeit die Oberhand über die jungen Männer im Dorf und zeigt Interesse an Marannele, was Aloys besonders stört. Da Jörgli der Knecht eines Pferdbauern ist, ist ihm Aloys als Kuhbauer vom Stand her unterlegen. Außerdem hebt sich Jörgli Aloys gegenüber als äußerst gewandt hervor, wodurch Aloys Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in den Schatten gestellt werden: Zum Beispiel macht sich Jörgli über den Tolpatsch lustig und verspottet ihn, weil Aloys nicht über Nacht bei Marannele bleibt, als er die Chance dazu hat. Für Aloys ist es unvorstellbar, ganz im Gegenteil zu Jörgli, so eine Situation zu seinem Vergnügen auszunutzen, da dies nicht in sein heiles und reines Weltbild passt. Aloys möchte Marannele vor Jörgli schützen, da er weiß, dass der Knecht des Schultheiß es nicht ehrlich mit ihr meint und nur auf sein Vergnügen aus ist. Auf Aloys Bitte, sich von Jörgli fernzuhalten, geht sie ein, doch im Gegenzug bittet sie Aloys darum, sich ein Beispiel an Jörgli zu nehmen und zu versuchen, sich ein bisschen mehr wie er zu verhalten. Diese Szene betrachte ich als eine Schlüsselstelle der Geschichte „ Der Tolpatsch“ , da sich Aloys Verhalten von diesem Punkt an schlagartig ändert: „ [E]r warf den steifen alten Besen fort und steckte einen neuen biegsamen an den Stiel“ 3 . Dieses Verhalten deutet auf eine Veränderung bezüglich Aloys Verhalten hin: Er will sein altes und steifes Verhalten ablegen, so wie er den alten Besen entfernt, und er ist bereit für etwas Neues, um Marannele besser zu gefallen. Als er Jörgli daraufhin das nächste Mal trifft, imitiert er als erstes seinen aufrechten Gang, den Gang eines Soldaten. Ganz entgegen seiner früheren Art wird Aloys Verhalten von nun an mehrmals mit dem Wort „ keck“ 4 unterstrichen, welches sein Auftreten bei seiner Rekrutierung gut umschreibt: Er zieht das Los mit der Nummer 17, wodurch er gute Chancen hat, als Soldat eingezogen zu werden. Er jubelt laut, und auf dem Heimweg singen und johlen die jungen Männer. Während man Aloys zwischen seinen Altersgenossen sonst kaum
3 Ebd., S. 16
4 Ebd., vgl. S. 18/19
4
ausmachen konnte, da er sich zurückhielt, still und schweigsam war, so ist er nun derjenige, welcher sich am lautesten und am euphorischsten freut. Nachdem nach einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung endgültig feststeht, dass Aloys, wie Jörgli einst, Soldat wird, kommt sein tatsächliches Gemüt wieder zum Vorschein: Er hat Angst. Als er jedoch seine Mutter weinen sieht, weil er bald von zu Hause fort muss, richtet er sich mit Stolz wieder auf und tröstet sie.
Aloys und die anderen Rekruten müssen bald nach Stuttgart wandern um dort ihren Dienst anzutreten. Auf dem Weg zum Tübinger Tor müssen sie durch den Böblinger Wald, wo sie einen Holzbauern zwingen, sie mit seinem Pferdewagen durch den Wald zu fahren. So eine Tat bezeichnet man als Soldatenstreich, wovon Jörgli den jungen Männern schon viel erzählt hat. Da Aloys Jörgli nacheifert, gibt er sich als einer der Anführer des Streichs. Doch am Ende zeigt sich wieder sein eigentlicher Charakter: Er gibt dem Bauern, unbemerkt von den anderen, etwas Geld. Es scheint so, als ob sich die in dieser Szene gut zu erkennenden gegensätzlichen Charaktere in Aloys bekämpfen wollen. Er findet kein Mittelmaß zwischen seinem wahren Charakter und dem Charakter Jörglis, welchen er nachzuahmen versucht. Nach einigen Monaten erhält Aloys vier Tage Urlaub und verlässt die Kaserne, um zur Kirchweih in Nordstetten anwesend zu sein. Der sonst so stille und in sich gekehrte Aloys kommt ganz verändert zurück: Er erzählt gern, kann dabei auch schon mal in einen trotzigen Tonfall verfallen, er ist gut gebaut und trägt mit Stolz seine Uniform. Nachdem er jedoch erfahren hat, was in der Zwischenzeit mit Marannele passiert ist, kann er seine Haltung kaum bewahren, wie es sich für einen Soldaten eigentlich gehört, obwohl er sich sehr darum bemüht, nicht zu zeigen, wie verletzt er ist. In folgenden Szenen wird sein Verhalten verdeutlicht: Nach einem Weinkrampf pfeift er plötzlich ein lustiges Lied und lässt sich von seiner Mutter zu Essen geben, doch er kann nichts essen. Als er in das Dorf geht, geht er mit niedergeschlagenem Blick an Jakob Bomüllers Haus vorbei, doch er hebt seinen Blick stolz, nachdem er das Haus hinter sich gelassen hat. Zudem gibt sich Aloys in der Gaststube fröhlich und trinkt mit jedem, „ aber es schmeckte ihm alles wie Galle so bitter.“ 5 Nach einer Schlägerei mit Jörgli in der Gaststube, welche Aloys als Sieger verlässt, geht er nach Stuttgart zurück und will sein Heimatdorf Nordstetten nie mehr wieder sehen, da all seine Erinnerungen und Hoffnungen, welche mit dem Dorf und seinen Bewohnern verbunden waren, nun zerstört sind. Diese erneute Abreise nach Stuttgart steht in einem kompletten Gegensatz zu der ersten Abreise Aloys aus Nordstetten: Anfangs ging Aloys fröhlich fort, da er wusste, verändert, in Maranneles Sinne, heimzukehren.
5 Auerbach (1994), S. 27
Arbeit zitieren:
Stefanie Teusch, 2002, Vergleichende Untersuchung der beiden Dorfgeschichten 'Der Tolpatsch' und 'Des Schloßbauers Vefele' von Berthold Auerbach in Hinblick auf verschiedene Motive, München, GRIN Verlag GmbH
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