2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Französische Afrikapolitik von de Gaulle bis Chirac 5
2.1 Das Konzept de Gaulles 5
2.2 Reformversuche und Reformen (1981 2002 ) 6
2.3 Rückkehr zu alten Mustern? (2002 2005 ) 8
3 Bestandsaufnahme G8 Gipfel 2005 11
3.1 Französisch-britische Rivalitäten? 12
3.2 Französisch-britische Kooperation? 14
3.3 Globalisierungskritiken 15
4 Fazit 17
5 Literaturnachweis 19
3
1 Einleitung
Frankreich und die ehemaligen frankophonen Kolonien Afrikas haben seit den Dekolonisationsprozessen besondere Beziehungen aufgebaut. Noch der heutige französische Präsident Chirac meint, dass Frankreich ohne Afrika nur eine „drittklassige Macht“ wäre. 1 Wie es zu diesen besonderen Beziehungen kam und wie es heute um die französisch-afrikanischen Beziehungen steht, wird in einem ersten Teil dieser Arbeit behandelt.
Die andere große Kolonialmacht in Afrika war Großbritannien, dem jedoch der Rückzug aus den Kolonien in der Regel leichter fiel, was auch teilweise zur Aufgabe jeglicher Beziehungen führte. 2 In den 90er Jahren hat sich Großbritannien aber wieder verstärkt dem afrikanischen Kontinent zugewandt und eine aktivere und bisweilen als erfolgreicher bewertete Afrikapolitik ausgeübt. 3 In dieses wachsende Interesse an Afrika reiht sich aktuell die von Premier Tony Blair initiierte Commission for Africa, sowie der G8-Gipfel, der vom 6.-8. Juli 2005 im schottischen Gleneagles stattfand, ein. Auf der anderen Seite vom Kanal könnte man bei so viel Engagement Irritation, vielleicht sogar Missfallen vermuten - machten sich der französische Präsident Jacques Chirac und die Rechtsregierung seit 2002 doch betont stark zum „Anwalt für Afrika“. Der zweite Teil dieser Arbeit wird untersuchen, wie die französische Presse den britischen Eifer bewertet und die aktuelle französische Afrikapolitik reflektiert hat. Er dient als aktuelle Bestandsaufnahme und bietet dabei Ansätze, die 2002 angekündigte Afrikapolitik auf ihre Umsetzung zu prüfen.
1 vgl. Leymarie, Philippe (2004).
2 vgl. z.B. Höhne, Roland (2000) und Kahler, Miles (1984).
3 vgl. Leymarie, Philippe (2002) sowie: Le Figaro, 6.Juli 2005.
4
Dafür wurden die Zeitschriften Le Figaro, Le Monde und Libération vom 1.-15.Juli 2005 analysiert. Diese decken sowohl das konservative, und somit regierungsnahe (Le Figaro), als auch das linksorientierte (Libération, Le Monde) Spektrum der Tageszeitungen ab und sind jeweils die auflagenstärksten und damit wichtigsten nationalen Zeitungen. 4 Gewiss erlaubt die Zeitungsanalyse nur einen Einblick in die französische Gesellschaft mit begrenzten Möglichkeiten für Rückschlüsse - und hat natürlich nicht den Anspruch, ein Abbild der öffentlichen Meinung zu sein.
4 vgl. Bourgeois, Isabelle (2005), S.319.
5
2 Französische Afrikapolitik von de Gaulle bis Chirac
2.1 Das Konzept de Gaulles
Das französische Afrikaengagement, die eigene Atombombe und der ständige Sitz im
Sicherheitsrat waren zu Beginn der V. Republik die symbolträchtigsten Beispiele und
Garanten für den französischen Machtanspruch und die von de Gaulle deklarierte
Unabhängigkeit zwischen den beiden Blöcken in der Welt des Kalten Krieges. 5 De
Gaulle hatte zwar die Französinnen und Franzosen mit dem Abschied vom
Kolonialreich versöhnt 6 , gleichzeitig aber mit indirekten Herrschaftsinstrumenten den
Einfluss gewahrt, so auch in West- und Zentralafrika. Hier wurde die so genannte „Zone
Franc“ 7 , kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges geschaffen, bis heute erhalten.
