Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
I Einleitung 3
II Die drei Dimensionen der Montessori Pädagogik 3
religiöse Komponente 3
naturwissenschaftliche Komponente 4
utopische Komponente 5
Zusammenfassend 6
III Lern und Entwicklungsprozesse 6
Polarisation der Aufmerksamkeit 6
vorbereitete Umgebung 7
Material 7
Zusammenfassend 8
IV Die sensiblen Phasen eine Entwicklungstheorie 8
4.1. Definition des Begriffes 8
4.2. Phase I (0 6 Jahre Zäsur bei 3): Das Kleinkindalter 10
4.2.1. Teilphase 0 3 Jahre 10
allgemein 10
sensible Phasen 10
Realisation 11
4.2.2. Teilphase 3 6 Jahre 12
allgemein 12
sensible Phasen 12
Realisation 13
4.3. Phase II (6 12 Jahre): Die Kindheit 15
allgemein 15
sensible Phasen 15
Realisation 16
4.4. Phase III (12 18 Jahre Zäsur bei 15): Das Jugendalter 17
allgemein 17
sensible Phasen 18
Realisation 19
4.5. Phase IV (18 24 Jahre): Das Reife Erwachsenenalter 21
V Schluss 22
Literaturangaben 23
2
I. Einleitung „Es wäre widersinnig anzunehmen, dass gerade der Mensch [...] als einziger keinen Plan seelischer Entwicklung in sich tragen sollte (...)“ Die Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870-1952) gilt auch heute noch als eine der einflussreichsten Reformpädagogen, was sich wohl auch daran sehen lässt, dass die Errichtung und Umbildung von Montessori Kinderkrippen, Kindergärten oder (weiterführenden) Schulen unaufhaltsam fortschreitet. Montessori kreierte zu ihren Lebzeiten aber nicht bloß eine veränderte Schule, sondern begründete all ihre pädagogischen Maßnahmen mit einer in sich geschlossenen Entwicklungstheorie.
In der vorliegenden Arbeit wird nun diese Entwicklungstheorie und ihre konkrete Realisation in der Pädagogik untersucht und beschrieben werden. Bevor aber damit begonnen werden kann, müssen zuerst einige Grundannahmen/-thesen Maria Montessoris’ angesprochen werden. Um gewisse Elemente der Montessori Pädagogik verstehen zu können (v.a. was die Realisation angeht) werden zunächst einmal die drei Dimensionen ihrer Pädagogik vorgestellt. Es folgt darauf ein Part, in dem es um die Erörterung immer wiederkehrender Elemente der Montessori Pädagogik geht. Hier wird vor allem der Frage nachgegangen, wie nach Montessori ein Kind überhaupt lernen und sich somit entwickeln kann. Der Hauptteil dieser vorliegenden Arbeit beschäftigt sich aber intensiv mit Maria Montessoris’ Theorie der „sensiblen Phasen“ und deren konkreten Konsequenz und Realisation für die pädagogische Institutionen und Instanzen. Dies geschieht vor allem deshalb, weil Montessori – im Gegensatz zu anderen „Entwicklungstheoretikern“ – nicht „bloß“ eine reine Theorie aufstellte, sondern sich auch intensiv mit deren Verwirklichung beschäftigte.
Die Arbeit gibt somit Antwort auf die Fragen, wie eine Entwicklung vom Kleinkind zum jungen Erwachsenen vor sich geht und wie man mit Hilfe dieser Kenntnis die Entwicklung des Kindes im Sinne Montessoris’ bestmöglich fördern kann.
II. Die drei Dimensionen der Montessori Pädagogik:
religiöse Komponente
„Das Geheimnis der Erziehung ist, das Göttliche im Menschen zu erkennen und zu beobachten[...] zu lieben und ihm zu dienen; zu helfen und mitzuarbeiten von der Position des Geschöpfes und nicht des Schöpfers.“ (Montessori 1988a: 18/19) Maria Montessori, die selbst sehr religiös erzogen wurde, bezieht religiöse (später auch „mystische“) Elemente in ihre Anthropologie mit ein.
3
Zuallererst ist das Kind für sie ein Geschöpf Gottes, weshalb es auch Würde, das Recht auf sein Selbst und Anspruch auf Liebe hat 1 . Das Kind und insbesondere die Seele des Kindes gilt als „das Wunder, das Gott von Beginn an geschaffen hat“ 2 (Waldschmidt: 37). Montessoris’ Ansichten gehen noch weiter: In ihrem Buch „Kinder, die in der Kirche leben“ sagt sie unter anderem: „Wer so das Kind betrachtet, wird vor Ehrfurcht zittern, denn er sieht in ihm Gott“ (Montessori 1995: 39-43). Folglich wirkt in dem Kind auch „der Geist und die Weisheit Gottes“ und diesen Geist manipulieren oder nach eigenen Maßstäben formen zu wollen, würde eine Tat gegen Gott selbst bedeuten. Aufgabe der Erzieher und Pädagogen ist es folglich also, dem Kind zu helfen, seine gottgegebenen Talente, Kräfte und „Potentialitäten“ zu entfalten, und nicht das Kind zu formen. Passend hierzu ist auch der Wohl meistzitierteste Satz, den Montessori ihren Kindern in den Mund gelegt hat: „Hilf mir, es selbst zu tun!“. Oftmals wurde Montessori die „Vergöttlichung“ des Kindes vorgeworfen. Dem ist entgegenzusetzen, dass sie sich niemals innerhalb ihrer Pädagogik auf eine bestimmte Religion festlegte und ihre pädagogischen Einrichtungen prinzipiell für alle Kinder weltweit, gleich welchen Geschlechts, Rasse oder Religion sie zugehören, offen standen und immer noch stehen.
Eine zusätzliche, religiös anmutende Komponente, ist die des Positivismus: Laut Montessori ist der Mensch von Geburt an gut (vgl. Waldschmidt: 37) und alle „Abnormalitäten“ sind von der Umwelt (v.a. der Gesellschaft) verursacht.
Zusammenfassend lassen sich die religiösen Axiome also folgendermaßen: Das Kind bei Montessori ist von Geburt an „gut“, weil göttlich 3 .
naturwissenschaftliche Komponente
„Das Kind ist Baumeister seiner selbst.“ „Wie jede Keimzelle bereits den Bauplan des ganzen Organismus in sich trägt [...], so enthält jedes neugeborene Lebewesen[...] in sich den Bauplan jener psychischen Instinkte und Funktionen, die das Wesen instand setzen sollen, zur Außenwelt in Beziehung zu treten. [...]Die Tatsache, dass das menschliche Neugeborene nicht wie das tierische von allem Anfang an von festen und unabänderlichen Leitinstinkten beherrscht wird, ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch ein gewisses Maß an Handlungsfreiheit besitzt.“ (nach: Fuchs: 56f)
1 ausgegangen wird im Folgenden immer von Maria Montessoris’ Sicht der Dinge, weshalb auch – um den Lesefluss nicht unnötig zu stören – auf den Konjunktiv verzichtet wird. Das bedeutet aber nicht den Absolutheitsanspruch Montessoris’ Theorien.
2 vgl. dazu auch Montessori 1988a: 14-30.
3 vgl. dazu: Montessori (1995): Gott und das Kind, Freiburg sowie Oswald: 173-182.
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Als Medizinerin vereinigte Maria Montessori in ihrer Entwicklungstheorie vielfältigste naturwissenschaftliche Komponenten: Montessori geht von einem inneren Bauplan des Kindes aus, in dem gewisse Entwicklungs- und Reifepotentiale gespeichert sind. Das Kind besitzt also von Geburt an gewisse „Potentialitäten“, die aber nur durch Interaktion mit der Umwelt (zu einem bestimmten Zeitpunkt 4 ) zum Vorschein kommen. Das Kind kann somit, indem es diese Interaktionen aufnimmt, als „Baumeister seiner selbst“ bezeichnet werden. Als Beispiel kann der Spracherwerb (oder das Erlernen bestimmter motorischer Fähigkeiten wie Laufen oder Schwimmen) dienen: Ein Neugeborenes ist in der Lage im Laufe seiner Kindheit eigentlich jede Sprache zu lernen. Aber erst in der Interaktion mit der (meist einsprachigen) Umwelt, entfaltet das Kind dieses Potential. Diese Theorie wird heute vielfach von der Neurobiologie und der Genetik bestärkt (Fuchs: 52).
Hier wird deutlich, dass Montessori sich von einer allzu biologischen Entwicklungstheorie abgrenzt (alles wird vom Bauplan bestimmt), aber trotzdem auf einen bloßen „behavioristischen“ Ansatz (alles ist Ergebnis der Interaktion mit der Umwelt) verzichtet. Vielmehr kann Montessoris’ Entwicklungstheorie als Kompromiss bzw. als Zusammenstellung dieser beiden Grundpositionen gelten. Zusammenfassend kann gesagt werden: Der Mensch hat schon gewisse Anlagen (Potentiale) von Geburt an, welche aber erst in der Interaktion mit der Umwelt eine bestimmte Richtung einschlagen bzw. sich entwickeln. Aufgabe innerhalb der Montessori Pädagogik ist es also eine geeignete Umgebung für das Kind zu schaffen, in der es seine Potentialitäten entdecken und frei entfalten kann.
