Seminar: Soziologie der Emotionen (SS 00) 14. Dezember 2000
Referat: Emotionen: Physiologische Erregung und Interpretation
Hausarbeit:
Physiologische Erregung und Interpretation von Emotionen
Antje Visser HF : Kulturwissenschaften
NF: KMW/Psychologie
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Gliederung:
1.) Einleitung 2
2.) Emotionale Reaktionen Seite 3 - 4
3.) Funktion von Emotionsausdrücken Seite 4 - 6
4.) Emotionen als soziale Konstrukte Seite 6 - 9
5.) Emotionstheorien Seite 9 - 11
6.) Experiment von Schachter und Singer Seite 11 - 13
7.) Schlussbemerkung 14
8.) Literaturverzeichnis Seite 15 - 16
9.) Anhang 17
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Die nachstehende Hausarbeit soll in die Soziologie der Emotionen einführen. Dabei ist es Anspruch der Arbeit, die psychologischen und physiologischen Grundlagen und Voraussetzungen von Emotionen zu erläutern und mit Hilfe anschaulicher Beispiele zu darzustellen. Es soll ein allgemeiner Überblick über das Thema gegeben werden, bei dem neben unterschiedlichen Theorien auch auf Streitfälle und Hypothesen in der Psychologie eingegangen wird.
In der folgenden Ausarbeitung sollen unter anderem die nachstehenden Fragen beantwortet und erläutert werden. Warum haben Menschen Emotionen und wofür werden sie benötigt? Gibt es die gleichen Emotionen in zivilisationsfremden Kulturen und im Tierreich und haben sie dort auch die gleiche Bedeutung? Unter psychosozialen Gesichtspunkten soll geklärt werden, ob Emotionen die Folge von sozialen Ursachen sind, oder ob soziale Reaktionen die Folge von vorausgegangen Emotionen sind. Sind physische Reaktionen dann emotionsspezifisch und kann man sie kognitiv kontrollieren? Geht jeder Emotion eine physische Reaktion voraus oder führt die Emotion erst zur körperlichen Reaktion? Zwischen diesen beiden widerstreitenden Thesen konnte sich die Wissenschaft bis heute nicht auf eine Theorie einigen. Hierzu wird ein klassisches Experiment der Psychologie von Schachter & Singer erläutert, bei dem man zu belegen versuchte, dass für das Entstehen und Bewerten von Emotionen mehrere Faktoren verantwortlich sind.
Der Begriff Emotion stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel, wie „innerlich bewegt“. Schwieriger gestaltet sich die Suche nach einer einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Definition von Emotion, da aufgrund unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen zahlreiche Definitionen vorliegen. Nach einer Definition von P.R. Kleinginna & A. M. Kleinginna aus dem Jahre 1981, mit der auch die Mehrzahl der Psychologen übereinstimmt, sind Emotionen komplexe Muster von Veränderungen. Sie umfassen physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen und treten in Reaktion auf eine als persönlich bedeutsam bewertete Situation auf 1 .
1 Vgl. auch Zimbardo: Psychologie, 5. Auflage, 1992, S. 380 ff
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Auf die Frage, warum die Menschen Emotionen haben, gibt es zwei unterschiedliche Theorien als Erklärungsansatz. Die Wissenschaftler R. P. Angier und D. T. Howard schlugen 1927/28 die Konflikttheorien der Emotionen vor. Sie nahmen an, dass Emotionen völlig nutzlos und eine Art physiologische Störung sind, die nur dann auftreten, wenn ein Organismus nicht mit seiner Umwelt fertig wird. Demzufolge tritt Angst nur auf, wenn Flucht nicht möglich ist und man bekäme ausschließlich Wut, wenn man seinen Gegner nicht schlagen kann 2 .
Die zweite Theorie stammt von Charles Darwin. Er beobachtete, dass bestimmte Situationen Emotionen mit spezifischen Verhaltensweisen nach sich ziehen. Ein Tier bereite sich auf einen Kampf vor, nachdem es wütend geworden ist, weil ein anderer sein Territorium zu besetzen droht. Die Wut des Tieres äußert sich in erhöhter Muskelspannung, dem Zähne fletschen und dem Bereithalten der „Waffen“. Für Darwin sind die Ausdrucksweisen der Emotionen angeboren und haben lebensrettende Funktion. Sie sollen einen Organismus darauf vorbereiten und motivieren, die Anforderungen seiner Umwelt adaptiv zu bewältigen.
