Web 1.0 die erste Generation.
Die erste Generation des Internet begann wie ein großer Rausch, der dann in einem Kater endete. Die faszinierende Vision war: Wissen und Informationen konnten online rund um die Uhr zur Verfügung gestellt werden. Kunden und Nutzer können ungeachtet von Öffnungszeiten, Beratungsterminen und ortsgebundenen Filialen jederzeit erreicht werden. Eine Homepage oder ein Portal genügt und die ganze (online)Welt steht offen. Online-Banken und Online-Versicherungen entstanden und sie hatten das Potential, die ganze Finanzbranche umzukrempeln. So lief vor dem Web 1.0 zum Beispiel in der Finanzbranche der Aktienhandel über so genannte Broker, die Kleinanleger gar nicht bedienten. Das Web 1.0 öffnete die Welt der Börse allen Anlegern, auch für Kleinstanlagebeträge.
Auch die Medienbranche wurde revolutioniert. Fast alle Zeitungen stellten online Ausgaben ins Netz, (die Geld kosteten, aber den Printausgaben der Zeitungen nur wenige neue Leser brachten). Die Netzeitung www.netzeitung.de ist die wohl bekannteste Online-Zeitung aus dieser Periode. In dieser großen Zeit der New Economy stiegen online Firmen über Nacht aus dem Nichts auf und brachten mit fantastischen Geschäftsstories Börsianer um den Verstand.
Web 1.0 war dennoch (besonders aus heutiger Sicht) von Passivität geprägt, was mit der damaligen Technologie zu tun hat: Die Modems waren langsam, die Websites bauten sich nur mühsam auf, das Surfen kostete Zeit, lohnte aber doch, weil man sich rund um die Uhr informieren konnte - über Reiseziele, Nachrichten, Theaterprogramme etc. Mehr als sich Information zu holen, war im Web 1.0 nicht drin.
Fast: Denn im Juli 1995 ging das von Jeff Bezos gegründete Online-Versandhaus amazon.com online (in Deutschland seit 1998 als amazon.de). 1 Nach eigenen Angaben ist
Amazon heute weltweit Marktführer im Internet für Bücher, CDs und Videos und setzte 2006 10,7 Milliarden Dollar um. Amazon setzt eine auf Perl 2 und HTML::Mason basierende
Architektur ein und ließ sich den Vorgang der Bestellung mit nur einem Klick, die auf der Cookie-Technologie 3 basiert, in den USA patentieren. Rund um die Uhr Bücher bestellen und
aus einem „virtuellen Regal“ Bücher aussuchen und Autoren recherchieren zu können, das
1 URL: http://www2.t-online-business.de/dyn/c/48/45/04/4845042.html
2 = freie, plattformunabhängige und interpretierte Programmiersprache
3 = ist ein kurzer Eintrag in einer meist kleinen Datenbank
war schon mehr als jede noch so große Buchhandlung zu bieten hatte. Der Buchhandel reagierte auf Amazon bald sehr panisch. Ähnlich wie bei kleinen Reisebüros kam die Angst auf, dass zunehmend mehr Kunden den bequemen Weg über die Internet-Bestellung wählen. 10 bis 15 Prozent des Buchhandelsumsatzes gehen heute tatsächlich über den Online-Handel.
Amazon ist allerdings ein Beispiel dafür, wie sich der Übergang zu Web 2.0 schleichend vollzieht. Denn der Amazon Kunde ist nicht mehr passiv: Er kann die Bücher bewerten und Sterne als Qualitätssiegel abgeben. Er kann auch eigene, gebrauchte Bücher auf Amazon verkaufen, wie ein Antiquariat, und er kann über die Verlinkung der eigenen Homepage auf Amazon sogar Geld mit dem Verkauf von Büchern auf Amazon verdienen. Ebay, das weltgrößte Online-Versandhaus, das ebenfalls das Zerplatzen der dot.com Blase überlebte, funktioniert ähnlich: Die Käufer sind auch Verkäufer. Die Kunden-Bewertung ist das, was man user generated content nennt: Die Marktteilnehmer bewerten sich gegenseitig, was zusammengenommen eine von den Usern selbst hergestellte Information über die Seriosität der Anbieter liefert.
