Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Oswalds Leben nach den überlieferten Quellen 3
3. Überblick über den Forschungsstand 4
4. Analyse von Kl 18 es fúgt sich vor dem Spektrum der verschiedenen Forschungsansätze6
4.1 Zur Einordnung von Kl 18 6
4.2 Analyse 6
5. Literaturwissenschaftliche bzw soziologische Überlegungen zu (auto )biografischer
Dichtung 14
6. abschließende Zusammenfassung 15
7. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
In der Lyrik des Spätmittelalters kommt der Figur des Oswalds von Wolkenstein im Vergleich zu den klassischen Minnesängern aufgrund mehrerer Tatsachen eine besondere Bedeutung zu: Bezüglich seiner Person existieren Dokumente und Urkunden, die Rückschlüsse auf seine Biografie zulassen, deren Umfang ist unverhältnismäßig größer als der für andere bekannte mittelalterliche Autoren. Ebenso erweist sich sein künstlerisches Werk als besonders ausdifferenziert, es deckt annähernd das gesamte Gattungsspektrum, so wendete er sich beispielsweise der im mittelhochdeutschen Sprachraum selteneren Gattung der Pastourelle zu.
Neben den literarischen Texten sind auch entsprechende Melodien überliefert; auch in diesem Punkt unterscheidet sich Oswald von den klassischen Minnesänger.
Ausgangspunkt für diese Arbeit bildet die Feststellung, dass sich in Oswalds Werken scheinbar oftmals eine Verarbeitung seines eigenen Lebens erkennen lässt; anhand des Liedes ‚es fúgt sich’ (Kl. 18) soll hier die Frage nach seiner möglichen biografischen Deutung erörtert werden.
Ausgehend von einer kurzen Darstellung von Oswalds Leben basierend auf den gegebenen Quellen soll in einem zweiten Teil der Arbeit ein Überblick über den Forschungsstand geleistet werden, um dann in einer zentralen Analyse das Lied Kl. 18 im Spektrum der divergierenden Forschungsansätze darzustellen.
Auf der Basis dieser Ergebnisse sollen im Anschluss einige literaturwissenschaftliche bzw. - soziologische Überlegungen zur autobiografischen Dichtung angestellt werden, um die Arbeit dann in einer rückblickenden Zusammenfassung abzuschließen.
2. Oswalds Leben nach den überlieferten Quellen
Um im Folgenden eventuelle biografische Tendenzen in Oswalds Lied ‚es fúgt sich’ beurteilen zu können, soll zuvor ein kurzer Abriss seines Lebens gegeben werden, ausgehend von den überlieferten Quellen.
Oswald von Wolkenstein wird 1377 in Tirol geboren, die Namen seiner Eltern Friedrich von Wolkenstein und Katharina von Villander, sowie die von sechs Geschwistern sind überliefert. Über die Jugend Oswalds finden sich kaum Quellen, erst nach seiner Volljährigkeit wird sein Name regelmäßig in administrativen und gerichtlichen Dokumenten erwähnt.
1407 stiftet Oswald seinem heiligen Namenspatron eine Kapelle in Brixen, sowie 1408 darin ein Relief, das ihn selbst zeigte, später jedoch eingemauert wurde und in Vergessenheit geriet,
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wie auch seine Lieder; hier findet sich auch ein Fresko mit einer Darstellung von Oswalds Schiffbruch auf dem Schwarzen Meer 1 .
Erst 1843 wird dieses Relief freigelegt, drei Jahre später werden auch seine Lieder durch Beda Weber wiederentdeckt, der sie daraufhin publiziert 2 .
Aus einigen Abbildungen ist ersichtlich, dass Oswald früh sein rechtes Auge verlor; zudem ist es wahrscheinlich, dass er bei König Ruprechts Niederlage in der Lombardei mit dabei war und an den Kriegszügen gegen die Hussiten teilnahm; zudem sind Berichte über Reisen in seiner Jugend, sowie eine Pilgerfahrt nach Palästina höchstwahrscheinlich. Nach 14jährigem Reiseleben kehrt er 1399 in seine Heimat zurück, als sein Vater stirbt, acht Jahre später wird dessen Erbe unter den Brüdern Michael, Oswald und Leonard aufgeteilt, an Oswald geht u.a. ein Drittel der Burg Hauenstein.
Ebenso sind Berichte über Gefangenschaften Oswalds tradiert, deren künstlerische Bearbeitung sich in seinen Gefangenschaftsliedern wiederfindet.
1445 ist Oswalds Teilnahme am Landtag in Meran bezeugt, hierauf stirbt er am 2. August, und wird im Kloster Neustift in Brixen bestattet 3 .
3. Überblick über den Forschungsstand
Das Lied Kl. 18 wirkt bedingt durch die Fülle von Zahlenangaben, Orten und Personen in besonderer Weise biografisch, nicht zuletzt deswegen wurde es als Oswalds „Lebensballade“ 4 bekannt.
Erste Zweifel an einer durchwegs biografischen Deutung werden 1938 durch Fritz Martini geäußert 5 , 1961 stellt Norbert Mayr als Erster die wörtliche Glaubwürdigkeit des Liedes in Frage 6 .
