Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Kindheit Friedrichs II. 4
3 Das Profil Innozenz III. 5
3.1 Exkurs - Die Zwei-Schwerter-Lehre 6
4 Der deutsche Thronfolgestreit 8
5 König Friedrich II. 15
6 Friedrich II. in Deutschland. 18
7 Kaiser Friedrich II. 20
8 Papst Gregor IX. 23
9 Der Kreuzzug Friedrichs II. 24
10 Friedrich II. auf dem Gipfel seiner Macht. 27
11 Aufstand König Heinrichs (VII.) 29
12 Weiterer Aufenthalt in Deutschland 31
13 Der Kampf beginnt 33
14 Innozenz IV. 36
15 Der Entscheidungskampf zwischen Kaiser und Kurie 37
16 Stupor Mundi. 41
Literaturverzeichnis 44
2
1 Einleitung
Das Verhältnis von Kaiser Friedrich II. zur Kurie war - genau genommen - zeit seines Lebens eigentlich immer bestimmt durch sein Verhältnis zum jeweilig amtierenden Papst.
Jedoch war letztendlich ein Konflikt zwischen Pontifikat und Kaisertum unausweichlich, da sich sowohl die politischen Interessen, als auch das Selbstverständnis beider Mächte grundsätzlich nicht miteinander vereinbaren ließen.
So wird es in den nachfolgenden Betrachtungen darum gehen, dieses unauflösliche Missverhältnis zwischen Friedrich II. und den wechselnden Päpsten aufzuzeigen und darzulegen, dass der Konflikt, der, zunächst vom Papsttum, dann auch vom Kaiser selbst, religiös begründet wurde, im Prinzip ein Streit zwischen zwei Instanzen war, deren politische Interessen und Machtansprüche die Existenz einer zweiten, gleichgroßen Kraft nicht akzeptieren konnten. Letzteres trifft anfangs sicherlich eher auf die Kurie zu als auf Friedrich II., wobei sich seine Einstellung mit zunehmender Heftigkeit der Angriffe von seitens der Kirche dann aber auch sichtlich in die oben genannte Richtung ändert und schließlich angleicht.
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2 Die Kindheit Friedrichs II.
Am 26. Dezember 1194 schenkte Konstanze, die Ehefrau von Heinrich VI.(1190-1197), in Iesi, einer kleinen Bergstadt in der Mark Ancona, einem Sohn das Leben: Friedrich II.
Er verbrachte seine ersten Lebensjahre in Foligno, und Ende 1196 wurde er von den deutschen Fürsten in Frankfurt zum König gewählt. 1
Kaiser Heinrich VI. starb am 28. September 1197 in Messina nach kurzer Krankheit. Doch durch außerordentliche staatsmännische Weitsicht hatte er noch kurz vor seinem Tode angeordnet, der Kurie weitgehende Zugeständnisse zu machen, um somit die Anerkennung Friedrichs als Kaiser und König von Sizilien zu erreichen. 2
In weiten Teilen der Apenninhalbinsel brachen, unmittelbar nach Heinrichs VI. Tod, Aufstände gegen die deutsche Herrschaft aus, was die nun regierende Kaiserin Konstanze dazu veranlasste, die Verbindung Siziliens mit dem Reich zu lösen und ihren kleinen Sohn Friedrich nach Palermo zu bringen, wo er am Pfingstsonntag, dem 17. Mai 1198, zum König von Sizilien gekrönt wurde. 3
Bald nach dem Tode Heinrichs VI. bestieg Graf Lothar von Segni den Stuhl Petri und nannte sich Innozenz III.
An dieser Stelle empfiehlt es sich, die Perspektive zu wechseln und einen genaueren Blick auf diesen Papst zu werfen, der zu den größten der Weltgeschichte zählt.
1 Vgl. Schaller, Hans Martin: Kaiser Friedrich II. − Verwandler der Welt, S. 11.
2 A. a. O., S. 12.
3 Vgl. ebd.
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3 Das Profil Innozenz III.
Lothar von Segni war mit seinen 37 Jahren der jüngste der Kardinäle, als er zum Papst gewählt wurde. 4 Schon das spricht für seine überragende Bedeutung. Er bekleidete das höchste Amt der Christenheit von 1198 bis zu seinem Tod im Jahr 1216. Sein Leben und die Ausübung seines Amtes waren geprägt durch persönliche Bedürfnislosigkeit und ungeheure Anstrengungen, die er seinem Körper zumutete, wodurch allmählich seine Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wurde. 5 Aber, "wie der Vogel zum Fliegen, so meinte er, sei der Mensch dazu geschaffen, Mühsal zu ertragen." 6 Er war ein guter Christ, durch und durch.
