Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zentrale Begriffe der Systemtheorie 4
2.1 Die Organisationsweise der Autopoiesis 4
2.2 Sinn und Sinndimensionen 5
2.3 Die Ebenen sozialer Systeme 6
3. Einfache Sozialsysteme bei Niklas Luhmann 6
3.1 Das Kriterium der Anwesenheit 7
3.2 System und Umwelt 7
3.3 Strukturbildung durch Thema und Beitrag 8
3.4 Individuen und Personen 9
3.5 Das Theorem der (zweifach) doppelten Kontingenz 9
4. Die Kommunikation als selbstreferentieller Prozess 10
4.1 Eine Synthese aus Selektionen 10
4.2 Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation 12
4.3 Die Beteiligung des Bewusstseins an der Kommunikation 13
4.4 Kommunikation und Handlung 13
5. Impulse für die Kommunikationswissenschaft 14
6. Schlussbemerkung 16
7. Literaturverzeichnis 18
Anhang:
Abbildung 1
2
1. Einleitung
Als der Soziologieprofessor Niklas Luhmann 1969 von der Universität Bielefeld aufgefordert wurde, sein Forschungsprojekt zu benennen, beschrieb er seine Arbeit folgendermaßen. Sein Projekt lautete damals und seitdem: „Theorie der Gesellschaft; Laufzeit: 30 Jahre; Kosten: keine“. 1
Niklas Luhmann verfolgte bei seiner langjährigen Arbeit an der Konstruktion einer umfassenden Systemtheorie das Ziel, eine „[...] universal angelegte Theoriearchitektur [...]“ 2 zu entwerfen, die in der Lage ist der komplexen modernen Weltgesellschaft gerecht zu werden.
Als Schüler des Systemtheoretikers Talcott Parsons, beschäftigt sich auch Niklas Luhmann mit Systemen und deren Zusammensetzung aus Elementen zu komplexen Strukturen. Dennoch sind ihre Theorien, hinsichtlich der Komponenten und ihrer Organisationsweise, unterschiedlich. 3
Niklas Luhmanns Gesellschaftstheorie lässt sich in vier Teilbereiche untergliedern, die allgemeine Systemtheorie, die Evolutionstheorie, die Differenzierungstheorie und die Kommunikationstheorie. Hierfür fließen Ansätze aus sehr unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen mit ein, wie zum Beispiel aus der Biologie, der Kybernetik, der Neurophysiologie und der Erkenntnistheorie. 4
Im Folgenden sollen die, aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, relevanten Bereiche der Systemtheorie näher beleuchtet werden. Die einfachen Sozialsysteme und das Verständnis von Kommunikation bei Niklas Luhmann. Aufgrund der begrenzten Umfangsvorgabe können nicht alle Aspekte der Systemtheorie berücksichtigt werden. Einige Bereiche der Theorie können daher entweder nur angerissen, oder müssen gänzlich außer Acht gelassen werden. Bei der Verwendung von Beispielen im Text, die sich durch kursive Schrift absetzen, wird der Individuumsbegriff, aus Gründen der Veranschaulichung, nicht im systemtheoretischen Sinn gebraucht werden. Abschließend soll auf den Unterschied der systemtheoretischen, im Vergleich zur handlungstheoretischen und wissenssoziologischen, Perspektive auf die interpersonale Kommunikation eingegangen werden. Es wird also der Frage nachgegangen, inwiefern die Ansätze der Systemtheorie zum besseren Verständnis interpersonaler Kommunikation verhelfen und welche Vorteile diese „neue“ Herangehensweise mit sich bringt. „Neu“ soll dabei nicht im Sinne von aktuell verstanden werden, sondern ist im Vergleich zu Kommunikations-
1 Luhmann(1997), S. 11.
2 Krallmann/Ziemann (2001), S. 309.
3 Vgl. Beck, Klaus (2006), S. 278.
3
theorien und -modellen zu sehen, die bis zur Etablierung der Systemtheorie vorherrschend/ traditionell waren.
2. Zentrale Begriffe der Systemtheorie
Die Begriffe System, Autopoiesis und Sinn durchziehen Luhmanns gesamte Systemtheorie und ermöglichen eine Unterteilung in drei Analyseebenen, die zur Verdeutlichung in Abbildung 1 dargestellt sind. Die Ebene des Organisationsprinzips von Systemen, die Ebene ihrer Operationsweise und die Ebene der Systemarten innerhalb der sozialen Systeme.
Ein System ist eine spezifische Menge an Elementen, die zueinander in Beziehung stehen und so eine Struktur aufbauen. Die Elemente bilden dabei eine abgegrenzte Einheit, die sich von der sie umgebenden Umwelt unterscheidet. Ein weiteres Charakteristikum ist, dass das Systemganze stets mehr ergibt als die Summe seiner einzelnen Teile. Die Elemente werden in einer jeweils spezifischen Art und Weise zusammengefügt werden und gehen Verbindungen ein. Eine theoretisch andere Anordnung und Strukturierung der identischen Teile würde auch eine andere Ganzheit ergeben. 5
2.1 Die Organisationsweise der Autopoiesis
Die erste Ebene beschreibt, auf welche Weise sich die Systeme organisieren. Luhmann unterscheidet grundsätzlich drei Arten von autopoietischen Systemen, die biologischen, psychischen und die sozialen Systeme. 6
Niklas Luhmann führt 1984 den, aus der Biologie stammenden, Begriff der Autopoiesis in die Systemtheorie ein und bewirkt so eine Wende in seiner Theorie sozialer Systeme. 7 Systeme, die nach dem autopoietischen Konzept funktionieren, sind autonom gegenüber der Umwelt, weil sie weitgehend unabhängig von ihr existieren, aber trotzdem auf bestimmte Umwelteinflüsse angewiesen sind. Weiterhin können sie als operational geschlossen bezeichnet werden, weil es während des Bestehens des Systems weder Anfang noch Ende gibt. Systeme sind zwar „[...] operational, organisational und informationell geschlossen, aber materiell und energetisch offen“. 8 Neben der operationalen Geschlossenheit sind gleichzeitig offen, da sie Dinge, wie zum Beispiel
4 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 311.
5 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 312.
6 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 318 - 319.
7 Vgl. Krallmann/Ziemann 2001, S. 311.
8 Krallmann/Ziemann (2001), S. 315.
4
Rohstoffe und Energie, die sie nicht aus sich selbst hervor bringen können, aus der Umwelt beziehen müssen. Weitere Charakteristika eines autopoietischen Systems sind die Selbstproduktion und die Selbsterhaltung der Elemente in selbstreferentiellen Prozessen und die Selbstorganisation der Strukturen. Selbstreferenz bedeutet, dass die Bildung und Erhaltung eines Systems nur aus sich selbst heraus passieren kann. Die Elemente werden also, durch Bezugnahme auf sich selbst, aus den eigenen Elementen gebildet. 9 Zum Beispiel werden in einer partnerschaftlichen Beziehung Strukturen wie die Verteilung der Aufgaben, also wer Einkaufen geht und wer das Geld verdient, aber auch die Aufrechterhaltung der Beziehung, allein durch sich selbst organisiert und gewährleistet.
2.2 Sinn und Sinndimensionen
Die zweite Analyseebene beschreibt, die von Sinn geleitete, Operationsweise von Systemen. Von den biologischen, psychischen und sozialen Systemen sind es nur die sozialen, deren Sinnverarbeitung durch Kommunikation vollzogen wird. Nur sie bestehen, organisieren und erhalten sich in Form von Kommunikation. Im Gegensatz dazu, geschieht die Sinnverarbeitung bei den psychischen Systemen durch Gedanken und Vorstellungen. Das Medium 10 Sinn ist das Bindeglied zwischen den psychischen und den sozialen Systemen. 11
Der Sinnbegriff bei Niklas Luhmann bezieht sich auf Selektionen und Differenzen, er ist also nicht gleichzusetzen mit der im Alltag gebräuchlichen Bedeutung von Sinn. Um in der komplexen Welt, mit ihrem unendlichen Horizont an Möglichkeiten, kommunizieren, handeln und erleben zu können, muss selektiert werden. Das potentiell Mögliche wird durch eine Aktualisierung mit Sinn ausgestattet. Sinn hat die Funktion, die Komplexität des Handelns und Erlebens zu reduzieren, gleichzeitig aber auch auf andere Möglichkeiten zu verweisen. Es ist also nicht nur das, was ausgewählt wurde, sondern auch der Verweis auf das nicht selektierte von Bedeutung. 12
Nachdem ein Ereignis aktuell ist, verschwindet es sofort wieder und macht so Platz für den Anschluss neuer, sinnhafter Möglichkeiten. An diesem Sachverhalt der zeitlichen Instabilität und rekursiven Erneuerung wird deutlich, dass auch Sinn nach dem autopoietischen Konzept operiert. 13
9 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 313-314.
10 Medien treten immer in einer bestimmten Form auf, sie bezeichnet die Erscheinung des Mediums. Zum Beispiel ist die Sprache eine Form des Mediums Sinn (Vgl. Krause (2001), S. 171-172).
11 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 317-319.
12 Vgl. Schützeichel (2004), S. 244-245.
13 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 318.
5
Nach Luhmann werden drei Sinndimensionen unterschieden, nämlich die Zeit-, die Sach-und die Sozialdimension. Die Zeitdimension bezeichnet das Wann, indem sie aus der prozessierten Unterscheidung zwischen vorher versus nachher resultiert. Die Sachdimension differenziert dies von dem anderen und bezeichnet das Was. Die Sozialdimension bezeichnet das Wer und ergibt sich aus der prozessierten Unterscheidung des Verhältnisses und der Perspektiven zwischen Alter und Ego 14 . Wenn Person A und Person B (Sozialdimension), beispielsweise kommunizieren, dann geschieht dies zu einem konkreten Zeitpunkt (Zeitdimension), über ein aktuell definiertes Thema (Sachdimension) und gibt Auskunft über die Beziehung zwischen den beiden und deren jeweilige Perspektive.
2.3 Die Ebenen der sozialen Systeme
Auf der dritten Analyseebene lassen sich die sozialen Systeme, nach ihrem unterschiedlichen Komplexitätsgrad, in die Ebenen der Interaktion, Organisation und der Gesellschaft gliedern. Die Gesellschaft kann wiederum in verschiedene Funktionssysteme, wie Religion, Politik, Familie etc. , unterteilt werden. 15 Sie fungiert dabei als ein umfassendes, differenziertes System, das aus Teilsystemen und Teilsystemen in Teilsystemen besteht. 16
Anschließend wird das einfache Sozialsystem, als ein „[...] rein situatives [...]“ 17 System, näher erläutert.
3. Einfache Sozialsysteme
Niklas Luhmann bezeichnet Interaktionssysteme auch als einfache Sozialsysteme, da sie als Systemtypus die am wenigsten komplexen Systeme einschließen und dadurch für die Beteiligten überschaubar sind. 18
Das einfache Sozialsystem besteht so lange, bis sich das Verhalten des einen nicht mehr an den Selektionen des anderen orientiert, also intern keine Kommunikation mehr produziert wird. 19 Der Vorteil dieser zeitlichen Begrenzung des Interaktionssystems ist, dass es zwar
14 Luhmann bezeichnet den Mitteilenden als Alter und den Adressaten einer Mitteilung als Ego (Vgl. Luhmann (1984), S. 195).
15 Vgl. Krallmann/Ziemann (2001), S. 318-319.
16 Vgl. Luhmann (1981), S. 30.
17 Krallmann/Ziemann (2001), S. 319 .
18 Vgl. Luhmann (2005a), S. 26.
19 Vgl. Schützeichel (2004), S. 263.
6
Arbeit zitieren:
Dorothea Dentler, 2006, "Kommunikation" und "einfache Sozialsysteme" bei Niklas Luhmann - Impulse für die Kommunikationswissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Theorie der Macht bei Niklas Luhmann
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Transkulturalität auf dem Prüfstand
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 19 Seiten
Second Language Learning Theories – The Behaviouristic Approach as the...
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hauptseminararbeit, 23 Seiten
Identitätsfindung und Sozialisationsprobleme ausländischer Jugendliche...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 31 Seiten
Reflektierende Dokumentation zum Praktikum im Studiengang B.A. Bildung...
Praktikumsbericht / -arbeit, 23 Seiten
Die Prozesskostenrechnung - Grundlagen, Verfahrensweisen, Einsatz
Studienarbeit, 35 Seiten
Inwiefern veränderten sich die Stellung der Familie und die Familienfo...
Bedeutung der Familie aus der ...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Essay, 9 Seiten
Grundlagen des Qualitätsmanagements
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 12 Seiten
Konzeption, Planung und Durchführung einer Trainingsmaßnahme
Eine reflektierende Dokumentat...
Praktikumsbericht / -arbeit, 19 Seiten
Das 4CID Modell in der Anwendung für komplexes Lernen zum Referieren u...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Identitätskrisen bei türkischen Migrantenjugendlichen
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 27 Seiten
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hauptseminararbeit, 34 Seiten
Definition eines soziologischen Schlüsselbegriffes: Schicht
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 15 Seiten
Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Exzerpt, 23 Seiten
Dorothea Dentler hat den Text "Kommunikation" und "einfache Sozialsysteme" bei Niklas Luhmann - Impulse für die Kommunikationswissenschaft veröffentlicht
Dorothea Dentler hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare