Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Seminararbeit, 2000, 23 Seiten
Autor: Martin Feyen
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Tags: Moses, Mendelssohn, Judentum
Jahr: 2000
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-81916-9
ISBN (Buch): 978-3-638-82121-6
Dateigröße: 273 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter, in dem in West- und Mitteleuropa die Ideen der Aufklärung zum Durchbruch kommen. Die Grundüberzeugung der Aufklärer ist die Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Vernunft, eine ihrer zentralen Forderungen die Toleranz im Hinblick auf religiöse Überzeugungen. Dies macht die bis dahin selbstverständliche Verbindung von Staat und Kirche fragwürdig und schafft ein Klima, in dem schließlich auch die Juden als gleichwertige Mitmenschen ins Blickfeld rücken. Doch lange Zeit „fehlte noch die persönliche Verwirklichung, der lebendige persönliche Beweis“ , dass auch ein Jude am geistigen Leben des aufgeklärten Europa teilnehmen konnte. Diesen Beweis hat Moses Mendelssohn (1729-1786) erbracht. Er war „der erste moderne Jude, der nicht nur als Zaungast an der Umweltkultur teilnahm, sondern tätiger Mitträger und Mitgestalter dieser Kultur war.“ Und bei alledem blieb er doch sein ganzes Leben lang der Religion seiner Väter treu und hielt sich an die Vorschriften des scheinbar so unvernünftigen und despotischen mosaischen Gesetzes. Er zeigte seinen Zeitgenossen, wie „der Jude, der sich treu blieb, der von seinem Judentum nicht abdankte noch von ihm etwas fortnahm, im neuen Europa aufrecht auf seinem Platz stand.“ Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, wie es Mendelssohn gelang, in seinem Denken jüdische Religion und Vernunft in Einklang zu bringen. Den Ausgangspunkt bildet hierbei der Lavaterstreit, zum einen wegen der Bedeutung, die dieser Auseinandersetzung in Mendelssohns Biographie zukommt, zum anderen weil die im Zusammenhang damit entstandenen Schriften wohl - wie sich im Vergleich mit seiner Spätschrift Jerusalem ergibt - mit einigem Recht als „abstract of Moses Mendelssohn’s religious-philosophical works“ angesehen werden können. Im Folgenden wird dann zunächst untersucht, welche positiven Glaubensinhalte nach Mendelssohns Auffassung unbedingt zum Judentum gehören, und in welchem Sinne er dieses als eine in seinen Lehren den Anforderungen der Vernunft genügende Universalreligion betrachtet. In einem zweiten Teil richtet sich der Blick dann auf das unterscheidend Jüdische, d.h. das mosaische Gesetz, und die Ansichten, die Mendelssohn in seinen Schriften über dessen Sinn, Ursprung und Gültigkeit äußert. Stets im Auge behalten wird dabei sein Verhältnis zur rabbinischen Tradition und zu den jüdischen Philosophen des Mittelalters, sowie zu Spinoza.
Textauszug (computergeneriert)
Ruhr-Universität Bochum SS 2000
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Historisches Institut
Hauptseminar „Die jüdische Aufklärung in Deutschland“
Moses Mendelssohn und das Judentum
von
Martin Feyen
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung 3
II.) Moses Mendelssohn und das Judentum 4
II.1.1) Ein missglückter Bekehrungsversuch. 4
II.1.2) Das Judentum als Vernunftreligion 8
II.1.3) Anspruch und Wirklichkeit 10
II.2) Das spezifisch Jüdische 12
II.2.1) Die Gesetzgebung am Sinai 12
II.2.2) Die Gültigkeit der Tora 15
II.2.3) Der Sinn des Gesetzes 19
„Ich bin lieber ein Mann der Widersprüche als ein Mann der Vorurteile.“
Jean-Jacques Rousseau, Emile
„Es liegt nicht auf dir, das Werk zu vollenden. Doch du bist auch nicht frei, davon abzulassen.“
Rabbi Tarphon, Mischna Awot
I.) Einleitung
Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter, in dem in West- und Mitteleuropa die Ideen der Aufklärung zum Durchbruch kommen, wie sie im 17. Jahrhundert vor allem in England, aber auch in den Niederlanden und Frankreich entstanden waren. Die Grundüberzeugung der Aufklärer ist die Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Vernunft, eine ihrer zentralen Forderungen die Toleranz im Hinblick auf religiöse Überzeugungen. Die insbesondere in Frankreich stark ausgeprägte Religionskritik macht die bis dahin selbstverständliche Verbindung von Staat und Kirche fragwürdig und schafft ein Klima, in dem schließlich auch die Juden als gleichwertige Mitmenschen ins Blickfeld rücken.1 Doch lange Zeit „fehlte noch die persönliche Verwirklichung, der lebendige persönliche Beweis“2, dass auch ein Jude am geistigen Leben des aufgeklärten Europa teilnehmen konnte.
Diesen Beweis hat Moses Mendelssohn (1729-1786) erbracht. Er war „der erste moderne Jude, der nicht nur als Zaungast an der Umweltkultur teilnahm, sondern tätiger Mitträger und Mitgestalter dieser Kultur war.“3 Und bei alledem blieb er doch sein ganzes Leben lang der Religion seiner Väter treu und hielt sich an die Vorschriften des scheinbar so unvernünftigen und despotischen mosaischen Gesetzes. Er zeigte seinen Zeitgenossen, wie „der Jude, der sich treu blieb, der von seinem Judentum nicht abdankte noch von ihm etwas fortnahm, im neuen Europa aufrecht auf seinem Platz stand.“4 Dennoch wurde diese Verankerung im Judentum von vielen christlichen Aufklärern gern übersehen, die es vorzogen, in ihm einen heimlichen Christen oder Deisten zu vermuten - so unvorstellbar erschien ihnen die Verbindung von Vernunft und Judentum. Doch auch Mendelssohns Glaubensbrüder haben nicht wenig zu dieser Sichtweise beigetragen, indem sie sich nach seinem Tod in großer Zahl taufen ließen oder doch wenigstens zahlreiche traditionelle Elemente des Jüdischseins - insbesondere das Zeremonialgesetz - nicht mehr anerkannten.
Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, wie es Mendelssohn gelang, in seinem Denken jüdische Religion und Vernunft in Einklang zu bringen. Den Ausgangspunkt bildet hierbei der Lavaterstreit, zum einen wegen der Bedeutung, die dieser Auseinandersetzung in Mendelssohns Biographie zukommt, zum anderen weil die im Zusammenhang damit entstandenen Schriften wohl - wie sich im Vergleich mit seiner Spätschrift Jerusalem ergibt - mit einigem Recht als „abstract of Moses Mendelssohn’s religious-philosophical works“5 angesehen werden können. Im Folgenden wird dann zunächst untersucht, welche positiven Glaubensinhalte nach Mendelssohns Auffassung unbedingt zum Judentum gehören, und in welchem Sinne er dieses als eine in seinen Lehren den Anforderungen der Vernunft genügende Universalreligion betrachtet. In einem zweiten Teil richtet sich der Blick dann auf das unterscheidend Jüdische, d.h. das mosaische Gesetz, und die Ansichten, die Mendelssohn in seinen Schriften über dessen Sinn, Ursprung und Gültigkeit äußert. Stets im Auge behalten wird dabei sein Verhältnis zur rabbinischen Tradition und zu den jüdischen Philosophen des Mittelalters, sowie (insbesondere im zweiten Teil) zu Spinoza.
II.) Moses Mendelssohn und das Judentum
II.1. Der Universalismus des Judentums
II.1.1) Ein missglückter Bekehrungsversuch
„Wenn ich bedenke, was man zur Anerkennung der Heiligkeit unserer Religion zu thun schuldig ist, so begreife ich gar nicht, wie so Manche unserer Glaubensgenossen immer schreien, ich solle um des Himmels willen nicht mehr davon schreiben. Auch habe ich es, Gott weiß es, nicht gern gethan, daß ich mich vom Disput losgemacht habe; mein eigener Wille trat gegen den Willen Anderer zurück. Wäre es mir nachgegangen, so hätte ich eine ganz andere Antwort geben wollen.“6 Diese Worte Mendelssohns in einem Brief an seinen Schwager Elkan Herz vom 16. November 1770 geben Zeugnis davon, wie sehr ihn die Auseinandersetzung mit dem jungen Schweizer Theologen Johann Kaspar Lavater innerlich aufgewühlt hat. Dieser hatte den jüdischen Denker in der Zueignung seiner Übersetzung von Charles Bonnets Schrift La Palingénésie Philosophique - erschienen im August 1769 in Zürich unter dem Titel Herrn Carl Bonnets (...) philosophische Untersuchung der Beweise für das Christentum7 - aufgefordert,
„dieselbe öffentlich zu widerlegen, wofern Sie die wesentlichen Argumentationen, womit die Thatsachen des Christenthums unterstützt sind, nicht richtig finden: Dafern Sie aber dieselben richtig finden, zu thun, was Klugheit, Wahrheitsliebe, Redlichkeit Sie thun heissen; - was Socrates getan hätte, wenn er diese Schrift gelesen, und unwiderleglich gefunden hätte.“8
[...]
1 Katz, Jakob: Mendelssohn und die Mendelssohnschüler im Bannkreis der Religionskritik, in: Gründer, Karlfried und Karl Heinrich Rengstorf (Hg.): Religionskritik und Religiosität in der deutschen Aufklärung, Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Bd. 11, Heidelberg 1989, S.198.
2 Baeck, Leo: Wege im Judentum. Aufsätze und Reden, Berlin 1933, S.349.
3 Graupe, Heinz Mosche: Die Entstehung des modernen Judentums, Hamburg 1969, S.93.
4 Baeck: Wege, S.349.
5 Jacobs, Robert A.: A Jewish Reading of Moses Mendelssohn’s Response to Lavater, in: Albrecht Michael und Eva J. Engel (Hg.): Moses Mendelssohn im Spannungsfeld der Aufklärung, Stuttgart/Bad Cannstatt 2000, S.91.
6 Kayserling, Meyer: Moses Mendelssohn. Sein Leben und seine Werke, Leipzig 1862, S.493.
7 Allerhand Jacob: Das Judentum in der Aufklärung, Stuttgart/Bad Cannstatt 1980, S.90.
8 Mendelssohn, Moses: Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe (JubA), hg. v. I. Elbogen u.a., Berlin 1929ff (Nachdruck u. Fortsetzung durch Alexander Altmann, Stuttgart 1971ff), VII, S.5.
Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Mörikes Begriff der Schönheit (Zwei Gedichtinterpretationen)
Autor: Lena LangensiepenHauptseminararbeit, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Schöpfung und Evolution in der Theosophie
Autor: Jennifer DacquéHausarbeit, 2007 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Aspekte der Ars Moriendi in Henrik Ibsens "Peer Gynt"
Autor: Katharina MildeSeminararbeit, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Die Tradition des Hässlichen im Expressionismus
Autor: Tanja RidderZwischenprüfungsarbeit, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Der Buddha Mythos
Autor: Ralf KlossekReferat (Ausarbeitung), 2005 Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Sol invictus - Die Ausbreitung orientalischer Religionen im römischen Kaiserreich
Autor: Mathias PfeifferZwischenprüfungsarbeit, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Textanalytische Übung zu Eduard Mörike "Auf eine Lampe"
Autor: Solveig HöchstSeminararbeit, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Bisher keine Kommentare