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Erotik im Mittelalter

Hausarbeit, 2005, 14 Seiten
Autor: Demir Cesar
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Details

Veranstaltung: Emotionen und Erfahrungswelten im Mittelalter
Institution/Hochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover (Historisches Seminar)
Tags: Erotik, Mittelalter, Emotionen, Erfahrungswelten, Mittelalter
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 14
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V76153
ISBN (E-Book): 978-3-638-88502-7

Dateigröße: 108 KB

Zusammenfassung / Abstract

Bei den Wörtern Erotik und Mittelalter handelt es sich laut Arnaud de la Croix, dem Verfasser der Schrift „Liebeskunst und Lebenslust im Mittelalter“, um einen sprachlichen Anachronismus . Das Lustempfinden und die damit zugehörige sexuelle Komponente innerhalb des Wortes “Erotik“ tritt erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Europa auf. Das Wort “Erotik“ stammt von dem griechischen Liebesgott Eros ab, Sohn der Aphrodite und des Ares. Trotzdem muss sich die Begriffsdefinition auf eine Entwicklung hinstützen, woraus unser Verständnis des Wortes “Erotik“ sich entwickelt hat und diese fand im Mittelalter und teilweise auch schon in der Antike statt. Mittelalterliche Erotik ist in seinen Facetten und seinen unterschiedlichen Auffassungen sehr komplex und ich werde mit Sicherheit auch nur einen kleinen Teil von den verschiedenen Ausprägungen, die sich unter Anderem in den kulturellen Ausdrucksformen Lyrik und Volkserzählungen widerspiegeln, erfassen. Es treten eine Vielzahl von verschiedenen Meinungen und Quellen aufeinander, die es schwer machen die Erotik als einen einheitlichen Begriff zu verstehen. Die höfische Liebe trifft auf bäuerliche Liebesauffassungen, die sich zum Teil als sehr derbe beschreiben lassen. Schriften wie „De Amore“ von Andreas Capellanus oder der zweite Teil des „Rosenromans“ von Jean de Meun, die eine Art Liebesratgeber des Mittelalters darstellen, stoßen auf moralische Empörung von Seiten der Kirche, aber auch gegen eine sich entwickelnde emanzipatorische Meinung wie zum Beispiel von Christine de Pizan , die sich gegen eine verteufelnde Darstellung der Frau in der Dichtkunst ausspricht. Das Profane in der Verbildlichung von sexuellen Handlungen stößt auf das Heilige. Somit scheint als erstes die Vorstellung gebrochen zu sein, das Mittelalter und die erotische Liebe seien zwei sich ausschließende Begriffe. Vielmehr wird sich diese Auffassung zum Ende meiner Arbeit insoweit in Luft auflösen, da die mittelalterlichen Ansichten über Liebe, Erotik und Sexualität eine auf die heutige Zeit einflußnehmende Stellung einnehmen können.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Hannover, Historisches Seminar
Seminar: Emotionen und Erfahrungswelten im Mittelalter
Wintersemester 2004/ 2005, Fachsemester: 5

Erotik im Mittelalter

von

Demir Cesar

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 3

1.1 Liebe... 3
1.2 Erotik... 5
1.3 Sexualität... 6

2. Liebe und Erotik in der Dichtkunst... 7

2.1 Trobador... 8
2.2 Minnesang... 9
2.3 Fabliaux oder Märendichtung... 11

3. Abschluss... 12

4. Quellen und Literaturverzeichnis... 14

4.1 Quellenverzeichnis... 14
4.2 Literaturverzeichnis... 14


 

1.0 Einleitung

Bei den Wörtern Erotik und Mittelalter handelt es sich laut Arnaud de la Croix, dem Verfasser der Schrift „Liebeskunst und Lebenslust im Mittelalter“, um einen sprachlichen Anachronismus1. Das Lustempfinden und die damit zugehörige sexuelle Komponente innerhalb des Wortes “Erotik“ tritt erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Europa auf. Das Wort “Erotik“ stammt von dem griechischen Liebesgott Eros ab, Sohn der Aphrodite und des Ares. Trotzdem muss sich die Begriffsdefinition auf eine Entwicklung hinstützen, woraus unser Verständnis des Wortes “Erotik“ sich entwickelt hat und diese fand im Mittelalter und teilweise auch schon in der Antike statt. Mittelalterliche Erotik ist in seinen Facetten und seinen unterschiedlichen Auffassungen sehr komplex und ich werde mit Sicherheit auch nur einen kleinen Teil von den verschiedenen Ausprägungen, die sich unter Anderem in den kulturellen Ausdrucksformen Lyrik und Volkserzählungen widerspiegeln, erfassen. Es treten eine Vielzahl von verschiedenen Meinungen und Quellen aufeinander, die es schwer machen die Erotik als einen einheitlichen Begriff zu verstehen. Die höfische Liebe trifft auf bäuerliche Liebesauffassungen, die sich zum Teil als sehr derbe beschreiben lassen. Schriften wie „De Amore“ von Andreas Capellanus oder der zweite Teil des „Rosenromans“ von Jean de Meun, die eine Art Liebesratgeber des Mittelalters darstellen, stoßen auf moralische Empörung von Seiten der Kirche, aber auch gegen eine sich entwickelnde emanzipatorische Meinung wie zum Beispiel von Christine de Pizan2, die sich gegen eine verteufelnde Darstellung der Frau in der Dichtkunst ausspricht. Das Profane in der Verbildlichung von sexuellen Handlungen stößt auf das Heilige. Somit scheint als erstes die Vorstellung gebrochen zu sein, das Mittelalter und die erotische Liebe seien zwei sich ausschließende Begriffe. Vielmehr wird sich diese Auffassung zum Ende meiner Arbeit insoweit in Luft auflösen, da die mittelalterlichen Ansichten über Liebe, Erotik und Sexualität eine auf die heutige Zeit einflußnehmende Stellung einnehmen können.

1.1 Liebe

Platon schrieb schon 300 v. Chr. eine Schrift zum Thema Liebe nieder: „ Das Gastmahl“, oder wie die antiken Kritiker sie auch nannten „Über die Liebe“. Dieser philosophische Text, der als Rahmenhandlung ein Essen „bei dem Kämpfer Agathon“3 beinhaltet, lässt auch einige philosophische Erläuterungen zum Thema Liebe zu.
Als erstes stellen die Anwesenden fest, daß eine Ungleichheit besteht in der Intensität der Gefühle unter den Liebenden und das der eine Liebende den Geliebten für sich erwählt haben muss.4 Dieses Modell findet sich auch in der so genannten höfischen Liebe des Mittelalters wieder, auf die ich später kommen werde. Zudem unterscheidet der platonische Dialog5 den Körper und die Seele der Liebe. Die Liebe, die alleine auf der “Fleischeslust“ einer anderen Person beruht, ist die Liebe des Volkes und nur die „edle Liebe“ geht von der „Schönheit der Seele“6 aus. Interessanterweise besitzt das Gespräch auf der Grundlage des Geschlechts, der sich liebenden Personen, einen homosexuellen Charakter, da der „Liebende ein Mann reiferen Alters ist und sein Favorit jung und bartlos“.7
Dieses hängt auch damit zusammen, das die tiefe Männerfreundschaft (amicitia) das ursprüngliche Gefühl der Liebe darstellt, während de la Croix die heterosexuelle Liebe erst im 12. Jahrhundert, aus der “amicitia“ herausentwickelt, als existent betrachtet. Frank Meier geht jedoch davon aus, das „die Liebe nicht erst im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Minnegesang “entdeckt“ wurde, da Liebe sich nicht zwangsläufig an Quellen und Schriftlichkeiten binden lässt, sondern sie hat es immer gegeben“.8

[...]


1 Croix, Arnaud de la, S. 6

2 Anm. Bei der zeitgenössischen Diskussion des umstrittenen „Rosenromans“ von Jean de Meun kritisiert Pizan (Ende des 13.Jahrhunderts) die Misogynie in der Dichtkunst. Ihrer Ansicht nach haben Frauen die gleichen Gefühle, Sehnsüchte und Ängste in der Liebe.

3 Croix, Arnaud de la, S. 15

4 Croix, Arnaud de la, S. 15

5 Croix, Arnaud de la, S. 15

6 Croix, Arnaud de la, S. 16

7 Croix, Arnaud de la, S. 15

8 Meier, Frank S. 15


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