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1. Einleitung
2. Chronologische Zusammenfassung der Migrationsgeschichte Deutschlands seit 1945
3. Details zu einzelnen Migranten-Gruppen
3. 1 Die Gruppe der Arbeitsmigranten („Gastarbeiter“)
3. 2 Die Gruppe der Aussiedler
4. Aspekte der Eingliederung
5. Migranten auf dem Arbeitsmarkt
6. Zukunftsprognose der Einwanderung
7. Fazit
Literaturverzeichnis
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Wanderungsprozesse sind gekennzeichnet durch ein komplexes Ursachen- und Wirkungsgefüge. Dieses bezieht nicht nur den Migranten selbst ein, vielmehr bestehen auch Wechselwirkungen mit den betroffenen Regionen, also der Herkunfts-, sowie der Zielregion. Im Zentrum dieser Arbeit sollen die Auswirkungen von Wanderungen nach Deutschland auf die deutsche Gesellschaft sowie auf die einzelnen Migrantengruppen stehen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Gruppen der Arbeitsmigranten („Gastarbeiter“) und der Aussiedler gesetzt.
Nach einer Definition von TREIBEL (1999) ist „Migration der auf Dauer angelegte, bzw. dauerhaft werdende Wechsel in eine andere Gesellschaft, bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“. Als die beiden Hauptursachen der Migration sieht TREIBEL zum einen die Suche nach Arbeit und zum anderen den Schutz vor Verfolgung.
Um Migration weiter differenzieren zu können, lassen sich bestimmte Typologien von Wanderungen entwickeln: Differenziert man die Wanderungen räumlich, so lassen sich Binnen-wanderungen und internationale Wanderungen unterscheiden. Eine zeitliche Differenzierung unterscheidet zwischen begrenzter / temporäre Wanderung (etwa bei Saisonarbeitern) und dauerhafter Wanderung. Auch bei der Wanderungsentscheidung läßt sich zwischen freiwilliger und erzwungener Wanderung unterscheiden. Schließlich unterscheidet die Literatur auch zwischen Einzelwanderungen, Gruppenwanderungen und Massenwanderungen. All diese Typologien haben jedoch, mit Ausnahme der räumlichen Differenzierung, fließende Übergänge und lassen sich häufig nicht klar von einander unterscheiden.
Eine mehr quantitativ orientierte Herangehensweise der Kennzeichnung und auch Abgrenzung bestehender Wanderungsprozesse lässt sich mittels mathematischer Operationen durch die Ermittlung der Wanderungshäufigkeit, bzw. der -effektivität erreichen: Bezüglich der Wanderungshäufigkeit lässt sich beispielsweise das Wanderungsvolumen (Zuzug+Wegzug), die Wanderungsbilanz (Zuzug-Wegzug), die Wanderungsrate (Zuzug-Wegzug bezogen auf 1.000 E) berechnen. Die Effektivität von Wanderungen wird durch den Quotienten aus Wanderungsbilanz und Wanderungsvolumen bestimmt und nimmt einen Wert von -1 bis +1 an. Häufig werden diese
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Wert auch nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. Frauen, Menschen unter 20 Jahren, etc.) errechnet. Dies nennt man dann „ spezielle Mobilitätsziffer“ .
Als besonders schwierig hat sich in der Bevölkerungswissenschaft die umfassende Erklärung der Ursachen von Wanderungen erwiesen. Als einer der ersten hatte RAVENSTEIN (1885) in seinen Migrationsgesetzen festgestellt, dass die Mehrzahl der Wanderer nur über kurze Distanz wandert. Später wurde dies von zahlreichen Autoren aufgegriffen und zu sogenannten Distanzmodellen umformuliert, wonach die räumliche Entfernung zwischen Herkunfts- und Zielregion der entscheidende Faktor ist: Je kürzer die Distanz zwischen zwei Orten ist, desto mehr Wanderungen finden statt.
Umfassender und letztlich überzeugender ist die sogenannte push-pull Theorie. Sie bezieht sich auf das Zusammenwirken von Faktoren der Vertreibung aus dem Heimatland (push-Faktoren) und Anziehungsfaktoren des Ziellandes (pull-Faktoren). Zentraler Ansatzpunkt des Modells sind Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt der beteiligten Länder. Demnach bilden Unterschiede in der Beschäftigungssituation und im Einkommen entscheidende Gründe, die Menschen in Gebiete wandern lassen, die für sie in dieser Hinsicht günstiger sind.
In dieser deterministischen Form fand diese Modell zahlreiche Kritiker, die insbesondere das Fehlen der Individualität und Subjektivität des Migranten bemängelten. So kann das Modell nicht erklären, warum manche Menschen, die in ganz ähnlichen sozio-ökonomischen Verhältnissen lebten, abwanderten und andere nicht.
Verhaltensorientierte Modelle betonen gerade dieses Moment der Persönlichkeit des Migranten. So seien Persönlichkeitsmerkmale des potentiellen Migranten wie Risikobereitschaft und den Willen Neues auszuprobieren sehr entscheidend, ob letztlich gewandert wird oder nicht. Ferner spielt die subjektive Wahrnehmung und Bewertung scheinbar objektiver Faktoren durch den potentiellen Migranten eine wichtige Rolle.
Aktuelle constraints-Modelle berücksichtigen überdies noch, dass Wanderungsentschlüsse in der Regel bestimmten Einschränkungen unterliegen, etwa politischen Restriktionen, Kriegen oder auch ökonomischen Beschränkungen.
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Es wird deutlich, dass der Entschluß zu wandern von einem ganzen Bündel von Faktoren abhängig sein kann und sich somit keinesfalls linear beschreiben läßt. Aus diesem Grund sind zukünftige Wanderungen auch quantitativ so schwer abzuschätzen. Neuere Veröffentlichungen (u.a. TREIBEL 1999) gewichten insbesondere das Bestehen oder Nichtbestehen eines Beziehungs- und Informationsnetzwerkes stark. Demnach wird das Zielland der Migranten weniger nach objektiven Kriterien ausgewählt, vielmehr wandern Migranten häufig in das Land wo sie durch Freunde oder Verwandte bereits eine erste Anlaufadresse haben. Ferner entwickelt sich durch direkte Informationskanäle häufig eine Eigendynamik des Wanderungsstroms und es kann zu Kettenwanderungen kommen. Dabei spielt Mundpropaganda und idealisierte Vorstellung von den Verhältnissen im Aufnahmeland eine wichtige Rolle, die durch Berichte bereits ausgewanderter Bekannter genährt wird.
Mit Abstrichen gilt dies nicht nur für Arbeitsmigranten, sondern auch für Flüchtlinge, die, sofern sie die Wahl haben, ebenfalls in Länder flüchten, in denen sie bereits Freunde oder Verwandte haben.
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Im folgenden möchte ich nun kurz den chronologischen Ablauf der Einwanderungsphasen in die Bundesrepublik schildern. In der jüngsten Migrationsgeschichte der Bundesrepublik seit 1945 lassen sich wenigstens 6 Phasen mit charakteristischen Zu- und Abwanderungsbewegungen unterscheiden, die durch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren hervorgerufen wurden und ihrerseits wiederum Einfluß auf die weitere Entwicklung nahmen.
y Die Nachkriegsjahre ab 1945 bis Anfang der 50ziger Jahre sind bestimmt durch intensive
Wanderbewegungen. So kam es zur Abwanderung nicht-deutscher Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge sowie zum Zuzug meist deutschstämmiger Flüchtlinge und Vertriebener auf das Gebiet der Bundesrepublik aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie osteuropäischen Ländern. Insgesamt kamen bis Anfang der 50ziger rund 8 Mio. Deutsche, dies entsprach 16% der damaligen Gesamtbevölkerung. Von 1950 bis 1987 setzt sich der Zuzug auf
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deutlich niedrigerem Niveau (bedingt durch Eisernen Vorhang) fort, erst dann beginnt er wieder sprunghaft zu steigen.
y Nach der Gründung der DDR (1949) bis zum Bau der Berliner Mauer (August 1961) gewann
mit den Übersiedlern aus der DDR eine zweite Gruppe von deuten Migranten die zahlenmäßige Dominanz. In dieser Zeitspanne verließen rund 3,8 Mio. Ostdeutsche ihr Land und wanderten in die Bundesrepublik ein. Die wichtigsten Gründe liegen in der Unzufriedenheit mit dem politischen System, der Anziehungskraft des westdeutschen Wirtschaftswunders sowie in Familienzusammenführungen begründet. Die Eingliederung gelang, wie auch in den Jahren zuvor, sehr gut, was zu einem großen Teil im wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik zu dieser Zeit begründet liegt.
y Bedingt durch dieses „ Wirtschaftswunder“ wuchs der Arbeitskräftebedarf stark an. Nach dem
erliegend des Ost-West-Migrantenstromes mit der Schließung der Grenze durch die DDR begann die Bundesrepublik daher ab den 60er Jahren mit der Anwerbung von Gastarbeitern aus südeuropäischen Ländern. Hierzu wurden mehrere bilaterale Abkommen geschlossen (zunächst Italien (1955), später Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien (1960 bis 1968)). Diese Gastarbeiter wurden mit der zunächst von beiden Seiten getragenen Vorstellung eines temporären Arbeitsaufenthaltes ins Land geholt. Es entwickelte sich ein sogenanntes „ Rotationsprinzip“ mit hohen Zu- und Fortzügen (500.000 und mehr pro Jahr). Die Phase der Anwerbung endete im Oktober 1973 mit Beginn der Ölkrise, die eine deutliche wirtschaftliche Rezession verursachte. Zu diesem Zeitpunkt wohnten rund 4 Mio. Ausländer in Deutschland, wobei die größten Gruppen die Türken, die Jugoslawen und die Italiener bildeten. Vor Beginn der Anwerbephase lag die Zahl bei rund 600.000 Ausländern.
y In der folgenden Jahren ab 1973 plante die Regierung eine Konsolidierung der Ausländer-
beschäftigung und damit eine Verringerung der in Deutschland lebenden Ausländer. Es zeigte sich jedoch, dass der Anwerbestopp unababsichtigt den Entschluß vieler Migranten sich dauerhaft in Deutschland niederzulassen fundamentierte. Sie wissen, bei einer Rückkehr in ihre Heimatländer hätten sie keine Möglichkeit der erneuten temporären Arbeit in Deutschland. In der Folgezeit ging daher die Anzahl der Ausländer nicht zurück, sondern erhöhte sich leicht. Als Ursache wird insbesondere die Möglichkeit des Familiennachzugs sowie die hohe totale Fruchtbarkeitsrate genannt. So lebten 1988 rund 4,5 Mio. Ausländer in Deutschland.
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Arbeit zitieren:
Christoph Ziehm, 2002, Entwicklung, Ursachen und Auswirkungen der Zuwanderung nach Deutschland seit 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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