Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................- 2 -
1. Problemstellung und Literaturbericht - 3 -
2. Huntingtons These vom Clash of Civilizations - 5 -
2.1 Zivilisationsbegriff und Einteilung der Welt in Kulturkreise - 5 -
2.2 Kampf der Kulturen: Ursachen und Ausprägungen - 7 -
3. Huntingtons Fallbeispiel: Der Bosnienkrieg 1992-1995 - 10 -
3.1 Kriegsverlauf und Akteure - 10 -
3.2 Erklärungsansatz nach Huntington - 11 -
4. Kritik an Huntingtons Erklärungsansatz und deren Untersuchung am Fallbeispiel - 13 -
4.1 Fragwürdige Kulturkreiseinteilung und Abgrenzung - 13 -
4.2 Reduzierung des Kulturbegriffs auf Religion - 14 -
4.3 Annahme absolut homogener Kulturkreise - 16 -
4.4. Unterbewertung der Nationalstaaten als Akteure der internationalen Politik - 17 -
4.5 Fragwürdigkeit des Kin-Country Syndroms und der Kernstaatenkonflikte - 19 -
5. Fazit - 21 -
Literaturverzeichnis - 23 -
- 2 -
1. Problemstellung und Literaturbericht
Im Dezember 1991 leitete der Zusammenbruch der Sowjetunion das Ende des Kalten Krieges und der daraus resultierenden bipolaren Machtordnung ein. In Folge dessen diskutiert die politikwissen- schaftliche Fachwelt seit den neunziger Jahren verstärkt darüber, wie sich die internationale Politik nach dem Ende des Ost-West-Konflikts entwickeln wird. Die wohl bekanntesten Abhandlungen zu dieser Thematik stellen John Mearsheimers Publikation „Back to the Furture – Instability in Europe after the Cold war“ und die Ausführungen Samuel P. Huntingtons zum Kampf der Kulturen dar. Letztere veröffentlichte der Harvard-Professor im Jahre 1993 als Aufsatz mit dem Titel „The Clash of Civilizations?“ in der Zeitschrift Foreign Affairs. Huntington erläutert darin seine These, dass Konflikte in Zukunft primär zwischen Kulturkreisen bzw. zwischen Angehörigen verschiedener Kulturkreise entlang kultureller Bruchlinien und nicht mehr – aus ideologischen oder wirtschaftli-
chen Gründen - zwischen einzelnen Nationalstaaten entstehen und ausgetragen werden. 1 Diese Prog-
nose eines Kampfes der Kulturen löste in den letzten Jahren eine sehr kontroverse und weltweit ge- führte Diskussion aus. Huntington sah und sieht sich neben sehr viel Zuspruch auch enormer Kritik
ausgesetzt 2 , was ihn u.a. dazu bewegte, im Jahre 1996 die These vom Kampf der Kulturen in einem
eigenständigen Buch „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“ zu verteidigen bzw. zu präzisieren.
Die vorliegende Arbeit stellt Huntingtons Kampf der Kulturen zur Diskussion und geht mit Blick auf den Bosnienkrieg (1992-1995), den Huntington als eines der Paradebeispiele für seine These nennt, gezielt der Frage nach, ob Huntingtons Konzept vom „Clash of Civilizations“ tatsächlich haltbar ist. Zu diesem Zweck wird Huntingtons These in einem ersten Schritt erläutert. Um diese bewerten zu können, wird in einem zweiten Schritt der Bosnienkrieg als Fallbeispiel untersucht. Einer Einführung in Verlauf und Hintergründe des Bosnienkonflikts folgt der detaillierte Erklä- rungsansatz des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers. Im Folgenden sollen Kritikpunkte an Huntingtons Theorie dargelegt und am Beispiel des Bosnienkrieges auf ihre Berechtigung unter- sucht werden. Abschließend werden die bei der Untersuchung des Fallbeispiels gewonnen Erkennt- nisse generalisiert, um zu allgemeinen Erkenntnissen über die Richtigkeit bzw. Falschheit der These Huntingtons zu gelangen.
