Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Wandel von Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft 4
3 Familie zur Zeit der Industrialisierung. 6
3.1 Fabrikarbeiterfamilien. 7
3.1.1 Die Rolle der Frau. 7
3.1.2 Das Ausmaß der Kinderarbeit. 9
3.1.3 Die Bedeutung der Familie 9
3.2 Landarbeiterfamilien. 10
3.2.1 Die Rolle der Frau. 11
3.2.2 Das Ausmaß der Kinderarbeit. 12
3.2.3 Die Bedeutung der Familie 13
3.3 Beamtenfamilien, die Bürgerlichen der neuen Mittelschicht 13
3.3.1 Die Rolle der Frau. 14
3.3.2 Die Rolle der Jugend 14
3.3.3 Die Bedeutung der Familie 15
3.4 Zusammenfassung 16
4 Familie heute. 17
4.1 Die Entstehung der heutigen Familie. 17
4.2 Familienstrukturen und familiale Lebensformen 20
4.3 Emotionale Beziehungen in der Familie 26
4.4 Probleme und Problembewältigung in der heutigen Familie 30
4.5 Familie und Beruf. 33
5 Ausblick. 38
6 Literaturverzeichnis 39
31.10.02 2
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
1 Einleitung
In dieser Arbeit haben wir uns mit dem Thema der Familie zur Zeit der Industrialisierung und der Familie in der heutigen Zeit beschäftigt. Sylvia Spaniol-Adams stellt im Folgenden die Umstände der Familie zur Zeit der Industrialisierung vor, wobei ihre Ausarbeitung folgendermaßen gegliedert ist: Als erstes wird ein kurzer Überblick über den Wandel von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft gegeben. Darauf folgt eine genaue Auseinandersetzung mit dem Thema „Familie zur Zeit der Industrialisierung“. Dieses Kapitel besteht aus einem Überblick bezüglich der Fabrikarbeiterfamilien, zu den Landarbeiterfamilien und zu den Beamtenfamilien, den Bürgerlichen der neuen Mittelschicht. Weiterhin behandelt jeder dieser Punkte folgende Unterpunkte: Die Rolle der Frau, das Ausmaß der Kinderarbeit, bzw. die Rolle der Jugend, und die Bedeutung der Familie. Abschließend ist eine Zusammenfassung angefügt.
Stefanie Teusch stellt in dieser Arbeit die Umstände der Familie zur heutigen Zeit dar. Zu Anfang wird ein Überblick über die Entstehung der heutigen Familie gegeben. Es folgen die Kapitel Familienstrukturen u nd familiale Lebensformen, emotionale Beziehungen in der Familie und Probleme und Problembewältigung in der heutigen Familie. Im Anschluss folgt eine Auseinandersetzung mit dem Aspekt, wie und ob man Familie und Beruf heute in Einklang miteinander erleben kann, wobei es vor allem um die berufstätige Frau und Mutter geht.
31.10.02 Seite 3
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
2 Wandel von Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte, ebenso wie im vorangegangenen Jahrhundert, große Not in der deutschen Bevölkerung. Sowohl die Arbeiter als auch die bürgerlichen Familien mußten in diesen Notzeiten um ihre Existenz kämpfen. Es war eine ungewisse Zeit, in der das Neue, das die Industrialisierung mit sich brachte, erst langsam feste Gestalt annahm und das alte, mittelalterliche Zunftordnung des Handwerks, Leibeigenschaften der Bauern etc. schon abgeschafft war. (vgl. Beuys 1980: Seite 363)
Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 begann eine Zeit, in der sich die Konjunktur langsam erholte und sich durch eine l ange wirtschaftliche Hochschwungperiode soziale Fortschritte abzeichnete: Mit der Thronbesteigung von Wilhelm I, dem ersten deutschen Kaiser, und der Ernennung von Bismarck zum Reichskanzler entwickelte sich das deutsche Reich zum modernen Industrieland mit einer fortschrittlichen Sozialgesetzgebung. (vgl. Aubin 1976: Seiten 610/644) Die Gesellschaft veränderte sich unter den Bedingungen der Industrialisierung und des wirtschaftlichen Wachstums. Die Wirtschaft explodierte, ebenso die Bevölkerung: sie stieg von 1870 bis 1913 von 41 Millionen auf 67 Millionen. Bis 1870 lebten und arbeiteten 2/3 aller Deutschen in ländlichen Gebieten. Nur 5 % der Bevölkerung wohnte in Großstädten. Angezogen von einem neuen attraktiven Arbeitsangebot in den neuen, ständig wachsenden Städten begann die innerdeutsche Wanderung der ländlichen Arbeitskräfte. Denn auf dem Land war ein deutlicher Menschenüberschuß aus Landwirtschaft und Handwerk zu vermerken. Somit sank bis 1913 die Arbeiterschaft auf den Dörfern dramatisch und die Zahl der Arbeiter in Industrie und Bergbau verdoppelte sich. Anfang des 20. Jahrhundert waren schließlich 60 % der Arbeitskräfte in diesen beiden Bereichen tätig. Die Städte als neue Standorte der Industrie und des Verkehrs führten zur beschleunigten Verstädterung und zur Bildung von Ballungsräumen. „Der räumlichen Umverteilung der Menschen entsprach, gemäß dem üblichen Verlauf in der Industriegesellschaft, ihre soziale Verschiebung vom primären Sektor der Urproduktion zum sekundären der verarbeitenden Produktion und letztendlich zum
31.10.02 Seite 4
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
tertiären der Dienstleistungen“ (Aubin 1976: Seite 610). 1910 lebten 21 % der Bevölkerung in den Großstädten.
Die Zeit des industriellen Aufbaus war auch dadurch gekennzeichnet, daß es kaum Dauerarbeitslosigkeit gab, d.h. die konjunkturell bedingten Entlassungen blieben begrenzt. Bis 1913 blieb die Arbeitslosigkeit unter 3 % (Aubin 1976: Seite 613). Neben diesen wirtschaftlichen Verbesserungen zeichneten sich auch gesellschaftliche Verbesserungen ab. Zum einen erhöhte sich die Lebenserwartung der Menschen: Lag gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Lebenserwartung um die 30 Jahre, so stieg sie bis 1910 für Frauen auf 48,3 Jahre und für Männer auf 44,8 Jahre (vgl. Beuys 1980: Seite S373). Zum anderen reduzierte sich die Arbeitszeit der Menschen bis 1905 von 82,5 Stunden pro Woche (1825) auf 59 Stunden pro Woche. Ebenso konnte aufgrund von besserer medizinischer Versorgung, die Errichtung von Kinderkrankenhäusern und besserer Ernährung die Kindersterblichkeit reduziert werden.
Trotz dieser positiven Entwicklungen stellt sich die soziologische Frage, ob die Industrialisierung und der Kapitalismus die Familie auseinandergerissen hat und so für die Zerstörung der Familie verantwortlich war?
31.10.02 Seite 5
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
3 Familie zur Zeit der Industrialisierung
Im nun folgenden Kapitel wird die in Kapitel 2 formulierte Frage „Hat die Industrialisierung und der Kapitalismus die Familie auseinandergerissen und sind beide somit für die Zerstörung der Familie verantwortlich“ aufgegriffen und anhand einiger ausgewählter Berufsgruppen - Landarbeiter-, Fabrikarbeiter- und Beamtenfamilien - näher untersucht.
Es werden unter anderem Thesen aufgegriffen, wie die zum Beispiel von Beuys, daß die Industrialisierung keineswegs das Leben der Frau revolutionierte, weil sie ihr die Berufstätigkeit brachte. Laut Beuys arbeitete die Frau bereits Jahrzehnte zuvor mit der Familie auf dem Land. Durch die Industrialisierung hat sich lediglich die Art der Arbeit, nämlich nun die Fabrikarbeit, geändert. Und dieser Unterschied galt sowohl für die Frau als auch für den Mann. Dennoch galt der Mythos, daß die berufstätige Frau der Familie fehlte und so entscheidend zu deren Zerstörung beigetragen hat (vgl. Beuys 1980: Seiten 372/387/388/390). Als wichtiger Faktor innerhalb der Diskussion um die Familienentwicklung wird demnach im Folgenden die Rolle der Frau thematisiert und die Unterschiede innerhalb der drei ausgewählten Berufsgruppen näher erklärt.