Web 2.0: das Web zum Mitmachen.
Web 1.0 war noch traditionell: Informationen gingen vom Sender zum Empfänger. Aber wieder sorgen insbesondere neue Technologien dafür, dass das Web 1.0 allmählich zum Web 2.0 heranwächst. Die Technologien sind: Das Breitband Internet (DSL, VDSL), der Browser, mp3, Streaming-Technologien, die Audio- und Videodaten über einen PC empfangbar machen (Web Radio und Web TV).
Wir schreiben das Jahr 2004, als der Internet-Pionier Tim O’Reilly auf einer Konferenz den Begriff Web 2.0 für diesen Wandel im Internet prägt. Web 2.0 steht für Mitmach-Internet. 4 Jeder kann Produzent und Konsument von Informationen sein. Jedermann kann seine eigene Zeitung (Blog Tagebuch) oder seinen TV Sender (Podcast) etc. betreiben bzw. Bilder ins Netz stellen und sich mit seiner Peer-Group (Myspace, youtube) austauschen.
Dadurch gewinnt das Internet weiter an Attraktivität und wird für die Werbewirtschaft zunehmend interessant, die dort um Aufmerksamkeit wirbt, wo die potentiellen Käufer
4 http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html
hinwandern. In der Web 1.0 Welt wurde die Online Werbung noch nach der Zahl der Seitenbesuche abgerechnet, ganz so, wie das bei den so genannten Tausender Kontaktpreisen (TKP) in der traditionellen Presse funktioniert. Ob der Betrachter die Werbung überhaupt registrierte, war egal, weil nicht überprüfbar. Das ist im Mitmach Web 2.0 anders, denn die Technologie ermöglicht es, die Kosten streng nach Klick abzurechnen. Ein Hersteller/Anbieter zahlt nur für Interessenten, die wirklich auf die Adwords oder Werbebanner des Werbenden klicken (und muss sie dann auf der eigenen Homepage zum Bleiben - und Kaufen überzeugen).
Teilnahme und Mitmachen lösen das alte Prinzip der Anbietens und Veröffentlichens ab. Das gilt auch für Wikis - benannt nach dem online Lexikon Wikipedia, wo User unentgeltlich die Lexikoneinträge schreiben und sich gegenseitig (bis zum Edit-War) korrigieren. In seinem Buch „The long Tail“ behauptet Anderson, dass das Entstehungsprinzip der Wiki-Beiträge nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeitsrechnung funktioniert wie auch der Google-Algoritmus zur Suche nach relevanten Treffern für ein Suchwort dieses Prinzip zugrunde liegt.
Heute sieht der Umfang der Online-Welt so aus:
• 1 Mrd. im Internet
• 200 Mio. bloggen weltweit
• 1,4 Mio. Blogger in Deutschland (TNS infratest)
• rd. 2 Mio. Mitglieder auf OpenBC Xing
• 3,8 Mio. Wikipedia-Artikel
• Technorati scannt rund 55 Mio. Blogs
Eine wichtige Rolle für die Medien (und auch für die Werbewirtschaft) spielt der Internet-Gigant Google. Die bekannteste und meistgenutzte Dienstleistung von Google ist die Volltextsuche von Dokumenten im World Wide Web. Das Web 1.0 war noch geprägt von vielen, vielen Websites, deren Qualität nur durch eigene Recherche erkennbar war. Google schuf mit seinem Such-Algorithmus einen Filter, der die Qualität von Websites automatisiert erkennt und wie ein Treffer-Ranking sortiert. Google kam bei den Usern gut an, weil andere Suchmaschinen wie Yahoo keine gleichwertigen Qualitätsfilter und somit Suchergebnisse bei der Eingabe von Suchbegriffen liefern konnten. Der Siegeszug von Google hat zudem mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der Google hunderttausende „Treffer“ in Zehntelsekunden auswirft. Was Google bis heute der Konkurrenz voraus hat, ist eine unglaubliche
Arbeit zitieren:
Irina Kilimnik, D. Yildirim, N. Hosgören, G. Hosgören, 2007, WEB 3.0: Was ist das WEB 3.0? Grundlagen, Informationen und die wichtigsten Eckpunkte, München, GRIN Verlag GmbH
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