Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Textelemente 3
3. Zeit
3.1 Erzählzeit - erzählte Zeit 4
3.2 Ordnung 4
3.3 Dauer 5
3.4 Frequenz 6
4. Modus
4.1 Distanz 6
4.2 Fokalisierung 7
5. Stimme
5.1 Zeitpunkt des Erzählens 8
5.2 Stellung des Erzählers 8
5.3 Ort des Erzählens 9
5.4 Subjekt und Adressat des Erzählens 9
6. Schlussbetrachtung 10
7. Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung Die fiktionale Erzählung „Seegeister“ von Ilse Aichinger 1 aus dem Jahr 1952 ist dem Sammelband „Klassische deutsche Kurzgeschichten“, herausgegeben von Werner Bellmann im Jahr 2003, entnommen und ist dort auf den Seiten 111-118 abgedruckt.
Thema der Erzähltextanalyse ist „Die Gesellschaft – Instrument der individuellen Zerstörung?“. Zunächst erfolgt eine Analyse des Aufbaus, der Zeit, des Modus und der Stimme. Ich beziehe mich dabei auf die „Einführung in die Erzähltheorie“ von Martinez/Scheffel 2 , die als Grundlage für die verwendeten Fachbegriffe gilt.
In einer Schlussbetrachtung möchte ich die Ergebnisse der Analyse kurz zusammenfassen und anschließend mit Hilfe einer Diskussion des Sekundärtextes „Ilse Aichinger- Seegeister“ von Richard Reichensperger 3 die Fragestellung „Zerstört die Gesellschaft das Individuum?“ beantworten.
2. Textelemente
Die Kurzgeschichte umfasst siebeneinhalb Seiten und 226 Zeilen. Sie ist nicht fortlaufend gedruckt, sondern durch Leerzeilen in vier Abschnitte unterteilt.
Die Einleitung besteht aus den Zeilen 1-10. Sie bezieht sich auf die folgenden drei Abschnitte, in denen jeweils eine differenzierte Handlung beschrieben wird.
Während der erste Abschnitt aus 86 Zeilen besteht, umfassen der zweite und der dritte 65 Zeilen. Der Titel „Seegeister“ bezieht sich auf die Figuren, deren Schicksal in den drei Abschnitten vorgestellt wird - der Mann, der sein Boot nicht mehr ausschalten konnte, die Frau, die ohne Sonnenbrille vergeht und die drei Mädchen, die einen Matrosen ausgelacht haben, sodass dieser, als er ihnen zeigen wollte wie mutig er ist, verunglückte. Diese Figuren stehen für die Geister, die im See spuken.
1 Aichinger, Ilse: Seegeister. In: Klassische deutsche Kurzgeschichten. Hrsg. von Werner Bellmann. Stuttgart 2003. S. 111-118.
2 Martinez, Matias/ Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. 6. Auflage. München 2005. 3 Reichensperger, Richard: Ilse Aichinger. Seegeister. In: Interpretationen. Klassische deutsche Kurzgeschichten. Hrsg. von Werner Bellmann. Stuttgart 2004. S. 126-134.
Die Quellenangaben sind im Folgenden im Text zitiert mit Angabe der Seitenzahl.
3
3. Zeit
3.1 Erzählzeit - erzählte Zeit
Die Erzählzeit - die Zeit, die für die Darstellung der Geschichte benötigt wird - (vgl. Martinez/Scheffel, 31) beträgt siebeneinhalb Seiten. Die „[...] Dauer der erzählten Geschichte [...]“ (Martinez/Scheffel, 31) - die erzählte Zeit - lässt sich hingegen nicht genau definieren. In der Einleitung werden die Jahreszeiten Sommer und Herbst genannt, allerdings wird von ihnen in allgemeiner Art gesprochen, sodass nicht deutlich wird, wie lange der beschriebene Zeitraum ist. Auch in den folgenden drei Abschnitten lässt sich keine genaue Angabe über die erzählte Zeit machen, da alle Episoden ein offenes Ende haben.
Deutlich wird, dass die Erzählung zeitraffend erzählt wurde. Die erzählte Zeit ist viel größer als die Erzählzeit und steht in keinem Verhältnis zu ihr.
3.2 Ordnung
Es liegt eine analytische Erzählung vor. In der Einleitung wird der See zum ersten Mal erwähnt. Allerdings erscheinen die Ausführungen des Erzählers rätselhaft. Erst nachdem die drei Episoden analeptisch erzählt werden, lässt sich die rätselhafte Beschreibung erklären (vgl. Martinez/Scheffel,
38 f.).
In der Einleitung wird durch die zukunftsgewisse Prolepse „Wer später kommt oder länger bleibt, wer zuletzt selbst nicht mehr weiß, ob er noch zu den Gästen oder schon zu den Geistern gehört, wird sie unterscheiden.“ (Aichinger, 111) ein Ereignis, das noch in der Zukunft liegt, bereits vorwegnehmend erzählt (vgl. Martinez/Scheffel, 191).
Betrachtet man die folgenden drei Episoden, so stellt man fest, dass sie jeweils mit einer aufbauenden Analepse beginnen. Die aufbauende Analepse dient als Erklärung „[...] mit deren Hilfe die Hintergründe einer zunächst unvermittelt präsentierten Situation entwickelt werden. “ (Martinez/Scheffel, 36).
Die Analepse beginnt ab Zeile 11 und endet in Zeile 94. In der zweiten Episode beginnt die Analepse in Zeile 99 und endet in Zeile 149. Die Analepse in der dritten Episode umfasst die Zeilen 162 bis 222.
In den Episoden beginnt die Analepse nicht unmittelbar, stattdessen werden die Personen, von deren Schicksal in der Analepse berichtet wird, kurz erwähnt: „Da ist der Mann [...]“ (Aichinger, 111), „Oder die Frau, die vergeht [...]“ (Aichinger, 114), „Da waren auch noch drei Mädchen [...]“ (Aichinger, 116).
Stellt man sich die Frage, ob die Erzählung chronologisch ist, so muss man den Text differenziert betrachten.
4
Arbeit zitieren:
Verena Büchel, 2007, Textanalytische Übung zu Ilse Aichinger: Seegeister, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formale Erzähltextanalyse: Botho Strauß: Drüben
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Goethe, Johann Wolfgang von - Faust1 - Analyse Faust-Wagner Szene, Nac...
Referat / Aufsatz (Schule), 4 Seiten
Erzähltextanalyse der Novelle 'Tonio Kröger'
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 13 Seiten
Schelmenroman - Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Der Memoiren erster Te...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Narzissmus - Thomas Manns "Felix Krull" als exemplarisches Z...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Die deutsche Studentensprache im späten 18. Jahrhundert
Seminararbeit, 12 Seiten
Anfangsunterricht und Veränderte Kindheit in der Grundschulpädagogik
Hausarbeit, 19 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Raumvorstellungen in Musils "Törleß"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Erzähltextanalyse in Ludwig Tiecks "der blonde Eckbert"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 14 Seiten
Besonderer Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch, 12. Klasse erhöhtes Anfo...
Stundenthema: Mariannes Schick...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 26 Seiten
Was ist Globalisierung? Ansatz. Auswirkungen. Ausblick
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit, 15 Seiten
Die Barbie-Puppe als Modell, Metapher, Exempel und Indiz in hermeneuti...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 28 Seiten
Mechanismen der Verführung - Analyse der Dialoge des Zehnakters 'R...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 32 Seiten
Zur Kurzgeschichte mit einer Interpretation der Kurzgeschichte "D...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 24 Seiten
Literaturgeschichte zur Zeit des Realismus
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Das Unbewußte in den Theorien von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung i...
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit, 20 Seiten
Theodor Fontanes "Effi Briest"
Die Stellung der adeligen Frau...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 20 Seiten
Verena Büchel hat den Text Textanalytische Übung zu Ilse Aichinger: Seegeister veröffentlicht
Verena Büchel hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare