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Seminararbeit, 2007, 16 Seiten
Autor: Stefan Zeuge
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin
Tags: Quellenlage, Forschungsdiskussion, Lykurg, Sparta
Jahr: 2007
Seiten: 16
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-74139-2
Dateigröße: 135 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Humboldt – Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften
Wintersemester 2006/2007, 3. Fachsemester
Proseminar: Sparta
Quellenlage und Forschungsdiskussion zu Lykurg
von
Stefan Zeuge
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Quellenlage 4
3. Forschungsdiskussion 10
4. Zusammenfassung 14
Bibliographie 15
1. Einleitung
Die spartanische Verfassung unterschied sich in klassischer Zeit, also im 5. und in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr., deutlich von denen anderer griechischer Poleis. Ihren Ursprung führte man in dieser Periode jedoch nicht auf eine allmähliche gesellschaftliche Entwicklung, sondern, ähnlich wie in anderen Poleis, auf eine Gründerfigur zurück. Als diese wird in den antiken Quellen nahezu einheitlich der Gesetzgeber Lykurg genannt. Seine Historizität, obwohl in der Antike nicht hinterfragt, ist jedoch äußerst umstritten, da die antiken Autoren ihrerseits auf mündliche Überlieferungen der Vergangenheit angewiesen waren. So sind denn auch die Angaben zu Lebenszeiten und Ausmaß der Gesetzgebung des Lykurg bei verschiedenen Autoren teilweise recht widersprüchlich. Die Quellen, aus denen Lykurg überliefert ist, weisen zwei Besonderheiten auf. Zum einen sind sie, wie beschrieben, im Bezug auf den Gesetzgeber nicht zeitgenössisch, zum anderen wurden sie allesamt von Nicht-Spartanern verfasst. Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, wie unter diesen besonderen Vorzeichen die Figur des Lykurg sowohl in der Antike wie auch in der neueren Geschichtsschreibung behandelt wurde bzw. wird. Wie kann sie mit der relativ gut belegten politischen und sozialen Ordnung Spartas in klassischer Zeit in Zusammenhang gebracht werden? Kann sie bzw. die Entstehung der spartanischen Verfassung in eine historische Chronologie nach modernen Maßstäben eingefügt werden?
Um diese Fragen zu beantworten, sollen zunächst die wichtigsten antiken Quellen einer kritischen Analyse und Interpretation unterzogen werden. Dabei sind neben dem eigentlichen Text die Persönlichkeit des Autors, seine Zeitumstände und die Motivation der Niederschrift zu beachten. Anschließend soll die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnende Forschungsdiskussion um Historizität und Lebenszeit des Lykurg betrachtet werden, um festzustellen, ob sich daraus neue Informationen zur spartanischen Frühgeschichte ableiten lassen. Zu dieser Untersuchung sollen die fünf meist besprochenen und in moderner Übersetzung vorhandenen Quellen herangezogen werden. Diese sind: Herodot, Xenophons Lakedaimonion politeia, Aristoteles’ Politika, Diodor und Plutarchs Vita des Lykurg aus seinen Vitae Parallelae. Als Forschungsliteratur werden deutsch- und englischsprachige Artikel aus althistorischen Zeitschriften sowie die entsprechenden Kapitel aus Gesamtdarstellungen und Monographien verwendet.
2. Quellenlage
Die früheste Erwähnung des Lykurg findet sich bei Herodot, der von 484 – 425 v.Chr. lebte. Dieser unternahm in der Mitte des 5. Jahrhunderts ausgedehnte Reisen, die ihn, nach eigenen Angaben, auch nach Sparta führten.1 Ergebnis dieser Reisen ist ein umfangreiches Geschichtswerk, das sich in seinem Hauptteil mit den Perserkriegen beschäftigt, darüber hinaus aber auch versucht, eine umfassende Geschichte der daran beteiligten Völker, also auch Spartas, zu schildern. In seiner Methode musste sich Herodot dabei nahezu ausschließlich auf die mündliche Tradition des ihm vor Ort Erzählten verlassen.2 Herodot schildert in diesem Werk, wie Lykurg nach der Tradition aus der Mitte des 5. Jahrhunderts die politische Ordnung in Sparta schuf.3 Dieser hatte demnach in Delphi folgenden Orakelspruch erhalten:
Du kommst, o Lykurg zu meinem reichen Tempel, als ein dem Zeus und allen Bewohnern des Himmels beliebter Mann. Ich weiß nicht, ob ich dich als einen Gott oder Menschen anreden soll: Doch ist mir glaublicher, o Lykurg, dass du ein Gott seiest.4
Anschließend schildert Herodot zwei alternative Varianten des Ursprungs der spartanischen Ordnung. Die eine besagt, dass ihm die Pythia in Delphi die Gesetze gegeben hat, nach der anderen, bei den Spartanern bekannten, hat er sie in der Funktion des Vormundes des zukünftigen Königs Labotas, aus dem Könighaus der Agiaden5, aus Kreta gebracht. Über die Gesetzgebung selbst wird nur gesagt, dass Lykurg die kleinsten Einheiten des spartanischen Heeres (Enomotias), die Dreißigschaften (Triakadas), die Tischgenossenschaften (Syssitia), die Ephoren und den Ältestenrat eingesetzt habe.
[...]
1 Oliva (1984) 534.
2 Bengtson (1969) 87.
3 Hdt. I,65/66.
4 Hdt. I,65.
5 Sparta verfügte über die außergewöhnliche Einrichtung eines Doppelkönigtums; d.h. es herrschten zwei Könige aus verschiedenen Königshäusern, den Agiaden und den Eurypontiden, gleichzeitig.
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