Stand der Technik, Entwicklung und Nutzen
von Sendungsauskunftssystemen -
aus Sicht der Logistikdienstleister und des Kunden
Verkehrswirtschaftliches Seminar
Industrie- und Handelslogistik
Fachbereich Wirtschaft 1
Studiengang Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik
Fachhochschule Heilbronn
von Jürgen Englmeier
im Wintersemester 2002/03
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Kurzfassung
1 Logistikdienstleister im heutigen Sprachgebrauch 1
2 Sendungsverfolgung im Zuge steigender Anforderungen 2
3 Tracking und Tracing als Elemente der Sendungsverfolgung 3
4 Darstellung unterschiedlicher Sendungsauskunftssysteme 4
5 Komponenten der Sendungsverfolgung 5
5.1 Standardisierte Nummernsysteme 5
5.1.1 ISO - Standards ISO/ IEC 15394 und 15459 als Grundlage für genormte Nummernkreise 7
5.1.2 Datenstrukturen FACT und EAN 128 8
5.1.3 Eindeutige Transportnummer 9
5.2 Identifikationssysteme im Güterverkehr 11
5.2.1 Barcodetechnologie 11
5.2.2 Transpondertechnologie 12
5.3 Elektronischer Datenaustausch im Tracking und Tracing 13
5.3.1 Datenformate 14
5.3.2 Datenübermittlung 15
6 Sendungsverfolgung aus Sicht der Logistikdienstleister 16
6.1 Sendungsverfolgung der Kurier-, Express- und Paketdienstleister 16
6.2 Sendungsverfolgung der Speditionsbranche 17
6.3 Ein Sendungsauskunftssystem am Beispiel der Dachser GmbH und Co. KG, 87439 Kempten 18
6.4 Nutzen von Sendungsauskunftssystemen 19
7 Tracking und Tracing aus Sicht des Kunden 20
7.1 Zielsetzungen, Nutzen und die wirtschaftliche Bedeutung von Tracking und Tracing 20
7.2 Gesetzlichen Vorschriften für Tracking und Tracing 22
7.3 Bedeutung der Sendungsverfolgung im Internet 22
8 Zukunft des Tracking und Tracing 23
Literaturverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
ADSp Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen
AG Aktiengesellschaft
ANSI American National Standards Institute
bzw. beziehungsweise
CEN European Comittee for Standardization
CCG Centrale für Coorganisation
DV Datenverarbeitung
DVZ Deutsche Verkehrszeitung
EAN internationale Artikelnummer
EDI Electronic Data Interchange
EDIFACT Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EN Europäische Norm
EU Europäische Union
e. V. eingetragener Verein
FACT Federation of Automatic Coding Technologies
f. folgende Seite
ff. fort folgende Seiten
GmbH und Co. KG Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Compagnie Kommanditgesellschaft
GPRS General Packet Radio Service
GSM Global Standard for Mobile Communication
GTL Global Transport Label
OHG Offene Handelsgesellschaft
HIBC Health Industry Business Code
Hrsg. Herausgeber
IEC International Electrotechnical Commission
IDS Interessengemeinschaft der Spediteure
ISO International Standardization Organisation
Kap. Kapitel
KEP Kurier-, Express- und Paket
KG Kommanditgesellschaft
Ltd. Limited
MITL Multi - Industry - Transport - Label
NVE Nummer der Versandeinheit
ODETTE Organisation for Data Exchange by Tele-Transmission in Europe
o. V. Ohne Verfasser
RFID Radiofrequenztechnik
SEDAS Statistica Enterprise-Wide Data Analysis System
SMS Short Message Service
SSCC Serial Shipping Container Code
S. Seite
s. siehe
UCC Uniform Code Council
UMTS Universal Mobile Telecommunications System
UPS United Parcel Service Incorporation
VDA Verband der Automobilindustrie
Vgl. Vergleiche
WAP Wireless Application Protocoll
XML Extensible Markup Language
z. B. zum Beispiel
Kurzfassung
Die Anforderungen der verladenden Wirtschaft an Sendungsauskunftssysteme steigen. Die Unternehmen fordern eine optimale Nutzung von Informationen, um ihre internen Prozessabläufe zu optimieren. Zu unterscheiden sind grundsätzlich aktive und passive, sowie durchgängige und innerbetriebliche Auskunftssysteme. Die Sendungsverfolgung setzt sich aus Tracking und Tracing zusammen. Das Tracking umfasst die Sendungsidentifikation an Schnittstellen, während Tracing die Möglichkeit einer nachträglichen Analyse des Transportablaufs bezeichnet. Folglich bedeutet die Zusammenführung von Tracking und Tracing die Rückverfolgung und Zielsteuerung von Warensendungen und Transporteinheiten. Ein Sendungsverfolgungssystem besteht aus drei Komponenten. Nummern, die eine Transporteinheit kennzeichnen, deren Identifikation und dem elektronischen Datenaustausch.
