Inhaltsverzeichnis:
1. Joseph von Eichendorff - Ein romantischer Ironiker fernab der
Romantischen Ironie? 2
2. Philisterkritik. 3
3. Die Ironie: 4
3.1 Grundlagen: 4
3.2 Geschichtliche Entwicklung 5
4. Eichendorff und die Ironie 7
4.1 Ironische Stilmittel in Eichendorffs Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts7
4.2 Eichendorffs ironische Einstellung 10
5. Das Groteske 12
5.1 Grundlagen. 12
5.2 Das Groteske in seinen verschiedenen Elementen. 12
6. Die Funktionen des Grotesken in Eichendorffs Novelle Aus dem Leben eines
Taugenichts 13
7. Ironie und Groteske in Eichendorffs Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts 14
8. Quelle und Forschungsliteratur 16
1
1. Joseph von Eichendorff - Ein romantischer Ironiker fernab der
Romantischen Ironie?
In Joseph von Eichendorffs Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts ist die Hauptfigur, der Taugenichts, in besonderem Maße von dem romantischen Leitbild geprägt: dem Wandern. Bereits zu Beginn der Novelle wird dieses Thema von ihm angesprochen: „so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen.” 1 Dieses Leitbild zieht sich durch die gesamte Novelle und stellt für ihn ein Gleichnis für das Menschsein im Allgemeinen 2 dar. Das Wandern als Ausdruck der ständigen Bewegung und Entwicklung ist hier absolut gegensätzlich zu den sesshaften Philistern. So schreibt Eichendorff in Bezug auf Universitätsstädte: Auch hier also droht abermals ein vager Dilettantismus und der lähmende Dünkel der Vielwisserei. Bei der Jugend ist eine kecke Wanderlust, sie ahnt hinter dem Morgenduft die wunderbare Schönheit der Welt; sie sich selbstständig zu erobern ist ihre Freude. 3 […] Aber die Romantik war keine bloß literarische Erscheinung, sie unternahm vielmehr eine innere
Regeneration des Gesamtlebens 4 .
Durch diese Intention erklärt sich die Feindseligkeit den Bürgerlichen gegenüber, die vor allem wegen ihrer Selbstverherrlichung Mittelpunkt der romantischen Kritik waren. 5 Doch drückt Eichendorff dies nicht durch vordergründigen Spott und Hohn, sondern durch hintergründige Ironie und Groteske aus. Literaturwissenschaftler sind der Meinung, Eichendorff sei generell kein typischer Anwender der Romantischen Ironie. So bekräftigt Prang: „ So wie ihm das Geistreich-Witzige und Kokett-Verspielte oder gar das Satirisch-Aggressive in der Erzählkunst weniger lag […], so fehlte ihm offenbar das intellektuelle Vergnügen an ironischen Scherzen”. 6 So kommen in Eichendorffs Werken das für die Romantische Ironie typische An-den-Leser-wenden so gut wie nicht vor. Eichendorff wandte in seinen Werken nicht die
1 EICHENDORFF, JOSEPH VON: „Aus dem Leben eines Taugenichts “, in: Hartwig Schultz (Hg.):
Joseph von Eichendorff. Sämtliche Erzählungen, Reclam-Verlag, Stuttgart 1990, S. 85.
2 Vgl.: LEISER, PETER ; THUNICH, MARTIN: „Joseph von Eichendorff - Aus dem Leben eines
Taugenichts. Interpretation und unterrichtsdidaktische Vorschläge“, Beyer Verlag, Hollfeld
1985, S.50.
3 EICHENDORFF, JOSEPH VON: „Erlebtes”, in: Schultz, Hartwig (Hg.): Tagebücher,
autobiographische Dichtungen, historische und politische Schriften, Band 5 der Reihe:
Frühwald, Wolfgang (Hg.): Joseph von Eichendorff. Werke, Dt. Klassiker-Verlag, Frankfurt
am Main, 1993, S. 179.
4 Ebd., S. 171.
5 Vgl.: ZIMORSKI, WALTER: „Eichendorffs ,Taugenichts’ - Eine Apologie des Anti-Philisters?”,
in: Aurora. Jahrbuch der Eichendorff-Gesellschaft, Band 39, Niemeyer-Verlag, Tübingen,
1979, S. 157.
6 PRANG, HELMUT: „Die romantische Ironie“, Wissenschaftlicher Buchgesellschafts-Verlag,
Darmstadt, 1972, S. 70.
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Romantische Ironie als Kunstmittel an, sondern er bevorzugte vielmehr spaßige Einfälle und zynische Frechheiten. 7 Der Romantiker bediente sich durchaus einzelner Spielformen der Ironie, die sich vordergründig auf die kritisierten Philister bezieht. Jene waren nicht nur Eichendorff, sondern auch seinem Zeitgenossen Brentano und Goethe ein Dorn im Auge.
2. Philisterkritik
Eichendorffs ironische Kritik bezieht sich in erster Linie auf das Philistertum. Die Attribute, die für das typisch Philisterhafte stehen, sind den romantischen Künstleridealen widersetzlich.
Im 17. Jahrhundert wird der Begriff „Philister” von den Studenten verwendet, die damit die Stadtsoldaten, ihre größten Feinde, bezeichnen. Goethe erhebt den Begriff als Topos der Literatur. Die Romantiker weiteten den Begriff aus und bezeichnen damit Nichtkünstler und Banausen, die nur ihrem streng geregelten Alltagsleben nachgehen und keinen Sinn für Poesie hegen. 8 Laut Brentano zeichne sich der Philister vor allem durch folgende Charakteristika aus: Er sei zunächst ein Dilettant in der Kunst und er könne auch keine Kunst schaffen, sondern diese nur nachahmen. Zudem zeichne er sich durch Faulheit, Lebensüberdruss und Selbstsucht aus und das Philistertum sei unter den angeblich Fortschrittlichen genauso verbreitet wie unter den harmlosen Spießern. 9 Diese Haltung prägte Eichendorff in hohem Maße, seine Philisterkritik gilt als umfassende Kritik gegenüber den Dilettanten, der Gesellschaft und dem Geist seiner Zeit. Vor allem die selbstverherrlichende Art der Philister ist Eichendorff zutiefst zuwider. Er möchte nicht den einzelnen Menschen, sondern die Poesie und die sich daraus entwickelnde Kultur als zentralen Aspekt der Gesellschaft sehen. 10
Die egozentrische Art der Philister taucht in seiner Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts auf, als der Maler Eckbert sich selbst und auch den Taugenichts als Genies bezeichnet und sich damit zum Mittelpunkt erhebt. Die selbstsüchtige Rede, die er vor dem Taugenichts hält, rechtfertigt er als seine „Bürgerpflicht […],
7 Vgl.: Ebd., S. 70.
8 Vgl.: LEISER; THUNICH: „Taugenichts Interpretation“, S. 64.
9 Vgl.: ZIMORSKI: „Apologie des Anti-Philisters“, S. 155f.
10 Vgl.: Ebd., S. 156f.
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dir 11 einige Moralität zu Gemüte zu führen”. 12 Der Taugenichts reagiert auf die Rede, indem ihm „schon lange vor ihm [graute]” 13 . Diese Abscheu, die der Taugenichts hier für den Dilettanten Eckbert hegt, 14 kommt bereits eher in der Erzählung in anderen Situationen zu Tage. So verspürt er, als er für kurze Zeit ein philisterhaftes Leben als Einnehmer führt, ein plötzliches Grauen gegen diesen Lebensstil und den Portier: „Mir war auf einmal der ganze Kerl […] und alles abscheulich.” 15 Als etwas später in der Erzählung ein unfreundlicher Philister, den der Taugenichts als „Knollfink” betitelt, drohend auf ihn zukommt, hat er „auf einmal eine so kuriose grausliche Angst” 16 . Diese Aversion, die der Taugenichts nur intuitiv erlebt, setzt Eichendorff gezielt ein, um seine Kritik an dem für seine Zeit repräsentativen ausgeprägten Subjektivismus zu verdeutlichen. Diese Philisterkritik drückt Eichendorff durch Ironie aus.
3. Die Ironie:
3.1 Grundlagen:
Der Begriff der Ironie stammt vom griechischen Wort eironia, das in das Deutsche mit dem Begriff „Verstellung“ übersetzt wird. Autoren, die sich der Ironie bedienen, nutzen sie zur Lächerlichmachung und Verspottung unter dem Anschein der Ernsthaftigkeit, indem im klassischen Sinn das Gegenteil des Gesagten gemeint ist. Der intelligenten Leser erkennt diese bewusste spöttische Redeweise trotzdem als Ironie. 17 Die Ironie stellt nicht nur eine literarische Stilfigur, sondern vielmehr eine bewusste, intellektuelle Grundhaltung des Autors dar. 18 Es existieren viele unterschiedliche Auffassungen und Anwendungen von der Ironie, dabei sticht besonders Schlegels Ironie-Auffassung heraus.
11 Hier ist der Taugenichts gemeint.
12 EICHENDORFF, JOSEPH VON: “Taugenichts“, in: Schultz (Hg.): Eichendorff Erzählungen, S.
158.
13 Ebd., S. 159.
14 Vgl.: ZIMORSKI: „Apologie des Anti-Philisters“, S. 159f.
15 EICHENDORFF, JOSEPH VON: „Taugenichts“, in: SCHULTZ (Hg.): Eichendorff Erzählungen, S.
97.
16 Ebd., S. 110.
17 Vgl.: PRANG, HELMUT: „Die Romantische Ironie“, S. 2.
18 Vgl.: RICKLEFS, UFERT (Hg.): „Fischer Lexikon Literatur“, Bd. 2, Fischer-Taschenbuch-
Verlag, Frankfurt am Main, 1997 und WILPERT, GERO VON (Hg.): „Sachwörterbuch der
Literatur“, Kröner Verlag, Stuttgart, 2001.
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Arbeit zitieren:
Nina Schleifer, 2006, Ironie und Groteske in Joseph von Eichendorffs Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", München, GRIN Verlag GmbH
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