„ Vier Grundprinzipien der CFA-Zone sichern die Geldwertstabilität und eine - im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten - größere Budgetdisziplin: der feste Wechselkurs mit dem Franc/Euro, freie Konvertibilität (Austauschbarkeit der Währungen verschiedener Länder), weitgehend freier Geld- und Kapitaltransfer sowie unbegrenzte Deckung der Zahlungsbilanzdefizite der CFA-Länder durch das französische Schatzamt (als Gegenleistung für die Deponierung von 65 Prozent der Devisen der Mitgliedsländer bei diesem Schatzamt).“ 8
Der wirtschaftliche Einfluss wurde durch eine nennenswerte Entwicklungshilfe, vor
allem im Bereich der Bildung, sowie durch die militärische Präsenz ergänzt. Frankreich
unterhielt hierzu permanent Stützpunkte und setzte Polizei und Armee im Rahmen
bilateraler Militär- und Verteidigungsabkommen ein. 9 Zudem betrieb Frankreich
zwischen 1960 und 1990 mit über 20 militärischen Operationen einen starken
Interventionismus, der in der Mehrzahl ohne rechtliche Grundlage erfolgte. 10
5 vgl. Kolboom, Ingo und Hans Stark (2005), S.366f.
6 vgl. Höhne, Roland (2000).
7 Die Währung der „Zone Franc“ ist der Franc CFA (Franc des Colonies Françaises d’Afrique bzw. nach
der Unabhängigkeit umbenannt in Franc de la Communauté Financi Pre Africaine). Vgl. Kohnert, Dirk (2004).
8 ebd.
9 vgl. Gouttebrune, François (2002).
10 vgl. Löhr, Johanna (2003), S.124, sowie Brüne, Stefan (1995), S.152ff und S.166.
6
De Gaulle hatte ein Konzept entwickelt, nach dem der französische Einfluss in Afrika eine wichtige Vorraussetzung für den internationalen „Rang“ war. Diese Afrikapolitik war geprägt von kolonialen Traditionen, Geheimdiplomatie und persönlichen Klientelbeziehungen. 11
2.2 Reformversuche und Reformen (1981-2002)
1981 wählte die V. Republik mit François Mitterrand zum ersten Mal einen sozialistischen Präsidenten, zudem gewann die PS (Parti Socialiste) bei den Parlamentswahlen die Mehrheit. Mitterrand hatte eine Abkehr von der gaullistischen Afrikapolitik und Reformen proklamiert; dennoch hat Brüne der Linksregierung eine „erstaunliche Kontinuität“ 12 , Löhr eine schnelle Rückkehr „zu den alten Mustern“ 13 attestiert. So wurde die Erwartung, ein sozialistisch regiertes Frankreich würde nicht mehr zu Militärinterventionen greifen, 1983 enttäuscht: Mit der Operation im Tschad führte Frankreich die größte militärische Intervention seit dem Algerienkrieg. 14
Die Zeit unter Mitterrand kann also als eine vorbereitende Phase der Diskussion bewertet werden, in der eine Multilateralisierung und Öffnung (gegenüber dem nichtfrankophonen Afrika) thematisiert, aber nur in Ansätzen umgesetzt wurden.
Das Ende des Kalten Krieges erforderte offensichtlich eine Neuordnung der Afrikapolitik, dennoch kam das Krisenjahr 1994 15 : Die Entwicklungszusammenarbeit wurde zur steigenden finanziellen Belastung für Frankreich, das erstmals seit 1948 auf eine Abwertung des Franc CFA drängte 16 . Zudem wurde Frankreich der Komplizenschaft am Genozid in Ruanda beschuldigt, wo es die Hutus unterstützt hatte. 17
11 ebd., S.232f.
12 vgl. ebd., S.176.
13 vgl. Löhr, Johanna (2003), S.119.
14 vgl. Brüne, Stefan (1995), S.178.
15 vgl. ebd., S.1039.
16 vgl. Kohnert, Dirk (2004).
17 vgl. Utley, Rachel (2002), S.132.
Arbeit zitieren:
M.A. Mareike Bibow, 2005, „Gestohlene Afrikapolitik“? Frankreich und die britische G8-Initiative für Afrika - Eine Analyse der französischen Presse (Juli 2005), München, GRIN Verlag GmbH
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