Neben der Entwicklung der Frau erfuhren die Kinder ebenfalls einige wichtige Veränderungen. Wurden ihnen im 16./17. Jahrhundert von seiten der Eltern eine gewisse Gleichgültigkeit entgegen gebracht, so entwickelt sich in den darauf folgenden Jahrhunderten immer mehr eine „besitzergreifende Liebe zwischen Eltern und Kindern. „Zur Zeit der Industrialisierung sind die Kinder inzwischen zu einem unabdingbaren Bestandteil des Alltagslebens geworden; man beschäftigt sich mit ihrer Erziehung und ihrer Zukunft“ (Aubin 1976: Seite 632). Die Kinder wurden gleichberechtigt zu den Erwachsenen gesehen, was jedoch in den beiden Berufsgruppen Landarbeiter- und Fabrikarbeiterfamilien zur Kinderarbeit führte. In diesen Gesellschaftsschichten mußten die Kinder, ebenso wie die Eltern, durch ihre körperliche Arbeit den Lebensunterhalt sichern. Diese Tatsache beeinflußte das Familienleben entscheidend. Unter dem Thema, das Ausmaß der Kinderarbeit, wird der Unterschied in den drei Berufsgruppen ebenfalls im Folgenden dargestellt.
31.10.02 Seite 6
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
Welche Rolle der Vater in der Familie spielte und wie seine Beziehung zur Ehefrau war, wird in einem dritten Themenpunkt, die Bedeutung der Familie, dargestellt.
3.1 Fabrikarbeiterfamilien
Rund 2/3 des Bevölkerungszuwachses im Deutschen Reich machten die in Gewerbe und Industrie lebenden Menschen aus. Insbesondere die Schicht der Fabrikarbeiter wurde zwischen 1850 und 1914 zur größten Berufsgruppe des Industriesystems. Diese neue Lohnarbeiterschaft kam aus der alten unterbäuerlichen und unterbürgerlichen Schicht. Es handelte sich in erster Linie um ungelernte Facharbeiter. Kennzeichnend für die Lohnarbeiter in der Industrie war ihre hohe Ledigenquote. Junge Männer und Frauen im Alter von 14 -15 Jahren fingen in der Fabrik an zu arbeiten; eine Familiengründung war schwer durchzuführen. Dennoch stieg die Zahl der Arbeiterfamilien um die Jahrhundertwende stark an.
3.1.1 Die Rolle der Frau
„Die Behauptung, daß die Industrialisierung das Leben der Frau revolutionierte, weil sie ihr die Berufstätigkeit bracht, ist ein Mythos, den die Zeugnisse der vergangenen Jahrhunderte widerlegen. Jahrzehnte zuvor arbeitete die Frau zusammen mit der Familie auf dem Land, um so mit für den Lebensunterhalt zu sorgen. Daß die Tätigkeit in der Fabrik sich grundsätzlich von der bisherigen Arbeit unterschied, ist selbstverständlich. Aber dieser Unterschied galt gleichermaßen für die Männer als auch für die Frauen“ (Beuys 1980: Seite 390).
Dennoch waren die meisten in der Gesellschaft davon überzeugt, daß durch die Fabrikarbeit die Frau ihre moralische Aufgabe, in der Familie für Zucht und Sitte zu sorgen, nicht mehr erfüllte. Ihr wurde vorgeworfen, Schuld an der hohen Kindersterblichkeit zu haben. Sie pflegte angeblich ihre Kinder nachlässig, bereitete unpassende Nahrung beziehungsweise sorgte für ungenügend Nahrung. Man sprach sogar davon, daß die Kinder gänzlich verkümmerten. (vgl. Beuys 1980: Seiten 397/398)
Tatsache war jedoch, daß zu dieser Zeit insgesamt 23 % der Frauen berufstätig waren. Der Anteil der berufstätigen, verheirateten Frauen, die von diesen 23 % in die Fabrik gingen, betrug im Schnitt nur 1,5 Prozent (vgl. Beuys 1980: Seite 399).
31.10.02 Seite 7
Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute
Es war also ein Irrglaube, daß durch die Abwesenheit der Frauen tagsüber Häuslichkeit und Moral in den Arbeiterfamilien vernachlässigt und so die Familie zerstört wurde. Dennoch forderten in dieser Zeit viele die Abschaffung der weiblichen Arbeit.
Von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen, anstelle der Abschaffung sprachen sich nur einige wenige Menschen aus der Beamtenschicht. Sie sahen eine positive Entwicklung in der Verkürzung der Arbeitszeit, indem sie darauf hinwiesen, daß die gesundheitlichen Gefahren viel höher lagen als jene für die Sittlichkeit der Arbeiterinnen und den Verfall der Familie. „Die Vorstellung über die Verderblichkeit der Fabrikarbeit war sehr übertrieben“ (vgl. Beuys 1980: Seite 392). Daß sich dennoch gesellschaftlich etwas ändern mußte, war der damaligen Gesellschaft klar: Die Kindersterblichkeit erreichte 1874 sowohl in den ländlichen Gegenden mit 66 %, als auch in den Industriegebieten mit 65 % ihren Höhepunkt. Und so kam, bezogen auf die Kindersterblichkeit, 1977 d as erste deutsche Handbuch der Kinderkrankheiten heraus. Die inzwischen erlangte Erkenntnisse, daß Säuglinge durch falsche Ernährung ganz besonders gefährdet waren, flossen in das Handbuch mit ein. Auch die Erfahrung, daß die verabreichte künstliche Nahrung, bestehend aus einem zähen Mehlbrei, bei Säuglingen gesundheitliche Schäden hervorrief, wurde in der Bevölkerung weitergetragen. Darüber hinaus wurde 1878 der erste Mutterschutz eingeführt. Drei Wochen lang durften die Frauen nach der Geburt ohne Lohnfortzahlung zu Hause bleiben. Eine weitere Verbesserung wurde 1883 erreicht, indem eine Lohnfortzahlung eingeführt, die Nachtarbeit für Frauen verboten und die Mittagspause weiter verlängert wurde.
Eine andere Gesellschaftsgruppe, die sich neu bildete und e benfalls zum Familienbild des 19./20. Jahrhunderts dazugehörte, waren die unverheirateten Frauen mit oder ohne Kinder. Diese Frauen waren unverheiratet in die Städte gezogen, fanden eine Arbeit und führten ein selbständiges Leben. Sie verließen ihre Familien und die Heimat und kamen in die großen Städte. Sie wollten ihr eigenes Geld verdienen und es auch ausgeben (vgl. Beuys 1980: Seiten 381/382). Sie mieteten sich in fremde Familien als sogenannte Schlafgängerinnen ein. Ihre Unternehmungslust endete meistens in einer Schwangerschaft. Sie hatten jedoch
31.10.02 Seite 8
Arbeit zitieren:
Stefanie Teusch, Sylvia Spaniol-Adams, 2001, Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Funktionen von Familie in einer sich wandelnden Gesellschaft
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Partizipation in der Kinder und Jugendhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Referat (Ausarbeitung), 11 Seiten
Spracherwerb bei Migrantenkindern
Versuch der Darstellung des Le...
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Gewalt gegen Frauen in der Familie unter besonderer Berücksichtigung d...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 16 Seiten
Systemische Beratung - Familientherapie
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Die Entstehung und Ausformung der bürgerlichen Kleinfamilie
Seminararbeit, 13 Seiten
Historischer Sachunterricht in der Schule
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit, 22 Seiten
Systemtherapeutische Zugänge in Erziehungsberatungsstellen für die Arb...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 144 Seiten
Strukturwandel der Familie und Familienformen im Wandel
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit, 34 Seiten
Der Einfluss des Nationalsozialismus auf die deutsche Volksschule in d...
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Seminararbeit, 15 Seiten
Das altägyptische Wirtschaftssystem
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 14 Seiten
Gewalt gegen Frauen - Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 25 Seiten
Der bestätigende und der korrektive Austausch Interaktionsanalyse Ervi...
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 21 Seiten
Sprachförderung durch Sprachspiele in Kindergarten und Vorschule
Diplomarbeit, 82 Seiten
Stefanie Krone hat den Text Familie zur Zeit der Industrialisierung und heute veröffentlicht
Stefanie Krone hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare