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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick über die Handlung des Romans
„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink
3. Genauere Betrachtung einzelner thematischer Bereiche
3.1 Merkmale der Liebe zwischen Michael und Hanna in
Verbindung mit Michaels Schuldgefühlen
3.2 Hannas Prozess
3.3 Hannas Analphabetismus
4. Abschließende Betrachtung der Personen in dem Roman
4.1 Michael Berg
4.2 Hanna Schmitz
4.3 Die Familie Berg
4.4 Michaels Geschwister
4.5 Die Klassenkameraden und -kameradinnen
4.6 Die Zeugin
4.7 Gertrud
5. Die Erzählweise
6. Schluss
7. Literaturverzeichnis
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Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer genaueren Betrachtung des Romans „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink im Rahmen des Seminars „Der deutsche Roman der Gegenwart“. Die Hausarbeit ist in folgende Bereiche gegliedert:
Der erste Bereich gibt einen Überblick über die Handlung des Romangeschehens in der Erzählperspektive eines dritten. Wichtige Passagen werden hier hervorgehoben, jedoch noch nicht detailliert gedeutet und bewertet.
Es folgt der zweite Bereich, die genauere Betrachtung einzelner thematischer Bereiche. Hierbei beschäftige ich mich mit bestimmten Merkmalen der Liebe zwischen Hanna Schmitz und Michael Berg, in Verbindung mit Michaels Schuldgefühlen. Außerdem wird genauer auf Hannas Prozess und ihren Analphabetismus eingegangen.
Abschließend werden einzelne Personen in dem Roman nochmals genauer betrachtet. Hierzu gehören Michael Berg, Hanna Schmitz, die Familie Berg, Michaels Geschwister, seine Klassenkameradinnen und -kameraden, die Zeugin, welche bei Hannas Prozess aussagt, und Michaels zeitweilige Ehefrau Gertrud.
Die erzählte Geschichte des Romans abschließend, beschäftige ich mich hiernach mit der Erzählweise. Es werden die Punkte Erzählform, Erzählstrategien, Erzählreflexion und Erzählstil angesprochen.
Im Schlussteil folgt meine persönliche Stellungnahme zu dieser Arbeit.
Überblick über die Handlung des Romans „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink
Den Überblick über die Handlung des Romans gliedere ich in drei Teile, in welche auch der Romans selbst von Bernhard Schlink geteilt wurde.
Im ersten Teil des Romans wird rückblickend die Geschichte einer Liebe erzählt. Der Ich-Erzähler berichtet anfangs von einer Gelbsuchterkrankung, welche ihn als fünfzehnjährigen Jungen befiel. Auf seinem Heimweg von der Schule musste er sich plötzlich übergeben, woraufhin sich eine Frau seiner annahm. Ein Arzt stellte seine Krankheit fest. Nachdem er circa ein halbes Jahr später wieder genesen war, ging er auf Anweisung seiner
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Mutter mit einem Blumenstrauß zu der Frau, um sich bei ihr zu bedanken. Aus der zeitlichen Distanz heraus beschreibt der Ich-Erzähler Frau Schmitz als einen selbstbewussten und herben Frauentyp. Damals, als fünfzehnjähriger Junge, fand er sie schön, heute kann er sich diese Schönheit nicht mehr vergegenwärtigen.
Als der Junge gehen wollte, zog Frau Schmitz sich um, um ihn ein Stück zu begleiten. Als er im Flur auf sie wartete, sah er sie durch einen Türspalt. Er konnte seinen Blick nicht abwenden, und Frau Schmitz bemerkte dieses. Verlegenheit überkam ihn, und er flüchtete aus dem Haus. Rückblickend erkennt der Ich-Erzähler, dass er durch ihre Weltvergessenheit beim Umziehen und ihren inneren Rhythmus verführt worden ist. Es erscheint ihm, als ob diese auf ihn wirkenden verführerischen Kräfte ihn dazu eingeladen haben, innerhalb ihres Körpers Selbstvergessenheit zu finden.
Nach einer Woche besuchte der Junge Frau Schmitz erneut. Er konnte er sich von seinen sexuell ausgerichteten Phantasien und Träumen nicht freimachen, wünschte sie sich sogar herbei. Dieses Verhalten führte jedoch auch zu einem schlechten Gewissen, bedingt durch seine moralische Erziehung. Frau Schmitz schickte den Jungen in den Keller, um zwei Schütten voller Kohlen für sie zu holen. Durch ein Missgeschick mit Kohlenstaub überdeckt kam er wieder nach oben. Frau Schmitz lachte über sein Aussehen, redete ihn mit dem Wort „Jungchen“ an und ließ ihm letztendlich ein Bad einlaufen. Während er sich zögernd und verlegen vor ihr auszog, schaute sie ihn ruhig an. Das Bad in dem warmen Wasser erregte ihn, und als sie den Jungen mit einem großen Badetuch abtrocknete, war auch sie nackt. Es kam zur ersten sexuellen Begegnung zwischen der erfahrenen Frau und dem unerfahrenem Jungen. In der folgenden Nacht verliebte sich der Junge in die weitaus ältere Frau. Um seine frisch erworbene Männlichkeit zum Ausdruck zu bringen, teilte der Junge seiner Familie beim nächsten Abendessen mit, dass er ab sofort wieder die Schule besuchen wolle, da er sich als vollständig genesen betrachte. Die Entscheidung darüber wurde von der Mutter an den Vater des Jungen weitergegeben, welcher seinem Sohn zustimmte. Nach seinem ersten sexuellen Erlebnis verband den Jungen mit seiner Familie ein Gefühl der Liebe, gleichzeitig aber auch des Abschieds, da sich seine Lebenswelt um einen für ihn wichtigen Menschen erweitert hatte: Frau Schmitz.
Bezüglich der Liebesbeziehung zwischen der Frau und dem Jungen bildeten sich bestimmte Gewohnheiten heraus: Sie trafen sich jeden Tag und duschten als erstes, dann folgten das Liebesspiel und der Liebesakt und anschließend ruhten sie sich aus. Ihr Liebesritual erweiterte
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sich, als Hanna überraschend den Wunsch äußerte, Michael möge ihr aus seinen Schullektüren vorlesen. Von dem Tag an gehörte das Vorlesen dazu, obwohl der Junge erst nur zögerlich darauf einging.
Nach circa einer Woche stellten sich die beiden namentlich vor, worauf Hanna, so lautet der Vorname von Frau Schmitz, anfangs misstrauisch reagierte. Der Junge stellte sich als Michael Berg vor. Ebenso misstrauisch reagierte Hanna als Michael sie nach ihrer Vergangenheit fragte. Sie gab lediglich eine knappe Auskunft darüber, dass sie in Siebenbürgen aufwuchs, bei Siemens arbeitete, zu den Soldaten geriet und darüber, dass sie nun als Straßenbahnschaffnerin arbeite.
Nach einem Streit musste Michael die Erfahrung machen, dass er sich Hanna nicht verständlich machen konnte, als er ihr seine Position erklären wollte. Sie zwang ihn dazu, ihre Wohnung zu verlassen, doch er kam bald zurück und hatte den Eindruck, dass alles für seine Rückkehr und ihr gemeinsames Liebesritual vorbereitet gewesen sei. Rückblickend deutet der Ich-Erzähler diesen und ähnliche Vorfälle als eine Art Machtprobe, welche Michael durch seine Kapitulation, zum Beispiel indem er zu Hannas Wohnung zurückkehrte, obwohl sie ihn hinausverwiesen hatte, verlor. Solche Vorfälle prägten die Art der Beziehung zwischen Hanna und dem Jungen insofern, dass Hanna triumphierte und Michael sich ihr unterwarf. In Michaels Osterferien unternahm er mit Hanna eine viertägige Radtour. Der Junge kümmerte sich auf Hannas Wunsch um die gesamte Planung. An einem Morgen verließ Michael das Zimmer noch bevor Hanna wach wurde, um sie mit dem Frühstück und einer Blume zu überraschen. Er hinterließ ihr einen Zettel, falls sie wach werden würde. Als er zurückkam, war Hanna außer sich und schlug ihn mit einem Ledergürtel, so dass seine Lippe platzte. Danach weinte sie hysterisch. Michael erfuhr kurze Zeit später, dass Hanna keinen Zettel fand und dass sie dachte, er habe sie verlassen. Dieser Streit endete in einer harmonischen Liebe mit der Veränderung ihrer Sexualität: Von nun an gingen sie mehr aufeinander ein.
Mit Beginn des neuen Schuljahres kam Michael Berg in eine neue Klasse, in welcher sich nun auch Mädchen befanden. Anders als seine Mitschüler begegnete er ihnen gegenüber gelassen, da er durch seine Beziehung zu Hanna glaubte, die Frauen zu kennen, was sein Selbstbewusstsein stärkte. Zu der braun gebrannten Sophie entstanden die ersten Kontakte. Auch sie kam immer in das Schwimmbad, wo sich Michael mit seinen Klassenkameraden und -kameradinnen nun oft aufhielt. Durch diese sommerlichen Treffen entstanden
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freundschaftliche Beziehungen zu einzelnen Klassenkameraden, doch er erzählte ihnen nicht von Hanna. Oftmals musste er sich von seinen Freunden losreißen, um zu Hanna zu gehen. War er dann bei ihr, wünschte er sich, trotz seiner Angst Hanna zu verlieren, oft in das Schwimmbad zurück.
An einem Tag, kurz vor Michaels Sommerferien, liebten sie sich mit einer bisher noch nie in der Art gespürten Intensität. Anschließend ging er in das Schwimmbad zu seinen Freunden. Als er plötzlich aufblickte, sah er Hanna von weitem. Kurz darauf war sie verschwunden, doch das Bild, in welcher Kleidung sie dagestanden und wie sie ihn angesehen hatte, blieb für immer im Gedächtnis des Jungen, wie der Erzähler anmerkt. Als Michael Berg Hanna Schmitz am nächsten Tag besuchen wollte, war sie weg. Von mehreren Personen erfuhr er bruchstückhaft, dass Hanna nicht zur Arbeit gegangen, stattdessen am Morgen ausgezogen war und dass sie ihre Arbeitsstelle bei der Bahngesellschaft gekündigt habe, nachdem man ihr vier Tage zuvor sogar noch angeboten hatte, sie als Fahrerin auszubilden. An den folgenden Tagen litt Michael unter starken Schuldgefühlen: Er warf sich vor, nicht sofort zu ihr gelaufen zu sein, als er sie im Schwimmbad gesehen hatte und sie dadurch, dass er niemandem von ihr erzählt hatte, verraten zu haben.
Im zweiten Teil des Romans „Der Vorleser“ geht es vorrangig um Hannas Prozess. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich Michael an sein Leben ohne Hanna gewöhnt hatte und ihn keine Schuldgefühle mehr plagten. Bald zog er m it seiner Familie in einen anderen Stadtteil und verlebte glücklich seine letzten Schuljahre, ebenso wie die ersten Jahre seines Jura-Studiums. Bei genauerem Nachdenken wird dem Ich-Erzähler jedoch bewusst, dass er seine Erinnerungen an Hanna nur verdrängt und nicht verarbeitet hat und dass er sich eigentlich nie so gut fühlte, wie es ihm seine Erinnerung vortäuschte. Michael brachte zu der Zeit ein überlegenes Verhalten an den Tag und ließ sich, vor allem emotionell, auf nichts wirklich ein.
Michael sah Hanna Schmitz Jahre später in einem Gerichtssaal wieder, als er an einem Seminar über KZ-Prozesse teilnahm, wo in diesem Rahmen eine Gerichtsverhandlung verfolgt wurde. Michael erkannte Hanna erst, als sie namentlich aufgerufen wurde und nach vorn trat, doch er fühlte nichts bei ihrem Anblick. Weiterhin erfuhr er nun mehr über Hannas Vergangenheit: Sie hatte bei Siemens gearbeitet und war dann im Herbst 1943 freiwillig der SS beigetreten, obwohl ihr bei Siemens eine Stelle als Vorarbeiterin angeboten wurde. Bis
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zum Frühjahr 1944 arbeitete sie als Aufseherin in Auschwitz und bis zum Winter 1944/45 in einem Lager bei Krakau.
Obwohl Michael Berg merkte, dass er Hanna nicht in seiner Welt haben wollte und sie für ihn unerreichbar, nur eine Erinnerung bleiben sollte, ließ Michael keinen Tag der Verhandlung ausfallen. Als die Anklage verlesen wurde, erfuhr er, dass Hanna und vier Mitangeklagte damals als Aufseherinnen mit Gefangenen von Krakau nach Westen gezogen waren und dass diesen Transport nur zwei Personen überlebt hatten. Mehrere Hundert Frauen waren in die Kirche eines Dorfes eingesperrt worden, in welche eine Bombe einschlug. Die Kirche brannte aus, und nur eine Frau und ihre Tochter hatten überlebt. Die Tochter hatte später über das Erlebte ein Buch geschrieben, welches polizeiliche Nachforschungen und schließlich den Prozess zur Folge hatte. Hanna wurde angeklagt, weil sie die brennende Kirche damals hätte aufschließen können, es aber nicht tat.
Hanna machte schon bei der Vernehmung zu ihrer Person keinen guten Eindruck auf das Gericht. So bestritt sie zum Beispiel, entgegen von ihrerseits früher gemachten Aussagen, den Schlüssel zum Schloss der brennenden Kirche gehabt zu haben. Außerdem gestand sie viele Punkte der Anklage bereitwillig ein, was ihre Beweislage ungünstig erscheinen ließ. Hierauf aufbauend versuchten die Anwälte der Mitangeklagten die gesamte Schuld auf Hanna abzuschieben. Ein weiterer Punkt entgegen ihren Gunsten war der, dass sie junge Mädchen als Schützlinge gehabt hatte, welche ihr jeden Abend vorlasen. Nach einer gewissen Zeit schickte Hanna diese dann nach Auschwitz.
Als der Richter Hannas Mitangeklagten fragte, warum sie die Schlösser an der Kirche nicht aufgeschlossen hätten, bestritten alle, die Möglichkeit dazu gehabt zu haben. Der Richter entgegnete ihnen jedoch, dass dieser Punkt aus einem entsprechendem Bericht anders hervorgehen würde. Die angeklagten Frauen behaupteten daraufhin, der Bericht sei falsch, und eine der Frauen und sagte aus, dass Hanna den Bericht geschrieben habe. Sie bestritt dies anfangs, doch als eine Handschriftenprobe vorgeschlagen wurde, gab sie zu den Bericht geschrieben zu haben.
Bei einem Spaziergang durch den Wald wurde dem Ich-Erzähler damals bewusst, dass seine Jugendliebe eine Analphabetin war. Er erinnerte sich gewollt noch einmal an alle Situationen, in denen Hannas Verhalten nur dadurch zu erklären war, dass sie ihren Analphabetismus nicht zeigen wollte. Er konnte und kann auch heute noch ihre Scham nachempfinden, diese
Arbeit zitieren:
Stefanie Teusch, 2001, Genauere Betrachtung des Romans - Der Vorleser - von Bernhard Schlink, München, GRIN Verlag GmbH
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