1 Vgl. Huntington, 1996: S. 410f.
2 Vgl. Ebd.: S. 11.
- 3 -
Für die Analyse der Huntington’schen These vom Kampf der Kulturen bzw. für die Erklärung des Bosnienkrieges aus Sicht Huntingtons wurden die Arbeiten des Politikwissenschaftlers selbst, d.h. der Artikel „The Clash of Civilizations?“ aus Foreign Affairs, sowie spätere Monographien Hun- tingtons verwendet. Die Ausführungen zum Bosnienkrieg bzw. dessen Entstehung aus geschichts- wissenschaftlicher Sicht sind im Wesentlichen dem Werk „Der Krieg in Bosnien-Hercegovina“ von Marie-Janine Calic entnommen. Schließlich wurden für die kritische Auseinandersetzung mit Hun- tingtons These Monographien bzw. Aufsätze von Gazi Calgar, Giacomo Chiozza, Ajami Fouad, Harald Müller, Dieter Senghaas, Amartya Sen und Bassam Tibi herangezogen.
- 4 -
2. Huntingtons These vom „Clash of Civilizations“
In seinem Aufsatz „The Clash of Civilizations?“ geht Samuel P. Huntington der Frage nach, welche Konflikte bzw. Konfliktlinien die Welt nach dem Ende des Ost-West-Konflikts beherrschen werden und worin die Gründe hierfür zu suchen sind. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass zukünftige Konflikte zumeist entlang kultureller Konfliktlinien auftreten werden, anstatt wie früher aufgrund ideologischer und ökonomischer Unterschiede bzw. Abgrenzungen. Diese interkulturellen Konflikte würden laut Huntington häufig auch von den jeweiligen Kulturgenossen gemeinsam ausgetragen. Obwohl Nationalstaaten ihre Rolle als mächtigste weltpolitische Akteure auch in Zukunft behaupte- ten, träten Konflikte also hauptsächlich zwischen Nationen oder Gruppen aus verschiedenen Kultur- kreisen auf. Zwar gäbe es auch weiterhin Konflikte zwischen Staaten und Gruppen aus einer Zivili-
sation, doch seien diese weniger intensiv und breiteten sich weniger stark aus. 3
2.1 Zivilisationsbegriff und Einteilung der Welt in Kulturkreise
Da Huntington kulturelle Unterschiede als Konfliktquelle der Zukunft ausgemacht hat, gruppiert er bei der Analyse künftiger Konfliktlinien Staaten nicht – wie bislang üblich – anhand gleicher bzw. ähnlicher ökonomischer und politischer Systeme oder äquivalentem wirtschaftlichem Entwicklungs-
stand, sondern anhand kultureller Gemeinsamkeiten. 4 . Dementsprechend betrachtet Huntington Kul- turkreise („civilizations“ 5 ) als
„[…] the highest cultural grouping of people and broadest level of cultural identity
people have short of that which distinguishes humans from other species.” 6
Solche Zivilisationen definieren sich „sowohl durch gemeinsame objektive Elemente wie Sprache, Geschichte, Religion, Sitten, Institutionen als auch durch subjektive Identifikationen der Menschen
mit ihr.“ 7 Derartige Faktoren sind dazu geeignet, einerseits Angehörige verschiedener Kulturkeise in
Konflikte zu treiben, andererseits aber auch Kulturgenossen zu einen.
3 Vgl. Huntington 1993: S. 38.
4 Vgl. Ebd.: S. 24.
5 Die inhaltlich korrekte deutsche Übersetzung des Wortes „civilization“ lautet „Kulturkreis“. Eine Gleichsetzung mit dem deutschen Wort „Zivilisation“ ist unter Sprachwissenschaftlern umstritten. Im Folgenden werden – aus Gründen der einfacheren Handhabbarkeit - allerdings beide Übersetzungen gleichbedeutend verwendet.
