Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung 1
2. Krisen und deren Ursachen 3
3. Krisenmanagement 5
4. Unternehmensethik 7
4.1. Unternehmensethik als Alibi 9
4.2. Unternehmensethische Problemfelder 10
4.2.1. Restriktionen im Management 11
4.2.2. Restriktionen aus dem Wirtschaftssystem 12
4.2.3. Organisationsbezogene Restriktionen 13
5. Vom Nutzen ethischer Handlungsweisen in Krisensituationen 15
6. Ansätze ethisch motivierten Krisenmanagements 18
6.1. Der Ethical-Rationality-Ansatz nach Snyder et al : 18
6.2. Ansatz nach King (2002) 22
7. Eine Analyse von Ereignissen aus der betrieblichen Praxis hinsichtlich
Krisenmanagement unter ethischen Aspekten 25
7.1. Beispiele ethischen Verhaltens in Krisensituationen und deren Auswirkungen 25
7.1.1 Der Tylenol-Fall von Johnson Johnson 25
7.1.2 Amoklauf im McDonald s Restaurant 1984 26
7.2. Beispiele unethischen Verhaltens in Krisensituationen und deren Auswirkungen
28
7.2.1 Der Ford Pinto-Fall 28
7.2.2 Der Fall Exxon Valdez 29
8. Zusammenfassende Schlussbetrachtung 31
Literaturverzeichnis 33
Internet-Quellen 35
II
1. Einleitung und Problemstellung
Im vergangenen Jahrzehnt mehrten sich Unternehmenskrisen weltweit, welche von ethisch zweifelhaften Praktiken ausgelöst und getrieben wurden. Sowohl in den Vereinigten Staaten, als auch in Europa wurde in diesem Zusammenhang immer wieder von Krisen berichtet, bei denen Unternehmungen mit Bilanzfälschungen (Enron, EM- TV), Betrugsdelikten im Top-Management (Worldcom, Enron), unsauberen Geschäftspraktiken (Parmalat, BAWAG), Schmiergeldzahlungen (Siemens), exorbitanten Abfindungen (Mannesmann) oder Sexskandalen (Volkswagen) in Zusammenhang gebracht wurden.
Manche dieser Unternehmungen überstanden die Krisen, abgesehen von gewissen Imageschäden und Bußgeldzahlungen, relativ schnell. Vielen von ihnen wurden die unsauberen und unethischen Verhaltensweisen jedoch zum Verhängnis und führten am Ende zur Insolvenz mit teilweise beträchtlichen Schäden für Umwelt, Finanzplätze, Mitarbeiter, Lieferanten und anderen internen und externen Anspruchsgruppen.
Es gilt also in diesem Zusammenhang zu hinterfragen, ob Firmen es sich auf Dauer leisten können, sich lediglich von finanziellen Zielen, Profiten, Gewinnen und der Gier der Kapitalmärkte nach immer höheren Renditen antreiben zu lassen und gänzlich auf ethische und soziale Verhaltensweisen zu verzichten. Dies gilt im besonderen für Firmen, welche sich mit Krisensituationen konfrontiert sehen, da hier die Augen der Öffentlichkeit besonders genau auf sie gerichtet sind und Verhaltensweisen beim Krisenmanagementprozess genau beobachtet und analysiert werden.
Es ist deshalb Ziel dieser Arbeit zu untersuchen, ob und in wie fern im Krisenmanagement ethische Ziele Berücksichtigung finden (sollen), woran es liegen kann wenn dies nicht der Fall ist, sowie zu diskutieren, ob solche Verhaltensweisen positive Auswirkungen auf den Krisenmanagementprozess haben können.
