Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Aspekte der Standortpolitik
2.1 Standort’ als Begriff und dessen Wirkung auf eine Unternehmung
2.2 Standortfaktoren
2.2.1 Grundlagen
2.2.2 Besonderheit von Standortfaktoren in der Industrie als Unternehmen der
Leistungserstellung
2.2.2.1 Material- und arbeitsorientierte Gründe
2.2.2.2 Infrastrukturelle Gründe
2.2.2.3 Wirtschaftliche und steuerliche Gründe
2.2.3 Besonderheit von Standortfaktoren im Handel als Unternehmen der
Leistungsverwertung
2.2.3.1 Kaufkraftpotential
2.2.3.2 Einzugsgebiet und Einkaufsstättenattraktivität
2.2.3.3 Konkurrenzaspekte
2.3 Bedeutung der Standortfaktoren für ein Unternehmen der Leistungserstellung
sowie -verwertung
3. Standortauswahl eines Filialbetriebes des Handels bzw. des
Lebensmittelhandwerkes
3.1 Ausgangsbasis
3.2 Standortsuche durch Makro- und Mikroanalysen
3.3 Standortbewertungsverfahren zur Bestimmung des Mikrostandortes
3.4 Standortauswahl und -controlling
4. Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis
Anlagen
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1
Klassifikation von Agglomerationseffekten
Abbildung 2
Klassische und weiche Standortfaktoren
Abbildung 3
Standortfaktor Kaufkraft
Abbildung 4
Scoring-Modell
1. Einleitung
1.1 Vorstellung des Themas in Verbindung mit dem Ablauf und Ziel der Arbeit
Allein ein gutes Produkt auf den Markt zu bringen, reicht in der heutigen Zeit der ständig wachsenden Bedürfnisse und des sich verändernden Käuferverhaltens nicht mehr aus. Vielmehr ist es wichtig, sein Produkt unter Verwendung strategischer Marketingaktivitäten für den Konsumenten so attraktiv zu gestalten, dass er davon abgehalten wird, ein gleichwertiges Produkt bei einem Konkurrenzunternehmen zu kaufen. Aufgrund vorhandener Produkteigenschaften kann nicht verallgemeinert werden, welches Produkt von welchem Unternehmen besser ist. Unter Ausrichtung seiner Kernkompetenzen kann ein jedes Unternehmen sein Produkt mit hervorstechenden Eigenschaften produzieren und vermarkten. Aber letztendlich entscheidet der Kunde über den Erfolg des Unternehmens. Die Anwendung des Marketingmanagements kann deutlich dazu beitragen. Es ist psychologisch nachweisbar, dass sich Kunden von Marketinginstrumenten wie der Kommunikations-, der Sortiments- der Distributions- sowie der Preispolitik in ihrem Konsumverhalten beeinflussen lassen. 1 Überdies ist die Standortpolitik unter strategischen Gesichtspunkten eine Möglichkeit, das Interesse des potentiellen Kunden am Unternehmen und deren Produkte zu stärken. Der Vorteil gegenüber den o.g. Marketingmaßnahmen: die Konkurrenz hat keine Möglichkeit zur Imitation. 2 Ein Unternehmen kann sich folglich seine eigene Unternehmensstrategie im Sinne der Standortpolitik aufbauen und davon profitieren. Genau das stellt auch deren Schwierigkeit dar. Eine guter Standort stellt ein knappes Gut auf den deutschen Immobilienmarkt dar. Um die Gefahr einer Fehlentscheidung zu umgehen, werden genaue Standortanalysen immer wichtiger und sollten auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht außer Acht gelassen werden. Ziel der Diplomarbeit ist es, die Standortpolitik als Hilfsmittel der strategischen Unternehmensentscheidung vorzustellen. Zunächst werden demzufolge theoretische Fakten diskutiert und der allgemeine Hintergrund von Standortfaktoren erläutert. Des weiteren erfolgt ein Vergleich verschiedener Branchen - Industrie versus Handel - und deren Darstellung auf das Fachgeschäft des Lebensmittelhandwerkes. Weiterhin sollen theoretisch Einzelhandelsfilialbetriebe und so auch die Vertriebsstrukturen des Lebensmittelhandwerkes in die nähere Überlegung miteinbezogen werden. Dabei wird die Standortsuche in
1 Vgl. Bruhn (1999), S. 29.
2 Vgl. Bienert (1995), S. 36.
Unterscheidung des Makro- und Mikrostandortes näher erläutert. Als Hilfsmittel sind verschiedene Standortbewertungsverfahren zu beschreiben, welche die Grundlage für eine praktische Anwendung geben.
2. Analyse von theoretischen Aspekten der Standortwahl
2.1 ‚Standort’ als Begriff und dessen Bedeutung für eine Unternehmung
Um anfangs theoretische Gesichtspunkte der Standortpolitik näher erläutern zu können, ist zunächst die Beziehung zwischen einem Standort und einem betriebswirtschaftlichen Unternehmen vorzustellen. In der Fachliteratur wird er als „geografischen Ort ..., an dem die Unternehmung zum Zwecke der Erreichung ihrer Ziele, Produktionsfaktoren kombiniert“ 3 bezeichnet. D.h. alle unternehmerischen Wertaktivitäten fallen auf diesen Ort, was ihn somit zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren macht und den entscheidenden Beitrag zum Unternehmenserfolg gibt. 4 Ganz gleich zu welcher Klassifikation oder Branche ein Unternehmen zählt; eine Standortentscheidung besitzt durch deren hohe Komplexität und Tragweite eine große Bedeutung. 5 Besonders in der Zeit, in der ein Kampf um die besten Standorte existiert, werden Fragen dieser Politik immer lauter. Entscheidungen aus dem Bauch heraus sind längst ein zu hohes Risiko. Eine endgültige Entscheidung sollte immer einer ordentlichen Überprüfung zugrunde liegen. Denn ist ein Standort erst einmal erschlossen, so lässt er sich meist nicht oder nur sehr schwer revidieren. Selbst langfristig kann eine Fehlentscheidung zu hohen Kosten führen und sogar einen Imageverlust zur Folge haben. 6
Dabei steht ein Unternehmen in vielen Situation dieser Problematik gegenüber. Die gebräuchlichsten Anwendungen einer Standortbestimmung sind in Verbindung mit d er Firmengründung oder der Expansion zu finden. Vor Beginn aller unternehmerischen Aktivitäten ist eine Standortauswahl unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Faktoren durchzuführen. Diese ist gerade bei Firmengründung zum Aufbau eines Images und den damit verbundenen Erfolgsaussichten von großem Gewicht. In Fragen der Expansion ist ein bestehendes Unternehmen aus diversen Gründen bestrebt, neue Standorte in unbekannten Regionen oder Ländern zu erschließen. 7 Gerade dabei sind verschiedenste Gegebenheiten
3 Müller-Hagedorn (1993), S. 110.
4 Vgl. Balderjahn (2000), S. 1.
5 Vgl. Balderjahn/ Aleff (1996), S. 40.
6 Vgl. Lerchenmüller (1998), S. 81.
7 Vgl. Birker/ Voss (2000), S. 140.
von Bedeutung, um aus einer Standortentscheidung einen Standorterfolg zu ziehen. Eine Ansiedlung an einem neuen Standort kann verschiedenartige Auswirkungen nach sich ziehen.
Quelle: Fischer (1997), S. 32.
Aus Abbildung 1 ersichtlich, handelt es sich bei solchen Auswirkungen vorrangig um Agglomerationseffekte, welche in dieser Arbeit nur kurz Erläuterung finden sollen. Diese besagen, dass betriebswirtschaftliche Akteure unmittelbar an einem Standort den Unternehmenserfolg benachbarter Unternehmen beeinflussen. Nicht nur Unternehmen der gleichen Branche (Lokalisierungseffekte), sondern auch die Anwesenheit anderer Branchen (Urbanisationseffekte) können die Unternehmenstätigkeiten und -erfolge negativ aber auch positiv b eeinflussen. Solche externen Effekte sind also ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg eines Standortes. Aber auch innerhalb einer Unternehmung (interne Effekte) entstehen durch Erweiterung des Standortes Einflüsse positiver und auch negativer Art. So können positive Effekte wie die Nutzung des ‚economie of scale’ 8 auftreten. Aber auch negative Auswirkungen wie die Verteuerung der Produktion durch Einsatz neuer Technologien können die Folge sein. 9
Je nach Branche (Leistungserstellung, Leistungsverwertung) oder verschiedener Typen von Unternehmensstandorten (Forschung & Entwicklung, Produktion, Vertrieb oder Verwaltung) gestaltet sich eine Zuordnung an einen optimalen Ort sehr unterschiedlich. 10 Standortentscheidungen bringen oft differenzierte Bedingungen mit sich, welche im folgenden Abschnitt näher erläutert werden.
8 ‚economie of scale’ beinhaltet eine bessere Auslastung der Produktionskapazitäten und der damit verbundenen Stückkostenminimierung.
9 Vgl. Fischer (1997), S. 33.
10 Vgl. Schnurrenberger (2000), S. 73f.
2.2 Standortfaktoren
2.2.1 Grundlagen
Bereits 1909 traten erste wissenschaftliche Arbeiten auf, die sich mit dem Problem der betriebswirtschaftlichen Standortwahl genau beschäftigten. Alfred Weber lieferte damals eine der ersten systematischen Darstellungen der Standorttheorie. 11 Ihm gelang es, Standortfaktoren betriebswirtschaftlich zu definieren und für die Anwendung von standortpolitischen Entscheidungen einzusetzen. Sie sollen somit Hilfestellungen für die Wahl eines Standortes u nter ökonomischen Gesichtspunkten geben und die sich dabei ergebenen Vor- und Nachteile offen legen. 12
Der Katalog der Standortfaktoren ist dagegen sehr vielseitig. Seine vollständige Beachtung ist demzufolge unmöglich. Eine Berücksichtigung einzelner Schwerpunkte, welche eine Unternehmung dabei eigenständig setzt, schafft dem Abhilfe. In der Fachliteratur sind hierzu unterschiedliche Differenzierungen erkennbar. So werden vorwiegend klassische Standortfaktoren von ‚weichen Standortfaktoren’ unterschieden (siehe Abbildung 2) 13 .
Abb. 2: Klassische und weiche Standortfaktoren
Quelle: Eigene Darstellung.
Eine weitere Möglichkeit der Aufteilung beschreibt Alexander Beaucamp in seinem Werk ‚Standortanforderungen produktionsorientierter Dienstleistungsunternehmen’. Er grenzt Standortfaktoren nach dem Absatz und der Beschaffung ab. Die räumliche Lage zum Abnehmer, die Konkurrenzverhältnisse, die Verkehrserschließung etc. werden dem Arbeitskräfte- und Rohstoffangebot s owie dem Angebot an Gebäuden und Flächen gegenübergestellt. Natürliche Gegebenheiten, steuerliche Bedingungen und das Image des Standortes bezeichnet er als sonstige Standortfaktoren.
Es ist also erkennbar, dass eine Verallgemeinerung der Standortfaktoren für die Gesamtheit aller Unternehmungen nicht möglich ist. Selbst ein empirisches Forschungsprojekt, durchgeführt vom Brandenburgischen Wirtschaftsministerium und der Universität Potsdam,
11 Vgl. Schätzl (1993), S. 34ff.
12 Vgl. Birker/ Voss (2000), S. 141.
13 Vgl. Fischer (1997), S. 29ff.
Arbeit zitieren:
Madlen Eichmann, 2002, Standortpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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