Innozenz III. hatte sich die scholastische Universitätsbildung seiner Zeit in seltener Vollkommenheit zu eigen gemacht, und durch seine dialektischen und rhetorischen Fähigkeiten beeindruckte er seine Zeitgenossen stark, so dass ihm bald Titel wie "Abraham des Glaubens" oder auch "Der andere Salomo" zugesetzt wurden. Er war es gewöhnt, dass man ihm einen unmittelbaren Verkehr mit Gott zuschrieb. Es gibt eine Anekdote, zurückgehend auf den Geschichtsschreiber Salimbene de Adam (1221-1288/89), die davon berichtet, wie Innozenz III. einmal das ungenähte Gewandt Christi, das im Lateran verwahrt wurde, anlegte, um zu sehen, ob Jesus nicht vielleicht kleiner gewesen sei als er selbst. 7
Diese Geschichte, ob wahr oder nicht, zeigt, in etwas übertriebener Form, treffend die Ansprüche dieses Papstes.
Er nimmt Bezug auf den alten Priesterkönig Melchisedek, so dass dem Vater der Kirche, gleich diesem Priester und König des Alten Testamentes, das Recht zum Eingriff in die irdischen Machtbereiche zukommt und er, wenn er auch das eine Schwert der zwei, die ihm übertragen wurden, an die weltlichen Herrscher weiter verliehen hat, dennoch in besonderen Fällen die Könige unter sein Gebot stellen kann. 8
4 Vgl. Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer, S. 234.
5 A. a. O., S. 235.
6 Ebd.
7 Vgl. gesamten Absatz mit Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer,
S.235ff.
8 A. a. O., S.236.
5
3.1 Exkurs - Die Zwei-Schwerter-Lehre
Die Lehre der zwei Schwerter entstand durch typologisch-allegorische Exegese der entsprechenden Stelle des Alten Testaments (Lk 22, 28), in der frühen Phase des Investiturstreits.
Die Jünger sagen in der Bibel zu Jesus: "Siehe, hier sind zwei Schwerter", und er antwortet: "Das ist genug".
Ein Autor der königlichen Kanzlei Heinrichs IV. (Gottschalk von Aachen) folgerte daraus, dass Gott die Existenz zweier höchster Gewalten auf Erden in friedlichem Einvernehmen miteinander gewollt habe, was dann auch propangandistisch verbreitet wurde. Diese Auslegung des Passionsberichtes wandte sich gezielt gegen die These der prinzipiellen und wesensmäßigen Unterordnung des Kaisertums (regnum) unter das Papsttum (sacerdotium).
Genauso wurde aber auch dieses Bildnis von der römischen Kurie zu ihren Zwecken umgedeutet. So zum Beispiel durch Bernhard von Clairvaux unter Bezug auf Mt 26, 51: Seine Interpretation besagt, dass Jesus damit ausdrücklich bejaht habe, dass die Apostel über beide Schwerter verfügen sollten. Damit besitze also auch der Papst als Nachfolger Petri beide Schwerter und überlasse den gladius materialis, das weltliche Schwert, dem Kaisertum auf Widerruf.
Die Zwei-Schwerter-Lehre war also ein wesentliches Element, auf das die jeweiligen Machtansprüche und das entsprechende Selbstverständnis von Papst- und Kaisertum fußten. Eine Einigung über diesen Punkt war durch die hermeneutischen Möglichkeiten zugunsten beider Seiten somit nicht möglich, und die divergente Auffassung des Verhältnisses zwischen Kurie und Kaiser blieb immer ein Hindernis zur gegenseitigen Annäherung. 9
Nach Ansicht Innozenz III. standen sich Kirche und Reich wohl abgegrenzt und unterschieden gegenüber. Nach Würde und Wert war das Priestertum der königlichen Gewalt überlegen. Jede der beiden Seiten konnte in ihrer Sphäre durchaus selbständig ihre Entscheidungen treffen. Daraus ergab sich ein dualistisches Bild, in dem beide Mächte in göttlicher Anordnung nebeneinander existierten.
9 Vgl. Lexikon des Mittelalters, Bd. IX, S. 725.
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Doch dem Papst blieb dennoch die größere Kompetenz: Bei der Kaiserkrönung konnte er sein Prüfungsrecht beanspruchen, was dazu führte, dass im Konfliktfall die Entscheidungen der weltlichen Organe dem Urteil der kirchlichen Spitze unterworfen wurden. Das Oberhaupt der Kirche konnte weiterhin, aufgrund sündhaften Verhaltens (ratione peccati) und unter Berücksichtigung der besonderen Gründe (certis causis inspectis) - was auch immer das für welche sein mochten - seine priesterliche Zuständigkeit auch gegenüber der königlichen Gewalt auf deren eigenem Gebiet geltend machen.
Nun ging der neue Papst mit allem Ernst an die Durchsetzung dieser Ansprüche. Dabei kam ihm die Gunst der allgemeinen Lage entgegen.
