Die Entwicklung des Bilderbuches in der Gegenwart 2
Inhalt:
I DEFINITION DES BILDERBUCHES
II EIN KURZER HISTORISCHER ABRISS
Von Struwwelpeter und Gutenberg
III DIE ENTWICKLUNG DES BILDERBUCHES IN DER GEGENWART
Eine Art Überblick
IV BILDERBUCH VERSUS COMIC. EIN ECHTER KONFLIKT?
Der kleine Maulwurf trifft auf das kleine Arschloch
V LITERATUR- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Die Entwicklung des Bilderbuches in der Gegenwart 3
I DEFINITION DES BILDERBUCHES
Es war einmal in einer längst vergessenen Zeit. Die Menschen lebten nach unseren Maßstäben zum großem Teil in Armut. Es gab sehr wenig Schulen und somit auch sehr wenige Menschen, die lesen konnten. Zu dieser Zeit - genauer 1658 - versuchte ein Herr namens COMENIUS dem Volk das Wissen der Zeit näher zu bringen.
Abb.1: Johann Amos Comenius (*1592 †1670)
Da er sich des Umstandes mit großer Sicherheit bewusst war, dass kaum jemand ein geschriebenes Buch verstehen kann, legte er den Schwerpunkt auf die bildhafte Darstellung. Natürlich kam er nicht ohne Text aus dabei, aber die Bilder sollten aus sich heraus schon sehr viel erläutern. Genau zu dieser Zeit wurde mit seinem orbis sensualium pictus aus heutiger Sicht das erste Bilderbuch entworfen. Das Werk orbis pictus sollte ein großes Anschauungswerk der damaligen Zeit und des Wissensstandes darstellen. Dass dies ein Erfolg war, zeigten die hohen produzierten Stückzahlen und auch der Umstand, dass noch 1808 eine überarbeitete Version in 6 Sprachen veröffentlicht wurde.
Die ersten Bilderbücher waren also eher eine Art Lehrbücher und sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder konzeptioniert. Allen gemeinsam war die relativ hohe Anzahl von Bildern.
Halten wir also fest: Bilderbücher sind Bücher mit zahlreichen Abbildungen, welche den Text ergänzen (verständlich machen) oder von Text ergänzt werden. Das Ziel ist in erster Linie zu (be-)lehren. Eine Zielgruppe lässt sich bei dem „einfachem“
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Volk finden und es sollen Erwachsene und Kinder gleichermaßen angesprochen werden.
Mit der Entwicklung eines funktionierendem Schulsystems sank die Zahl der Analphabeten und somit auch die Notwendigkeit, ihnen über Bilderbücher Wissen zu vermitteln. An dieser Stelle rückte dann das Kind als Adressat in den Mittelpunkt. Am bekanntesten ist der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder von HEINRICH HOFFMANN, welcher 1845 erschien. (Abb.2) Dieses Buch ist ausschließlich an Kinder gerichtet und steht somit für die moderne Form des Bilderbuches. Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts erscheinen kaum noch Bilderbücher für Erwachsene und das Bilderbuch wird mit Kinderbuch gleich gesetzt.
Abb.2: Der Struwwelpeter. HEINRICH HOFFMANN 1845
Die aktuelle Definition des Bilderbuches umfasst jetzt nicht mehr nur den Passus, der reich bebilderten Bücher, sondern auch noch die Eingrenzung auf eine bestimmte Altersgruppe. Der Dudenverlag definiert das Bilderbuch heute folgendermaßen:
„Illustriertes Kinderbuch (für etwa 2-8jährige). Das Bilderbuch bietet entsprechend den jeweiligen Altersstufen einfache Gegenstände (und Tiere) aus der Erfahrungs- und Phantasiewelt des Kindes (ohne Text), Bildergeschichten oder Illustrationen zu längeren Texten (zum Vorlesen). Die Texte entsprechen dem jeweiligen Erziehungsprogramm.“ (DUDENVERLAG 1991)
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Hier wird nicht nur einfach die Altersgruppe der 2-8jährigen eingegrenzt, sondern auch noch die altersspezifischen Inhalte für die Bilderbücher erwähnt. Unverändert ist der pädagogische Hintergrund der Bücher geblieben. Weiterhin werden drei verschiedene Arten, der Wertigkeit von Bildern im Kontext beschrieben. Sicherlich auch abhängig vom Alter des Adressaten, ist die Rolle der Bilder. Für ganz junge Kinder liegt der Schwerpunkt auf den Bildern, da das Verständnis für Texte noch fehlt und die Phantasie mehr angeregt werden soll. Je älter ein Kind wird, desto mehr Text kann ihm „zugemutet“ werden.
Da die Texte meist (bei Vorschulkindern) vorgelesen werden müssen, ergibt sich die Notwendigkeit eines Mittlers, welcher mit dem Kind zusammen an dem Buch arbeitet.
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II EIN KURZER HISTORISCHER ABRISS
Von Struwwelpeter und Gutenberg
Betrachtet man die Geschichte des Bilderbuches, muss man fast zwangsläufig einen Blick auf die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur allgemein werfen. Diese wiederum ist mit der Erfindung des Buchdruckes eng verbunden. Beginnen wir also an dieser Stelle. Oder noch früher?
Bereits 1215 wird THOMASIN VON ZERCLAERE genannt, welcher als Anfang der spezifischen Kinder- und Jugendliteratur gesehen werden kann. (KAMINSKI 1998 : 17) Der nächste Schritt ist das Werk „Der große Seelen Trost“ Ende des 14. Jahrhunderts. Von hier an ist noch ein ganzes Stück Weg zurückzulegen, bis mit dem bereits erwähntem Werk „orbis sensualium pictus“ von JOHANN AMOS COMENIUS 1658 das erste wirkliche Buch der Kinder- und Jugendliteratur erscheint.
„Die Schul ist eine Werckstatt, in welcher die jungen Gemüther zur Tugend angeweh-net werden; sie wird abgetheilt in Classen.
Der Schulmeister sitzt auf dem Lehrstuhl; die Schüler auf Bäncken; jener lehret, diese
lernen.
Etliches wird ihnen vorgeschrieben mit der Kreide an der Tafel.
Etliche sitzen am Tische und schreiben: Er verbessert die Fehler.
Etliche stehen und sagen her, was sie gelernet.
Etliche schwätzen, und erzeigen sich muthwillig und unfleißig: die werden gezüchtiget
mit dem Stecken und der Ruthe.“ 1
Abb.3: orbis sensualium pictus. JOHANN AMOS COMENIUS 1658
1 Auszug aus: ORBIS SENSUALIUM PICTUS von Johann Amos Comenius 1658
Quelle: http://brg-perau.edu.eu.org/index.htm
Arbeit zitieren:
Knut Meenzen, 2002, Definition und Entwicklung des Bilderbuches in der Gegenwart - Eine Übersicht, München, GRIN Verlag GmbH
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