Den Nummernkreisen liegen Standards und Normen der ISO zugrunde. An 17 Institutionen werden Kennungen vergeben. Diese Institutionen geben Kennungen direkt an die verladenden Unternehmen weiter. An eine solche Kennung wird eine eigene Versandnummer hinzugefügt. So entsteht die weltweit eindeutige Transportnummer
Die Identifikationssysteme im Güterverkehr sind die Barcode- und die Transpondertechnologie. Der Barcode ist Standard, jedoch werden dem Transponder für die Zukunft höhere Chancen eingeräumt. Die dritte Komponente, der elektronische Datenaustausch des Logistikdienstleisters basiert auf strukturierten Daten, die per Mobilkommunikation übertragen werden.
Die KEP - Dienstleister verwenden überwiegend eigene Nummernsysteme. In der Speditionsbranche hingegen vertraut man großteils auf Standards. Die Sendungsauskunftssysteme sind als passiv zu bezeichnen, aber die Entwicklung geht zu aktiven Systemen. Tracking und Tracing wurde von den Logistikdienstleistern hauptsächlich eingeführt, um eigene Prozessabläufe zu optimieren. Doch für alle Beteiligten einer Transportkette sind zahlreiche Vorteile zu erzielen. Aus Sicht des Kunden ist der Hauptansatzpunkt für Sendungsverfolgung die Reduzierung der Lagerbestände, um Kosten zu senken. Eine genauere Planung ist die Folge. Der Kunde benötigt somit zeitnahe Informationen, um die Supply Chain zu optimieren.
So sollen in Zukunft allen Beteiligten einer Supply Chain die gleichen Informationen möglichst aktuell zur Verfügung gestellt werden. Die Optimierung der Planungsgrundlagen ist das Ziel. Die technische Realisation ist aber nur möglich, wenn sich alle Beteiligten in Zukunft auf Standards einigen, um eine firmenübergreifende Sendungsverfolgung zu schaffen. Mit dem Start des Projektes ,,Parcelcall" verfolgt die EU das Ziel eines unternehmensunabhängigen Tracking und Tracing Systems.Als Folge des steigenden Informationsbedarfes wird weiter in Auskunftssysteme investiert. In welchem Umfang, ist eine Frage der Finanzierung, der Nutzenerwartungen und letztendlich der Anforderungen aus der verladenden Wirtschaft.
1 Logistikdienstleister im heutigen Sprachgebrauch
Der Transport von A nach B ist eine bekannte speditionelle Leistung. Doch um den Kunden zufrieden zu stellen, bietet der Spediteur zusätzliche Dienstleistungen an. Im heutigen Sprachgebrauch werden diese als logistische Dienstleistungen bezeichnet, erbracht vom Logistikdienstleister. In der Literatur lässt sich keine allgemeingültige Definition des Logistikdienstleisters finden. Aus diesem Grunde soll im folgenden versucht werden, den Logistikdienstleister anhand der zwei in diesem Begriff verknüpften Wörtern ,,Logistik" und ,,Dienstleistung" zu erklären.
,,Der Begriff Logistik umfasst alle Tätigkeiten, durch die die raum-zeitliche Gütertransformation und die damit zusammenhängenden Transformationen hinsichtlich der Gütermengen und -sorten, der Güterhandhabungseigenschaften sowie der logistischen Determiniertheit der Güter geplant, gesteuert, realisiert oder kontrolliert werden. Durch das Zusammenwirken dieser Tätigkeiten soll ein Güterfluss in Gang gesetzt werden, der einen Lieferpunkt mit einem Empfangspunkt möglichst effizient verbindet."1
Dienstleistungen werden als selbständige marktfähige Leistungen verstanden, die auf die Bereitstellung oder den Einsatz von Potentialfaktoren gerichtet sind. Die Faktokombination des Diensteanbieters vollzieht dabei an einem Diensteobjekt nutzenstiftende Verrichtungen.2 Folglich sind Dienstleistungen durch Immaterialität und Zeitbezug gekennzeichnet.
