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Eine der Hauptaufgaben der Soziologie ist es, Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge der mannigfaltigen, komplexen zwischenmenschlichen
Beziehungen zu erkennen, um sie besser verstehen zu können. Der deutsche Soziologe Norbert Elias gibt vor, wie durch simple Gedankenexperimente komplizierte gesellschaftliche Prozesse vereinfacht dargestellt und dadurch auftretende Probleme besser erfasst werden können. In der vorliegenden Arbeit sollen einige der wichtigsten von Elias beschriebenen Gedankenspiele herausgearbeitet und mit aktuellen Beispielen belegt werden. Besonders wichtig ist, dass der Leser erkennt, welche Bedeutung Gedankenexperimenten in der Soziologie zukommen.
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Norbert Elias wird am 22.06.1897 in Breslau geboren. Nach dem Abitur meldet er sich zunächst als Kriegsfreiwilliger im ersten Weltkrieg, bevor er 1917 seinem Vater zuliebe ein Studium der Medizin aufnimmt. Allerdings wendet sich Elias schon bald wieder davon ab und beginnt ein Studium der Philosophie in Heidelberg um sich schließlich dort endgültig der Soziologie zu zuwenden. 1 Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten, flüchtet er 1933 aus Deutschland zunächst nach Frankreich, später nach England ins Exil. Erst 1965, zweiunddreißig Jahre nach seiner Flucht kommt Elias erstmals nach Deutschland zurück. 1977 erhält Elias den Adorno - Preis als Anerkennung seines Lebenswerkes 2 , das heißt unter anderem für sein Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ (1939). Weitere bedeutende Werke wie „Die höfische Gesellschaft“ (1969), „Was ist Soziologie“ (1970), „Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen“ (1982) und „Die Gesellschaft der Individuen“ (1987) stammen ebenfalls von ihm. Am 01.08.1990 stirbt Elias in Amsterdam.
Norbert Elias gehört heute, nicht zuletzt aufgrund seiner in „Was ist Soziologie?“ beschriebenen Spielmodelle, mit zu den bedeutendsten deutschen Soziologen des zwanzigsten Jahrhunderts.
1 vgl. Käsler, S. 316- 319
2 vgl. Käsler, S. 324
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In „ Was ist Soziologie“ (1970) gibt Elias eine Einführung in die Soziologie auf ungewöhnliche Art und Weise. Statt herkömmlicher Begriffsexplikationen soziologischer Grundbegriffe, wie zum Beispiel Status, Rolle oder Gemeinschaft, stellt er vielmehr die vielfältigen und oftmals sehr komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Zum besseren Verständnis der Verflechtungen zwischen den Individuen verwendet er Gedankenexperimente in Form von Spielmodellen. Spielmodelle zeigen für Elias den Prozesscharakter von Beziehungen interdependenter Individuen auf und verdeutlichen gleichzeitig, inwiefern sich die Veränderung der Verteilung der Machtgewichte auf diese Beziehungen auswirkt. 3 Diese Spiele, deren Regeln künstlich sind, beruhen darauf, dass zwei oder mehrere Menschen ihre Kräfte miteinander messen.
Elias stellt in dem genannten Werk eine Auslese aus einer umfangreichen Modellserie vor, von der in dieser Arbeit einzelne erläutert werden sollen.
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2.1.1 Modell A
Es wird angenommen, dass ein spielstarker Spieler A nacheinander gegen spielschwächere Spieler B, C, D usw. das gleiche Spiel nach gleichen festgelegten Regeln spielt, dass heißt eine Serie von Zweipersonenspielen. Aufgrund seiner höheren Spielstärke besitzt A in jedem Spiel weitgehend uneingeschränkt die größere Macht und damit auch die größere Kontrolle über Verlauf und Ergebnis des Spieles. In jedem einzelnen Spiel kommt es zu einer ungleichen Machtverteilung, beziehungsweise zu einer klaren Überlegenheit von Spieler A. Allerdings ist „ die Spanne der aktiven Beziehungen, die ein einzelner Mensch gleichzeitig unabhängig voneinander spielen kann, also sozusagen in getrennten Abteilen, (...) begrenzt.“ (Norbert Elias, Was ist Soziologie, 1970) Die Situation könnte sich somit zuungunsten von Spieler A verschieben, je mehr Spiele er bei einer Serie zu spielen hat. Zum besseren Verständnis ein Beispiel: Wir stellen uns vor, ein militärisch sehr starkes Land, zum Beispiel die USA, spielt, das heißt in diesem Falle kämpft, gegen
3 vgl. Elias, 1970, S. 83
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Arbeit zitieren:
Stefan Haldenwang, 2002, Spielmodelle, München, GRIN Verlag GmbH
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