Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ........................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Zur Idee und Theorie der Erinnerungsorte 3
2.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs 4
2.2. Das kulturelle Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann 5
2.3. Das kommunikative Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann 6
3. Analyse und Vergleich der französischen Ausgabe Les lieux de mémoire und der
deutschen Ausgabe Deutsche Erinnerungsorte anhand von Beispielen 7
3.1. Zur französischen Ausgabe Les lieux de mémoire 8
3.1.1. Beispiel 1: Verdun von Antoine Prost 8
3.1.2. Beispiel 2: Les monuments aux morts von Antoine Prost 10
3.2. Zur deutschen Ausgabe Deutsche Erinnerungsorte 13
3.2.1. Beispiel 3: Die Dolchstoß-Legende von Gerd Krumeich 13
3.2.2. Beispiel 4: Die Pickelhaube von Jakob Vogel 15
3.3. Vergleich der französischen und der deutschen Ausgabe der Erinnerungsorte
16
4. Resümee 18
Literaturverzeichnis 19
2 NA
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Idee und Theorie der Erinnerungsorte“. In Bezug auf dieses Thema soll zunächst geklärt werden, was der Begriff „Erinnerungsort“ im eigentlichen und im übertragenen Sinne bedeutet. Als nächstes sollen dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Begriffe „Geschichte“ und „Gedächtnis“ herausgearbeitet werden. Im Anschluss an diese einleitenden Begriffsklärungen, werden dann drei grundlegende Modelle des Erinnerns dargestellt. Dies sind zunächst das Modell des „kollektiven Gedächtnisses“ nach Maurice Halbwachs, dann die Theorie des „kulturellen Gedächtnisses“ nach Aleida und Jan Assmann und schließlich das Modell des „kommunikativen Gedächtnisses“ ebenfalls nach Aleida und Jan Assmann.
Der nächste Punkt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und dem Vergleich zweier Sammelbände, die die Idee der Erinnerungsorte verkörpern. Hier sollen zunächst zwei Beispiele der früher erschienenen französischen Ausgabe mit dem Titel „Les lieux de mémoire“ analysiert werden und im Anschluss daran ebenfalls zwei Beispiele aus der deutschen Ausgabe, die „Deutsche Erinnerungsorte“ tituliert wurde. Das Ziel der Analyse und des Vergleichs der beiden Werke soll es sein, eine Antwort auf die folgenden Leitfragen zu finden: Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Fassung der „Erinnerungsorte“? Worin bestehen gegebenenfalls diese Unterschiede? Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal kurz zusammengefasst. Zudem wird eine kompakte Kritik zu der französischen Ausgabe „Les lieux de mémoire“ und der deutschen Ausgabe „Deutsche Erinnerungsorte“ vorgenommen.
2. Zur Idee und Theorie der Erinnerungsorte
Um die Analyse und den Vergleich der französischen und der deutschen Erinnerungsorte durchzuführen, muss zunächst der Begriff des „Erinnerungsortes“ eindeutig definiert werden. Im eigentlichen Sinne steht der Begriff „Erinnerungsort“ für einen konkreten, materiellen Ort, an dem sich der Mensch an Geschehnisse, die in seinem Gedächtnis verankert sind, erinnert. Ein solcher Ort könnte zum Beispiel die Statue eines Nationalhelden auf dem Marktplatz, das Denkmal eines berühmten toten Dichters auf dem Friedhofsvorplatz oder aber auch das Stadtschloss sein. Das Wort „Erinnerungsort“ hat jedoch auch eine metaphorische Bedeutung. So kann zum Beispiel auch eine historische Dokumentation im Fernsehen einen „Erinnerungsort“ darstellen. Möglich wäre aber ebenfalls die Erinnerung an ein vergangenes Ereignis, etwa durch den Aufdruck auf einer Briefmarke oder das Begehen eines offiziellen
Feiertages, wie beispielsweise dem „Tag der Deutschen Einheit“ in Deutschland. Es lassen sich folglich nicht lediglich materielle Orte, sondern auch ideelle „Orte“ als Erinnerungsort bezeichnen. 1
Bevor nun zur Beschreibung der verschiedenen Modelle des Erinnerns und des Gedächtnisses übergegangen wird, soll zunächst noch kurz auf die Grundbegriffe „Geschichte“ und „Gedächtnis“ eingegangen werden. Die Gemeinsamkeit beider Begriffe besteht darin, dass sie zeitlos sind. Sie beziehen sich sowohl auf Umstände in der Vergangenheit, als auch auf Ereignisse in der Gegenwart. Dennoch gibt es eine deutliche Abgrenzung zwischen Geschichte und Gedächtnis. So ist die Geschichte die Wissenschaft, die Sache der Experten, also in diesem Fall der Historiker. Ziel des Historikers ist es, die Geschichte kritisch und distanziert nach festen Regeln zu analysieren. Die Objektivität und die Überprüfbarkeit haben bei der wissenschaftlichen Arbeit oberste Priorität. Zudem ist es auch Ziel der Geschichte, den Blick zu erweitern, um eine umfassende Analyse eines bestimmten Sachverhaltes liefern zu können.
Im Gegensatz dazu steht das Gedächtnis. Unter Gedächtnis versteht man die Erinnerung an Vergangenes, besonders durch soziale Kontakte, also beispielsweise durch ein Gespräch unter Freunden oder Verwandten. Anders als die wissenschaftliche Untersuchung des Historikers, wird das Gedächtnis durch Subjektivität und Emotionen geprägt. 2 Hierin besteht im Übrigen
auch eines der größten Probleme der Arbeit des Historikers, nämlich in der Arbeit mit Zeugenaussagen. Denn diese sind Bestandteil der Erinnerung eines Zeitzeugen und durch die persönliche Teilnahme am Vergangenen oft sehr subjektiv.
2.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs
Maurice Halbwachs wurde 1877 in Reims in Frankreich geboren und war Sozialwissenschaftler und Sozialpsychologe. Von ihm stammt die grundlegende Theorie des kollektiven Gedächtnisses. Er geht davon aus, dass jedes Gedächtnis aus kollektiven Erinnerungen besteht. Diese kollektiven Erinnerungen sind Ereignisse, die beispielsweise durch Gespräche mit Freunden oder Verwandten wieder in das Gedächtnis gerufen werden. Halbwachs definiert kollektive Erinnerungen aber auch als das, was jemandem durch andere gesagt wurde, ohne dass die Person selbst anwesend gewesen wäre. Nach Halbwachs profitiert somit jeder Mensch von diesen gemeinsamen, kollektiven Erinnerungen, weil der
1
Etienne, François und Schulze, Hagen: Deutsche Erinnerungsorte I, München 2001, S.9-24 (Einleitung)
2
a.a.O.
Mensch, selbst wenn er alleine ist, in Gedanken doch immer von den Vorstellungen und Denkweisen anderer umgeben ist. 3
Nach ihm setzt sich das „individuelle Gedächtnis“ einer Person aus den gemeinschaftlichen Erinnerungen der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, deren Mitglied diese Person ist, zusammen. Das heißt, dass jede Gruppe in ihrer Gesamtheit über ein kollektives Gedächtnis verfügt, welches das „individuelle Gedächtnis“ des Einzelnen prägt. Daraus ergibt sich laut Halbwachs, dass das „individuelle Gedächtnis“ lediglich als individuell empfunden wird, eigentlich jedoch nur eine individuelle Mischung verschiedener kollektiver Gedächtnisse ist. So wird das „individuelle Gedächtnis“ einer Person zum Beispiel sowohl durch das kollektive Gedächtnis der Arbeitskollegen, als auch durch das kollektive Gedächtnis der Familienangehörigen geprägt. Halbwachs erklärt zudem, dass das Gedächtnis des Individuums durch die Verknüpfung kollektiver Gedächtnisse zum Austausch der Gedanken der Gruppen untereinander beiträgt. 4
Eine weitere These Halbwachs´ ist die Unterscheidung zwischen kollektivem und historischem Gedächtnis. Das kollektive Gedächtnis definiert sich durch folgende Merkmale: Die Personengruppe des kollektiven Gedächtnisses ist klein, die Erinnerung ist lebendig und wird mündlich vermittelt. Beim historischen Gedächtnis hingegen handelt es sich um eine große Gruppe, und die Erinnerungen werden über bestimmte Medien vermittelt. Das historische Gedächtnis ist folglich also auch abstrakter als das kollektive Gedächtnis, da Erinnerungen nicht im direkten Gespräch weitergegeben werden. Diesbezüglich erklärt Halbwachs auch, dass sich das „individuelle Gedächtnis“ nicht auf das historische, sondern auf das kollektive Gedächtnis stützt. Ihm zufolge wären beispielsweise Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit weitaus lebendiger im Gedächtnis eines Menschen als die Erinnerungen an nationale Geschehnisse aus der Kindheit, über die man lediglich aus abstrakten Quellen erfahren hat. 5
