Ä(OWHUQVFKDIWLVWKHXWHHLQHVR]LDOH.RQVWUXNWLRQ:HQQVLFKGLH%HGLQJXQJHQlQGHUQ
lQGHUQVLFKDXFKGLH5ROOHQ³
3URI'U'U'U:DVVLOLRV()WKHQDNLV
(Online im Internet: URL: http://www.br-online.de/alpha/forum/vor9903/19990317_i.html Stand 03.10.2001)
Schlägt man im Brockhaus unter dem Begriff ‚Familie’ nach, findet man einen Eintrag, der für den Großteil der heutigen Generation wohl als selbstverständlich erachtet wird: „... das Elternpaar mit den unselbstständigen Kindern als Einheit des Haushaltes.“ (Brockhaus 2000, S.267). Die funktionierende Familie wird als Einheit definiert, wie auch sonst? Betrachtet man hingegen die ältere Wortbedeutung von ‚Vater’, so fällt auf,
(QWZLFNOXQJGHU9DWHUUROOHLQGHUEUJHUOLFKHQ)DPLOLHYRP
2
-DKUKXQGHUWELV]XP-DKUKXQGHUW
dass diesbezüglich Vorstellungen von Recht, Ordnung und Rechtsvertretung zur damaligen Zeit des 18. Jahrhunderts vorherrschten. 1 Synonyme wie ‚Familienoberhaupt’, ‚pater familias’ oder ‚Hausherr’ waren ebenfalls alltägliche Begriffe jener Zeit, in welcher der Mann als Vater über anscheinend weitaus mehr Rechte und Privilegien als heutzutage verfügte. Vergleicht man des weiteren Familienbilder aus damaliger mit denen der heutigen Zeit, so gelangt man unweigerlich zu der Erkenntnis, dass früher nicht nur andere Sitten, Kleidung und Phototechnik vorherrschten, sondern dass der Mann eine vollkommen andere Rolle als Vater spielte. Doch wie kam es denn nun zu einer solchen Differenz? Wie entwickelte sich die Vaterrolle im Laufe der Zeit und warum entwickelte sie sich gerade so? Die vorliegende Arbeit wird und kann nur versuchen, diese Fragen in Teilen zu beantworten. In ihrem Rahmen soll das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der Vaterrolle innerhalb der deutschen, bürgerlichen Familie im Zuge der letzten 250 Jahre näher betrachtet werden. Denn wenn der kausale Zusammenhang ‚Änderung der Bedingungen dann Änderung der Rollen’ (vgl. einleitendes Zitat von Fthenakis, S.2) seine Richtigkeit beweisen sollte, dann würden wir es im folgenden mit einer facettenreichen Vielzahl an sich ändernden Rollenaspekten zu tun bekommen.
Speziell der Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland war keineswegs geprägt durch statische Gesellschaftsformen und stabile Außenbedingungen.
Diese Arbeit dient dazu, bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen, die das Familienleben in einem gewissen Maße beeinflussten, in Hinblick auf die Rolle des Mannes als Vater näher zu untersuchen.
Anhand ausgewählter Epochen, wie etwa die einsetzende Industrialisierung, die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit und die sechziger und siebziger Jahre, soll ihre Form der Auswirkungen auf das Familienleben, genauer auf die Rolle des Vaters, erörtert werden. Unverzichtbar ist also ebenfalls eine Darstellung der Funktion des Vaters in der jeweiligen Epoche, um einen weitläufigen Vergleich zu erzielen und somit Änderungen
1 Weber-Kellermann, Ingeborg: Die deutsche Familie. 4. Aufl. Frankfurt am Main 1978. S. 79 - 80.
(QWZLFNOXQJGHU9DWHUUROOHLQGHUEUJHUOLFKHQ)DPLOLHYRP
3
-DKUKXQGHUWELV]XP-DKUKXQGHUW
hervorzuheben. Als Leitwerk sei hier das Taschenbuch ‚Die deutsche Familie’ von Ingeborg Weber-Kellermann genannt.
Doch zunächst soll zum besseren Verständnis der soziologisch determinierte Begriff der Rolle im folgenden Kapitel genauer untersucht werden.
Kapitel 2: Zum Rollenverständnis
Um sich im folgenden über die weitreichende Bedeutung des Begriffs der Vaterrolle annähernd bewusst zu werden und möglichst viele Facetten in Verknüpfung mit diesem aufzuzeigen, ist es unabdingbar, den soziologisch terminierten Begriff der Rolle näher zu betrachten. Der Begriff Rolle wird im allgemeinen definiert als „... die Summe von Erwartungen und Ansprüchen von Handlungspartnern einer Gruppe (auch Gesellschaft) an das Verhalten und das äußere Erscheinungsbild des Inhabers dieser sozialen Position.“ (Online im Internet: URL: http://www.stud.unihamburg.de/users/brainy/truman/referate/vater.htm Stand: 13.07.2001) Von den Positionsinhabern wird weiterhin erwartet, dass sich aus der Erfüllung der speziellen und jeweiligen Normen regelmäßiges und in dem Sinne auch voraussehbares Verhalten ergibt, auf das sich das Verhalten anderer Menschen, die gleiche oder ähnliche Rollen innehaben, einstellen kann. 2 Hierbei ist es wichtig, eine Unterscheidung hinsichtlich primärer und sekundärer Rollen zu treffen, dass heißt zwischen zum einen statischen und im vornherein der Person zugeschriebenen Rollen und zum anderen erworbenen und dynamischen beziehungsweise flexiblen Rollen. Im Verlauf dieser Arbeit wird deutlich, dass sich interessanterweise gerade die primäre Rolle als Vater nicht als statisch und formlos darstellt, sondern erheblich dem Wandel der Zeit und der Gesellschaft unterliegt.
2 Vgl. Bahrdt, Hans Paul: Schlüsselbegriffe der Soziologie. 8. unver. Aufl. München 2000. S. 67.
(QWZLFNOXQJGHU9DWHUUROOHLQGHUEUJHUOLFKHQ)DPLOLHYRP
4
-DKUKXQGHUWELV]XP-DKUKXQGHUW
Arbeit zitieren:
Oliver Bock, 2001, Die Entwicklung der Vaterrolle in der bürgerlichen Familie vom 18. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Vaterrolle im Wandel der Zeit
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Aggression und Gewalt bei Mädchen und jungen Frauen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 31 Seiten
Elterngeld - eine Maßnahme zur Steigerung der Geburtenrate?
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 47 Seiten
John Dewey - Erziehungstheorie und Pragmatismus
Zwischenprüfungsarbeit, 22 Seiten
Ein kompakter Überblick
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Referat (Handout), 22 Seiten
Die Rolle des Jugendamtes als "Staatliches Wächteramt" bei K...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 34 Seiten
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Seminararbeit, 22 Seiten
Mitarbeiter bei Privatisierungen - Eine Untersuchung zur Privatisierun...
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 23 Seiten
Analyse der Kamerabewegung in TERMINATOR 2: Judgement Day
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Hilfe zur Erziehung - Vollzeitpflege (§§ 27, 33 SGB VIII)
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Berbau und Bergarbeiter in der Industrialisierung - Rolle des Staates ...
Arbeiter in der Industrialisie...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 20 Seiten
Bestimmung der Dienstleistungsqualität
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 13 Seiten
Psychobilly - eine jugendliche Subkultur
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Der islamistische Terrorismus als globales Phänomen
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Hausarbeit, 16 Seiten
Einführung eines Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001:2000 ...
Diplomarbeit, 54 Seiten
Oliver Bock hat den Text Die Entwicklung der Vaterrolle in der bürgerlichen Familie vom 18. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert veröffentlicht
Oliver Bock hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare