Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Abgrenzung 1
1.3. Gang der Arbeit 2
2. Grundlagen 2
2.1. Unternehmenskrise 2
2.1.1. Krisensituation 3
2.1.2. Krisenursachen 3
2.1.3. Krisenverlauf 4
2.1.4. Krisenphasen 5
2.1.5. Krisenwirkungen 6
2.2. Entwicklung der Frühwarnsysteme 7
2.3. Begriffsbestimmung und inhaltliche Unterscheidung zwischen
Frühwarnung Früherkennung und Frühaufklärung 8
3. Frühwarnsysteme 10
3.1. Definition 10
3.2. Frühwarnsysteme der 1 Generation 10
3.2.1. Kennzahlengestütze Frühwarnsysteme 10
3.2.2. Hochrechnungsgestützte Frühwarnsysteme 11
3.2.3. Kritik an den Frühwarnsystemen der 1 Generation 12
3.3. Frühwarnsysteme der 2 Generation 13
3.3.1. Kritik an den Frühwarnsystemen der 2 Generation 16
3.4. Frühwarnsysteme der 3 Generation 17
3.4.1. Kritik an den Frühwarnsystemen der 3 Generation 19
4. Schlussbetrachtung 21
Quellenverzeichnis 22
II
Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Krisen stellen eine Gefahr für die Existenz des Unternehmens dar. Das Eintreten einer Krise kündigt sich in der Regel ohne große Vorlaufzeit an, so dass dem Unternehmen nur noch ein kurzer Zeitraum verbleibt, um Maßnahmen zur Krisenabwehr zu konzipieren. Um den Ursprung der Krisen, der in der Regel nicht sofort ersichtlich ist, zu ermitteln, um den eigenen Reaktionszeitraum zu verlängern und um geeignete Reaktionsstrategien zu entwerfen, setzen Unternehmen Frühwarnsysteme ein.
1.2. Abgrenzung
In der Ökonomie gibt es Frühwarnsysteme im einzelwirtschaftlichen wie auch im gesamtwirtschaftlichen Bereich. Die Frühwarnsysteme im einzelwirtschaftlichen Bereich werden untergliedert in eigen- und fremdorientierte Frühwarnsysteme. Eigenorientierte Frühwarnsysteme werden weiter untergliedert in betriebliche, zwischenbetriebliche und überbetriebliche Frühwarnsysteme. Die betrieblichen Frühwarnsysteme werden untergliedert in strategische, operative, gesamtunternehmensbezogene, bereichsbezogene und phänomenbezogene Frühwarnsysteme 1 .
Im Rahmen dieser Arbeit wird ausschließlich auf die Frühwarnsysteme im einzelwirtschaftlichen Bereich eingegangen. Innerhalb dieses Bereiches beschäftigt sich diese Arbeit nur mit den eigenorientierten, betrieblichen Frühwarnsystemen. Bei den betrieblichen Frühwarnsystemen stehen die operativen und strategischen Frühwarnsysteme im Vordergrund, welche nur aus gesamtunternehmensbezogener Sicht betrachtet werden 2 . Vgl. Gabler (1997), Band 4, S. 1409
1 Vgl. Gabler (1997), Band 4, S. 1408
2
1
Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme
1.3. Gang der Arbeit
Begonnen wird in Kapitel 2 mit der Erklärung des Begriffs „Unternehmenskrise“, der Beschreibung des Krisenablaufs und der einzelnen Krisenphase sowie mit der Klassifizierung von Krisenursachen. In dem Kapitel wird weiterhin die historische Entwicklung von Frühwarnsystemen dargestellt, bevor es mit der Abgrenzung der in der Literatur häufig synonym verwendeten Begriffe Frühwarnung, Früherkennung und Frühaufklärung endet. Das 3. Kapitel beinhaltet die Beschreibung von drei verschiedenen, im Zeitablauf entwickelten Generationen der Frühwarnsysteme und übt darüber hinaus Kritik an deren Einsatzfähigkeit.
Die Arbeit wird mit einer Schlussbetrachtung im 4. Kapitel abgeschlossen.
2. Grundlagen
2.1. Unternehmenskrise
Negative Entwicklungen treten in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen in Unternehmungen auf. Sie können z.B. als bloße Störungen im Betriebsablauf anfallen oder aber schwerwiegendere Konflikte sein, die zur Zerstörung der Unternehmung führen können.
Unternehmenskrisen werden herbeigeführt durch die Beeinträchtigung bestimmter Ziele, deren Gefährdung oder Nichterreichung gleichbedeutend ist mit einer Existenzgefährdung des Unternehmens. Solche Ziele können beispielsweise die Aufrechterhaltung der Liquidität oder das Erreichen eines Mindestgewinns sein. 3 Es lässt sich erkennen, dass von Unternehmenskrisen erst dann gesprochen wird, wenn die Bestandserhaltung des Unternehmens gefährdet oder sogar unmöglich ist 4 .
Beim Eintritt einer ungewollten und ungeplanten Unternehmenskrise handelt es sich aus Sicht der betroffenen Unternehmung um eine Katastrophe 5 . Wesensbestimmend für den Begriff der Unternehmenskrise ist die Zwiespältigkeit der Entwicklungsmöglichkeiten, da auf der einen Seite die Vgl. K. Macharzina (1999), S. 514
3 Vgl. K. Macharzina (1999), S. 515
4 Vgl. Gabler (1997), Band 5, S. 2109
5
2
Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme Sanierung des Unternehmens, auf der anderen Seite jedoch dessen Untergang erfolgen kann. Zudem beinhaltet die Unternehmenskrise stets die Chance zur positiven Wende, u.U. sogar noch im Falle der Insolvenz 6 . Im nächsten Abschnitt werden die Merkmale von Unternehmenskrisen näher klassifiziert.
2.1.1. Krisensituation
Eine Krisensituation ist gegeben, wenn existenzielle Ziele des Unternehmens bedroht werden, die Entscheidungszeit begrenzt ist und die Eingriffsmöglichkeiten der Entscheidungsträger limitiert sind 7 . Besonders die Entscheidungszeit und die damit verbundenen Eingriffsmöglichkeiten sind für das Unternehmen von Interesse, wobei man unter der Endscheidungszeit den Zeitraum zwischen der Wahrnehmung erster Krisensignale und der definitiven Wendung zum Unheil versteht. Die Existenz von Frühwarnsystemen soll die Entscheidungszeit des Unternehmens verlängern und somit das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten erweitern 8 .
2.1.2. Krisenursachen
Krisenursachen können sowohl endogen, sprich vom Unternehmen beeinflusst, als auch exogen, d.h. eine fest vorgegebene Größe aus dem Unternehmensumfeld sein und somit von dem betroffenen Unternehmen nur indirekt beeinflusst werden 9 .
Aus Ergebnissen der Krisenursachenforschung ist zu erkennen, dass Krisen in der Regel nicht nur eine Ursache haben, sondern durch Multikausalität, also aus dem Zusammenwirken einer Vielzahl krisenverursachender Faktoren entstehen 10 . Die endogen orientierte Forschung legt ihren Schwerpunkt auf die Ermittlung der Zusammenhänge von Unternehmensmerkmalen (wie z.B. die Rechtsform des Betriebes) und Krisenerscheinungen. Die exogene Vgl. U. Krystek (1987), S.6-7; Gabler (1997), Band 9, S. 3958
6 Vgl. E. Witte (1981), S. 14-15; S. Bötzel (1993), S. 143
7 Vgl. F.X. Bea/ J. Haas (2001), S. 281
8 Vgl. J. Hauschildt (1983), S. 144; U. Krystek (1987), S. 32-72
9 Vgl. W.H. Staehle (1993), Sp. 2454
10
3
Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme Krisenursachenforschung versucht Kausalzusammenhänge von Umweltveränderungen und auftretenden Krisen zu erhalten 11 . Die durch die exogene Forschung ermittelten Ergebnisse weisen den Nachteil auf, dass sie statistisch schwieriger zu belegen sind. Die endogene Forschung hat den Nachteil, dass sie oft nur Symptome und keine wirklichen Ursachen erfasst 12 .
2.1.3. Krisenverlauf
Anfang, Wendepunkt und Ende beschreiben die Kernbestandteile des Krisenverlaufs, welche in der Regel vom subjektiven Wahrnehmungsvermögen der Entscheidungsträger im entsprechenden Unternehmen abhängen und nicht objektiv gemessen werden 13 .
Die unterschiedlichen Krisenverläufe werden in erster Linie durch ihre Prozessdauer und die auftretende Prozessbeschleunigung charakterisiert. Die Prozessdauer ist der Zeitraum zwischen dem Beginn und dem Ende des Krisenverlaufs. Unter der Prozessbeschleunigung versteht man die Geschwindigkeit mit der die Krise ihre in Abschnitt 2.1.4 beschriebenen Phasen durchläuft. Überraschend auftretende Krisenprozesse mit schneller Beschleunigung und extrem kurzer Prozessdauer oder Verläufe mit allmählicher Beschleunigung und langer Prozessdauer sind beispielsweise Extremformen eines Krisenverlaufs 14 .
Für den Einsatz von Frühwarnsystemen sollte der Krisenverlauf durch eine möglichst lange Prozessdauer und eine langsame, kontinuierliche Prozessbeschleunigung gekennzeichnet sein, damit dem Unternehmen ein ausreichend langer Reaktionszeitraum zur Verfügung steht. Die Zeitspannen zwischen den oben genannten Kernbestandteilen sollten dafür möglichst gleich lang sein.
Vgl. K. Macharzina (1999), S. 516
11 Vgl. K. Macharzina (1999), S. 516
12 Vgl. H. Pohl (1977), S. 99-102; J. Leker (1993), S. 14
13 Vgl. U. Krystek (1987), S. 13
14
4
Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme
2.1.4. Krisenphasen
Um den Krisenverlauf präziser zu gestalten, wird der Krisenprozess üblicherweise in einzelne Krisenphasen unterteilt 15 . Nachfolgend wird ein Vier-Phasen-Modell angewendet, dass im zeitlichen Ablauf nach potentieller, latenter, akuter und Nach-Krisenphase unterteilt wird.
Das Vier-Phasen-Modell der Unternehmenskrise beginnt bereits in dem eigentlichen Normalzustand der Unternehmenssituation. Da hier noch keine wahrnehmbaren Krisensignale vorhanden sind, wird diese einleitende Phase als potentielle Krisenphase bezeichnet 16 .
Die latente Krisenphase ist erreicht, wenn die Unternehmenskrise bereits verdeckt vorhanden ist oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird 17 . Eine Wahrnehmung innerhalb des Unternehmens der sich entwickelnden Krise ist durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. durch Frühwarnsysteme jetzt möglich 18 . In dieser Phase sollte mit der Konzipierung von Präventivmaßnahmen begonnen werden. Auch wenn unternehmensinterne Entscheidungsträger die latente Krise eigentlich als solche identifizieren sollten, sind diese häufig zu wenig geschult und sensibilisiert, um eine latent vorhandene Krise zu erkennen 19 .
Unternehmensextern ist die drohende Krise noch verborgen. Nimmt die Unternehmensumwelt die Krise wahr und machen sich erste Auswirkungen in den betriebswirtschaftlichen Zielgrößen, wie z.B. beim Umsatz des Unternehmens bemerkbar, beginnt die akute Krisenphase 20 . Dass der Eintritt der Krise nicht abgewendet werden konnte, kann zum einen daran liegen, dass die unternehmensinterne Krisenvermeidung fehlgeschlagen ist Angefangen beim einfachen Zwei-Phasen-Modell reicht die Auswahl, der in der Literatur
15 aufgeführten Modelle, bis hin zu komplexen Sechs-Phasen-Modellen. (Vgl. P. Röthig (1976), S. 13- 14; U. Krystek (1987), S. 29-32) Vgl. M. Hauser (1988), S. 77-78
16 Vgl. K. Macharzina,(1999), S. 517
17 Vgl. K. Macharzina (1999), S. 517
18 Vgl. J. Hauschildt (1988), S. 3
19 Vgl. K. Macharzina (1999), S. 518
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Arbeit zitieren:
Sven Oldenburg, Sabrina Hollmann, 2004, Krisenfrüherkennung und Frühwarnsysteme, München, GRIN Verlag GmbH
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