Den bislang wohl bedeutendsten Schritt hin zu einer literaturwissenschaftlichen Interpretation liefert Ulrich Müller in seiner 1968 veröffentlichten Dissertation: Er geht davon aus, dass Oswalds Dichtung einiges an biografischer Realität zugrunde liege, diese jedoch durch einen doppelten Filter gehte d.h. zum einen den persönlichen Stil Oswalds, sowie die dichterische
1 vgl. Jones, George F.: „Dichtung und Wahrheit“ in den Liedern Oswalds von Wolkenstein, in: Oswald von Wolkenstein, hrsg. v. Ulrich Müller, Darmstadt 1980, S. 284f.
2 vgl. Weber, Beda (Hg.): Die Gedichte Oswalds von Wolkenstein. Mit Einleitung, Wortbuch und Varianten. Innsbruck 1847.
3 Wie Anm. 1, S. 301ff.
4 vgl. Hartmann, Sieglinde: Oswald von Wolkenstein - Empirie und Symbolik in seiner Lebensballade (Klein 18). In: Thomas-Morus-Jahrbuch 1984, Düsseldorf 1985, S.82-95.
5 vgl. Martini, Fritz: Dichtung und Wirklichkeit bei Oswald von Wolkenstein, in: Euphorion 39 (1938), S. 390-
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6 vgl. Mayr, Norbert: Die Reiselieder und reisen Oswalds von Wolkenstein, Innsbruck 1961 (Schlern-Schriften Bd 215)
4
Tradition, in der er steht, und die die vorgeprägten Muster und Topoi liefert. Das Ergebnis dieser Filterung bewirke eine neue, dichterische Wahrheit; sie sei in Bezug auf die historische Realität nicht mehr in Kategorien wie richtig und falsch fassbar, sondern autonom; zwischen beiden bestehe kein Gleichheits-, sondern ein Ähnlichkeitsverhältnis; zudem bestimmt Müller die Gattung von Kl. 18 als Alterslied 7 .
Diese Linie wird auch von Walter Röll fortgesetzt, wenn er auf die literarische Vorprägung des Liedes hinweist; zur Darstellung seiner ambivalenten Erfahrungen bediene sich Oswald, so Röll, zweier literarischer Schemata, der Frau-Minne-Klage sowie der Frau-Welt-Klage, letztere gebe das Muster für die Zweigesichtigkeit der Welt bei Oswald ab. Röll betont ebenfalls die Not als Leitmotiv, sieht aber Oswalds Fähigkeit, mit dieser umzugehen, im Vordergrund 8 .
Dem widerspricht Hildegard Emmel in ihrem Aufsatz, sie sieht nicht die Not als Thema, sondern die Kraft des Willens 9 .
Dem gegenüber kann die Arbeit von Stephen Wailes als Rückschritt verstanden werden, da er das Lied wieder biografisch versteht; er lehnt im Übrigen die Einordnung als Alterslied ab: Dieser Terminus sei in der Literatur nicht definiert, auch lasse sich dieser Typus nicht aus den sog. Altersliedern Walthers oder anderen Altersliedern der Minnetradition ableiten 10 . Neue Forschungsansätze konzentrieren sich z.B. darauf, das Lied ausgehend von der unmittelbaren Situation des Gedichtes / des Gedichtvortrags her zu verstehen, hier ist hauptsächlich die Arbeit von Alan Robertshaw zu nennen; er weist dem Lied eine Funktion der Eigenwerbung Oswalds zu, gegenüber dem realpräsenten Publikum 11 .
Als weiteren wichtigen Ansatz ist die Arbeit von Martin Wierschin zu vermerken, der kritisiert, dass die neueren Interpretationen Kl. 18 unter verschiedenen Aspekten gedeutet haben, allerdings ohne das Gedicht als Ganzes zu sehen, unter dem Aspekt „der im Gedicht verwirklichten Gesetzlichkeit des ästhetischen Scheins“ 12 . Wierschin fragt in seinem Aufsatz nach der übergreifenden Thematik des Liedes, dabei lehnt er z.B. Rölls Annahme der Not als Leitthema ab, vielmehr sei das Thema die „Grundeinsicht von der sich in schicksalhafter
7 vgl. Müller, Ulrich: Dichtung und Wahrheit in den Liedern Oswalds von Wolkenstein. Die autobiographischen Lieder von den Reisen. Göppingen 1968 (GAG 1).
8 vgl. Röll, Walter: Der vierzigjährige Dichter. Anlässlich des Liedes 'Es fugt sich' Oswalds von Wolkenstein. In: ZfdPh 94 (1975), S. 377-394.
9 vgl. Emmel, Hildegard: Die Selbstdarstellung Oswalds von Wolkenstein, in: Gestaltung, Umgestaltung. Festschrift zum 75. Geburtstag von Hermann August Korff, hrsg. v. Joachim Müller, Leipzig 1957, S. 39-45. 10 vgl. Stephen L. Wailes, Oswald von Wolkenstein and the 'Alterslied', in: The Germanic Review 50 (1975), S. 5-18.
11 Robertshaw, Alan: Chivalry, love and self-advertisement in Oswald von Wolkenstein’s [sic] ‘es fügt sich’, in: MLR 82 (1987), S. 887-896.
12 Wierschin, Martin W.: Oswalds von Wolkenstein ‚es fügt sich’, in: Monatshefte für deutsche Sprache 74 (1982), S. 433-450.
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Arbeit zitieren:
Simone Horstmann, 2005, Oswald von Wolkensteins "es fuegt sich" und das Problem seiner biografischen Deutung , München, GRIN Verlag GmbH
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Oswald von Wolkenstein 'Es fügt sich'
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