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4 Der deutsche Thronfolgestreit
Durch den Tod von Kaiser Heinrich VI. brachen in Oberitalien Aufstände gegen die verhasste Herrschaft der Deutschen aus und zwangen Philipp von Schwaben, den Bruder Heinrichs, eiligst nach Deutschland zurückzukehren, um sich dort, im Interesse des Reiches und des staufischen Hauses, von den meisten deutschen Fürsten zum König wählen zu lassen, ohne dabei den Thronanspruchs seines Neffen, eben Friedrichs II., zu beachten. 10
Durch die Wahl Philipps zum König brach der alte staufisch-welfische Gegensatz wieder auf, und unter Führung des Erzbischofs Adolf von Köln stellte eine Minderheit von vorwiegend norddeutschen Fürsten Otto IV., den Sohn des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen und Neffen des englischen Königs Richard Löwenherz, als Gegenkönig auf. 11 Otto IV. von Braunschweig-Lüneburg wurde von England unterstützt, während Philipp das alte Bündnis des staufischen Hauses mit Frankreich erneuerte, wodurch nun auch diese beiden Großmächte maßgeblich in den deutschen Thronstreit miteinbezogen wurden. 12
Mit der Trennung Siziliens vom Reich und der Krönung Friedrichs II. zum König von Sizilien verzichtete Kaiserin Konstanze auf das römische Königtum ihres Sohnes. Eine solche Trennungspolitik war ganz im Interesse der römischen Kurie, für die eine Vereinigung des Imperiums mit dem sizilischen Königreich eine Einkreisung des Kirchenstaates und somit eine große Bedrohung darstellte. Noch vor ihrem plötzlichen Tod, am 28. November 1198, hatte die stolze Normannentochter Kaiserin Konstanze mit dem Papsttum ein Konkordat abgeschlossen, was den Verzicht auf kirchenpolitische Vorrechte der sizilischen Krone beinhaltete. 13 Lediglich ein geringer Rest des königlichen Konsensrechtes bei den Bischofswahlen blieb bestehen. 14
10 Vgl. Nette, Herbert: Friedrich II. von Hohenstaufen, S. 11.
11 Vgl. Schaller, Hans Martin: Kaiser Friedrich II. − Verwandler der Welt, S. 12/13.
12 A. a. O., S. 17.
13 A. a. O., S. 13.
14 Vgl. Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte zur Zeit der Salier und Staufer, S. 240.
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Außerdem übertrug Konstanze in ihrem Testament die Regentschaft im Königreich Sizilien und die Vormundschaft über ihren unmündigen, noch nicht vier Jahre alten Sohn Friedrich II. dem Papst. 15
Doch zunächst hatte der Papst wohl kaum Freude an dieser Regentschaft, denn das Königreich Sizilien versank in Anarchie. Abgesehen von päpstlichen Legaten, süditalienischen Baronen, sizilischen Sarazenen, die gegeneinander aus ihren Burgen um die Macht kämpften, sowie Genuesen und Pisanern, die im Mittelmeerhandel konkurrierten, ließen sich auch nicht die Deutschen aus ihren Festungen vertreiben. 16 Allen voran ist hier der Reichstruchsess Markward von Annweiler zu nennen, der sich mit Waffengewalt vor allem in Campanien behauptete. 17 Sicherlich nicht zu Unrecht beanspruchte er die Regentschaft in Sizilien für sich und berief sich dabei auf die letzten Verfügungen des toten Kaisers Heinrich VI., der ihm in seinem Testament die entsprechenden Rechte übertragen habe. 18 Weil der jetzige deutsche König Philipp das Südreich für das staufische Haus retten wollte, wurde dieser Anspruch Markwards von ihm und seinen fürstlichen Anhängern ausdrücklich anerkannt. 19 Am 1. November 1201 eroberte der kaiserliche Truchsess die Stadt und die Burg Palermo. Somit fiel auch der junge König Friedrich II. in seine Hände, damals erst sieben Jahre alt. 20 Dabei spielte sich eine Szene ab, die schon zu dieser Zeit auf die herausragende Persönlichkeit Friedrichs verwies und die der Erzbischof Rainald von Capua in einem Brief an Papst Innozenz III. beschrieb:
Als der Knabe durch die fluchwürdige Treulosigkeit seiner Wächter verraten und er, der sanfte König, von dem, der ihm nach dem Leben trachtete, in den innersten Gemächern des Palastes gestellt war und als er nun die Gefangenschaft unabwendbar vor Augen sah, weil die Schwäche seiner Jugend und der Abfall seiner Leibwächter jede Möglichkeit einer Verteidigung ausschlossen, als ihm klar wurde, dass er nun den Fessseln der Barbaren ausgeliefert sei ... da schützte er sich statt mit Waffengewalt durch Tränen und vermochte doch nicht - ein gutes Vorzeichen für den künftigen Herrscher - den Adel königlicher Gesinnung zu verleugnen; so sprang er, da er ja doch
15 Vgl. Nette, Herbert: Friedrich II. von Hohenstaufen, S. 11.
16 Ebd.
17 Vgl. Schaller, Hans Martin: Kaiser Friedrich II. − Verwandler der Welt, S. 14.
18 Vgl. Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer, S. 240.
19 Vgl. Schaller, Hans Martin: Kaiser Friedrich II. − Verwandler der Welt, S. 14.
20 Ebd.
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Tobias Kurth, 2000, Friedrich II. und die Kurie, München, GRIN Verlag GmbH
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