Gliederung
Gliederung 2
1. Einleitung 3
1.1 Chronologie der Systemtheorie und Kybernetik 3
2. Die Kommunikationstheorie und ihre Axiome 5
3. Der „Kritiker-Dreiklang“ 6
3.1 Axiom I 6
3.2 Axiom II 8
3.3 Axiom III 9
3.4 Axiom IV 10
3.5 Axiom V 11
4. Verifikation oder Falsifikation einer Theorie 12
4.1 Verifizierbarkeit 13
4.2 Falsifizierbarkeit 15
5. Persönliche Bewertung und Kritik 16
6. Fazit 19
7. Quellen und Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Die Semiotik besteht aus den Teilgebieten der Syntax, Semantik und Pragmatik, welche sich gegenseitig bedingen und deren Grenzen fließend ineinander übergehen. 1 „In many ways it is true to say that syntax is mathematical logic, semantics is philosophy or philosophy of science, and pragmatics is psychology, but these fields are not really all distinct” (George 1973, S. 38). Während die Syntax und Semantik relativ durchdringend erforscht sind, stellt die pragmatische Redundanz menschlicher Kommunikationsprozesse in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme dar. Angefangen bei den genuinen Wurzeln einer derartigen Analyse in Systemen und sich hinziehend bis in unsere Gegenwart hat die Pragmatik nichts an ihrem Forschungs- und Diskussionsreiz verloren. Die pragmatische Theorie und ihre Axiome der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick 2 , Janet H. Beavin und Don D. Jackson, publiziert 1969 in dem Werk „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen und Paradoxien“, werden in dieser Arbeit auf ihren Wahrheits- und Scheingehalt hin überprüft. Daran angelehnt werden die Methodologien der Verifizier- und Falsifizierbarkeit auf Watzlawicks Werk transferiert, mit dem Ziel, den realen Wahrheitsgehalt der Theorie und der Axiome herauszufiltern. 3 Um eine vollständige Beurteilung zu gewährleisten, bedarf es primär eines chronologischen Rückbezugs in die Anfänge der Systemtheorie und Kybernetik. 4
1.1 Chronologie der Systemtheorie und Kybernetik
Die relevanten Anfänge der Systemtheorie und Kybernetik lassen sich auf Mitte des 20. Jahrhundert datieren. Systemtheorie wird dabei genuin mit dem österreichischen Biologen und Systemtheoretiker Ludwig von Bertalanffy in Verbindung gebracht. „Die erste
1 Semiotik ist die allgemeine Lehre der sprachlichen und nichtsprachlichen Zeichensysteme. Sie setzt sich zusammen aus den Teilgebieten der Syntax, also dem logischen Regelsystem von Sprache und Satzbau, der Semantik, welche sich mit der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke befasst und der Pragmatik, die die Verwendung sprachlichen Handelns beschreibt (vgl. Encarta 2005, pass.).
2 Watzlawick wurde 1921 in Villach, Österreich geboren. Nach Abschluss der Reifeprüfung am hiesigen Peraugymnasium folgten das Studium der Philologie und Philosophie, die Promotion im Fach Philosophie 1949, sowie 1954 die Ausbildung zum Psychotherapeuten am C.-G.-Jung-Institut in Zürich. 1957 dem Ruf der Universität von El Salvador folgend lehrte Watzlawick dort im Fachgebiet Psychotherapie mit dem Schwerpunkt auf Kommunikationsprozessen und systematischer Familientherapien bis 1960. Im selben Jahr gewann ihn der amerikanische Psychotherapeut Don D. Jackson (1920-1968) für sein 1959 gegründetes Mental Research Institut in Palo Alto, Kalifornien. Infolge eines Lehrauftrages kam Watzlawick 1976 als Professor für Psychotherapie an die Stanford University. Er verstarb erst kürzlich am 31.03.2007 an Herzversagen in Paolo Alto. (vgl. Becker 1989, S. 13; Peraugymnasium 1987, pass.; Börsenblatt 2007, pass.).
3 Ich schreibe im Folgenden „Watzlawick“, wo ich Watzlawick, Beavin und Jackson (2003) meine.
4 Die Systemtheorie ist ein Erkenntnismodell, welches Systeme (Organismen, Maschinen, etc.) zur Erklärung differenzierter und komplexer Phänomene heranzieht. Kybernetik ist eine Wissenschaft, die sich mit Kommunikations- und Steuerungsmechanismen in diesen Systemen beschäftigt (vgl. Encarta 2005, pass).
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Ausarbeitung einer allgemeinen Systemtheorie legte v. Bertalanffy 1937 im Philosophie-Seminar von Charles Morris an der Universität Chicago vor“ (Meister 1987, S. 5). Die Anfänge der Kybernetik werden im Konnex des Mathematikers Norbert Wiener gesehen. „Als endgültig etabliert darf die moderne Kybernetik spätestens seit 1948 angesehen werden, als Norbert Wiener ... sein grundlegendes Werk ´Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine´ veröffentlichte“ (Meister 1987, S. 5).
(Abb. 1: Webzugriffe auf Paul Watzlawick)
Quelle: Modifizierte Grafik in Anlehnung an Beats Biblionetz 2007, pass.
In Bezug auf die kognitive Beeinflussung Watzlawicks sind vor allem die Kybernetiker verantwortlich. Letztere beschäftigten sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nur mit basalen Analysen von beispielsweise Feedback-Mechanismen oder Definitionsbestimmungen 5 . Dieses allgemeine und lediglich richtungweisend orientierte kybernetische Gedankengut wurde 1951 durch die Psychiater Jürgen Ruesch und Gregory Bateson, beides enger Vertreter im Beziehungsnetzwerk Watzlawicks, revolutioniert. Ihr 1951 gemeinsam publiziertes Werk „Communication. The Social Matrix of Psychiatry“ lieferte erste Impulse für Watzlawicks pragmatische Kommunikationstheorie (vgl. Meister 1987, S. 6). 6
5 Im Kern interessierten Begriffsklärungen wie Kommunikation, Nachricht, Information und Entscheidung.
6 Unzählige amerikanische Soldaten mit psychischen Leiden aufgrund des 2. Weltkrieges mussten sich in ihrem Heimatland in Behandlung begeben. Das Individuum rückte in den Hintergrund, da bedrohende, globale Katastrophen thematisiert wurden. Die fehlende Verbindung im Konnex Individuum-Gruppe-Gesellschaft konnte durch Nachrichten und Schaltkreise umgangen werden. Watzlawick widmete sein Buch einer kommunikativen Theorie, die sowohl an diese fehlende Verbindung als auch die psychiatrischen Anforderungen dieser Zeit angepasst waren
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Watzlawick zählt heute summa summarum zu den bedeutendsten Kommunikationswissenschaftlern, Therapeuten und Autoren des 20. Jahrhunderts. Die Aktualität der Thematik sowie speziell das Interesse an der Person Watzlawicks, lassen sich anhand der folgenden Grafik sehr gut nachvollziehen (vgl. Abb. 1). Seine Publikationen im Bereich der radikalen Konstruktivismustheorie 7 verhalfen ihm speziell in Deutschland zu einem hohen Bekanntheitsgrad.
2. Die Kommunikationstheorie und ihre Axiome
In der Primärliteratur äußert Watzlawick, die drei Gebiete der Syntax, Semantik und Pragmatik zu behandeln, „... obwohl es [das Werk; Anm. d. Verf.] hauptsächlich die Pragmatik, d. h. die verhaltensmäßigen Wirkungen der Kommunikation, zum Thema hat“ (Watzlawick 2003, S. 23). Die von ihm entwickelte Kommunikationstheorie einer funktionierenden Kommunikation basiert im Kern auf fünf pragmatischen Axiomen, die in einem hypothetischen Kalkül zusammengefasst werden:
Axiom I:
„Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Watzlawick 2003, S. 53).
Axiom II:
„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, daß letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist“ (Watzlawick 2003, S. 56).
Axiom III:
„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt“ (Watzlawick 2003, S. 61).
Axiom IV:
„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler undanaloger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge
(vgl. Meister 1987, S. 6 f.).
7 „Watzlawick vertritt eine konstruktivistische Erkenntnistheorie, gemäß der die Wirklichkeit, die von uns wahrgenommen wird, von uns selbst im sprachlichen Zusammenwirken konstruiert wird“ (Encarta 2005, pass.).
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Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikationen erforderliche logische Syntax“ (Watzlawick 2003, S. 68).
Axiom V:
„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“ (Watzlawick 2003, S. 70).
Watzlawick formuliert sein Anliegen wie folgt: „Wir forschen nach Erscheinungen pragmatischer Redundanz; wir wissen, daß diese nicht einfache, statische Größen oder Eigenschaften sind, sondern dem mathematischen Begriff der Funktion analoge Strukturen; und wir erwarten, daß diese Strukturen die allgemeinen Merkmale von rückgekoppelten, zielstrebigen Systemen haben“ (Watzlawick 2003, S. 42). Mit den „Erscheinungen“ meint Watzlawick Beobachtungen, Experimente und Fallstudien, anhand derer er, im Sinne eines klassischen Behavioristen, seine Theorie stützen möchte.
3. Der „Kritiker-Dreiklang“
Die Publikation von „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen und Paradoxien“ hat eine unmittelbare Welle an Befürwortern aber auch Kritikern zur Folge gehabt. In Bezug auf letzteres haben sich drei Autoren besonders manifestiert, die in Bezug auf ihre Aussagen zu den pragmatischen Axiomen von Watzlawick hier analysiert werden. „Die Unzulänglichkeiten der ´Theorie´ hat ZIEGLER (1977, 1978), aus wissenschaftstheoretischer Sicht, SCHÜLEIN (1977) u. a. gesellschafts-kritisch und MEISTER (1987) textkritisch aufgewiesen“ (Girgensohn-Marchand 1992, S. 15).
3.1 Axiom I
Die primäre Schwäche des Axioms I beruht auf der watzlawickschen Verallgemeinerung menschlichen Verhaltens, dessen kommunikativer Gleichsetzung und der Nichtbeachtung von Persönlichkeit sowie situativem Kontext.
Der doppelt negierte Terminus, dass man sich nicht nicht verhalten oder nicht nicht kommunizieren kann, ergibt nach seiner Aufsplittung nichts anderes, als das man sich
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Arbeit zitieren:
Thomas Grimme, 2007, Die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von P. Watzlawick in Darstellung und Kritik , München, GRIN Verlag GmbH
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