Globalisierung Eine Frage der Perspektive
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 HISTORISCHE PERSPEKTIVEN ZUR GLOBALISIERUNG 4
ANTHONY GIDDENS: THE CONSEQUENCES OF MODERNITY (1990) 4
ROLAND ROBERTSON: GLOBALIZATION (1992) 5
HELD ET AL : GLOBAL TRANSFORMATIONS (1999) 7
3 GLOBALISIERUNG ALS DISKURSPHÄNOMEN 8
DIE DREI PHASEN DES GLOBALISIERUNGSDISKURS 9
4 GLOBALISIERUNG ALS PROZESS 11
5 PROBLEME BEI DER MESSUNG VON GLOBALISIERUNG 12
DER A T KEARNEY FOREIGN POLICY GLOBALIZATION INDEX 13
DER KOF GLOBALISIERUNGSINDEX 14
6 ZUSAMMENFASSUNG 15
7 FAZIT 16
8 LITERATURVERZEICHNIS 18
2 NA
Globalisierung – Eine Frage der Perspektive?
1 Einleitung
Wenn man sich heutzutage mit sozialem Wandel in einer Gesellschaft beschäftigt, so kommt man kaum daran vorbei, sich eingehend mit dem Thema Globalisierung zu befassen. Schlag- worte wie Internationalisierung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Wirtschaftswachstum, weltwei- te Vernetzung, aber auch zunehmende Unsicherheit – das alles sind Begriffe, die mit Globali- sierung verbunden werden und die in diesem Zusammenhang in den verschiedensten Bü- chern, Aufsätzen und Zeitungsartikeln immer wieder vorgefunden werden können. Das be- merkenswerte daran ist, dass Globalisierung aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet werden kann und dabei – je nach gewähltem Fokus – völlig unterschiedliche Formen anneh- men und dadurch auch völlig unterschiedliche Ergebnisse produzieren kann:
„Despite the rapidly growing body of literature on the topic of globalization and its implications, there is disagreement about how to conceptualize what is happening. Although the term is widely used to characterize the profound changes unfolding in the world, the nature of these shifts and what they mean remain debated questions.“ (Teeple 2000: 9)
Die vorliegende Arbeit versucht, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Blickwinkel herauszuarbeiten und dadurch letztlich zu klären, was denn der strittige Begriff Globalisierung überhaupt alles beinhaltet und was nicht. Zu diesem Zweck wird zunächst das Problem der zeitlichen Zuordnung der Globalisierung anhand einiger Konzepte zu histori- schen Perspektiven der Globalisierung erörtert. Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich dann mit der Darstellung der drei Phasen des Globalisierungsdiskurses, die den Wandel der Wahrnehmung des Begriffs in der Öffentlichkeit widerspiegeln. Daran knüpft eine aktuel- le Definition des Begriffs Globalisierung an und es wird versucht, das derzeitige Konzept der verschiedenen Elemente darzustellen, die dem Phänomen der Globalisierung zugeordnet wer- den können. Abschließend werden die Probleme erörtert, die mit der Messung des Globalisie- rungsgrades einzelner Länder verbunden sind. Insgesamt soll dargelegt werden, dass die Dar- stellung der Globalisierung auf vielen Ebenen mit subjektiven Entscheidungen verbunden ist, was zu unterschiedlichen Interpretationen und Meinungen und teilweise auch widersprüchli- chen Ergebnissen führen kann.
Globalisierung – Eine Frage der Perspektive?
2 Historische Perspektiven zur Globalisierung
1
Eine systematische Erfassung der Globalisierung und all ihrer Aspekte und Facetten stellt den Betrachter unmittelbar vor ein zeitliches Problem: Wo bzw. vielmehr wann fängt man eigent- lich mit der Betrachtung an? Während man gelegentlich hört Globalisierung sei ein Phänomen der Moderne und existiere noch nicht allzu lange, sind viele Sozialwissenschaftler der Mei- nung, Globalisierung hätte es von jeher gegeben und nur erst in der jüngsten Vergangenheit durch die rasante Entwicklung von Verkehrs- und Kommunikationsnetzwerken ein derartiges Ausmaß angenommen, dass es für alle deutlich bemerkbar geworden ist. Die Frage ist also, zu welchem Zeitpunkt man den Einschnitt macht und den Beginn der Globalisierung setzt. Gid- dens (1990), Robertson (1992) und Held (1999) haben verschiedene Konzepte entwickelt, die sich mit der historischen Zuordnung von Globalisierung befassen.
Anthony Giddens: ‚The consequences of modernity’ (1990)
Giddens (1990) sieht Globalisierung als unmittelbar mit der Entwicklung von modernen Ge- sellschaften verbunden an. Sie hängt außerdem direkt mit der Industrialisierung und der Ak- kumulation von materiellen Ressourcen zusammen und stellt somit vielmehr eine Fortführung der Moderne dar als eine Abkehr von dieser. Die gegenwärtige Periode bezeichnet er als „high modernity“ (Giddens 1990; vgl. hierzu auch Beynon/Dunkerley 2000: 8), womit er meint, dass Modernität sich inzwischen auf eine globale Stufe bewegt hat: aus einzelnen Ge- sellschaften wurde eine gemeinsame Weltgesellschaft und das Individuum wird mit sozialen Institutionen konfrontiert, die auf globaler Ebene arbeiten. Nirgendwo können die Menschen sich dem Globalen völlig entziehen, da Mode, Waren und Symbole im 20. Jahrhundert welt- weit vermarktet werden. Giddens identifiziert drei Faktoren des 19. Jahrhunderts, die seiner Meinung nach die Herausbildung der gegenwärtigen Globalisierung in die Wege geleitet ha- ben:
1. Die europäische Nationenentwicklung des 19. Jahrhunderts, mit ihren Eroberungen von
Stammesgesellschaften und anschließender Kolonienbildung;
2. Die vergleichsweise friedliche Zeit des 19. Jahrhunderts erlaubte es insbesondere den
Briten, Ressourcen in den Ausbau kolonialer Bestrebungen zu investieren;
1
Dieses Kapitel basiert primär auf Beynon/Dunkerley (2000: 8-10).
Globalisierung – Eine Frage der Perspektive?
3. Die europäische Bürokratie machte es möglich, diplomatische Netzwerke zu errichten
und transnationale politische Einrichtungen aufzubauen.
Obwohl die europäischen Staaten immer wieder Krieg gegeneinander führten, haben sie sogar noch öfter zusammengearbeitet, was zur Folge hatte, dass der Nationalstaat im Zentrum der heutigen Globalisierung und ihrem Netzwerk der internationalen Beziehungen verbleibt. Der Kapitalismus mit seinem aggressiven Wettbewerb um Rohstoffe und der kontinuierlichen Suche nach bisher unerschlossenen Märkten hat die schon vorher bestehende Tendenz zur Globalisierung noch weiter vorangetrieben. Giddens hofft auf eine idealistische Art und Wei- se, dass Globalisierung in der Zukunft zu einer armutslosen Wirtschaft und zur globalen Ent- militarisierung führt und dass hoch entwickelte Technologien derart genutzt werden, dass alle Vertreter der menschlichen Art davon profitieren können.
Roland Robertson: ‚Globalization’ (1992)
Im Gegensatz zu Giddens (1990) siedelt Robertson (1992) die Entstehung der heutigen Glo- balisierung lange vor der Moderne und dem Aufschwung des Kapitalismus an. Viele Forscher betrachten bei Analysen zur Globalisierung die soziale Verdichtung der Welt seit dem 16. Jahrhundert. Robertson hingegen setzt die Ursprünge der Globalisierung bereits früher und identifiziert fünf Phasen der Globalisierung in Europa (vgl. hierzu auch Beynon/Dunkerley 2000: 8-9):
1. Phase (1400 - 1750):
Die Keimphase der globalen Erforschung geht mit der Ausbreitung der römisch- katholischen Kirche einher: der Gregorianische Kalender wird zum gängigen Standard der Zeitrechnung, Kartenzeichnung und Geografie kommen auf, nationale Kommunen und Staatssysteme beginnen zu wachsen.
2. Phase (1750 - 1875):
Der Internationalismus entsteht in Form von internationalen Beziehungen. Außereuro- päische Länder beginnen, sich auf eine von Europa angeführte internationale Gesell- schaft einzulassen.
Arbeit zitieren:
Florian Wohlkinger, 2006, Globalisierung - eine Frage der Perspektive?, München, GRIN Verlag GmbH
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