Die Aufgabe der Logistik ist die bedarfsgerechte Herstellung von Verfügbarkeit. Dabei verändert sie die Koordination bestimmter Bedarfsgegenstände in Zeit und Raum, nicht aber deren physikalische Beschaffenheit.3
,,Die Tätigkeit von Logistikern hat insoweit immer Dienstleistungscharakter."4
Früher war der Spediteur nur für die Transportdurchführung verantwortlich. Heute übernimmt er Aufgaben wie die Verpackung, die Lagerung, das Bestandsmanagement oder unterstützt die Auftragsabwicklung. Der Trend, dem Spediteur kontrollierende und planende Aufgaben zu übergeben, zeigt dessen Entwicklung zum Logistikdienstleister. Eine den Transport begleitende logistische Dienstleistung ist die Sendungsverfolgung.
In der folgenden Ausarbeitung wird ein Überblick über die Funktion, den Stand der Technik, die Entwicklung und den Nutzen der Sendungsverfolgung gegeben werden.
2 Sendungsverfolgung im Zuge steigender Anforderungen
Sendungsverfolgung bedeutet, Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort bzw. Abfertigungsstatus einer Sendung zur Verfügung stellen zu können. Dieser Service wird oft auf Basis moderner Informations- und Kommunikationstechnologien angeboten. Voraussetzung für eine durchgängige Sendungsverfolgung ist die Identifikation einer Sendung an jedem Sammel- und Verteilpunkt.5
Die Identifikation von Sendungen ist Bestandteil der Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp). Punkt 7 verpflichtet den Spediteur, an Schnittstellen ,,die Packstücke auf Vollzähligkeit und Identität, sowie äußerlich erkennbare Schäden und Unversehrtheit von Plomben und Verschlüssen zu überprüfen".6 Arbeitet ein Spediteur auf Basis der ADSp, erfüllt er durch die Sendungsverfolgung auch eine seiner Pflichten.
Der Markttrend zum Einsatz von Sendungsauskunftssystemen wurde von Konzernspeditionen, aber auch durch steigende Verladeranforderungen, gesetzt. Moderne Logistikkonzepte, wie Just - In - Time, E - Commerce und die Entwicklung zu kleineren Sendungsgrößen in engen Zeitfenstern, sind Gründe für die ständig steigenden Anforderungen an die elektronische Datenverarbeitung der Unternehmen.
Aufgrund des Trends zu immer kleineren Pufferbeständen in Industrie und Handel (siehe Kap. 7.1), wird die Qualität der Sendungsverfolgung zu einem Entscheidungskriterium bei der Auswahl eines Logistikdienstleisters. Das steigende Risiko eines Produktionsstillstandes erfordert bezüglich des Status einer Sendung eine hohe Auskunftsfähigkeit des Logistikdienstleisters.
Da sich die Leistungs- und Qualitätsansprüche der an einem Transport beteiligten Partner deutlich erhöht haben, zählen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Termintreue und Flexibilität zu den entscheidenden Leistungskomponenten des Dienstleisters. Demzufolge wird die optimale Nutzung von Informationen zu einem ausschlaggebenden Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens in der Transportbranche.
Diese Entwicklung zeigt, dass Spediteure eine moderne und auf den Kunden zugeschnittene Sendungsverfolgung anbieten müssen, um heute und in Zukunft auf dem Markt bestehen zu können. Mit Innovationen in der Informationstechnologie versuchen Logistikdienstleister, Handel und Industrie die Sendungsverfolgung zu optimieren, um damit ihren individuellen Ansprüchen gerecht zu werden.
3 Tracking und Tracing als Elemente der Sendungsverfolgung
[...]
1 Engelke, M.: Qualität logistischer Dienstleistungen, in Prof. Dr. H.-Chr. Pfohl (Hrsg.): Unternehmensführung und Logistik, S. 38
2 Vgl. Meffert, H., Marketing, 1986, S. 43
3 Vgl. Bretzke, W.-R.: Dienstleistung, logistische, in Bloech, J. (Hrsg.): Vahlens großes Logistiklexikon, 1997, S. 165.
4 Ebenda.
5 Vgl. Städtler - Schumann, M.: Sendungsverfolgung, in Bloech, J. (Hrsg.): Vahlens großes Logistiklexikon, 1997, S. 959.
6 Vgl. http://www.spediteure.de/d/d_2_f_adsp.php vom 26.06.02, 13.26 h.
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Jürgen Englmeier, 2002, Stand der Technik, Entwicklung und Nutzen von Sendungsauskunftssystemen - aus Sicht der Logistikdienstleister und des Kunden, München, GRIN Verlag GmbH
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