Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Mensch Paulus. 4
2.1. Die Biographie als Basis für seine Mission 4
2.2. Die Rhetorik des Paulus - Überzeugen durch Schwäche 6
3. Die Gattung der Missionspredigt am Beispiel der Areopagrede 9
3.1. Die Gattung der Missionspredigt. 9
3.2. Die Komposition der Areopagrede 10
3.2.1. Der Redeanfang 10
3.2.2. Der Hauptteil. 12
3.2.3. Der Redeschluss 15
4. Schlussbetrachtungen zu den Ergebnissen. 16
Literaturverzeichnis. 17
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1. Einleitung
Paulus gilt bis heute als einer der einflussreichsten frühchristlichen Theologen 1 , der durch seine theologische und missionarische Arbeit einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat, dem Christentum zu der Bedeutung zu verhelfen, die es heute noch hat. Dementsprechend nimmt die Beschäftigung mit dem Apostel einen großen Stellenwert ein, sowohl in der theologischen Fachliteratur 2 als auch in der biblischen Exegese. Um diesen nachhaltigen Einfluss zu erlangen, bedarf es nicht nur einer starken ideologischen Überzeugung, die die Menschen bis heute zu berühren vermag - dazu äußert sich Quintilian in seiner Institutio Oratoria, wenn er sagt „nur wer selbst überzeugt ist, überzeuge auch andere“ 3 - sondern vor allem einer wirkungsvollen actio, um die eigene Ansicht erfolgreich an andere weiterzugeben. Paulus war Missionar und predigte von der Verkündigung Jesu Christi. Dies tat er vor unterschiedlichem Publikum, jedoch meist vor Heiden, die er von der frohen Botschaft überzeugen wollte.
Entgegen üblicher Methodik, soll hier auch auf die Biographie des Apostels eingegangen werden, da gerade seine Ausbildung in Zusammenhang mit seiner Rhetorik wichtige Erkenntnisse liefert, die auch erklären, warum Lukas Paulus als idealen Redner der Areopagrede sah. Anhaltspunkte hierfür liefert seine Biographie, gepaart mit Begeisterung und rednerischer Praxis. Diese befähigte ihn als Apostel und Missionar erfolgreich zu wirken. Dabei konnte er sich mehrere rhetorische Instrumente zu Nutze machen, die im Folgenden erläutert werden. Der konkrete Einsatz der rhetorischen Mittel wird exemplarisch an der Areopagrede der Apg 17, 22-31 untersucht. Zuvor werden die Gattung und die Inhalte der Missionsrede erläutert, für die die Areopagrede als Rede vor Heiden beispielhaft ist. Alle Zitate der Bibel sind der 1999 erschienen Einheitsübersetzung des Katholischen Bibelwerks entnommen.
1 Detlef Hecking schreibt in Einspruch, Bruder Paulus! In: Schweizerische Kirchenzeitung, 170. Jahrgang, 2002, S. 399, Paulus gelte „als der frühchristliche Theologe schlechthin.“
2 Das Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. völlig neu bearb. Aufl., Tübingen: Mohr Siebeck 2003, (künftig: RGG), erfasst zum Thema Paulus als Person eine Bibliographieliste mit 56 Titeln, exklusive weitere Titel zu seinem Wirken, sowie einen 19spaltigen Artikel. Allein die Deutsche Nationalbibliothek führt unter dem Titel ‚Paulus’, kombiniert mit dem Schlagwort ‚Apostel’ 496 Titel auf.
3 Quintilian: Institutio Oratoria. 12, 1, 3f. Zit. n. www.thelatinlibrary.com (1. November 2006).
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2. Der Mensch Paulus
Dass der Apostel Paulus als Prediger große Erfolge zu verzeichnen hat, mag an seiner Begeisterung für die Botschaft, die er verkündet liegen, hat aber ganz sicherlich auch mit seinen rhetorischen Fähigkeiten zu tun. Er muss wenigstens über ein grundlegendes rhetorisches Rüstzeug verfügt haben und eine gute Bildung hinsichtlich des kulturellen und religiösen Hintergrundes seines Publikums. Die Wurzeln dieses Wissens sind in seiner Biographie zu suchen.
2.1. Die Biographie als Basis für seine Mission
Paulus’ Weg als Apostel 4 ist eng mit seiner Biographie verbunden. Aufschluss über sein Leben geben uns vor allem seine eigenen biographischen Angaben 5 und die des Lukas, der über Paulus in der Apostelgeschichte berichtet 6 . Vertraut man diesen Angaben, so wurde er als Saulus zwischen 0 und 10 n. Chr. 7 als Sohn eines wohlhabenden Zeltteppichwebers in Tarsus, einer bedeutenden Hafenstadt, geboren. Er besaß sowohl das Bürgerrecht von Tarsus, als auch das von Rom. Seine familiären Wurzeln führen nach Israel zum Stamm Benjamin, den er als sein Vorfahre nennt 8 . Erzogen wurde er nach den strengen Richtlinien der Pharisäer und der jüdischen Tradition folgend, erlernte er das Handwerk seines Vaters und wurde Zeltteppichweber. Darüber hinaus bekam der jüdische Sohn eine Unterweisung im Talmud und der Tora durch seinen Lehrer Gamaliel 9 . Es ist anzunehmen, dass Paulus in diesem Unterricht Aspekte der Dialektik, Rhetorik und Logik näher gebracht
4 Paulus ist kein von Jesus ausgesandter Apostel. Dies ist schon deshalb auszuschließend, da er Jesus nie persönlich kennen gelernt hat. Paulus selbst bezeichnet sich als Apostel „von Gottes Willen“. Siehe hierzu jeweils der erste Satz der Korintherbriefe. Er hadert jedoch später mit dieser Titulierung, als er sagt „Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“ (1. Kor 15, 9.)
5 „Sie sind Hebräer - ich auch. Sie sind Israeliten - ich auch. Sie sind Nachkommen Abrahams - ich auch.“ (2. Kor 11, 22), „Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.“ (Gal 1, 13) oder „Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz, verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig in der Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz vorschreibt.“ (Phil 3, 5-6).
6 „Paulus antwortete: Ich bin ein Jude aus Tarsus in Zilizien, Bürger einer nicht unbedeutenden Stadt. Ich bitte dich, gestatte mir, zum Volk zu sprechen.“ (Apg 21, 39) und „Paulus aber sagte zu ihnen: Sie haben uns ohne Urteil öffentlich auspeitschen lassen, obgleich wir römische Bürger sind, und haben uns ins Gefängnis geworfen. Und jetzt möchten sie uns heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausführen.“ (Apg 16, 37).
7 Hans-Jürgen Wolters nennt in Die Zeit des Apostels Paulus, Regensburg: S. Roederer Verlag 1996, (künftig: Wolters), S. 7 „um 0“ als Geburtszeitraum. Wolfgang Weiß erweitert im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, hrsg. v. Friedrich-Wilhelm Bautz, Bd. VII, Herzberg: Verlag Traugott Bautz 1994, Sp. 45-57, diesen Zeitraum und schreibt „im ersten Jahrzehnt n. Chr.“.
8 Phil 3, 5 und Röm 11,1.
9 Apg 22, 3: „zu Füßen Gamaliels genau nach dem Gesetz der Väter ausgebildet“.
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wurden 10 . Ob Paulus tatsächlich eine gründliche Unterweisung in der Rhetorik bekam, ist nicht mit Sicherheit festzustellen 11 . Hinsichtlich des Predigtaufbaus und seiner argumentativen Vorgehensweise fanden jedoch grundlegende Aspekte der Rhetorik Einzug in seine Predigt, wie sich später noch anhand der Areopagrede zeigen wird. Der Einfluss des Hellenismus, der in der damaligen Zeit groß war, ist auf Paulus ist in dieser Hinsicht feststellbar 12 . Bisher wurde hierzu in mehreren Arbeiten auf Paulus’ „Diatribenstil“ hingewiesen 13 , der ihn als Kenner der griechischen Philosophenschule auszeichnet, ihm zudem Wissen über die rhetorischen Elemente der Diatribe zuspricht 14 und ihn in der Tradition der ursprünglichen Diatribe, die von Wanderpredigern vor einem gemischtem Hörerkreis gehalten wurden, agieren lässt 15 . Aber auch seine jüdische Erziehung brachte ihm - zumindest ansatzweise - Methoden der griechischen Rhetorik näher. Im traditionellen Talmudunterricht wird eine Vorgehensweise angewendet, die dem sokratischen Dialog und der stoischen Dialektik ähnlich ist. Der Schüler wird vom Lehrer befragt und gleichzeitig dazu angehalten, selber Fragen zu stellen, die wiederum einer Beantwortung bedürfen 16 . Somit wird ein fiktiver Dialog geführt. Anlehnungen an diese Methode finden sich bei Paulus vor allem im 3. und 4. Kapitel der Römerbriefe.
Auch mehrere Aufenthalte in Jerusalem dienten seiner Ausbildung. Paulus kam also in mehrerlei Hinsicht mit dem Hellenismus in Berührung 17 . Auch sein Diaspora-Judentum, seine Sprachkenntnisse, die neben seiner Muttersprache Griechisch noch Aramäisch,
10 Siehe hierzu Friedrich Wißmanns Aufsatz Jüdisches Lernen in Institutionen, in: Isabell Schulz-Grave: Lernen im Freien Jüdischen Lehrhaus, Oldenburg: 1998, S. 16. „Die Studenten mögen hohes Ansehen genossen haben, denn sie verkörperten den Idealtypus des Juden, der sein Leben der Lehre Gottes gewidmet hat. Dabei konnte auch die spezifische Methode des miteinander Lernens im wissenschaftlichen Disput gepflegt werden, weil neben einfachem Gedächtnistraining auch in talmudischer Dialektik, in Rhetorik und Logik geübt wurde.“
11 Timothy H. Lim scheibt auf S. 140 seines Aufsatzes Not in Persuasive Words of Wisdom, but in the Demonstration of the Spirit and Power, in: Novum Testamentum, Vol. 29, Fasc. 2 (Apr. 1987), S. 137-149, das Wort ‘Stümper’ beschreibe Paulus in Zusammenhang mit dem Wort ‘Redner’ „as one, who stands outside of the particular activity or profession of formal speech; he is a man who is either trained nor skilled in speech”. Johannes Chrysostomos hingegen schreibt in De sacerdotio, IV, 6, zit. n. Reinhart Staats Aufsatz Chrysostomus über die Rhetorik des Apostels Paulus, in: Vigiliae Christianae, Vol. 46, No. 3 (Sep. 192), S. 225-240, dass der Apostel von der Unbildung, die er sich selbst zuschreibt, „vielmehr so weit entfernt gewesen ist wie kein anderer Mensch unter diesem Himmel.“
12 Hier sei auf Rudolf Knopf verwiesen, der in seinem Aufsatz Paul and Hellenism, in: The American Journal of Theology, Vol. 18, No. 4 (Oct. 1914), S. 497-520, die Bezüge Paulus’ zum Hellenismus erläutert.
13 Hier sei auf Thomas Schmeller verwiesen, der in seinem Buch Paulus und die Diatribe, Münster: Aschendorf 1987, auf S. 68 eine ausführliche Liste von Autoren angibt, die Paulus einen diatribischen Stil bescheinigen.
14 Siehe hierzu Bultmann, Rudolf: Der Stil der paulinischen Predigt und die kynisch-stoische Diatribe, Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 1984, S. 20-49.
15 Schmeller, S. 429.
16 Tresmontant, Claude: Paulus in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1963, (künftig: Tresmontant), S. 19/20.
17 Siehe hierzu RGG, Sp. 1038 „Im zugleich traditionsbewussten, wie nachhaltig hellenisierten Jerusalem arbeitete sich der gebürtige Diasporajude griech. Muttersprache tief in die väterlichen Überlieferungen Israels ein (..)“.
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Arbeit zitieren:
Carolin Moosmann, 2006, Der Apostel Paulus als Rhetor, München, GRIN Verlag GmbH
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