1
Dazu werden im ersten Teil der vorliegenden Arbeit die Themengebiete Krisen, Krisenmanagement und Unternehmensethik erläutert und in Folge analysiert, wie diese interagieren können bzw. sollten, um im Krisenmanagement den Interessen aller Anspruchsgruppen Rechnung tragen zu können. In weiterer Folge werden diverse Restriktionen aufgeführt, welche die Implementation ethischer Werte beim Krisenmanagement gefährden bzw. behindern können. Anschließend folgt eine Vorstellung zweier Ansätze ethisch motivierten Krisenmanagements und zum Abschluss erfolgt eine Analyse ethischen Verhaltens von Unternehmungen in Krisensituationen und deren Auswirkungen anhand von Beispielen aus der Praxis.
2
2. Krisen und deren Ursachen
Betrachtet und vergleicht man die internationale Literatur zum Thema Krisenmanagement, so fällt auf, dass sich empirische Untersuchungen des Phänomens der Unternehmenskrisen und deren Management im englischsprachigen Raum (Organizational Crisis Management) eher auf solche Krisen konzentrieren, welche von externen Faktoren ausgelöst werden. So definiert Barton eine Krise als „(...) a major, unpredictable event that has potentially negative results. The event and its aftermath may significantly damage an organization and its employees, products, services, financial condition, and reputation” 1 . Pearson und Clair fassen zusammen, dass es sich
bei Unternehmenskrisen um Situationen handelt deren Eintreten wenig wahrscheinlich ist, welche jedoch schwerwiegende Auswirkungen haben und umgehendes reagieren erfordern: „An organizational crisis is a low-probability, high-impact event that threatens the viability of the organization and is characterized by ambiguity of cause, effect, and means of resolution, as well as by a belief that decisions must be made swiftly“ 2 .
In der deutschsprachigen Literatur wurden Krisen früher ebenfalls eher hinsichtlich exogener Ursachen thematisiert. So beschreibt Birker, dass „der Krisenbegriff früher vor allem aus volkswirtschaftlicher Sicht geprägt und somit verstärkt auf konjunkturelle Phänomene abgestellt war. (...) Damit stellten sich Krisen eher als eine von außen ausgelöste Veränderung der unternehmerischen Rahmenbedingungen dar“ 3 . Heute
hingegen beschäftigt sich die Literatur zum Thema Krisenmanagement vor allem jedoch auch intensiv mit Krisen deren Ursprung im Unternehmen selbst haben. So beschreibt Bergauer, dass bei einer Untersuchung von 30 Unternehmen zum Thema Unternehmenskrisen die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmungen angaben, dass die Krise auf Fehler des Top-Managements zurückzuführen war 4 .
Darüber hinaus ergab die Untersuchung, dass weitere oft genannte Faktoren der 1 Barton (1993), S. 2.
2 Pearson/Clair (1998), S. 60.
3 Birker (2000), S. 13.
4 Vgl. Bergauer (2001), S. 51.
3
Krisenverursachung den Ursprung unternehmensintern hatten. So wurden beispielsweise fehlende oder falsche strategische Ausrichtung, ungünstige Kostenstrukturen, eine zu hohe Komplexität in den Strukturen und Abläufen der Unternehmung, eine nicht ausgewogene Kunden- oder Marktorientierung sowie unzureichendes Forderungsmanagement als Gründe für Unternehmenskrisen genannt 5 .
Darüber hinaus herrscht in der Literatur jedoch weitgehend Einigkeit, dass Unternehmenskrisen Situationen darstellen, welche ungeplant und ungewollt, meist von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit geprägt sind und den Fortbestand der gesamten Unternehmung gefährden können 6 . Des weiteren wird in der Literatur immer wieder
darauf hingewiesen, dass Unternehmenskrisen nicht nur die Organisation selbst betreffen, sondern darüber hinaus Auswirkungen auf die Mitarbeiter und andere Stakeholder haben. King bemerkt in diesem Zusammenhang: „A crisis may affect not only the employees and other members internal to the organization, but also key publics and stakeholders external to the organization” 7 .
5
Vgl. Bergauer (2001), S. 52f.
6 Vgl. Linde (1994), S. 9.
7 King (2002), S. 237.
4
3. Krisenmanagement
Wie weiter oben bereits angesprochen wurde, können Unternehmenskrisen durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden und je nach spezifischer Situation bedarf die Lösung der Krise einer Vielzahl speziell auf die Lage ausgerichteter Kompetenzen und Problemlösungsstrategien. Die Literatur zu diesem Thema ist sehr umfangreich, es sei hier jedoch darauf hingewiesen, dass es nicht Ziel dieser Arbeit ist diverse Krisenmanagement-Strategien aufzuzeigen und zu diskutieren. Vielmehr wird in Folge der Begriff des Krisenmanagements erläutert und in weiterer Folge die Rolle von ethischen Werten im Krisenmanagementprozess diskutiert.
Pearson und Clair beschreiben das Krisenmanagement sehr global als „systematic attempt by organizational members with external stakeholders to avert crisis or to effectively manage those that do occur“ 8 . Es wird bei dieser Definition also bereits
darauf hingewiesen, dass der Krisenmanagementprozess in den meisten Fällen nicht nur die Unternehmung selbst und deren Mitarbeiter betrifft, sondern auch externe Anspruchsgruppen betroffen sind. Auf Grund dessen kann es als essentiell angesehen werden, im Krisenmanagementprozess nicht nur auf die wirtschaftlichen Ziele der Unternehmung zu achten, sondern darüber hinaus auch die Anliegen und Interessen aller betroffenen Stakeholder-Gruppen im Auge zu behalten.
Seeger und Ulmer sehen das Krisenmanagement als „set of guidelines regarding the effective assessment, response, mitigation, and relief of crisis“ und auch sie verweisen auf den Bedarf die Beziehungen zu betroffen externen Anspruchsgruppen zu berücksichtigen: „(...) crisis management also requires that the organization establish and maintain relationships with appropriate crisis stakeholders“ 9 . Des weiteren betonen
Seeger und Ulmer im Besonderen die Rolle ethischer Verhaltensweisen bei ihrer Definition von Krisenmanagement. Sie verweisen auf die Notwendigkeit umgehender und offener Kommunikation sowie die Einhaltung rechtlicher Verpflichtungen auch im 8 Pearson/Clair (1998), S. 61.
9 Seeger/Ulmer (2001), S. 370.
5
Krisenfalle, um einerseits das Image der Unternehmung nicht zu gefährden und andererseits der sozialen Verantwortung der Organisation Rechnung zu tragen: „Crisis management specifies sets of procedures and contingent responses designed to mitigate both organizational and stakeholder harm. These involve providing immediate and open responses to stakeholders, while limiting legal liability where possible. (…) These efforts to limit and reduce harm arise from both pragmatic concerns about damage to the organization’s image and reputation as well as a sense of corporate social responsibility and humanitarian concern” 10 .
Simola verweist zudem darauf, dass Krisenmanagement nicht nur die ex-post Verhaltensweisen nach Eintritt der Krise umfasst, sondern auch die Bestrebungen sich auf Krisen vorzubereiten und diese bereits im Vorfeld zu verhindern: „Attention is given not simply to intervening after a crisis has occurred, but also, to ongoing and strategic efforts at crisis prevention and preparation“ 11 .
Nachdem nun die Begriffe Krisen und Krisenmanagement kurz beschrieben und analysiert wurden, soll im Folgenden näher auf das Thema der Unternehmensethik eingegangen werden, um später die Rolle dieser beim Krisenmanagementprozess aufzuzeigen und zu diskutieren.
10 Seeger/Ulmer (2001), S. 370.
11 Simola (2003), S. 351.
6
Arbeit zitieren:
Johannes Bauernberger, 2007, Krisenmanagement und Unternehmensethik, München, GRIN Verlag GmbH
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Krisenmanagement und Unternehmensethik
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