Emotionen werden von körperlichen Reaktionen begleitet. Auslöser sind anregende Reize, beispielsweise ein großer Hund, der im Park schnell auf jemanden zu läuft. Die physiologische Reaktion auf innere und äußere Reize ist das Verhalten - die Person rennt vor dem Hund davon. Dabei steigt die Herzfrequenz und auch die Atmung wird schneller. Die Kognition der Person nimmt weiteren Einfluss auf die Emotion. Gedanken wie, ich muss schneller laufen, damit der Hund mich nicht erreicht, führen zu einem Gefühl der Angst. Dabei müssen die auslösenden Reize nicht unmittelbar vorliegen, auch Erinnerungen oder Assoziationen können Emotionen herbeiführen.
Der Psychologe Plutchik 3 stellte fest, dass es acht Grundemotionen gibt, die sich aus vier Gegensatzpaaren zusammensetzen. Die Emotion der Freude steht der Traurigkeit gegenüber, ebenso Furcht und Wut sowie Überraschung und Vorahnung. Ein weiteres Paar wird von den Emotionen Akzeptanz und Ekel gebildet. Der Ausdruck dieser Emotionen ist angeboren, denn alle Säuglinge verhalten sich diesbezüglich in gleicher
2 Zimbardo: Psychologie, 5. Auflage; 1992, Springer Verlag Berlin Heidelberg, S. 380
3 Plutchik, R.: Emotion: A psychoevolutionary synthesis; 1980, Harper & Row New York
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Weise. Von allen anderen Emotionen, wie zum Beispiel Liebe oder Hass nimmt man an, dass es sich um Variationen oder Mischungen der genannten Grundemotionen handelt. Ausdruck von Emotionen kann über Gesicht, Stimme, Gestik oder Sprache erfolgen.
Emotionen fallen auch teilweise in den unwillkürlichen Bereich und sind damit nicht immer steuerbar, verhinderbar oder zu verstecken. Ein solcher automatisierter Auslöseprozess ist das „rot werden“ im Gesicht, wenn jemandem eine Situation peinlich ist 4 . Zahlreiche Psychologen haben versucht eine emotionsspezifische körperliche Reaktion nachzuweisen. Allgemeine Reaktionen sind das Ansteigen von Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung. Die Transpiration setzt ein und es wird vermehrt Blut ins Gehirn gepumpt. Während emotionaler Zustände steigt der Hormonspiegel, aber auch die Intensität der Gefühle wird durch Hormonausschüttung gesteuert 5 .
Unterschiede in der physiologischen Erregung konnten bei Angst und Wut nachgewiesen werden. Zwar ist der Herzschlag in beiden Fällen erhöht, aber die Temperatur der Haut unterscheidet sich. Bei Angst sinkt die Temperatur der Haut und bei Wut steigt sie an. Emotionen wie Stolz und Zufriedenheit können körperlich nicht unterschieden werden, dafür ist die Reaktion des vegetativen Nervensystems des Menschen zu langsam 6 .
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Laut der Evolutionstheorie von Darwin 7 haben Emotionen die Funktion, Anforderungen der Umwelt an einen Organismus adaptiv zu bewältigen und sie steigern somit die Flexibilität des Verhaltens. Auch Psychologen und Forscher wie Ekman, Plutschik oder Tomkins teilen diese Annahme. Aus diesem Grund führt Ekel dazu, verdorbene Nahrung wieder von sich zu geben. Auch für nonverbale Kommunikation und Verständigung sind Emotionen wegen ihrer Signalwirkung überlebenswichtig. Furcht und Angst werden von Artgenossen als Warnung interpretiert. Eine ebenso lebensrettende Funktion hat der Schock-Zustand bei Geräuschen, Gewebeschäden oder schlimmen Erlebnissen. Emotionen haben also eine Art Notfallfunktion.
4 von Mühlenen, Adrian: Vorlesung: Emotion, Motivation und Handlung; 13.01.1999; Universität Leipzig, Institut für
Psychologie
5 Zimbardo: Psychologie, 5. Auflage; 1992, Springer Verlag Berlin Heidelberg, S. 380 ff
6 von Mühlenen, Adrian: Vorlesung: Emotion, Motivation und Handlung; 13.01.1999; Universität Leipzig, Institut für
Psychologie
7 Darwin, Charles: The expression of emotions in man and animals; 1965, University of Chicago Press
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Arbeit zitieren:
Antje Visser, 2000, Physiologische Erregung und Interpretation von Emotionen, München, GRIN Verlag GmbH
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