Eine weitere naturwissenschaftliche Komponente ist zweifellos Montessoris’ Methode: So kommt bei ihr – gemäß ihres Medizinerberufes – immer erst die Beobachtung, die Diagnose und dann erst die Behandlung, sprich die Didaktik. So entwickelte sie ihre Theorien und so fordert sie auch den pädagogisch sinnvollen Umgang mit dem Kind. Dass dabei vor allem die körperliche und seelische Betätigung und Gesundheit des Kindes im Vordergrund stehen, darf nicht weiter verwundern 5 (Montessori 1972: 134-147).
utopische Komponente
„Unsere Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit beruht ganz auf der Seele des Kindes, jenes Kindes, das sich in Freiheit hat entfalten können.“ (M.M., Vortrag Universität Berlin, 1922)
4 siehe dazu: die sensiblen Phasen.
5 vgl. dazu später die vielfältigen motorischen Übungen in den einzelnen Entwicklungsphasen.
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Endziel der Erziehung im Sinne der Montessori Pädagogik ist das Erlangen von Frieden, wobei Montessori sich gegen einen negativen Friedensbegriff 6 wehrt. Sie selbst sagt, dass es Aufgabe der Erziehung ist, den Frieden aufzubauen (Montessori 1989: 43). Dabei war Montessori vor allem wichtig, dass der Frieden nicht bloß gepredigt sondern praktiziert und vorgelebt werden muss; und dies im Besonderen im kleinen Rahmen wie beispielsweise in der Beziehung zwischen den Erwachsenen und den Kindern (ebd.: 51). Quintessenz ist: Nach Montessori ist jedes Neugeborene eine neue Chance auf Frieden. Dieses utopische 7 Ziel sei der eigentliche Zweck und Grund ihrer Pädagogik. So ist auch heute noch auf ihrem Grabstein zu lesen:
„Ich bitte die lieben Kinder, die alle Möglichkeiten haben, mit mir zusammen am Aufbau des Frieden in den Menschen und in der Welt zu arbeiten.“ 8
Zusammenfassend
In der Montessori Pädagogik und somit auch in ihrer Entwicklungstheorie sind religiöse (Kind ist göttlich), naturwissenschaftliche (angeborene Potentiale und Umwelteinflüsse entsprechen der Entwicklung des Kindes) und utopische (jedes Neugeborene ist Chance auf Weltfrieden) Elemente miteinander vermischt. (vgl. vor allem Fuchs: 11-51, 52-93, 94-118)
III. Lern und Entwicklungsprozesse 9
Voraussetzung zum Lernen und somit auch zur Entwicklung des Kindes ist eine vorbereitete Umgebung mit entsprechendem Material, das die Kinder befähigt die Polarisation der Aufmerksamkeit zu erreichen. Erst dann ist ein neuer Erkenntnisgewinn und die Assimilation mit bereits Erlerntem wirklich möglich. Um die Arbeitsweise der Montessori Pädagogik genauer zu verstehen, müssen oben genannte Begriffe zuerst einmal kurz beschrieben werden. Eine ausführliche und vollständige Definition dieser Komponenten der Montessori Pädagogik ist hier nicht vorgesehen.
Polarisation der Aufmerksamkeit 10
Als Polarisation der Aufmerksamkeit wird ein Phänomen der tiefen Konzentration auf einen Gegenstand bezeichnet, welches Montessori bei Kindern beobachtet hatte. Kennzeichnend 6 negativer Frieden ist die bloße Abwesenheit von Krieg.
7 Montessori selbst sprach nie von Utopie, sondern von Wirklichkeit.
8 zum umfassenderen Blick zum Thema „Erziehung zum Frieden“ vgl. Oswald: 115-128, Montessori 1989: 9-98. 9 die hier folgende Erörterung wichtiger Begriffe in der Montessori Pädagogik dient dazu, den Lesefluss später durch langwierige Erklärungen nicht zu belasten.
10 ausführlich: Montessori 1976: 145-160; Waldschmidt: 50f; Oswald: 17-24; Fuchs: 75-79 sowie Helming: 5360.
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Arbeit zitieren:
Christoph Koch, 2004, Die 'sensiblen Phasen' - Die Entwicklungstheorie Maria Montessoris und deren konkrete pädagogische Realisation in Montessori-Einrichtungen , München, GRIN Verlag GmbH
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