Inhaltsverzeichnis
1. Das Jugendalter als Entwicklungsabschnitt 4
2. Einführung 4
3. Berufswahltheorien 7
3.1 Klassische Berufswahltheorie 7
3.2 Neotechnische Berufswahltheorie. 7
3.3 Psychologisch orientierte Ansätze. 7
3.3.1 Entwicklungspsychologischer Ansatz 7
3.3.2 Sozialpsychologischer Ansatz (Allokationsmodell) 8
3.4 Entscheidungtheoretischer Ansatz 8
3.4.1 Entscheidungsmodell. 8
3.4.2 Interaktionstheoretisches Modell. 9
4. Die Berufswahl. 10
4.1 Berufswünsche von Kindern 11
4.2 Probewahlen (11-17 Jahre) 13
4.3 Realistische Wahlen ab 17 Jahren 17
4.4 Typologien der Berufswahl. 19
4.5 Informationsquellen für Berufswähler. 20
4.6 Exogene Einflußfaktoren auf die Berufswahl. 22
4.6.1 Der Einfluß der Eltern. 23
4.6.2 Peers/Schulische Einflüsse. 26
4.6.3 Einflüsse der Freizeitaktivitäten/ Hobbys auf die Berufswahl. 28
4.6.4 Gesellschaftliche Vorurteile. 30
4.7 Berufspräferenzen unter geschlechtsspezifischen Aspekten 31
4.8 Berufspläne und allgemeine Wertorientierungen 35
4.9 Verlauf der Berufsfindung 36
5. Unzufriedenheit mit der Berufswahl 38
6. Zusammenfassung 39
7. Fazit. 40
8. Literaturverzeichnis 41
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Das Jugendalter (Adoleszenz) ist eine meist konfliktreich verlaufende Lebensphase. Im Gegensatz zu der relativ stabil verlaufenden Phase der Kindheit sieht der Jugendliche sich mit gravierenden Veränderungen konfrontiert. „Eine zunehmend kritische Auseinandersetzung mit den Lebensstilen, Normen und Werten der Erwachsenen und vor allem der Gesellschaft erfolgt mit dem Ziel, eine eigene Ich-Identität zu finden“ (Bertram et al 1994, S.109). Desweiteren muß der Jugendliche sich meist psychisch und sozial vom Elternhaus lösen. „Parallel dazu muß die Entwicklung intellektueller Fähigkeiten, sozialer Verantwortungsbereitschaft und sozialer Kompetenzen forciert und stabilisiert werden“ (Bertram et al 1994, S.109).
Infolge der sich zeitlich stärker ausdehnenden Jugendphase spricht man immer mehr von der Post- Adoleszenz. Dabei wird das Streben nach Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Autonomie in frühere Lebensjahre verlegt und die wirtschaftliche Unabhängigkeit auf spätere Lebensjahre verschoben. Die Zeit der Berufswahl ist für Jugendliche eine Zeit in der sie ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit vorbereiten und den Prozeß der Identitätsfindung vollziehen. Die Fähigkeit zur Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes durch Arbeit und die damit verbundene wirtschaftliche Unabhängigkeit sind mit dem Erreichen des Erwachsenenstatus eng verknüpft. Dieses ermöglicht die Lösung vom Elternhaus und ebnet den Weg zur Gründung einer eigenen Familie. Dadurch erhält der junge Erwachsenen die Anerkennung des Erwachsenenstaus und die damit verbundene soziale Wertschätzung.
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Die Wahl und die Übernahme eines Berufes ist in unserer Gesellschaft ein bedeutender Bestandteil der menschlichen Entwicklung (nach Oerter 1982, S. 282). Daher ist es ein individuelles Problem, da jeder Mensch im Laufe seines Lebens an den Punkt kommt, wo er sich für einen Beruf entscheiden muß. Der Beruf besitzt eine ausfüllende Rolle im Leben eines Menschen und ist daher Bestandteil der Identität. Deswegen gehört die Berufswahl zu den wichtigsten Entscheidungen im Leben.
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Obwohl heute niemand mehr damit rechnen kann, den erwählten Beruf ein Leben lang ausüben zu können, wird die getroffene Entscheidung eine lange Zeit gravierende Folgen haben.
Historisch gesehen ist die Berufswahl für die Mitglieder einer Gesellschaft noch ein sehr junges Phänomen, einen Beruf 1 zu wählen. Denn noch bis vor wenigen Jahrzehnten bestand für die jungen Erwachsenen kein Mitspracherecht in der Berufswahl.
In sozialistisch geprägten Ländern ist es heute z.T. gegeben, daß Jugendliche nicht die eigenen Berufswünsche verwirklichen können, sondern sich an die gesellschaftlichen Belangnisse zu halten haben. Selbst in den Ländern, in denen die Berufswahl vom Grundgesetz garantiert wird, besteht nicht immer die Möglichkeit, sich den Berufswunsch zu erfüllen (nach Mietzel 1992, S. 205). Die Freiheit der Berufswahl existiert eigentlich nur theoretisch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 12, Absatz 1), da die wirtschaftlichen Voraussetzungen der freien Berufswahl zugleich deren Grenzen bilden (nach www.gwdg.de).
Der technische und wirtschaftliche Entwicklungsstand eines Landes bzw. einer Gesellschaft bestimmen die Qualifikationen, die die Mitglieder der heranwachsenden Generation mitbringen und umgrenzt somit die Berufsmöglichkeiten. Daher unterscheiden sich die Berufschancen der Mitglieder eines Agrarlandes von den Berufschancen für die Mitglieder eines Industrielandes.
Für einen Jugendlichen ergibt sich in unserer Gesellschaft die Möglichkeit zahlreiche Qualifikationen zu erwerben (achieved qualifications). Dieses war aus historischer Sicht nicht immer so; denn früher wurden den Heranwachsenden Statussysteme zugeschrieben (ascribed qualifications).
Im Vergleich von früher und heute läßt sich ein Wandel in der Einstellung zu Beruf und Arbeit feststellen. Früher wurde die Arbeit als Mittelpunkt des Lebens gesehen.
1 Beruf:
„Tätigkeit, der das systematische Erlernen bestimmter Kenntnisse, Fertigkeiten und die Entwicklung von
Fähigkeiten nach einer vorausgegangenen Berufsausbildung zugrunde liegt. Im Idealfall deckt sich der Beruf
mit der Berufung des Menschen für eine bestimmte Tätigkeit, die ihm Freude und Selbstverwirklichung bei
seiner Arbeit ermöglicht“
(http://paedpsych.jk.unilinz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE96/Thema6.html, zitiert
nach Paulik, H.: Lexikon der Ausbildungspraxis, Verlag moderne Industrie,1975,S.49)
5
Für andere Aktivitäten wie Freizeit, Freundschaft und Familie blieb nur wenig Zeit. Jugendliche der Gegenwart sehen die Arbeit nicht mehr als Lebensbestimmung und wollen Selbstverwirklichung in anderen Lebensbereichen erreichen. Die Arbeit im Beruf wird dem Privatleben nicht mehr so häufig untergeordnet, sondern vielmehr gleichgesetzt. Zu den wichtigsten sozialgeschichtlichen Änderungen der letzten Jahrzehnte, die durch die Bildungsexpansion der 60er und der 70er Jahre hervorgerufen wurden, gehört die starke Zunahme der Berufsmöglichkeiten für Mädchen (nach Fend 1991, S. 61).
„Berufswahl wird auch nicht mehr als Ergebnis eines Prozesses angesehen, der sich nur einmal im späten Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter vollzieht“ (Mietzel 1992, S. 205). „Berufswahl ist ein lebenslanger Prozeß von Entscheidungen für jene, die in ihrer Arbeit wesentliche Befriedigung suchen“ (Eli Ginzberg in Mietzel 1992, S. 205). Die Berufswahl kann dabei unter dem Aspekt des Entscheidungsprozesses, des Zuweisungsprozesses, des Interaktionsprozesses und des
Entwicklungsprozesses gesehen werden. Desweiteren hängt die Berufswahl von zahlreichen endogenen und exogenen Faktoren ab. Die endogenen Faktoren bilden jene Determinanten, die die individuellen Entscheidungskriterien für die Selektion von Berufswahlalternativen als Grundlage haben. Dazu zählen somatische Voraussetzungen wie Alter und Geschlecht, Eignung und Neigung. Desweiteren fallen darunter Intelligenz und schulische Leistungen sowie Lern- und Arbeitsmotivation.
Gesellschaftliche Kriterien, die nicht im Einwirkungsbereich des Wählenden stehen, werden als exogene Faktoren bezeichnet. Dazu zählen Familie, Schule, Umgebung sowie die regionalen Gegebenheiten und die Infrastruktur.
Der Prozeß der Berufswahl wird desweiteren definiert als ein „Vorgang der Entscheidung des Einzelnen für einen bestimmten Beruf, meist unter Zugrundelegung eines adäquaten Ausbildungsberufes, beeinflußt durch eine Vielzahl individueller und gesellschaftlicher Determinanten“ (http://paedpsych.jk.uni- linz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE96/Thema6.html).
In den nun folgenden Abschnitt sollen nun kurz verschiedene Berufswahltheorien dargestellt werden.
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Diese Theorie legt zugrunde, daß für jedes Individuum ein Beruf in dieser Gesellschaft vorhanden ist, welcher dessen „Berufung“ entspricht. Um diesen zu finden, soll die Berufsberatung unterstützend einwirken. „Diesen Überlegungen liegt ein relativ statistisches und reduziertes Modell gesellschaftlicher Zusammenhänge zugrunde“ (Braun/Hartmann 1984, S.11).
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Diese Theorie geht von einer Variabilität der persönlichen Fähigkeiten und Neigungen aus. Damit sieht diese Theorie die Berufswahl als einen dynamischen Prozeß. Allerdings werden wirtschaftliche Interessen zu Ungunsten der sozioökonomischen Gegebenheiten akzentuiert (nach Braun/Hartmann 1984, S.11).
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Es gibt zahlreiche psychologisch orientierte Ansätze. Sie beschäftigen sich zumeist mit der Eignung, den Neigungen und den Motivationen der Berufswähler.
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Die Berufswahl wird im entwicklungspsychlogischen Ansatz als ein „...lebenslanger Prozeß (angesehen), in dem die Persönlichkeitsentwicklung über mehrere Lebensstadien (beginnend mit der Phase beruflicher Phantasiewünsche in der Kindheit, bis zum Rückzug aus dem Berufsleben im Alter) mit beruflichen Anforderungen und Verhaltensweisen dynamisch verknüpft wird“ (Beineke/Wascher 1993, S.34).
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Hier einzuordnen ist die Stufen- und Phasentheorie von Ginzberg. Dabei werden drei Stufen der Berufswahl unterschieden: a) Die Phantasiewahl des Kindes b) Die Probewahl (vom 11. Bis zum 17. Lebensjahr)
c) Die realistische Berufswahl, die durch die Spezifikation abgeschlossen wird
„Entwicklungspsychologische Ansätze sehen die Berufswahl nicht als einmaligen Akt, sondern...“ (Braun/Hartmann 1984, S.12). verstehen sie eher als den Prozeß der beruflichen Entwicklung, wobei die Schule fördernd eingreifen kann.
Bei den meisten psychologischen Theorien der Berufswahl steht das Individuum im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gesellschaftliche Einflüsse werden meist nachgestellt.
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Die Berufswahl ist abhängig von vielen gesellschaftlichen Faktoren. Sie steht dem Ansatz nach im engen Zusammenhang mit den gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen. Neben volkswirtschaftlichen Faktoren wie Wirtschaftslage, politische Situation, Bildungssituation, regionale Lage, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, bestimmen soziologische Faktoren wie Familie (z.B.
Schichtzugehörigkeit), Milieu, Begabungsstruktur, gesellschaftliche Werte und Normen die Berufswahl (nach Braun/Hartmann 1984, S.11 nach Ries 1970, S. 42). Kritiker führen an, daß diese Sichtweise die sozio-ökonomischen Determinanten zu stark akzentuiert und dabei die Wechselwirkungen zwischen den Individuen und der Gesellschaft vernachlässigt.
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Der Schwerpunkt dieses Ansatzes liegt in dem Entscheidungsfindungsprozeß.
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„Berufswahl ist eine Folge von Handlungs- und Entscheidungssituationen, die jeweils existentiell bedeutsame Lebenssituationen darstellen“ (Beineke/Wascher 1993, S.34).
Diese Theorie setzt eine rationale Entscheidungslogik voraus. Das Individuum orientiert sein Handeln ausschließlich an wirtschaftlichen Rationalitätsprinzipien (nach Braun/Hartmann 1984, S.12). Der Berufswähler besitzt Interessen, Werthaltungen, Neigungen und alternative Wahlmöglichkeiten. Mit Hilfe von Entscheidungsregeln trifft dann der Berufswähler seine rationale Entscheidung.
Neuere entscheidungstheoretische Ansätze berücksichtigen, daß Fähigkeiten und Informationen für das Individuum beschränkt sein können und daß deswegen die Rationalität nur bis zu einem gewissen Grad handlungsbestimmend sein kann. Ein weiterer entscheidungstheoretischer Ansatz versucht die starke Orientierung am Individuum zu überwinden, indem die Berufswahl als ein Interaktions- und Entscheidungsprozeß gesehen wird.
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„Berufswahl wird als Ergebnis einer Interaktion aufgefaßt, in der mehrere Interaktionspartner (z.B. Eltern, Freunde, Lehrer, Berufsberater) über einen bestimmten Zeitraum miteinander interagieren, um das Problem der Berufswahl zu lösen“ (Beineke/Wascher 1993, S.34). Dementsprechend werden die
Interaktionspersonen des Berufswählers wie Eltern, Lehrer, Freunde, Berufsberater und der zukünftige Arbeitgeber in die Erklärungen zum Berufswahlprozeß mit einbezogen. Zudem wird der Entscheidungsprozeß in verschiedene individuelle Entscheidungskriterien wie Interessen, Werthaltungen, berufliche Fertigkeiten und Fähigkeiten, sowie das berufliche Anspruchsniveau differenziert (nach Braun/Hartmann 1984, S.13).
Lange, der als Mitbegründer dieses Ansatzes zählt, unterscheidet drei Ebenen des Interaktionsprozesses:
a) Evaluative Prämisse
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Arbeit zitieren:
Ariane Struck, 1999, Berufswahl von Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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