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Idee und Theorie der Erinnerungsorte

Seminararbeit, 2003, 19 Seiten
Autor: Magister Artium Björn Schröder
Fach: Geschichte - Geschichtstheorie

Details

Veranstaltung: Verdun – die Schlacht und der Mythos
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tags: Idee, Theorie, Erinnerungsorte, Verdun, Schlacht, Mythos
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Literaturquellen  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V74274
ISBN (E-Book): 978-3-638-69035-5
ISBN (Buch): 978-3-638-75538-2
Dateigröße: 142 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Idee und Theorie der Erinnerungsorte“. In Bezug auf dieses Thema soll zunächst geklärt werden, was der Begriff „Erinnerungsort“ im eigentlichen und im übertragenen Sinne bedeutet. Als nächstes sollen dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Begriffe „Geschichte“ und „Gedächtnis“ herausgearbeitet werden. Im Anschluss an diese einleitenden Begriffsklärungen, werden dann drei grundlegende Modelle des Erinnerns dargestellt. Dies sind zunächst das Modell des „kollektiven Gedächtnisses“ nach Maurice Halbwachs, dann die Theorie des „kulturellen Gedächtnisses“ nach Aleida und Jan Assmann und schließlich das Modell des „kommunikativen Gedächtnisses“ ebenfalls nach Aleida und Jan Assmann. Der nächste Punkt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und dem Vergleich zweier Sammelbände, die die Idee der Erinnerungsorte verkörpern. Hier sollen zunächst zwei Beispiele der früher erschienenen französischen Ausgabe mit dem Titel „Les lieux de mémoire“ analysiert werden und im Anschluss daran ebenfalls zwei Beispiele aus der deutschen Ausgabe, die „Deutsche Erinnerungsorte“ tituliert wurde. Das Ziel der Analyse und des Vergleichs der beiden Werke soll es sein, eine Antwort auf die folgenden Leitfragen zu finden: Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Fassung der „Erinnerungsorte“? Worin bestehen gegebenenfalls diese Unterschiede?


Textauszug (computergeneriert)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Historisches Seminar
Seminar: „Verdun – die Schlacht und der Mythos“
Sommersemester 2003, 2. Semester

Idee und Theorie der Erinnerungsorte

von

Björn Schröder

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Zur Idee und Theorie der Erinnerungsorte  3

2.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs 4
2.2. Das kulturelle Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann 5
2.3. Das kommunikative Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann 6

3. Analyse und Vergleich der französischen Ausgabe „Les lieux de mémoire“ und der deutschen Ausgabe „Deutsche Erinnerungsorte“ anhand von Beispielen 7

3.1. Zur französischen Ausgabe „Les lieux de mémoire“  8

3.1.1. Beispiel 1: „Verdun“ von Antoine Prost 8
3.1.2. Beispiel 2: „Les monuments aux morts“ von Antoine Prost  10

3.2. Zur deutschen Ausgabe „Deutsche Erinnerungsorte“  13

3.2.1. Beispiel 3: „Die Dolchstoß-Legende“ von Gerd Krumeich 13
3.2.2. Beispiel 4: „Die Pickelhaube“ von Jakob Vogel  15

3.3. Vergleich der französischen und der deutschen Ausgabe der „Erinnerungsorte“ 16

4. Resümee  18

Literaturverzeichnis  19




 

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Idee und Theorie der Erinnerungsorte“. In Bezug auf dieses Thema soll zunächst geklärt werden, was der Begriff „Erinnerungsort“ im eigentlichen und im übertragenen Sinne bedeutet. Als nächstes sollen dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Begriffe „Geschichte“ und „Gedächtnis“ herausgearbeitet werden. Im Anschluss an diese einleitenden Begriffsklärungen, werden dann drei grundlegende Modelle des Erinnerns dargestellt. Dies sind zunächst das Modell des „kollektiven Gedächtnisses“ nach Maurice Halbwachs, dann die Theorie des „kulturellen Gedächtnisses“ nach Aleida und Jan Assmann und schließlich das Modell des „kommunikativen Gedächtnisses“ ebenfalls nach Aleida und Jan Assmann.
Der nächste Punkt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und dem Vergleich zweier Sammelbände, die die Idee der Erinnerungsorte verkörpern. Hier sollen zunächst zwei Beispiele der früher erschienenen französischen Ausgabe mit dem Titel „Les lieux de mémoire“ analysiert werden und im Anschluss daran ebenfalls zwei Beispiele aus der deutschen Ausgabe, die „Deutsche Erinnerungsorte“ tituliert wurde. Das Ziel der Analyse und des Vergleichs der beiden Werke soll es sein, eine Antwort auf die folgenden Leitfragen zu finden: Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Fassung der „Erinnerungsorte“? Worin bestehen gegebenenfalls diese Unterschiede? Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal kurz zusammengefasst. Zudem wird eine kompakte Kritik zu der französischen Ausgabe „Les lieux de mémoire“ und der deutschen Ausgabe „Deutsche Erinnerungsorte“ vorgenommen.

2. Zur Idee und Theorie der Erinnerungsorte

Um die Analyse und den Vergleich der französischen und der deutschen Erinnerungsorte durchzuführen, muss zunächst der Begriff des „Erinnerungsortes“ eindeutig definiert werden. Im eigentlichen Sinne steht der Begriff „Erinnerungsort“ für einen konkreten, materiellen Ort, an dem sich der Mensch an Geschehnisse, die in seinem Gedächtnis verankert sind, erinnert. Ein solcher Ort könnte zum Beispiel die Statue eines Nationalhelden auf dem Marktplatz, das Denkmal eines berühmten toten Dichters auf dem Friedhofsvorplatz oder aber auch das Stadtschloss sein. Das Wort „Erinnerungsort“ hat jedoch auch eine metaphorische Bedeutung. So kann zum Beispiel auch eine historische Dokumentation im Fernsehen einen „Erinnerungsort“ darstellen. Möglich wäre aber ebenfalls die Erinnerung an ein vergangenes Ereignis, etwa durch den Aufdruck auf einer Briefmarke oder das Begehen eines offiziellen Feiertages, wie beispielsweise dem „Tag der Deutschen Einheit“ in Deutschland. Es lassen sich folglich nicht lediglich materielle Orte, sondern auch ideelle „Orte“ als Erinnerungsort bezeichnen.1
Bevor nun zur Beschreibung der verschiedenen Modelle des Erinnerns und des Gedächtnisses übergegangen wird, soll zunächst noch kurz auf die Grundbegriffe „Geschichte“ und „Gedächtnis“ eingegangen werden. Die Gemeinsamkeit beider Begriffe besteht darin, dass sie zeitlos sind. Sie beziehen sich sowohl auf Umstände in der Vergangenheit, als auch auf Ereignisse in der Gegenwart. Dennoch gibt es eine deutliche Abgrenzung zwischen Geschichte und Gedächtnis. So ist die Geschichte die Wissenschaft, die Sache der Experten, also in diesem Fall der Historiker. Ziel des Historikers ist es, die Geschichte kritisch und distanziert nach festen Regeln zu analysieren. Die Objektivität und die Überprüfbarkeit haben bei der wissenschaftlichen Arbeit oberste Priorität. Zudem ist es auch Ziel der Geschichte, den Blick zu erweitern, um eine umfassende Analyse eines bestimmten Sachverhaltes liefern zu können.
Im Gegensatz dazu steht das Gedächtnis. Unter Gedächtnis versteht man die Erinnerung an Vergangenes, besonders durch soziale Kontakte, also beispielsweise durch ein Gespräch unter Freunden oder Verwandten. Anders als die wissenschaftliche Untersuchung des Historikers, wird das Gedächtnis durch Subjektivität und Emotionen geprägt.2 Hierin besteht im Übrigen auch eines der größten Probleme der Arbeit des Historikers, nämlich in der Arbeit mit Zeugenaussagen. Denn diese sind Bestandteil der Erinnerung eines Zeitzeugen und durch die persönliche Teilnahme am Vergangenen oft sehr subjektiv.

2.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs

Maurice Halbwachs wurde 1877 in Reims in Frankreich geboren und war Sozialwissenschaftler und Sozialpsychologe. Von ihm stammt die grundlegende Theorie des kollektiven Gedächtnisses. Er geht davon aus, dass jedes Gedächtnis aus kollektiven Erinnerungen besteht. Diese kollektiven Erinnerungen sind Ereignisse, die beispielsweise durch Gespräche mit Freunden oder Verwandten wieder in das Gedächtnis gerufen werden. Halbwachs definiert kollektive Erinnerungen aber auch als das, was jemandem durch andere gesagt wurde, ohne dass die Person selbst anwesend gewesen wäre. Nach Halbwachs profitiert somit jeder Mensch von diesen gemeinsamen, kollektiven Erinnerungen, weil der Mensch, selbst wenn er alleine ist, in Gedanken doch immer von den Vorstellungen und Denkweisen anderer umgeben ist.3
Nach ihm setzt sich das „individuelle Gedächtnis“ einer Person aus den gemeinschaftlichen Erinnerungen der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, deren Mitglied diese Person ist, zusammen. Das heißt, dass jede Gruppe in ihrer Gesamtheit über ein kollektives Gedächtnis verfügt, welches das „individuelle Gedächtnis“ des Einzelnen prägt. Daraus ergibt sich laut Halbwachs, dass das „individuelle Gedächtnis“ lediglich als individuell empfunden wird, eigentlich jedoch nur eine individuelle Mischung verschiedener kollektiver Gedächtnisse ist. So wird das „individuelle Gedächtnis“ einer Person zum Beispiel sowohl durch das kollektive Gedächtnis der Arbeitskollegen, als auch durch das kollektive Gedächtnis der Familienangehörigen geprägt. Halbwachs erklärt zudem, dass das Gedächtnis des Individuums durch die Verknüpfung kollektiver Gedächtnisse zum Austausch der Gedanken der Gruppen untereinander beiträgt.4

[...]


1 Etienne, François und Schulze, Hagen: Deutsche Erinnerungsorte I, München 2001, S.9-24 (Einleitung)

2 a.a.O.

3 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Stuttgart 1967, S.1ff

4 ebd.: S.3-33


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