2.2. Das kulturelle Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann
Die Autoren Aleida und Jan Assmann haben insbesondere in den 1990er-Jahren einige Werke zu der Theorie des kulturellen Gedächtnisses veröffentlicht. Bei der Definition des kulturellen Gedächtnisses greifen sie auch auf das Modell des kollektiven Gedächtnisses von Maurice
3
Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Stuttgart 1967, S.1ff
4
ebd.: S.3-33
5
Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Stuttgart 1967, S.34-77, sowie:
Heinrich, Horst-Alfred: Kollektive Erinnerungen der Deutschen, Weinheim und München 2002, Kapitel
Halbwachs zurück. Nach den Assmanns muss jedoch neben dem durch Kommunikation von Menschen geprägten kollektiven Gedächtnis, auch die Art von Erinnerung berücksichtigt werden, die durch Institutionen übertragen oder vermittelt wird. Ihnen zufolge gibt es nicht lediglich ein kollektives Gedächtnis, das aus mündlich vermittelten Erinnerungen besteht, die in der Regel über drei Generationen weitergegeben werden, sondern auch ein kulturelles Gedächtnis, welches „epochenübergreifend“ erinnert. Das Hauptproblem dieser kulturellen Erinnerung ist, dass sie auf Medien und auf die Politik angewiesen ist. Das heißt, dass nach Aleida Assmann die Gefahr besteht, dass Museen, Denkmäler und andere „Erinnerungsorte“ instrumentalisiert werden. 6
Abgesehen davon, sind bei den Assmanns die Medien, wie die Politik, wichtig, um die zwischenmenschliche Kommunikation zu leiten und somit eine soziale Identität zu schaffen. Die soziale Identität, beispielsweise einer Nation, wird folglich im kulturellen Gedächtnis jedes Einzelnen verankert.
Eine weitere These der Assmanns ist, dass die Menschen, in Anlehnung an Nietzsche, einem Prozess der Sozialisation ausgesetzt sind. Demzufolge werden die Menschen durch ihre soziale Identität gezwungen, sich zu erinnern und Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen. Indem sie Verantwortung für das übernehmen müssen, was andere in der Vergangenheit getan haben, würden sie einen Gemeinschaftssinn entwickeln. Dies wiederum führe zum Erschaffen von gesellschaftlichen Organisationen, wie dem Staat, der die soziale Identität stärkt. 7
2.3. Das kommunikative Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann
Die Definition eines kommunikativen Gedächtnisses nach Aleida und Jan Assmann ist vergleichbar mit der des kollektiven Gedächtnisses von Maurice Halbwachs. So gehen auch sie davon aus, dass die Erinnerungen durch Kommunikation, also durch gesellschaftliche Kontakte, geprägt werden. Welche Gedanken vom Menschen erinnert werden und welche in Vergessenheit geraten, hängt hierbei von den individuellen Gefühlen ab. So prägen sich Ereignisse und Personen, die mit positiven Gefühlen, wie Freude und Anteilnahme, verbunden werden, in das kommunikative Gedächtnis ein, während Anderes durch Gefühle, wie etwa Hass, verdrängt wird. Um seine Vorstellung vom kommunikativen Gedächtnis zu verdeutlichen, stellt Jan Assmann es in einer Tabelle dem kulturellen Gedächtnis gegenüber.
Arbeit zitieren:
Magister Artium Björn Schröder, 2003, Idee und Theorie der Erinnerungsorte, München, GRIN Verlag GmbH
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