,QKDOWVYHU HLFKQLV
1. Einleitung 1
2. Feedback im handlungstheoretischen Konzept 2
2.1. Funktion und Stellenwert von Trainerfeedback. 3
2.2. Anforderungen an das Feedback 5
2.2.1. Aufzeigen von Diskrepanzen zwischen Ist- und Sollzustand. 5
2.2.2. Konkretion, Verständlichkeit und „prinzipiennahe Sprache“ 5
2.2.3. Zeitliche Unmittelbarkeit 6
2.2.4. Aufzeigen wesentlicher Prozessmerkmale 6
2.2.5. Verknüpfung des Trainerfeedback mit intrinsischem Feedback 7
3. Nichtakzeptanz und Akzeptanz von Feedback 7
3.1. Stellenwert der Nichtakzeptanz von Feedback 8
3.2. Einflüsse auf den Urteilsprozess des Trainierten über das Feedback. 9
3.3. Anforderungen an Feedback zur Vermeidung von Nichtakzeptanz 10
3.3.1. Die Reaktanztheorie 10
3.3.2. Die subjektive Wichtigkeit der angesprochenen Punkte. 11
3.3.3. Der Umfang der angesprochenen Punkte. 12
3.3.4. Das Ausmaß der Bedrohung 13
3.3.5. Die Legitimität des Feedback 14
3.4. Kognitive Prozesse bei der Verarbeitung von Feedback 15
3.4.1. Vergleichsprozesse 15
3.4.2. Attributionsprozesse 17
3.4.3. Antizipation von Konsequenzen 18
3.4.4. Prozesse der Dissonanzreduktion 20
4. Zusammenfassung 22
Literaturverzeichnis 23
Feedback im Training sozialer Kompetenzen 21.05.02
(LQOHLWXQJ
Eine zentrale Bedeutung beim Training sozialer Kompetenzen kommt dem Feedback - verstanden als Rückmeldung über das Verhalten der Trainierten - zu.
Im Alltagsverständnis wird Feedback oft gleichgesetzt mit Lob bzw. Kritik und liefert vor allem eine Rückmeldung darüber, ob eine Handlung sozial erwünscht ist oder nicht. Im Sinne der klassischen Lernpsychologie beeinflusst so verstandenes Feedback die Wahrscheinlichkeit, mit der diese Handlung wiederholt ausgeführt wird, ob eine Handlung also positiv oder negativ verstärkt wird. Über diesen PRWLYDWLRQDOHQ Aspekt hinaus hat Feedback auch einen LQIRUPDWLRQDOHQ
Aspekt, der in der handlungstheoretischen Konzeption des Trainings sozialer Kompetenzen von Semmer und Pfäfflin (1978) 1 stärker betont wird. Im Sinne dieser Konzeption wird unter Feedback vor allem „eine Information über den Abstand zwischen Ist- und Sollzustand“ verstanden. Feedback enthält entsprechend dieser Konzeption auch Informationen über die Operationen bzw. Handlungen, die den Abstand zwischen Ist- und Sollzustand verringern können und dient so dazu, die Handlung entsprechend zu korrigieren.
In dieser Arbeit soll im Kapitel 2 erläutert werden, welche Funktionen Feedback im Kontext der handlungstheoretischen Konzeption des Trainings sozialer Kompetenzen hat und welche Anforderungen an gutes Trainerfeedback sich daraus ableiten lassen.
Die Handlungstheorie findet allerdings ihre Grenzen darin, zu erklären, unter welchen Bedingungen Feedback angenommen und tatsächlich in eine Verhaltensänderung umgesetzt wird, denn sie liefert keine inhaltlichen Kriterien für das Zustandekommen
von Zielen und ihren Valenzen. Unzureichend erklärt bleibt also der PRWLYDWLRQDOH $VSHNW von Feedback, denn auch die Lerntheorie liefert keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wann NRUULJLHUHQGHV (also negativ verstärkendes) Feedback
angenommen und in eine Verhaltenskorrektur umgesetzt wird, sie bezieht sich lediglich auf den verstärkenden Effekt von positiver Kritik.
1 SEMMER, N.; PFÄFFLIN, M.: Interaktionstraining, Ein handlungstheoretischer Ansatz zum Training
sozialer Fertigkeiten. Weinheim 1978.
1
Feedback im Training sozialer Kompetenzen 21.05.02
Im Kapitel 3 dieser Arbeit wird daher mit Hilfe kognitiv orientierter Theorien der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von Feedback zu erwarten ist. Die Anforderungen, die sich daraus für den Trainer ableiten lassen, untermauern die Regeln, die im Kapitel 2 für förderndes Trainerfeedback aufgestellt wurden oder ergänzen diese.
Zusammenfassend lässt sich das Ziel dieser Arbeit wie folgt formulieren: Es soll theoretisch begründet werden, warum Feedback ein zentraler Stellenwert beim Training sozialer Kompetenzen zukommt und warum Feedback wie gestaltet sein sollte, um den Transfer des Wissens über „gutes Handeln“ in die Praxis zu erleichtern und um die Akzeptanz des Feedback zu gewährleisten.
Hinweis zur Zitierweise:
Die vorliegende Arbeit basiert auf dem theoretischen Teil der (unveröffentlichten) Diplomarbeit „Feedback-Verhalten beim Training sozialer Kompetenzen“ von Rieger und Rummel, 1979. Soweit keine andere Quelle vermerkt ist, werden die Autoren dieser Ausarbeitung zitiert, bei wörtlichen Zitaten ist die Seitenzahl in Klammern vermerkt.
)HHGEDFNLPKDQGOXQJVWKHRUHWLVFKHQ.RQ]HSW
Oben wurde bereits darauf eingegangen, wie Feedback im Sinne der handlungs-theoretischen Konzeption nach Semmer und Pfäfflin (1978) verstanden wird. Zugrundeliegende Theorie ist dabei die Handlungsregulationstheorie von Hacker. 2
In diesem Kapitel soll erläutert werden, warum Trainerfeedback nach dieser Konzeption eine zentrale Rolle beim Erlernen neuer Verhaltensweisen spielt und welche Funktionen das Feedback im Zusammenhang mit dem Erlernen sozialer Kompetenzen hat. Darauf aufbauend werden Anforderungen an förderndes Feedback formuliert.
2 Vgl. z.B. Hacker, W.: Allgemeine Arbeits- und Organisationspsychologie. Psychische Struktur und Regulation
von Arbeitstätigkeiten. 3. Aufl., Berlin, 1986.
2
Feedback im Training sozialer Kompetenzen 21.05.02
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Die zentrale Funktion von Feedback ist es, in Kombination mit anderen Trainingseinheiten den Aufbau von adäquaten Handlungsstrukturen zu unterstützen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Förderung des $XIEDXV HLQHV RSHUDWLYHQ $EELOGV\VWHPV (OAS). Das operative Abbildsystem bildet die Grundlage der
psychischen Regulation von Handlungen, es stellt die Gesamtheit aller kognitiven Abbilder eines Handlungsprozesses dar und spiegelt die wesentlichen Prozess- und Handlungsparameter wider wie z.B. typische Abläufe von Teilprozessen oder Störmöglichkeiten. Auf diese Weise ist ein "Probehandeln" vor der eigentlichen Ausführung möglich und es ermöglicht das Bilden von Hypothesen über den weiteren Verlauf des Prozesses.
Bezogen auf die Handlung "Diskussion" bedeutet dies, dass der Teilnehmer Regeln und Bilder in Bezug auf einen gut verlaufenden Diskussionsverlauf im Kopf hat. Im Training sozialer Kompetenzen erfolgt der Aufbau des OAS hauptsächlich durch das Beobachten von Modellen sowie die darauf folgende Diskussion und die Prinzipienerarbeitung (Semmer, Pfäfflin, 1978, S. 159 ff). Während der späteren praktischen Übungsphase dient Feedback dazu, das OAS weiter zu verfeinern, indem insbesondere auf mögliche Fehler und Störsituationen eingegangen und so das innere Modell um weitere Handlungsalternativen erweitert wird. Weiterhin soll Feedback in der Übungssituation den $XIEDXYRQ$NWLRQVSURJUDPPHQ
fördern. Aktionsprogramme sind handlungsregulierende Einheiten auf der Basis des OAS, also der „Teil des OAS, der den Tätigkeitsverlauf darstellt“ (Semmer, Pfäfflin, 1978, S. 79). Ein gutes operatives Abbild ist eine wichtige Grundlage für effizientes Handeln, aber seine Handlungsrelevanz kann nicht vorausgesetzt werden sondern muss gezielt gefördert werden. Damit also das allgemeine Wissen und die Vorstellung über Diskussionsführung tatsächlich das Handeln reguliert (beeinflußt), muß dies mit wahrnehmbaren Ereignissen durch praktisches Üben verbunden werden.
Die Teilnehmer sollen lernen, das bei ihrer Handlung vorhandene intrinsische Feedback in Verbindung zu bringen mit ihren allgemeinen Vorstellungen und ihrem Wissen über Diskussionsführung. Bei jeder Handlung entstehen Rückmeldungen über die Handlung selbst, der Handelnde hört z.B. seine Stimme, sieht die Bewegung seiner Arme oder spürt das leichte Zittern seiner Knie (Semmer, Pfäfflin,
3
Feedback im Training sozialer Kompetenzen 21.05.02
1978, S. 35). Das extrinsische, also vom Trainer gegebene Feedback soll dabei helfen, das intrinsische Feedback mit dem OAS des Teilnehmers zu verknüpfen, so dass dieser in die Lage versetzt wird, sein Verhalten an den „Sollzustand“ anzupassen.
Ein %HLVSLHO soll dies verdeutlichen:
Ein Teilnehmer unterbricht in der Übungssituation häufiger andere Teilnehmer. Sensibilisiert durch die vorher erarbeiteten Regeln zur guten Diskussionsführung fällt ihm sein Fehler selbst jeweils dann auf, wenn sein Beitrag bereits gesagt im Raum steht, d.h. er weiß eigentlich, dass man andere nicht unterbrechen sollte (RSHUDWLYHV
$EELOGVV\VWHP), dieses Wissen reguliert aber nicht seine tatsächliche Handlung.
Mehr oder weniger unbewußt nimmt er vor seinem impulsiven Äußerung jeweils wahr, wie seine Erregung ansteigt und er auf seinem Stuhl hin- und her zappelt, weil die Äußerung des anderen ihn zu einer eigenen reizt (LQWULQVLVFKHV)HHGEDFN). Nach
der Übungssequenz gibt ihm der 7UDLQHU )HHGEDFN und betont dabei insbesondere
Handlungsalternativen, um das Unterbrechen anderer zu vermeiden. Der Teilnehmer lernt dadurch, dass seine innere Erregtheit (intrinsisches Feedback) besser darin Ausdruck finden sollte, dass er sich schnell eine Notiz macht und sich meldet. Auf diese weise wird das intrinsische mit dem extrinsischen Feedback verbunden und wird auf lange Sicht zu seinem eigenem. Der Schritt von seinem inneren guten
Modell des Diskutierens zu dem $NWLRQVSURJUDPP „Wenn mich die Äußerung eines
anderen zu einer Erwiderung reizt und ich unruhig werde, schreibe ich mir meinen Punkt auf und melde mich umgehend“ wurde durch das Feedback des Trainers ermöglicht.
Zusammengefasst bedeutet dies, dass Feedback im Sinne der
handlungstheoretischen Konzeption vor allem das Ziel hat, den hEHUJDQJ YRQ LQQHUHQ0RGHOOHQGHV+DQGHOQV]XUGDUDXIEDVLHUHQGHQ+DQGOXQJVDXVIKUXQJE]Z NRUUHNWXU]XXQWHUVWW]HQ:
Trainerfeedback hat die Funktion, zunächst das OAS zu verfeinern und zu differenzieren und im nächsten Schritt dafür zu sorgen, dass das Modell handlungsrelevant wird, indem es den Teilnehmer dabei unterstützt, die Rückmeldung, die aus ihrem eigenen Handeln entsteht (intrisisches FB) mit dem OAS zu verknüpfen. Auf diese Weise wird der entscheidende Schritt vom Wissen über gutes Handeln zu eben diesem durch Trainerfeedback erleichtert.
4
Arbeit zitieren:
Marit Alke, 2002, Konstruktives Feedback beim Training sozialer Kompetenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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