6 Huntington 1993: S. 24.
7 Huntington 2002: S. 54.
- 5 -
Huntington zeigt zudem auf, dass Zivilisationen sowohl aus lediglich einem Nationalstaat, als auch
aus mehreren Staaten bestehen können. 8 Zudem erkennt er in manchen Kulturkreisen jeweils einen
so genannten Kernstaat, der sich von den anderen Ländern aufgrund eines höheren - meist militäri- schen - Machtpotentials absetzt. Solche Kernstaaten haben eine Ordnungs- und Stabilisierungsfunk- tion, da sich weniger potente Staaten innerhalb des Kulturkreises diesen mächtigeren Ländern unter- ordnen, um militärischen Beistand zu erhalten und die Durchsetzung eigener Interessen sicherzustel- len. An die Stelle der einstigen bipolaren Ordnung tritt bei Huntington also die Vorstellung einer multipolaren Welt.
Entsprechend ihrer kulturprägenden Religionen unterteilt Huntington die Erde in sieben bzw. acht
Kulturkreise 9 , wobei dem Judentum und dem Buddhismus wenig Bedeutung beigemessen wird: den
westlichen-christlichen (Kernstaat USA), den slawisch-orthodoxen (Kernstaat Rußland), den konfu-
zianischen 10 (Kernstaat China), den japanischen (Kulturkreis und Kernstaat identisch), den hinduis-
tischen (ohne Kernstaat), den islamischen (ohne Kernstaat) und den lateinamerikanischen Kultur- kreis (ohne Kernstaat), sowie einen mehr oder weniger homogenen afrikanische Kulturkreis (ohne Kernstaat). Letzterer ist seiner Ansicht nach zwar bislang kulturell und religiös äußerst heterogen,
jedoch entwickelt sich zunehmend eine eigenständige afrikanische Identität 11 .
Obwohl Huntington die von ihm ausgemachten Kulturkreise geographisch relativ deutlich vonein- ander abgrenzt, nimmt er dennoch eine wichtige Einschränkung vor:
„Civilizations are dynamic; they rise and fall; they divide and merge. And, as any student of
history knows, civilizations disappear and are buried in the sands of time. 12 “
Kulturkreise sind also keine politischen Einheiten, deren Grenzen eindeutig gezogen werden kön- nen, und die für alle Ewigkeit starr und unveränderlich sein müssen. Für Huntington sind Kultur- räume zwar äußerst langlebig, aber dennoch einem gewissen Entwicklungsprozess unterworfen, da
sie sich überlappen und aufeinander einwirken können. 13
8 Vgl. Huntington 1993: S. 24.
9 Vgl. Ebd.: S. 25.
10 In seinem Aufsatz von 1993 spricht Huntington vom konfuzianischen Kulturkreis. Dies präzisiert er in seinen späteren Werken, indem er fortan den Begriff des sinischen Kulturkreises gebraucht.
11 Vgl. Huntington 2002: S. 61.
12 Huntington 1993: S. 24.
13 Vgl. Huntington 2002: S. 53ff.
- 6 -
Arbeit zitieren:
Michael Adam, 2007, Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Huntingtons Kampf der Kulturen in der politikwissenschaftlichen Debatt...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 19 Seiten
Entwicklungen des Parteiensystems der BRD
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Max Weber. Wissenschaft als Beruf
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Der Wandel von Souveränität unter dem Eindruck humanitärer Interventio...
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hauptseminararbeit, 29 Seiten
Terrorismus: Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen und Verläufe
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Magisterarbeit, 86 Seiten
Sinkende Wahlbeteiligung - eine Gefahr für die Demokratie?
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 11 Seiten
Zusammenfassung des Freudschen Aufsatzes "Das Unbehagen in der Ku...
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Einführung in die Grundlagen von Niklas Luhmanns Systemtheorie
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hauptseminararbeit, 25 Seiten
Der Irakkrieg aus Sicht des Sozialkonstruktivismus
Inwiefern kann die Denkschule ...
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 18 Seiten
Samuel P. Huntingtons 'Kampf der Kulturen': Eine realistische...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 16 Seiten
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Diplomarbeit, 131 Seiten
Das Prinzip Hoffnung in den Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 25 Seiten
Kriminalität in der Frühen Neuzeit
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hauptseminararbeit, 36 Seiten
Höhere Lebenschancen durch Grundeinkommen?
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 30 Seiten
Gerechtigkeit bei der Finanzierung von Gesundheitsleistungen
Seminararbeit, 15 Seiten
Michael Adam's Text Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael Adam hat den Text Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion veröffentlicht
Michael Adam hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare