Ruprecht-Karls Universität Heidelberg, Institut für Soziologie
Proseminar: Modernisierungstheorien
Wintersemester 2004/2005
Globalisierung und Kultur
von
Seán McGinley
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Die Tradition des kulturtheoretischen Diskurses in der Moderne 3
1.2. Der Begriff und die Bedeutung der Globalisierung in der kulturtheoretischen Diskussion 6
2. Ritzers Theorie der McDonaldisierung 8
2.1. Grundzüge der McDonaldisierungstheorie 8
2.2. Vor- und Nachteile der McDonaldisierung 9
2.3. McDonaldisierung, Globalisierung und Amerikanisierung 10
3. Globalisierung und Amerikanisierung 12
3.1. Globalisierung und Amerikanisierung als Gegensätze 12
3.2. Gründe für die Amerikanisierung und mögliche Folgen 13
3.3. Kritik an Theorien des Kulturimperialismus 15
4. Mike Featherstone: „Glokalisierung“ und kulturelle Komplexität als Mittelweg zwischen Metakultur und Kulturimperialismus 16
4.1. Historische und theoretische Ursprünge von Featherstones Theorie 16
4.2. Veränderungen gesellschaftlicher Rollen und Vorstellungen von der Kultur 19
5. Schlussbetrachtung 20
6. Literatur 23
1. Einleitung
In dieser zweiteiligen Einleitung wird das Themenfeld dieser Arbeit abgegrenzt und erläutert. Dabei wird die Bedeutung der beiden Elemente, aus denen sich der Themenbereich zusammensetzt, nämlich Kultur und Globalisierung, vorgestellt und ihre Beziehung zu einander aufgezeigt. In der Einleitung wird kurz auf die historischen Wurzeln dieser Themenbereiche eingegangen, und der Aufbau der weiteren Arbeit, in dem drei Hauptströmungen der kulturtheoretischen Theorie dargestellt und verglichen werden, vorgestellt und erklärt.
1.1. Die Tradition des kulturtheoretischen Diskurses in der Moderne
Die Auswirkungen einer sich verändernden Welt auf die Kultur und die Implikationen für das Verhältnis der Menschen zur Kultur stellen einen Themenkomplex dar, der in den letzten Jahrzehnten vor dem Hintergrund des als Globalisierung bekannten Phänomens an Bedeutung gewonnen hat. Dennoch ist diese keine gänzlich neue Fragestellung. Einige der aktuellen Autoren, deren Beiträge zu dieser Diskussion in dieser Arbeit behandelt werden, haben auf diesen Umstand hingewiesen, und stellen den Theoretikern des Postmodernismus Beispiele entgegen, die belegen dass die Veränderungen und Probleme in Bezug auf das Verhältnis der Kultur zum Menschen in einer komplexer und differenzierter werdenden Welt nicht erst in der unmittelbaren Vergangenheit aufgetreten sind, sondern vielmehr Charakteristika der Moderne sind (und teilweise schon vorher zu beobachten waren), die schon Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden und die Arbeit von Autoren wie Georg Simmel, Walter Benjamin, W.B. Yeats oder James Joyce beeinflussten.1
Zur Einführung zum Thema dieser Arbeit sind die Ausführung Simmels von besonderem Interesse. Simmel verstand die Kultur (bzw. ein gegebenes kulturelles Objekt) als ein durch das Geist geschaffenes selbständiges Objekt, das zur Eigenentwicklung prädestiniert ist, jedoch immer noch Kräfte des Subjekts (d.h. des Menschen, der das Objekt geschaffen hat) verbraucht und weitere Subjekte in ihre Bahn reißt, obwohl die Subjekte nicht mehr den Weg gehen können den das Objekt nimmt.2 Daher ist die Entfremdung des Menschen von dem kulturellen Objekt unvermeidlich. Simmel beschäftigt sich nicht mit den historischen Ursachen dieser Entwicklung, sondern konzentriert sich auf Feststellungen und Beschreibungen vorhandener Phänomene. Dabei betont er, dass die Entfremdung vom Objekt kein exklusives Phänomen der Moderne ist –ihre historische Genese liegt, so Simmel, im Dunkeln.3
Durch diesen offensichtlichen Zustand entsteht das „Stahlharte Gehäuse“ von dem Max Weber schreibt4 - ein Metapher, dass auch in der McDonaldisierungstheorie von George Ritzer eine wichtige Rolle spielt – auch wenn die Zulässigkeit dieser Anwendung von Webers Gedankengebäude durch Ritzer von Kritikern in Frage gestellt wurde.5
Während Simmel jegliche Versuche, Programme zur Überwindung des Widerspruchs der Entfremdung der Menschen von der (zum Überleben unverzichtbaren) Kultur ablehnt,6 stellen die hier behandelten Autoren die Fragen deutlich offener: welche Auswirkungen hat die fortschreitende Globalisierung auf die Kultur? Sind diese Entwicklungen zu begrüßen oder abzulehnen? Welche Möglichkeiten gibt es, auf die Veränderungen zu reagieren, ihren weiteren Verlauf zu beeinflussen, sie aufzuhalten oder gar aufzuhalten? Einige der gängigsten Theorien, die versuchen, Antworten auf diese Fragen zu geben, werden hier vorgestellt. Grob eingeteilt gibt es zunächst zwei Gruppen von Theorien: jene, die von einer neuen globalen Kultur ausgehen, die nicht mit irgend einer bestehenden nationalstaatlichen Kultur identisch ist, und auf der anderen Seiten die Theorien des kulturellen Imperialismus, die vor allem auf den wachsenden Einfluss der USAmerikanischen Kultur in der Welt abheben.
Die McDonaldisierungstheorie von George Ritzer wird als Beispiel für die erste Gruppe von Theorien behandelt. Dies mag auf dem ersten Blick überraschen, setzt man doch vielfach den Begriff der „McDonaldisierung“ instinktiv gerne mit Amerikanisierung und Kulturimperialismus gleich. Ritzer distanziert sich jedoch explizit von solchen Interpretationen seiner Theorien, und betont, dass er die McDonaldisierung als etwas neues versteht, das sich global durchsetzt und Veränderungen bewirkt, eben auch in den USA, und keinesfalls nur bedeutet, dass die bisher in den USA vorherrschende Kultur nun in anderen Gesellschaften Einzug hält.7
Eine besonders reine Form von Kulturimperialismustheorie vertritt Johan Galtung. Für ihn ist der als Globalisierung bekannte Prozess lediglich ein Prozess der Amerikanisierung gewesen. Interessant ist, dass er sich dagegen wehrt, für diesen Prozess den Begriff „Globalisierung“ zu verwenden. Dieser Begriff ist für Galtung normativ besetzt und bedeutet eine positiv verstandene globale Metakultur, die sich organisch herausbilden sollte. Galtung plädiert dafür, Möglichkeiten zu schaffen, damit sich eine solche Globalisierung entwickeln kann.
Schließlich wird ein interessanter Theorieansatz vorgestellt, der versucht, sich zwischen den Alternativen „Globale Kultur“ und „Kulturimperialismus“ zu platzieren. Der Englische Soziologe Mike Featherstone vertritt mit seinen Thesen von kultureller Komplexität und „Glokalisierung“ die Position, dass global vorhandene Einflüsse von einer Lokalität zum anderen unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet werden, und dass deshalb zwar schon Veränderungen der lokalen Kulturen stattfinden, aber eben in einer dialektischen Beziehung mit bereits vorhandenen Kulturelementen. Featherstone spricht daher von „Globalisierungen“ im Plural und bestreitet dass die Globalisierung – sei es durch eine globalen Ausdehnung einer vorhandenen nationalstaatlichen Kultur oder durch Entwicklung einer einzigen globalen Metakultur –eine einheitliche globale Kultur als Auswirkung haben, wird, zumindest nicht in absehbarer Zeit.
1.2. Der Begriff und die Bedeutung der Globalisierung in der kulturtheoretischen Diskussion
[...]
1 Featherstone (2000), 79.
2 Simmel, 249.
3 Jung, 16.
4 Weber (1981), 188f.
5 Bender & Poggi, 21.
6 Jung, 16.
7 Siehe Kapitel 2.3. unten
Arbeit zitieren:
Sean McGinley, 2005, Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
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