Gliederung
1. Struktur und Begründungszusammenhang des Themas 2
1.1 Fachliche und überfachliche Erschließung des Inhalts 2
1.2 Begründungszusammenhang. 4
1.2.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung. 4
1.2.2 Exemplarische Bedeutung 4
1.2.3 Zugänglichkeit des Themas 5
1.2.4 Übereinstimmung mit dem Rahmenplan 5
1.2.5 Unterrichtliche Kontinuität 6
1.3 Folgerungen für die didaktische Reduktion und Strukturierung 7
1.4 Erweisbarkeit. 8
2. Unterrichtsbedingungen 9
2.1 Allgemeine Situation in der Klasse 9
2.2 Voraussetzungen für diese Stunde. 9
3. Methodische Überlegungen 11
4. Lernziele. 14
5. Verlaufsplan. 15
6. Literatur 16
7. Anhang. 17
1
1.1 Fachliche und überfachliche Erschließung des Inhalts
Ausdauer
Ausdauer ist charakterisiert durch die Fähigkeit, eine gegebene Leistung über einen möglichst langen Zeitraum durchhalten zu können. Somit ist die Ausdauer identisch mit Ermüdungswiderstandsfähigkeit“ 1 . Man unterscheidet verschiedene Formen der Ausdauer 2 : • Allgemeine und lokale Ausdauer • Allgemeine und spezielle (sportartspezifische) Ausdauer • Aerobe und anaerobe Ausdauer • Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer • Kraft-, Schnellkraft- und Schnelligkeitsausdauer
Im Schulsport soll die allgemeine aerobe Ausdauer, auch Grundlagenausdauer genannt, trainiert werden 3 . Sie wird im Folgenden erklärt. Die Definitionen der weiteren Ausdauerarten sind für diesen Unterrichtsentwurf nicht von Bedeutung und werden daher nicht aufgeführt.
Der Ausdruck ‚allgemeine aerobe Ausdauer’ setzte sich aus drei Teilbegriffen zusammen. ‚Ausdauer’ wurde bereits definiert. ‚Allgemein’ bedeutet, dass mindestens 1/7 bis 1/6 der gesamten Skelettmuskulatur aktiviert wird, das entspricht etwa der Muskelmasse eines Beines 4 . ‚Aerob’ sagt aus, dass die für die arbeitende Muskulatur benötigte Energie vorwiegend unter Verwendung von Sauerstoff bereitgestellt wird 5 .
Die allgemeine aerobe Ausdauer lässt sich zusammenfassend beschreiben als die Fähigkeit, Beanspruchungen von mehr als 1/7 bis 1/6 der gesamten Skelettmuskulatur möglichst lange ohne Ermüdungserscheinungen durchzuhalten, wobei die Energiebereitstellung vorwiegend unter Sauerstoffverbrauch erfolgt.
1 Hollmann/Hettinger S. 303
2 vgl. Weineck S. 141
3 vgl. Weineck S.225
4 vgl. Marées S.146
5 vgl. Marées S. 143, auf eine genauere Beschreibung der energetischen Prozesse wird aus Platzgründen verzich-
tet.
2
Ausdauertraining
Um die Ausdauer zu trainieren gibt es verschiedene Methoden 6 , die auch unterein-ander kombinierbar sind: • Dauermethode • Intervallmethode • Wiederholungsmethode • Wettkampfmethode
In der Grundschule sollte nach der Dauer- oder der extensiven Intervallmethode trainiert werden 7 .
Die Dauermethode besteht aus einer längeren Belastungsphase mit anschließender Pause. Bei der Intervallmethode wechseln kürzere Belastungen und Pausen ab. Extensiv bedeutet dabei, dass der Umfang - also die Trainingsdauer und Anzahl der Wiederholungen - hoch ist, die Intensität dagegen relativ gering 8 . In der vorliegenden Stunde wird eine Mischform beider Trainingsmethoden zu sehen sein, da zwei Phasen der Dauerbelastung von jeweils neun Minuten mit einer Pause zwischendurch stattfinden.
Bei Kindern im Grundschulalter sollte darauf geachtet werden, dass die Belastungsdauer mindestens 90 Sekunden beträgt, da die Energiebereitstellung etwa ab diesem Zeitpunkt überwiegend aerob erfolgt. Die anaerobe Kapazität dagegen ist kaum ausgebildet, sie kann und sollte nicht trainiert werden.
Insgesamt sollten die Kinder in jeder Stunde mindestens so viele Minuten gelaufen sein, wie sie Jahre alt sind. Die Intensität sollte jedes Kind entsprechend seines Leistungsvermögens frei wählen können, um Überlastungen zu vermeiden. Wettkämpfe sind im Ausdauertraining der Primarstufe nicht zielführend, da sie mit zu hoher Intensität ausgeführt werden und damit nicht zum Training der Grundlagenausdauer beitragen.
Spielerisches Ausdauertraining
Besonders im Grundschulbereich muss das Laufangebot interessant und abwechslungsreich sein, um langfristig Freude am lang und langsam Laufen zu entwickeln
6 Vgl. Weineck S.166
7 vgl. Weineck S.227
8 vgl. Weineck S.172
3
und zu wahren 9 . „Kontinuierliche Belastungen im Sinne von Ausdauerreizen werden nur dann akzeptiert, wenn andere Dinge - z.B. die Betätigung mit einem Ball etc. - im Vordergrund stehen“ 10 . Da Kinder am liebsten spielend lernen, muss kindgemäße Ausdauerschulung „mit eine Vielzahl abwechslungsreicher Spiele“ 11 entwickelt werden.
1.2 Begründungszusammenhang
1.2.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
Laufen ist neben Gehen die natürlichste Bewegungsform des Menschen. Aufgrund veränderter Lebensbedingungen bewegen sich Kinder heute in der Regel zu wenig. Ausdauertraining leistet einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Bewegungsmangelerscheinungen wie Übergewicht und unzureichende körperliche Leistungsfähigkeit. Es trägt damit zur Gesunderhaltung des Körpers bei und dient der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Grundschulkinder befinden sich in einer Wachstumsphase, in der sich auch die Organe des kardio-pulmonalen Systems vergrößern. Ausdauertraining kann durch seine Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System dieses Wachstum unterstützen 12 . Spielerisches und freudvolles Dauerlaufen kann die Motivation der Kinder zum lebenslangen Sporttreiben fördern.
Durch die bessere Durchblutung des Körpers - auch des Gehirns - nach Ausdauertraining sind die Kinder wacher und können Unterrichtsinhalte der übrigen Fächer besser aufnehmen.
1.2.2 Exemplarische Bedeutung
Durch spielerisches Lauftraining lernen die Schüler eine Möglichkeit zur Gesunderhaltung des Körpers und zur Verbesserung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit kennen. Erlernte Grundsätze - wie beispielsweise die Wahl eines angemessenen Tempos - können auf andere Ausdauersportarten wie Schwimmen, Rad fahren oder
9 vgl. Medler S. 24, Weineck S. 227
10 Weineck S. 227
11 vgl. Weineck S. 227
12 vgl. Marées S. 337
4
Inline Skating übertragen werden. Sie können außerdem erfahren, dass durch regelmäßiges Training ihre Kondition gesteigert wird.
1.2.3 Zugänglichkeit des Themas
Reines Dauerlaufen ruft bei Kindern in der Regel keine Freude hervor. Im Spiel bewegen sie sich jedoch häufig ununterbrochen, ohne Ermüdung oder Unlust zu empfinden. Daher erleichtert der spielerische Charakter der vorliegenden Stunde den Zugang zum Thema Ausdauertraining. Die Notwendigkeit, sich die Positionen der unterschiedlichen Bahnhöfe zu merken, um nicht weiter als nötig laufen zu müssen, erhöhen ebenso die Motivation wie der Zufallscharakter in der Spielvariante. Da die meisten Kinder schon mit der Bahn gefahren sind und wissen, dass diese genau nach Plan fährt, werden sie die Spielidee schnell aufgreifen.
1.2.4 Übereinstimmung mit dem Lehr- und Teilrahmenplan
Der Lehrplan Sport Rheinland-Pfalz nennt als eine Aufgabe des Sportunterrichts in der Grundschule die Steigerung von Kondition und Koordination. Die „gezielte Förderung der Ausdauer …“ 13 trägt zur Verbesserung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit bei. Auch die Förderung und Wahrung der Gesundheit sowie der Ausgleich körperlicher Schwächen und motorischer Defizite sind Aufgaben des Sportunterrichts. Die vorliegende Unterrichtsstunde trägt zur Umsetzung dieser Aufgaben bei. Sie entspricht außerdem dem „natürlichen Bewegungsverlagen der Kinder“ 14 , kann „Freude und Interesse am Sport [insbesondere am Laufen (Anm. der Autorin)] wecken und erhalten“ 15 sowie Erfolgserlebnisse vermitteln 16 , indem die Kinder erfahren, dass sie in der Lage sind, längere Zeit ohne Pause durchzulaufen. Durch die Wahl der Organisationsformen kann außerdem die individuelle Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden, sei es beim Lauftempo im Spiel „Alles läuft nach Plan“ oder in der Gestaltung der Bewegungsformen im Aufwärmspiel.
13 Lehrplan S.5
14 Lahrplan S. 5
15 Lehrplan S. 5
16 vgl. Lehrplan S. 7
5
Die vorliegende Stunde lässt sich in den Bereich „Leichtathletik“ einordnen, wenngleich die aerobe Ausdauer in jeder Sportstunde gefördert werden sollte 17 . Für das dritte Schuljahr wird im Lehrplan das Ziel genannt, acht bis zehn Minuten am Stück laufen zu können 18 . Die Laufdauer im Spiel „Alles läuft nach Plan“ wird dementsprechend gewählt. Wer nicht so lange laufen kann, darf zwischendurch gehen, bis er wieder fit ist. So wird auch der Forderung nach individuellem Lauftempo entsprochen.
Die Entwurfsfassung des Teilrahmenplans Sport fügt ergänzend hinzu, dass die Kinder die eigene Laufleistung einschätzen sollen. Dazu haben die Schüler in der Reflexionsphase der Stunde Gelegenheit.
1.2.5 Unterrichtliche Kontinuität
Diese Unterrichtseinheit stellt eine Einführung in den Ausdauerlauf dar. In folgenden Sportstunden wird die Ausdauer neben weiteren leichtathletischen Unterrichtsinhal-
17 vgl.Lehrplan S. 7
18 vgl. Lehrplan S. 21
6
ten weiter trainiert, so dass die Schüler Ende Juni die zweite Stufe des Laufabzeichens, 30 Minuten Laufen ohne Pause, absolvieren können. Um die Fortschritte sichtbar zu machen, wird in regelmäßigen Ausdauertests die Leistung der Schüler geprüft und in die eigens erstellten individuellen ‚Laufpässe’ eingetragen.
1.3 Folgerungen für die didaktische Reduktion und Strukturierung
Die Einbettung des Ausdauertrainings in das Stundenthema ‚Alles nach Plan bei der Bahn’ dient der Ablenkung der Schüler von der Ausdauerbelastung. Da viele Schüler eine reine Dauerbelastung über 15 oder mehr Minuten noch nicht durchhalten würden und das reine Abfahren von Fahrplänen in diesem Zeitraum langweilig würde, habe ich mich für eine zweigeteilte Belastungsphase im Hauptteil der Stunde entschieden. Dadurch können die Schüler sich etwas erholen, außerdem kann eine Spielvariante erklärt werden, welche die Laufmotivation in der zweiten Phase durch mehr Abwechslung erhöht. Um dem unterschiedlichen Leistungsstand der Schüler zu entsprechen, darf jeder sein Lauftempo individuell wählen. Darüber hinaus ist es erlaubt, bei Erschöpfung eine kurze Gehpause einzulegen, bis wieder weiter gelaufen werden kann.
Die Einschätzung der eigenen Befindlichkeit sowie das Nachdenken über mögliche Gründe dafür hilft den Schülern, ihr Verhalten kritisch zu reflektieren und Erkenntnisse für das weitere Training zu ziehen. Die Reflexionsphase im Anschluss an den Lauf ist daher wichtig.
Die Partnermassage „Zug putzen“ zum Abschluss habe ich gewählt, um die Kinder zur Ruhe zu bringen, sodass sie dem weiteren Unterricht aufmerksam folgen können. Sie rundet außerdem das Thema Bahn fahren ab.
7
1.4 Erweisbarkeit
Das Training der Ausdauerleistungsfähigkeit ist ein langer Prozess. Verbesserungen lassen sich nicht in einer Unterrichtsstunde ablesen. Ob die Schüler jedoch angemessen trainiert haben zeigt sich daran, dass sie während der Spiele kontinuierlich in Bewegung waren und ins Schwitzen gekommen sind. Ihre Haut wird leicht gerötet sein.
Am Einfallsreichtum wie auch an der Genauigkeit der Bewegungsimitation kann das Training der Bewegungsgestaltung erkannt werden. Die Verbesserung der Raumorientierung wird deutlich, wenn die Schüler zielgerichtet und ohne Kollision mit anderen zum nächsten Bahnhof laufen können, ohne erst danach suchen zu müssen. An der Zuordnung der Kinder zu den Bildkarten wie auch an den Anzeichen ihres Körpers (Schwitzen, gerötete Haut) kann erkannt werden, ob die Schüler ihr Laufverhalten richtig eingeschätzt haben.
Die Fähigkeit zur Körperwahrnehmung und Entspannung lässt sich bedingt daran erkennen, ob die Schüler in Ruhe die Massage genießen oder nicht. Besonders kitzelige Schüler beispielsweise können diese Bild verfälschen: Sie werden nicht ruhig daliegen, dennoch ist ihre Körperwahrnehmung ausgeprägt und sie können die Massage genießen.
8
2.1 Allgemeine Situation in der Klasse
28 Kinder, davon 12 Mädchen besuchen zur Zeit die Klasse 3c.
Seit Februar 2006 wird die Klasse in Sport von mir unterrichtet, zuvor hat die Klassenlehrerin den Unterricht fachfremd durchgeführt.
Im Allgemeinen nimmt die Klasse bereitwillig und mit Freude am Sportunterricht teil und lässt sich auch auf neue Angebote ein. Vor allem für Spiele sind die Kinder sehr zu begeistern.
Die Kinder sind es gewohnt, auf einen Pfiff (Pfeife) meinerseits ihre Aktivitäten einzustellen und ihre Aufmerksamkeit auf mich zu richten. Gespräche finden meist im ‚schwarzen’ Kreis statt, auf dem sich die Kinder auf ein Handzeichen von mir sammeln.
Zu Beginn der Stunde biete ich den Schülern einen ‚offenen Anfang’ an, in dem sie sich mit bereitgestellten Kleingeräten so lange beschäftigen können, bis die übrigen Schüler umgezogen sind. Dieses Angebot wird von den Kindern mit großer Freude und Bewegungsvielfalt angenommen.
Am Ende jeder Stunde überprüft ein aus zwei Schülern bestehender ‚Schrankdienst’ die Ordnung in den Schränken, verschließt diese und bringt die Schlüssel zurück in den Schlüsselkasten.
2.2 Voraussetzungen für diese Stunde
Das Zugführerspiel wurde bereits in vorangegangenen Stunden eingeführt. Auch die Magnettafel als Hallenplan und die Mini-Matten sowie die Organisation des Matten-transports - vier Schüler pro Matte - sind den Schülern bekannt.
Zum ausdauernden Laufen kennen die Schüler zwei Regeln:
• Laufe langsam, dann hältst du länger durch. • Wenn du nicht mehr kannst, gehe, bis du wieder fit bist.
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Arbeit zitieren:
Andrea Lenz, 2007, Alles nach Plan bei der Bahn…? Spielerisches Ausdauertraining, München, GRIN Verlag GmbH
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