Inhaltsverzeichnis
1. Sklaverei im Roman „Candide oder Der Optimismus“ 2
1.1 Zum Inhalt. 2
1.2 Intention des Romans. 3
1.3 Erzählerische Mittel im „Candide“ 3
1.4 Funktion der Sklaverei im „Candide“ 5
2. Voltaire zum Thema der Sklaverei im Dictionnaire philosophique. 7
2.1 Woher kommt die Sklaverei? 7
2.2 Voltaires Einstellung zur Sklaverei. 8
Fazit. 10
Literaturverzeichnis 11
1
1. Sklaverei im Roman „Candide 1 oder der Optimismus“
1.1 Zum Inhalt
Der „Candide“, Voltaires bekanntestes Werk, erschien 1759.
Die Geschichte beginnt im idyllischen Schloß eines Barons, wo der junge, naive Candide von dem Philosophen Pangloß erzogen wird. Dieser propagiert die Lehre von der besten aller Welten, die vor allem von Leibnitz vertreten wird und besagt, daß die Welt ein komplexes System darstelle, in dem alles auf das Beste eingerichtet sei; auch das vordergründig Schlechte, das Verbrechen und das Unglück gehören zu dieser vollkommenen Harmonie; wenn auch nur ein Element anders aussähe, bräche das System zusammen, und es käme eine wesentlich schlechtere Welt zustande als diejenige, die momentan existiert. Alles Geschehen ziele auf einen guten Zweck hin. Diese Lehre von der besten aller Welten wird nun im Candide mit der grausamen Realität konfrontiert.
Voltaire läßt seinen Candide, einen ahnungslosen Jüngling, der ein wenig dem Simplicius Simplicissimus ähnelt, staunend durch die für ihn in ihrer Brutalität fremdartige Welt stolpern. Der Charakter der Hauptfigur korrespondiert mit seinem Namen: Candide bedeutet auf Französisch der Arglose, Leichtgläubige.
Die Fährnisse, denen Voltaire Candide und auch die anderen Personen dieses philosophischen Romans aussetzt, führen die Theorie ad absurdum; Unglück, Elend und Grausamkeit herrschen in der Welt und werden von Voltaire satirisch geschildert. Candide wird wegen verliebter Vertraulichkeiten mit der Tochter des Hauses aus dem Schloß gejagt, gerät in das Erdbeben von Lissabon (Gegenbeispiel für die beste aller Welten), er entkommt mit Mühe einem Autodafé, erlebt Krankheit und Schiffbruch, gerät in die Hände von Piraten und muß sich an die Alltäglichkeit von Diebstahl, Vergewaltigung und Mord gewöhnen. Candide kommt bei seinen Abenteuern durch viele Länder, und überall erlebt er nur, daß Menschen anderen Menschen Schlechtes tun.
Der Roman hat dennoch ein Happy End, in dem sich alle Hauptpersonen wiederfinden, ein gemeinsames Leben beginnen und zu dem Schluß kommen, daß man nicht über die Grausamkeit der Welt philosophieren solle, sondern daß die einzige Möglichkeit, diese Welt zu ertragen, die Arbeit sei.
1 Zitiert nach: Voltaire: Candide oder Der Optimismus. In: Voltaire, Sämtliche Romane und Erzählungen. Übs. v. Ilse Lehmann. Frankfurt 1988. S. 283-390. Im Folgenden zitiert als: „Candide“.
2
1.2 Intention des Romans
Der Roman nennt sich „Candide oder der Optimismus“; in der Tat werden hier verschiedene optimistische philosophische Thesen diskutiert und durch die Fakten der Romanhandlung widerlegt.
Der Roman wendet sich hierbei gegen die von der Aufklärung propagierte optimistische teleologische Kosmologie, die Lehre von der besten aller Welten - auf der Widerlegung dieser Lehre durch die dargestellte Realität liegt der Hauptakzent des Romans. Im Rahmen der Argumentation gegen diese Kosmologie wird aber auch der Optimismus Rousseaus kritisiert, der annahm, der Mensch sei von Natur aus gut; diese Theorie wird entkräftet anhand der Darstellung unzähliger Greueltaten, zu denen Menschen fähig sind 2 . Voltaire zeigt im „Candide“ immer wieder, daß auch christliche Würdenträger solche Grausamkeiten begehen und greift dadurch auch seinen Erzfeind, die Kirche, an.
1.3 Erzählerische Mittel im „Candide“
Voltaire gelingt es auf meisterhafte Weise, durch verschiedene Erzähltechniken damals „alltägliche“ Grausamkeiten wie Krieg oder Sklaverei in ihrer Ungeheuerlichkeit und Absurdität zu offenbaren. Zu nennen ist vor allem seine beißend-sarkastische Ironie, die besonders in der Geschichte von Kunigundes alter Dienerin deutlich wird: Als den Passagieren und den Soldaten des Schiffes von den Piraten die Kleider vom Leib gerissen werden und ihnen in den Anus geschaut wird, ob sie dort Diamanten versteckt haben, kommentiert Kunigundes Dienerin dies: „Diese Zeremonie kam mir recht eigenartig vor. So urteilt man eben, wenn man noch nie aus seinem Lande herausgekommen ist! [...] Das ist seit Menschengedenken so Brauch bei allen gesitteten Völkern, die zur See fahren.“ 3 Voltaire legt ihr weiter - als Hieb gegen die Kirche - folgendes in den Mund: „Ich habe mir sagen lassen, daß auch die frommen Herren Malteserritter niemals verfehlen, ihn auszuüben, wenn sie Türken oder Türkinnen gefangennehmen.“ 4
2 Grausamkeit ist interessanterweise bei Voltaire nicht nur eine Eigenschaft von in der Zivilisation lebenden Menschen, sondern findet sich auch bei „wilden“ Naturvölkern; sie ist also - im Gegensatz zu Rousseaus Auffassung - unabhängig von der Vergesellschaftung, der Entfernung des Menschen von Naturzustand, sie ist der Natur des Menschen immanent.
3 Candide, S. 310.
4 Ibid.
3
Arbeit zitieren:
M.A. Marion Näser, 1999, Analyse des Romans "Candide" und des Dictionnaire philosophique unter dem Aspekt der Einstellung Voltaires zur Sklaverei, München, GRIN Verlag GmbH
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